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WMttjc Allgemeine Zeitung.

^ 1041 Dienstag den L. Mai 1832.

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumerationspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisschen VerwaltungSgebietes mit Inbegriff des Postaufscblages nur S fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland nur S fl. 84 kr. Jnsera te werden die dreisvattige Petitzeile oder deren Raum mit » kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch e lt en be r g' scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

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Uebersicht.

Zur Rübenzuckerfrage.

Deutschland. Wiesbaden (Der Erbprinz. Geschenk Sr. Hoheit deS Herzogs. Assisen). Hochheim und Montabaur (Zur Feier der Geburt des Erbprinzen). Alpenrod (Brand). Frankfurt (Der Herzog von Augustenburg. Did Bundesversammlung). Kassel (Haussuchung. TodeSurtheil. Der Bischof von Fulda). Stuttgart (Der Bechersche Proceß). München (Verlängerung der Landtagsperiode. Ermächtigung der Regierung). Berlin (Die Zollconferenz. Die Marine. Vermischtes). Bremen (Dulon). Oldenburg (Verlängerung der Landtagsperiode. Der Septemberver trag). Brake (Admiral Brommy). Von der Elbe (Der Schutzverein). Wien (Das bürgerliche Gesetzbuch. Erzherzog Albrecht. Reise deö Kaisers).

Frankreich. Paris (Beeidigung. Das Kaiserthuni. Ver­mischtes).

Großbritannien. London (Die dänische Erbfolge. Inter­pellation. Die Korngesetze. Der Glaspalast).

Italien. Turin (Pulvererplosion).

Asten. Bombay (Birmanenkrieg).

Neueste Nachrichten.

Zur Nübenzuckerfrage.

8 Vom Main, im April. Die Angelegenheit der preußischen Rübenzuckerinvustriellen ist noch im­mer zu keiner Entscheidung gelangt und es wird inzwischen von Seiten derselben alles Erdenkliche fortwährend ausgeboten, um die ihnen anarkündigle Steuererhöhung abzuwehren, auch, wie cS scheint, nicht ohne Erfolg. Wenigstens weiß man, daß sie einen Aufschub der sie betreffenden Entscheidung erlangt haben und Zeit gewonnen wie ein alteS Sprüchwort sagt AlleS gewonnen!

DaS Hauplargument der preußischen Rüben, zuckerinbustriellen gegen die Steuererhöhung bleibt: sie würden durch solche ruinirt werden, während sie gleichzeitig, schlau berechnet, die Aussicht stellen, sie würden, wenn man ihnen nur Zeit zur fer­neren Entwickelung ihres Betriebes lasse, nicht bloß jene, sondern eine noch stärkere Steuererhöhung sehr wohl tragen können. Der letztere Punkt, offenbar der wichtigste bei der ganzen Sache, ist aber, wenn nicht die Natur in der nächsten Zeit wahre Wun­der verrichten sollte, nichts als großartige Täu­schung, und nur wirkliche Unkenntniß oder mangeln­der Wille, sich angemessen zu unterrichten, können, sich solche aufbürden lassen. WaS durch sorgfältige, von der Wissenschaft unterstützte Bodenkultur ge­schehen kann, um den Zuckerstoff der Rübe zu vermehren, ist, wie man jetzt hinreichend weiß, erreicht und ein noch Weiterer der Art von irgend einer Erheblichkeit nicht zu erwarten. Die Natur der Rüde läßt eS einmal nicht zu, daß an Zucker­stoff von ihr in den günstigsten Fällen über 9 biS 11 pCl., im Durchschnitte über 7 und 8 pCk. ge­wonnen werden und irgend nachtheilige WilterungS- elnflüsse lassen eS nicht einmal zu dem letzteren Resultate kommen: in Deutschland wie in Frank- reich und andern europäischen Ländern. Die vorig­jährige Rübe hat, selbst in der ihrer Cultur so sehr günstigen Gegend, der Magdeburger, nach dem eigenen Geständniß der dortigen Zuckerfabrikanten, im Durchschnitt nicht über 6 pCt. Zucker geliefert. Auch der technische und ökonomische Proceß deS ZuckergewinnS aus der Rübe ist bereits so auSge- bilDet und vervollkommnet, daß kein irgend nennens- werther Fortschritt der Art mehr denkbar ist. Man hat in diesem Punkt, wie nicht zu leugnen, wahrhaft Außerordentliches erreicht, vermag aber nicht noch weiter zu kommen. Mit allem diesen stimmt auch Professor Liebig*) die erste Minorität der Gegen- wart auf dem Gebiete der Chemie und Physik fast ganz überein und damit ist nicht bloß die vorge­dachte AuSsichtöstellung der Rübenzuckcrinvustriellen völlig geschlagen, sondern zugleich hinreichend erwie- sen, daß die deutsche Rübenzuckerindustrie, auch wenn sie gar nicht höher besteuert wird, alS eS jeyt der Fall ist, dennoch unvermeidlich ihrem Tode und Ruin entgegen geht. Es wird und muß her- beigeführt werden durch die Concurrenz des tropi,

*) Wir verweisen auf den Artikel in No. 102.

schen Zuckerrohrs, welches mit seinem Zuckergehalt von 1830 pCt. in einem viel zu bedeutenden natürlichen Vortheil gegen die Rübe steht, als daß die letztere nur entfernt hoffen darf, auf die Dauer dagegen anzukâmpfcn. Selbst die Erhaltung der vollen ercesstven Steuergunst, welche sie bisher genoß, wird darin nichts ändern können, und wahr­scheinlich wird der Anfang jener tödtlichen Concur­renz schon bald hervortreten.

Der Ueberfluß am englischen Geldmarkt treibt u. 'M. auch dahin , den tropischen Gegenden mehr Capital zuzuwenden , und wie sich mit Sicherheit voraussehen läßt, wird ein wesentlicherTheil davon für eine Verbesserung deS dortigen Zuckergewinn« ProzesseS, der bis jetzt bekanntlich äußerst mangel­haft war, aufgeboten werden. Nur 3 bis 4 pCl. mehr Zuckerertraction auS dem Rohr, was noch immer wenig sagen will, und die ganze europäische Râbenzuckerproduction , will man sie nicht maßlos schützen, den fremden Zucker vielleicht ganz prohibi- ren, waS doch nicht zu glauben ist, liegt dann auf dem Rücken! Insofern erscheint eS denn auch als ziemlich gleichgültig, welche Entscheidung in Berlin getroffen wird. ES kann sich dabei nur um die Alternative handeln, daß die Rübenzuckerindustrie etwas früher oder später einpacken muß. DaS Re­sultat selbst kann nicht mehr zweifelhaft sein, wird aber natürlich immer ein sehr beklagenSwertheS sein. Nachdem 14 Jahre hindurch furchtbare Summen zum Schutze einer Industrie aufgewendet wurden, zeigt sich ihr Untergang dennoch als unvermeidlich, und eben so der Verlust sehr bedeutender, in ihr angelegter Capitalien: ein neues, sehr bedeutungs­volles Warnungözeichen gegen die staatliche Be­günstigung deS industriellen SckutzwesenS und noch um so beherzigenSwerlher, als sich klar absehen läßt, daß ein gleiches Schicksal, als der Rübenzuckerin­dustrie bevorsteht, etwas früher oder später jede künstlich geschützte Industrie treffen muß. Mit einem furchtbaren Kostenauswande bietet Rußland fort­während Armeen auf, um seine künstlich geschaffene Industrie in Zeugwaaren aufrecht zu erhalten, und eine Nachahmung dessen sehen wir jetzt an den österreichisch-ttalienischen Grenzen, doch AlleS ver­gebens. Während die letztbenannte Industrie in den geschützten Staaten höchst schneckenartig vor­schreitet, macht sie in England, seitdem dasselbe daS Freihandelsprincip adopiirt hat, unausgesetzt wahre Riesenforlschrllle, und gegen daS Einbringen ihrer immer billiger werdenden Waaren schützen auch zwei- und dreifache militärische Cordons nicht. Der leidige Schmuggel ist, mächtiger, als sie, und kommt gar noch, wie man jeden Augenblick erwarten kann, die Erfindung lenkbarer und wenig kostspieliger Luftballons hinzu, dann ist eS mit jener künstlichen Abwehr vollends vorbei! Jedenfalls wird auch in Betreff der Industrie die Unnatur der Dinge überall mit der Zeit unterliegen, und man wird in jedem Falle der Art, wenn auch zu spät, doch stets dann erkennen, daß man viel besser gethan hätte, statt die Unnatur der Dinge zu fördern, nie von der Natur derselben abzugehen. Man wird in diesem Punkt noch viel, sehr viel über kurz oder lang zu bereuen haben!

Deutschland.

Q Wiesbaden, 1. Mai. Von Seiten deS bischöflichen CommissariuS, Hrn. Dr. Wilhelmi dahier, ist die Verfügung an die protestantischen DekanatSbezirke ergangen, den Durchlauchtigsten Erbprinzen in daS sonntägliche Kirchengebet aufzu­nehmen, und deßhalb die OrtSgeistlichen sachgemäß zu instruiren.

3 Wiesbaden, 2. Mai. Ein in dem Laufe der vorigen Woche ergangener Erlaß deS bischöfl. Domkapitels zu Limburg .an sämmtliche Dekanate deS HerzogthumS verfügt auS Veranlassung der Geburt eines Erbprinzen die Abhaltung eines feier­lichen Hochamtes mit Te Deum in den katholischen Kirchen, sowie die Aufnahme deS durchlauchtigsten Erbprinzen in daS übliche Kirchengebet. Demgemäß fand heute in der hiesigen katholischen Kirche ein solcher Gottesdienst nebst entsprechender Predigt statt. Die hiesige Gemeinde indeß hat noch besondere Ursache zu innigster Theilnahme an der Freude un­

seres hohen Fürstenhauses, indem Se. Hoheit der Herzog, der schon beim Aufbau unserer-Kirche wie auch an der Vollendung derselben sich so gnädig und wohlwollend bewiesen, erst dieser Tage dem Herrn Decan Petmecky die Weisung zukommen ließ, für die noch fehlenden 10 Statuetten deS neu zu erbauenden Hochaltars keine weite Sorge tragen zu wollen, indem er deren Anfertigung schon dem rühmlichst bekannten Professor Hopfgarten über­wiesen habe. Somit verdanken wir seiner Gnade die schönsten Zierden deS Hochaltars, da Se. Hoheit uns auch schon die früheren 4 Statuen auSführen ließ.'

* Wiesbaden, 3 Mai. (Gegenstand der heu­tigen Assisenverhandlung ist die Anklage gegen Carl Jost von Idstein, 24 Jahre alt, Maurer wegen MeineidS.) Carl Jost ist angeklagt, in der Unter­suchung gegen Georg Reb sch er von Rothenberg, damals zu Idstein, wegen Schießens im OrtSbe- ringe, am 21. Jan. l. J. bei dem Herzog!. Justiz- aml zu Idstein wider besseres Wissen nach erfolgter Beeidigung als Zeuge falsch auSgesagt zu haben, er wisse nichts davon, daß Rebscher in der Neu- jahrSnachl geschossen habe, indem durch die Unter­suchung constatirt ist, daß der Angeklagte mit Georg Rebsch er in demselben Zimmer war, auS dessen Fenster Letzter eine Pistole abgefeuert hat. Jost schützt Trunkenheit vor. Nach Ergebniß der Unter« suchung war er nicht betrunken.

Die Verhandlung leitet Assisen - Vicepräsident Jeckeln; die Staatsanwaltschaft vertritt StaatS- Prokurator Reichmann, Vertheidiger deS Ange­klagten ist Proc. Cramer.

Die deS Diebstahls im Idsteiner Lan­tz eSarchiv Angcklagten sind von den Geschwornen für schuldig befunden und wurde Christiane RooS und Carl Höhler (letzterer mit Verschärfung(durch Beschränkung der Kost) zu 8 Jahren Zuchthaus; der Mitschuldige Jacob RooS zu 4 Jahren Zucht­haus, der Theilnehmer Jacob Höhler zu 8 Tagen Gefängniß verurteilt. Christiane RooS und Carl Höhler find überdieß noch durch 2 Jahre nach über­standener Strafe polizeilich zu beaussichtigen.

* Wiesbaden, 3. Mai. Im II. Quartal werden vor den Assisen deS hiesigen HofgerichtS noch die nachstehenden zwei Fälle zur Verhandlung kommen:

Freitag den 7. Mai, Wolf Metzler von Langenschwalbach wegen Verletzung eines Handge- löbnisseS an Eides Statt, und Gottfried Grau, lich von Dauborn wegen Diebstahl und Fälschung-

Hochheim, 30. April. Die hiesigen Hono­ratioren und eine recht hübsche Anzahl von Bür­gern fanden sich gestern Abend um 8 Uhr in dem schöngeschmückten Saale im Gasthose zum Schwan zusammen, um das freudige Ereigniß, welches un­serm erlauchten Fürstenpaar einen Prinzen bescheert hat, festlich zu begehen. Paffende Toaste und HochS auf den jungen Erbprinzen, seine erlauchten Eltern und das ganze herzogliche HauS wurden mehrere gebracht; man war fröhlich und guter Dinge und trennte sich erst heute Morgen gegen 2 Uhr. Die Einladung zu diesem Feste veranstaltete unser Herr Bürgermeister Diener, waS anerkennend hier noch bemerkt wird.

f Alpenrod, 30. April. Heute Nacht um 1 Uhr brach im Hause deS Bürgermeisters Feuer auS. Obwohl nun die Dorfbewohner wie die Umgegend AlleS aufboten, nm feiner ZerstörungSwuih entge­gen zu wirken, so lag doch alsbald nicht allein die genannte, sondern auch die unmittelbar anstoßende Wohnung in Asche. Wenn nun auch der hieraus erwachsene Schaden noch lange nicht verwunden wird, so muß eS doch für die Abgebrannten ein er­hebendes Gefühl sein, daß Einige nicht einmal ihr Leben achteten, um auS der Flamme manches Werth- volle noch zu retten. Nur einen guten Eindruck würde eS darum Hervorrufen, wenn Herzog!. KreiS- amt Hachenburg diese Männer der That ermitteln ließe und sie Herzogi. Ministerium zur möglichsten Berücksichtigung empfehlen würde. Was indessen die Ursache deS BrandeS ist, konnte selbst die ge­wandte Umsicht deS Herrn KretSamtSiecretärS Wiß­mann nach mehrstündigem Verhöre einiger in Ver-