Einzelbild herunterladen
 

Deutschland.

* Wiesbaden, 30. April. (Sitzung der ersten Kammer.) Präsident Graf Walderdorff zeigt der flammet an, daß Seine Hoheit der Herzog die Beglückwünschungsdeputation erster Kammer auf das Gnädigste empfangen habe und seinen Dank auSsprechen lasse. Nach Mittheilung eingegangener Petitionen stellt der Abgeordnete Bertram die Anfrage, ob Hoffnung vorhanden fei, ;daß die Ei. fenbahn von Deutz nach Wiesbaden zu Stande komme.

Die Ernennung deSHrn. v. Marsch all zum Bevollmächtigten der Frau Gräfin Giech wird anstandslos befunden, und ferner die Wahl deS zu Wiesbaden gewählten Abgeordneten Karl Müller von Maffenhrim genehmigt, dagegen die zu Limburg vorgenommene auf Hrn. G. Ruß gefallene Wahl für nicht gerechlfertlgt erklärt und die Regierung um Anordnung einer Neuwahl ersucht. Der Abg. Schütz rechtfertigt seinen Antrag, die jhohe Kam, wer wolle die Regierung ersuchen, im §. 7. deâ Wahlgesetzes vom 25. Nov. v. I. den Satz,über beten Erheblichkeit die Kammer entscheidet", zu streichen, oder eine authentische Interpretation der­selben zu geben. Der Antrag wird in Erwägung gebracht und zur Prüfung uud Berichterstattung ein Ausschuß gewählt, bestehend auS den Mitgliedern Bellinger, v. Syberg, v. Löw. Abg. Los­sen rechtfertigt seinen in früherer Sitzung gestellten Antrag, die Regierung zu ersuchen, bei den Zoll- conferenzen in Berlin die fernere Erhaltung und Erweiterung des Zollvereins zu vermitteln, weiter aber nach Herbeiführung eines Zoll« und Handels, Vertrags mit Oesterreich', der später zu einer Zoll- und HandelSeinigung führen könne, zu streben. (Wir werden ^te ausführliche und sehr gründliche Rechtfertigung dieses Antrags mittheilen.) Der Antrag wird von Schütz mit hauptsächlicher Rück­sichtnahme auf die politische Bedeutung desselben unterstützt. Die Kammer beschließt mit allen ge­gen zwei Stimmen (v. Marschall und Müller) den Antrag in Erwägung zu ziehen.

Der zur Prüfung desselben gewählte Ausschuß besteht auS den Mitgliedern Graf v. Walderdorff, Trombetta, v. Syberg, Müller, Kraus.

Abg. Lossen erstattet Bericht über den Gesetzent­wurf die Pensionirung der Offiziere betreffend. §. 1. desselben wird angenommen, 8.2. dagegen gestrichen, das Gesetz in dieser geänderten Fassung einstimmig angenommen.

Abg. Schütz erstattet Bericht über daS Gesetz, daS VereinSwesen bett. DaS Gesetz wird mit eini­gen von der Commission beantragten Aenderungen mit allen gegen eine Stimme (von Eck), ange­nommen.

Am Schluß der Sitzung zeigte Präsidium der Kammer an, daß die Abgeordneten Höchst und Krauß folgenden Antrag gestellt hätten, als:die Unterzeichneten tragen darauf an, hohe Kammer wolle beschließen, die StaatSregierung zu ersuchen, dieselbe möge den Landständen einen Entwurf zu einem anderrveiten, aus die seit Einführung deS Gemeindegesetzes vom 12. Oct. 1848 gemachten Er­fahrungen gegründeten Gesetze, die Verfassung und Verwaltung der Gemeinden, sowie die Rechte der Gemeindeb ürger und die Erwerbung deS Gemeindebürgerrechts betreffend, zur Prüfung und Annahme baldigst und noch in gegenwärtiger Sitzungsperiode vorl.» gen", und forderte die Antragsteller auf, denselben in nächster Sitzung zu rechtfertigen.

Aus der gestrigen Sitzung der vereinigten Kam- mein haben wir noch folgendes nachzutragen:

Eine Minorität des Ausschusses zur Prüfung des Budgets der Lehranstalten beantragte noch, der Herzoglichen Regierung den Wunsch auSzusprechrn, daß dieselbe bei der Anstellung von Lehrern an den höhern Lehranstalten dke Bestimmung deS §. 1 Alinea 2 des Höchsten EdiktS vom 22. Juni 1844, wornach eine gleiche Anzahl Lehrer der katholischen und evangelischen Confejfion anzustellen, möglichst im Auge behalten möge.

Dieser Antrag wurde mit einer Majorität von 3 Stimmen verworfen.

Für den MinoritâtSantrag stimmten: v. Wal­derdorff, Wirth, Bellinger!, v. Eck, v. Syberg, Trombetta, Metzler, Kraus, Höchst, Bertram, Lossen, Schütz, Schwi- kert, Rau, Heydenreich, Reichmann. Gegen den Antrag stimmten: v. Marschall, Schellenberg, Vogler, Kapp, Schäfer, Münch,. Ulrich, Bitzer, E. ».Marschall (I. Kammer), v. Löw, Keim, Halbey, Wil­helmi, König, Lang, Eigener, DomboiS, Möller, Rullmann.

DaS Mitglied erster Kammer, welches bei der Debatte über den evangelischen Kirchensenat daS Beuehmen der beiden gestern genannten Abgeordne­ten rügte, war der Abg. v. Syberg. Durch ein Berschen war der Name desselben nicht angeführt worden.

+ Wiesbaden, 30. April. Am Ostermontag haben die Jünglinge von Hahnstätten und Kalten­holzhausen an ersterem Orte eine Schlägerei gehabt,

bei welcher dem Johann Herrmann von Hahn­stätten eine bedeutende Kopfwunde beigebracht wurde. Derselbe ist am 27. d. M. an dieser Verwundung gestorben. Das Crtminalgericht von Dillenburg be­findet sich an Ort »nd Stelle die Thäter zu ermit­teln und sind bereits schon einige dieser Helden- jünglinge nach Dillenburg abgeführt worden.

Die Waldbrânde fangen auch an bei unS ge­regte Besorgnis zu erregen, da sich dieselben in der letzten Zeit vermehrt haben. So brannte noch am 27. b. M. eine Fläche von 30 35 Morgen junger Wald in der Gemeinde Dauborn ab. Der Verdacht absichtlicher Anlegung liegt leider allzunahe. Unsere Demokraten scheinen auch hierin dem Bei­spiel, daS ihnen von Frankreich aus gegeben wird, folgen zu wollen. DieMittelrh. Ztg." beklagt sich bitter darüber, daß nach einer Verordnung der pfälzischen Regierung allen, Gemeinden, in deren Bezirke noch Waldbrände auSbrechen, alle vergün- stigungSweise zugestandenen StreuwerkS- und Lese- Holzbewilligungen eingezogen werden sollen.

x Wiesbaden, Ende April. Unter deu groß­artigen Kunstschöpfungen W. v. Kaulbach'S für daS Museum zu Berlin nimmt das Gemälde «der Thurmbau zu Babel" eine hervorragende Stellung ein.

Dem Vorstande des Nass. Kunstvereines zu Wiesbaden ist eS in seiner schon vielfach bewährten Rührigkeit gelungen, den Carton zu diesem herr­lichen Gemälde von Herrn v. Kaulbach für einige Zeit anvertraut zu erhalten und soll derselbe bei und nach einer zum Besten der Nothleidenden deS HerzogthumS in diesen Tagen von dem Vorstände dieses Vereines zu vrranstaltendeen Academie, in welcher unter andern ein Vortrag über Kaulbach'S Meisterwerke, namentlich über daS Gemäldedie Zerstörung von Jerusalem" gehalten werden wird, während mehrerer Tage zur Ansicht des Publikums im AuSstellungS-Locale deS Nassauischen Kunst- Vereins (Concertsaal deS Theaters) ausgestellt werden. ,

Man erlaubt sich die Kunstfreunde von Nab und Fern auf diesen außergewöhnltchen Kunstgenuß einstweilen aufmerksam zu machen und dieselben auf die demnächst erscheinenden Publicationen über die veranstaltete Academie sowohl, wie über die Tage der Ausstellung deS fraglichen Carton'S zu ver­weisen.

: II; Limburg, 28. April. Nicht minder groß, als in anderen Orten des Landes war auch hier die Theilnahme an dem glücklichen Ereignisse der Geburt des Erbprinzen. Die Stadt entsandte zur Beglückwünschung eine Deputation, »estehenv auS dem Bürgermeister Hart stein und den Gemeinde­rathsmitgliedern Krämer und Horn, welcher sich der in Wiesbaden weilende Landtagöabgeordnete Trombetta, der ebenwohl zum hiesigen Gemein- derath gehört, anschloß. Wie wir vernehmen, so sind die im Namen der Stadt dargebrachten wohl­gemeinten Glückwünsche von Sr. Hoheit dem Herzog huldvoll entgegengenommen worden.

Am 27. fand im Gasthause zumNassauer Hofe" zur Feier ein Abendessen statt, wobei der Kreisbeamte die hohe Wichtigkeit des Ereignisses auSeinanverfetzte, und dann einen Toast ausbrachte auf daS Wohl Er. Hoheit deS Herzogs, Ihrer Hoheit der Frau Herzogin und deö erlauchten Erb, Prinzen, worin die Versammlung in freudiger Er­regung einstimmte. Kommenden Sonntag wird zur Feier der Geburt des Erbprinzen solenner Gottes­dienst abgehaltkn werden.

t Weilburg, 28. April. Die hiesige Stadt ist in dem Ausdruck ihrer ,Freude über das unserem Fürstenhause und Vaterland zu Theil gewordene Glück durch die Geburt eines Erbprinzen nicht zu­rückgeblieben. Kaum war am 23. früh durch eines Freundes Boten, der in der Nacht zuvor von Wies­baden hierher geeilt war, die erfreuliche Kunde von der glücklichen Geburt deS ersehnten Prinzen angelangt, so versammelte sich alSbald der Ge­meinderath und entsandte auS seiner Mitte eine GratulationSdeputation von 3 Mitgliedern, welche sofort von hier abreiste, den Abend zu Wiesbaden ankam und am Samstag von Sr. Hoheit dem Her­zoge im Schlosse zu Biebrich sehr gnädig empfan­gen wurde. Am ersten Abend nach Ankunft der frohen Botschaft versammelten sich die hiesigen Honoratioren zu einem Festball und eine Anzahl Bürger trat zusammen und beschloß, ein Festessen im Gasthof zum Schwan.

Die Nachricht von dem bedeutungsvollen vater­ländischen Ereignisse hatte sich schnell auch aufs Land umher verbreitet, und schon am Sonntage viele Landleute herbeigezogen. Der Marktplatz war an diesem Tage gedrängt voll Menschen, als die Bürgergarde nach Beendigung des Gottesdienstes daselbst vor dem versammelten Gemeinderathe zum ersten Mal mit ihren neuen Helmen bekleidet, die sich neben der schmuckvollen Uniform trefflich auS- nahmen, Parade machte. Um 5 Uhr Nachmittags versammelten sich die Bürger in einer so großen Zahl, wie der Raum deS GafthauSsaalrS kaum zu fassen vermochte, zum Festessen.

Vor dem Gasthof, gegenüber dem auf der an­dern -Lahnstile, auf hoher Felsenwand thronenden Stammschlosse waren die Kanonen aufgefahren und die anwesende Herzog!. Regimentömusik in Beglei­tung deS Geschützdonners stimmte harmonisch ein in den Toast, welcher dem hohen, zu so großen Hoffnungen- berechtigenden Neugebornen, so wie dem so reichbeglückten erlauchten Elternpaare unter einigen ausdrucksvollen Worten gebracht wurde. Der allgemeine Einklang der Herzen sprach sich in der lebhaften Freude aller Anwesenden auS, die bis zur späten Abendstunde anhielt, wo sich daS schöne Fest unter ergreifender Musikbegleitung mit dem von Allen angestimmten VaterlandSliederHeil, unserm Herzog Heil"! schloß.

+ Hachenburg, 29. April. Der in Nr. 109 betNass. Allg. Ztg." erwähnte Zapfenstreich war nur der Vorläufer deS Festes zur Feier der Geburt unseres Erbprinzen, welches gestern Nachmittag 4 Uhr durch Glockengeläute und Böllerschüsse einge- leitet und Abends im herzoglichen Schlosse abgehal« ten wurde.

DaS Schützencorps und die Casinogesellschaft im Verein hatten einen Ball arrangirt, wobei alle Stände vertreten waren und welcher zur Zufrieden­heit der Theilnehmer ausfiel. Der Saal war ge­schmackvoll decorirt, mit demhBilbniffe Sr. Hoheit deS Herzogs uuv der Frau Herzogin Adelheid ge­schmückt und diese umgeben von Fahnen in den nas­sauischen und dessauischen Landesfarben. Die Dilet- tanlenmusik des SchützencorpS war vortrefflich. Ihr verdanken wir jetzt manche heitere Stunde und sie liefert den Beweis, wie Fleiß und Ausdauer die größten Schwierigkeiten zu überwinden vermögen. Die Bereitwilligkeit aller einzelnen Mitglieder des Vereins, zur Förderung des geselligen Vergnügens verdient öffentliche .Anerkennung. Der von dem Herrn Forstmeister v. Nachtrab unter dem Don­ner der Geschütze ausgebrachte Toast auf das Wohl Sr. Hoheit deS Herzogs, der Frau Herzogin, deS Erbprinzen und des ganzen Herzogl. HaufrS wurde mit großem Beifall aufgenommen.

DaS Fest war der Würde deS Tages angemes­sen und endigte unter allgemeiner Heiterkeit nach zwei Uhr Morgens.

V Dillenburg, 28. April. Im I. Quartal 1852 wurden von dem Herzog!. Hof- und Appel- lationSgerichte zu Dillenburg nachstehende Erkennt­nisse erlassen.

Es wurden verurtheilt I. zu CorreetionS, hauS strafe:

1) Friedrich Pa tkin f o n, angeblich auS-Nord- america, wegen Betrugs, Landstreicherei und Unter­schlagung, auf 1 Jahr;

2) Siegfried Kroppach zu Hof, Justizamts Marienberg, wegen Landstreicherei, auf 1 Jahr;

3) Andreas Meudt zu Bilkheim, JustizamtS Marienberg, wegen Landstreicherei und Bettelns, auf 1 Jahr;

4) Heinrich Schell sen. zu Langenbach, Ju- ftizamtS Marienberg, wegen Körperverletzung, auf 1 Jahr;

5) Johann Heinrich Michel zu Nochern, Ju­stizamts St. Goarshausen, wegen Landstreicherei und Bettelns, auf 1 Jahr und 3 Monate;

6) Johann Heinrich Leyendecker zu Han­werth, Justizamts Hachenburg, wegen Diebstahls mittelst Einbruchs, auf 1 Jahr und 6 Monate;

7) Georg Daniel Marr auS Bindenkopf int Großherzogthum Hessen, wegen Landstreicherei, Bet­telns, Widersetzung und Beleidigung, auf 2 Jahre;

8) Johann Georg Meyer zu Nister, Justiz. amtS Hachenburg, wegen wiederholter Diebstähle, auf 2 Jahre und 6 Monate;

9) Franz Itstein auS Eibingen, JustizamtS Rüdesheim, wegen Landstreicherei und Bettelns, auf 3 Jahre;

10) Anton Becker zu Marienrachdorf, Justiz- amtS SelterS, wegen Körperverletzung, auf 3 Jahre;

11) Katharine Kreckel zu Langendernbach, JustizamtS Hadamar, wegen Landstreicherei, auf 3 Jahre;

II. zu Zuchthausstrafe:

12) Katharine Viet ermann zu Eibelshau­sen, JustizamtS Dillenburg, wegen Diebstahls und Landstreicherei, auf 2 Jahre und 6 Monate;

13) Philipp KöS auS Oellingen, JustizamtS Marienberg, wegen Diebstahls, auf 2 Jahre.

Darmstadt, 30. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog begeben sich mit Gefolge heute Mittags nach Karlsruhe, um daselbst der morgen stallfindenden Beisetzung deS höchstseligen Großher- zogS Leopold von Baden beizuwohnen.

DaS Verbot der Verwendung von Kartoffeln zum Branntweinbrennen betreffend wird vom 1. Mai d. I. an außer Wirksamkeit gesetzt, daS Ver­bot deS Ankaufs von Kartoffeln durch Branntwein­brenner bleibt bis auf weitere Verfügung in Kraft.

München, 25. April. (K. Z.) Nachdem erst vor wenigen Tagen daS DiSciplinargesetz in der zweiten Kammer durchgefallen ist, hat daS Mini­sterium schon wieder eine Schlappe, und zwar dies-