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Mssauische Allgemeine Zeiwng

M 85

Freitag den S April

1852»

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PränumecationSpreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Postaufschlages nur 8 ff., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland nur 8 ff. 84 fr. Jnfera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Wegen des Charfreitags erscheint morgen kein Blatt.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Verordnungen, Nachwahlen zu den Ständekam­mern und die Wahl der Beiräthe zur Landes- bank-Direction betr.

Dienstnachricht.

Nichtamtlicher Theil.

Die Berliner Ziollconferenzen.

Deutschland. Wiesbaden (Ordensverleihung). Elt­ville (Demokratie und (ConstitutionaliSmuS). AuS dem Kreisamt Höchst (Güterconsolidatiou). Aus der oberrh. Kirchenprovinz (Thätigkeit im Innern und nach Außen). Frankfurt (Ehrenbecher für den Prinzen Hohenlohe). Darmstadt (Wiedereinführung der Todesstrafe. Abreise der diplomatischen Notabilitäten).

Kasse l (Haffenpflug). Leipzig (Freisprechung).

Radeberg (Verhaftung). Osnabrück (Die Ver­fassungsangelegenheit). Berlin (DaS Elfenbahnsteuer- gesetz. Vorkehrungen für den Nichtwiedereintritt der süd­deutschen Zollvereinsstaatcn). Wien (jv. Bruck. DaS Schlußprotocoll der Zollconferenzen. Vermischtes).

Frankreich. Paris (Eidesabnahme. Der neue Cardinal. Die Journale. Die Dotation. Der Bruder des Cardinals Antonelli. Vermischtes).

Großbritannien. London (Wahl).

Italien. Rom (Amnestie. Fürst Canino. Die Osterfeier).

Neueste Nachrichten.

Amtlicher Theil.

Derord nung

(Die Anordnung der Wahl eii aes andern Abgeordneten izur ersten Kammer der Ständever/ainmlnng an die Stelle.des Anton GergenS zu RüdeSheim betr.)

Höchster Entschließung zufolge ist an die Stelle deS gewählten Abgeordneten Anlon GergenS zu RüdeSheim, welcher die auf ihn gefallene Wahl ab­gelehnt hat, ein anderer A bgeordneter zur ersten Kammer von den Höchstbestew Wien.Grundbesitzern im sechsten Wahlkreis (Aeo iter Höchst, Hochheim, Wiesbaden, Eltville und Rüd eSheim) zu wählen.

Die Wahl, welche von bei i in der Wählerliste L, Beilage zu Nr. 3 deS Verordw ungSblatteS vom Jahr 1852 pos. VI. Seite 29, 30 verzeichneten Höchstbe­steuerten Grundbesitzern deS gt mannten Wahlkreises vorzunehmen ist, soll

Montag den 1 9. Apr il d. J. zu W i eS,- baden, unter dem Vorsitze deâ Herzoglichen Kreis, amtmanneS daselbst als W ahlcommissariuS, statt» finden.

Der über daS Resultat derV^ahl zu erstattende Bericht ist nebst den Wahlacten spätestens binnen vierundzwanzig Stunden nach Beendigung der Wahl von dem WahlcommissariuS dahier vorzulegen.

Wiesbaden, den 7. April HS52.

Herzog!. Nassauisches StaatSt Ministerium. 3

Wittgenstein.

. vdt. Grimm.

(Die Anokdüüng der Wahl eines anderen Abgeordneten zur zweiten Kämmet der Ständeversammlung i m XX. Wahlkreis an die Stelle des ausgetretenen Abgeordneten Philipp RegeS von Eschborn betr.)

Höchster Entschließung zufolge ist an die Stelle id'es ausgetretenen Abgeordneten Philipp RegeS von Eschborn ein anderer Abgeordneter zur z weiten Kam- wer der Ständeversammlung in dem XX. Wahlkreis (Amr Höchst) zu wählen.

Diese Wahl ist nach §. 34 deS ' Wahlgesetzes durch die am 9. Februar d. I. gcwäl )lten Wahl- mânn er deS bezeichneten Wahlkreises x wrzunehmen und s oll

Ld amstag den I 7. A pri l d. J. zuHochst, unter Dtm Vorsitze deS Herzoglichen Krei SamtmannS tafelt statlfinden.

Der nach Maßgabe deâ 8. 32 deS i Wahlgesetzes über daS Resultat der Wahl von dem Wahlcom- miffa ,riuö zu erstattenden Bericht ist nebst den Wahl­

akten spätestens binnen vierundzwanzig Stunden nach Beendigung der Wahl anher einzusenden.

Wiesbaden, den 7. April 1852.

Herzog!. Nassauisches StaatSministerium.

Wittgenstein.

vdt. Grimm.

(Die Wahl der Beirâthe zur LandeSbank-Direction betr.)

Zufolge der Bestimmung in 8. 2 deS Gesetzes vom 16. Februar 1849 sind als Beiräthe der Lan- deSbank-Direclion für daS laufende Jahr von der Ständeversammlung gewählt worden:

1) Heinrich Trombetta von Limburg,

2) Christian Bertram von Wiesbaden und

3) Jacob Müller von Ellwille, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.

Wiesbaden, den 7. April 1852.

Herzog!. Nassauisches StaatSministerium.

Wittgenstein.

vdt. G ri mm.

(No. 13 deS Verordnungâbl. vom 7. April 1852.)

Dienstnachricht.

Seine Hoheit der Herzog habender von dem Grafen von Leiningen - Westerburg , Er­laucht, erfolgten Präsentation deS Forstcandidaten Adolph Flindt von Wiesbaden als Oberförster zu Westerburg Höchstihre Bestätigung zu ertheilen geruht.

Nichtamtlicher Theil.

Die Berliner Zollconferenzen

Die Neue Münchner Zeitung bringSauS Nassau" einen Artikel über die Berliner Zollcon, ferenzen und die dort geltend zu machenden Grund­sätze, der von großer Bedeutung bleibt, mag er nun wirklichauS Nassau" herrühren , oder nur für Nassau berechnet sein.

Die Sprache, welche von preußischen Organen auS Anlaß der bevorstehenden Berliner Zollconferen- z-n geführt wird, über DaS, was dort geschehen dürfe und zugelaffen werde und waS nicht, ist wahr­haft komisch. Man sollte glauben, Preußen stehe den übrigen Zollvereinsregierungen wie ein gebie­tender Herr seinen Untergebenen gegenüber; eS handele sich im Zollvereine nicht um einen Bund gleichberechtigter Staaten, die im Verhältnisse der Koordination zu einander stehen und daher auch ein unabhängiges Wort mitzureden haben über den bei den Verhandlungen einzuschlagenden Gang und die dabei zulässigen Anträge; sondern eS bestehe vielmehr ein Verhältniß der Unterordnung, wo der eine Theil Preußen sein sic volo, sic jubeo auSspricht, die andern aber, vorsdessen Machtspruch mit gehorsam- stem Respecte sich beugend, sich wohl zu hüten haben vor dem Quos ego, daS Den bedrohen würde, der eS wagte, eine von Preußens Meinung abweichende Ansicht laut werden zu lassen und Anträge in diesem Sinne zu stellen. Die Organe, die dergleichen Lä­cherlichkeiten zu Tage fördern, bedenken wohl nicht, daß sie der Erhaltung des Zollvereines, die sie zu vertreten vorgeben, in solcher Weise und durch solche Sprache geradezu entgegenwirken, den Zollverein gleich einer societas leonina hinstellen, in welcher dem einen Theile frei stünde, für sich alle Vortheile der Herrschaft in Anspruch zu nehmen, den andern aber blos die Rolle deS Zusehens, deS Geschehen­lassens , deS passiven Gehorsames zugetheilt wäre. Ich bin weit entfernt zu glauben, daß diese Organe, wenn sie auch von Berlin auS ihre Stimme ver­nehmen lassen, wirklich die Ansichten der preußischen Regierung aussprechen. Diese ist sicher viel zu klug, um nicht zu sehen, daß die Annahme eines solchen

ToneS, einer solchen Haltung nur geeignet wäre abzustoßen, zu entfremden, zu scheiden, Verbindun­gen zu trennen, die zu erhalten Preußen mehr als irgend ein anderer Staat deS Zollvereines daS größte Interesse hat. Diese Organe wollen in ihrem Eifer für Preußens Interesse und Machtvergrößerung preußischer sich geriren als Preußen und seine Re­gierung selbst. Wir unsererseits wünschen die Er­haltung deS Zollvereins und seine Erweiterung, aber auf Grundlagen, welche auch wirklich allen einzelnen Theilen ihr Recht und ihre Unabhängigkeit in Ver­tretung ihrer eigenen Interessen sichern, und diese nicht den Interessen eines einzigen Theiles opfern. Wir können daher auch die wohlbegründeten Be­denken nicht unterdrücken, die unS die Absicht Preu­ßens erregt hat,daS Princip der Majoritätsbe­schlüsse" , wenn auch vorerst nur mit Beschränkung auf gewisse scheinbar untergeordnete Fragen, in den Zollverein rinzusühren, und wir hoffen, daß kräftige Stimmen sich gegen dieses Princip auf den bevor­stehenden Berliner Zollconferenzen erheben werden. Gerade weil man in Berlin so sehr auf die poli­tische Seite der ganzen Frage Nachdruck und Beto- nung legt, werden unsere Bedenken gegen die Ein­führung dieses Prinzipes überhaupt im Zollvereine, zumal im Hindlicke auf die Erfahrungen der letzten Jahre, welche die von Preußen befolgte Politik an die Hand gibt, nur noch mehr bestärkt. Denn hätte man dieses Prinzip einmal theilweise zugelaffen, Wer stünde uns dafür, daß man demselben nicht allmälig noch weitere Ausdehnung zu geben suchte, und dann der Widerstand nur noch schwieriger sein würde? Hier mehr alS je ist eS also am Platze, Denen, die den Beruf dazu haben, am rechten Orte unsere Interessen geltend zu machen, den Grundsatz inS Gedächtniß zurückzurufen: principiis obsta i Wir wollen die Erweiterung deS Zollvereines, aberin wahrhaft deutschem, nicht blos preußischem Sinne und Interesse"; wir wollen sie in dem Sinne, daß auch die für die Zukunft und Machtstellung Deutsch­lands so hochwichtige Zoll- und HandelSeinigung zwischen Deutschland und ganz Oesterreich endlich zur That werde. WaS Oesterreich jetzt bietet, be­rechtigt unS zu den freudigsten Erwartungen; man wird die von Oesterreich gebotene Hand nicht schnöde von sich stoßen wollen und die vereinigten Stimmen deS ganzen Südens und Westens von Deutschland, ja eines großen Theiles deS Nordens selbst in die­sem Puncte, werden gewiß ein Gewicht in die Wag- schale legen, daS seine Wirkung thuen wird trotz aller Bestrebungen, DaS zu verhindern, waS sich nun einmal nicht mehr abwenden läßt. Wahre, richtige, in dem Bedürfnisse der Gesammtheit be­gründete Ideen sind stets, trotz aller entgegengesetz­ten Hindernisse zur Verwirklichung gelangt.

Deutschland.

* Wiesbaden, 7. April. Bei der am 5. d. M. in Gotha abgehaltenen Gedenkfeier deS Eckernförde, Tages hat Se. Hoheit der Herzog Ernst vor Sachsen-Coburg den beiden bei dem denkwür digen Seegefechte ebenfalls betheiligt gewesener Herzog!, nassauischen Oberlieutenants der Artilleri Werren und v. Haveln den Herzog!, sächstsâ ernestinischen HauSorden verliehen.

( Eltville, 6. April. Die neueste Nummer 8 der Mittelfreien Zeitung bringt auf unseren Artike vom 25. d. M. unter der Aufschrift:auS de, Rheingau" eine Entgegnung, die schon burt ihre stylistische Schönheit gerechten Anspruch hc auf daS unserem Artikel zugestanvene Beiwort famoS.

WaS nun die unserem Artikel darin vo geworfene Verdächtigung gegen die Demokrat« anbrtrifft", so sind solche wie wir richtig vorhe sagt in der von unS neulich ausgesprochenen At ficht von der Aufgabe und Tendenz der Demokrat gefunden, hiermit also behauptet, daß die Demokrat die Vernichtung jeder monarchischen Regierung nid anstrebe I wird sich vielleicht der Herr Corresponde