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»Wiesbaden, 4. April. Ein Correspondent der Franks. Post-Ztg." schreibt über die hier anwesen­den Missionäre u. A. Folgendes: Nach dem, was ich von kompetenten Sachkenner über Pater Roh während der Mission in Mainz vor Kurzem gehört hatte, war ich heute mit großen Erwartungen von den Leistungen desselben in die hiesige, mit Zuhörern von hier, Mainz und der Umgegend auS allen Ständen und Konfessionen ungefüllte katholische neue Pfarrkirche gegangen, muß aber gestehen, daß meine Erwartungen nicht nur vollkommen befriedig», sondern weit übertroffen worden sind. Pater Roh ist durch seinen klaren, natürlichen Verstand und durch seine scharfe Logik zum Missionär geboren und befriedigtdie Zuhörer der verschiedensten Bi!« dungöstufen. Ein besonders sehr wohIlhuendeS Ge­fühl war eS mir, daß und wie er den Tausenden von Zuhörern auseinanversetzte und sie bat, eS wei­ter zu verkünden, daß sie, die Missionare, nicht hier­her gekommen seien, um eine Demonstration zu ma­chen, oder um den religiösen Frieden einer gemisch­ten Bevölkerung zu stören oder gar um Politik zu treiben, die ihnen alS Religiösen ganz fremd liege.

Wie wir auS einem unS zugekommenen Refe­rate vernehmen, werden die Vorträge nunmehr außer der schon bezeichneten Ordnung insofern ihren Fortgang nehmen, als Pater Haßlacher die Früh-, Pater Schmute die Nachmittags- und Pater Roh die Abendpredigten abhalten wird.

Unser Berichterstatter gibt folgendes Urtheil über die Reden der Missionäre ab: Eine jede ein- zelne Rede müssen wir wegen ihrer Klarheit, Ein­fachheit bei der würdevollsten Haltung alS Meister­werk christlicher Beredtfamkeit bezeichnen. Während die Kanzelvorträge der PP. Haßlacher und Schmute sich neben scharfer Logik durch tiefeS Gefühl charakterisieren und auf Gemüth und Ver- stand zugleich wirken, sind die deS Pater Roh ganz besonders den Willen erregend. Die Kanzelvortrâge wurden bis jetzt stets vor einem sehr zahlreichen und der Gesinnung und dem CultuS nach sehr ver­schiedenen Auditorium gehalten und sind von der Art, baß Jeder, der Erbauung sucht oder für diese empfänglich ist, sie auch finden kann.

Nächsten Mittwoch und Donnerstag Nachmittag werden die StandeSprebigten ihren Anfang nehmen, am ersten Tage die für die Eltern, am zweiten für Kinder, d. h. Alle, welche kindliche Pflichten zu er­füllen haben.

-T- Vom Westerwald, Ende März. Der Ar­tikel, welchen Ihr Blatt vom 23. d. M. auS dem KreiSam.te Limburg über den Zeichenunterricht brachte, hat mir eine herzliche Freude gemacht, obgleich er mich zugleich beschämte, darum, weil ich unsere Schulgesetze vom Jahre 1817 so wenig kannte, daß ich nicht wußte, wie dasjenige, was ich alS neues Gesetz wünschte, längst in angemessener Weise vor­gesehen war. Zur Entschuldigung meiner Unkennl- niß deS betreffenden Gesetzesparagraphen mag in« dessen einiger Maßen seine fast gänzliche Nichtbe­achtung in der schulmânnischen Praxis unseres HerzogthumS dienen. Wie trefflich waren überhaupt viele Gesetze vom Jahre 1817 und wie wenig sind sie oft inS Leben eingedrungen. Wir wollen jetzt sehen, welche Schulinspectoren ihre Schuldigkeit thun, um ein für unsere ganze Wohlfahrt so wich­tiges Gesetz endlich nach einem Menschenalter, wo es eine weit tiefere Bedeutung erhalten hat, zu ver­wirklichen. Die Presse muß aus besten Ausführung dringen. Wir werden auch unser Scherflein dazu beitragen. Gelingt eS der Presse, den Zeichenunter­richt zu der ihm gebührenden Stellung in unserer Volksschule zu erheben; indem sie ihm zugleich einen neuen Anstoß aus den Lehrerseminarien verleiht, so wird dies nicht eines ihrer geringsten Verdienste sein. Wir hoffen, daß Ihr geehrter Correspondent aus dem Kreisamte Limburg, welcher ein tüchtiger Kenner der Volksschule, ihrer Bedürfnisse und Hülfsmittel zu sein scheint und damit eine warme Theilnahme für einen gediegenen Fortschritt des Volkslebens verbindet, unsere Angelegenheit nicht auS den Augen verlieren wird. Wir vertrauen um so mehr auf eine glückliche Entwicklung derselben, da wir vernommen, daß auch der Schulreserenl unseres Landes für eine Erweiterung des Zeichen- unterichtS auf unsere Schulen gestimmt sei. Stre­benden Lehrern ist einstweilen schon freies Felv er­öffnet ; um so mehr, da Ihr Correspondent ihnen so bewährte und zugleich so wohlfeile Hülfsmittel angibt.

Frankfurt, 6. April. (Fr. P.-Ztg.) Am Schluß der erwähnten gestrigen Versammlung deS allge­meinen deutschen Verein- zum Schutz der vaterlän­dischen Arbeit wurde folgender Antrag angenommen: Der Verein begrüßt, seinen leitenden Grundsätzen getreu, die beabsichtigte Einigung deS Zoll- und SteuervereinS mit lebhafter Freude und ersucht zu­gleich sein Präsidium als erste und höchste Aufgabe die Reconstituirung deS Zollverein zu erstreben, ohne jedoch dabei die Abschließuug einer Zoll- und Han« VelSübereinkunft deS Zollvereins mit Oesterreich aus den Augen zu verlieren". Se. Durchl. der Prinz Felir zu Hohenlohe wurde sovann zum Präsidenten dsS Vertins wieder gewählt.

Ein Vorschlag, die Artikel der Verfassung über die Bildung der zweiten Kammer in einer diese dem System der BcrufSvcrtreiung näher führenden Rich­tung zu modificiren, hat, wie uns glaubhaft ver­sichert wird, nicht mehr als drei Unterschriften er, langen können. ES gab sich überall die Ueberzeu­gung zu erkennen, daß kein Vorschlag zur Aende« rung der Grundlagen der zweiten Kammer in der­selben auf eine Majorität zu zählen sein würde. Die erste Kammer hat sich bis zum 19. April vcr« tagt.

Die Commission der zweiten Kammer zur Prü­fung der Handelsverträge hat einen Bericht über den mit Hannover unterm 27. Jan. d. J. abge­schlossenen StaaiSvertrag, betreffend die Ausführung der Eisenbahnen von Emden nach Münster und von der Köln-Mindener Eisenbahn über Osnabrück und Rheina bis zur niederländischen Grenze, erstattet und beantragt, diesem Vertrage nebst den beiden zugehörigen Protocollen die verfassungsmäßige Zu­stimmung zu ertheilen.

Bremen, 1. April. (H. C.) Wie wir hören, werden seitens der Gegner DulonS Unterschriften unter den Mitgliedern der Liebenfrauengemeinde zu einem Mißtrauensvotum gegen Dulon gesammelt. Da Dulon seine bisherige Stellung schon durch den Erlaß deö Senats vom 2, v. M. verlieren dürfte, so scheint der Zweck dieser Demonstration nur der zu sein, zu beweisen, daß Dulon jetzt auch die Majorität seiner Gemeinde nicht mehr für sich habe. Einige von den bisherigen bürgerschaftlichen RechnungSführern, so berichtet der heutigeVolks- freund", sollen die Verantwortlichkeit, der ihnen ge­wordenen Aufforderung zur Auslieferung der ver­wahrten Rechnungen, Documente 2C nachzukommen, nicht über sich genommen haben.

Wien, 2. April. Der Bischof von Trier, Dr. Arnoldi, ist auf seiner Reise nach Rom hier an­gekommen.

Dem Vernehmen nach ist nunmehr über die künftige Stellung deS Handelsministeriums, so wie über dessen Verhältniß zum Finanzministerium, und zwar in der Weise entschieden worden, daß künftig­hin beide Ministerien ihre einheitliche Leitung beb behalten werden. Der Geschäftsgang zwischen bei­den soll durch die Anordnung, daß, mit Beseitigung, der bisherigen Correspondenz in Notensorm, nur die bezüglichen Referate zur gegenseitigen Einsicht zugesendet werden, sehr an Einfachheit gewinnen. Dem Institute deS UnterstaatSsecretariatS, so wie jenem der leitenden Chefs der einzelnen Sectionen dieser Ministerien, soll bei diesem Anlasse eine er# weiterte Wirksamkeit eingeräumt worden fein/* so daß fernerhin nur die Geschäfte von bedeutenderer Wichtigkeit der unmittelbaren Entscheidung deS Ministers vorbehalten bleiben würden.

Im Arsenal zu Venedig herrscht große Thätig­keit; die eine Fregatte naht ihrer Vollendung, zu der anderen ist bereits der Kiel gelegt. Auf der Insel San Giorgio Maggiore wird an den Be­festigungen ernstlich gearbeitet; es wird daselbst ein Fort errichtet, welches die Canäle von Malamocco und dem Lido, so wie den Markusplatz und den Kai der Slavonier beherrschen soll.

Wie im Wesentlichen übereinstimmende Nach­richten auS Konstantinopel und Kairo melden, so berichtet dieOesterreich. Correspondenz", wäre die ägyptische Differenz einem entscheidenden Wendepunkte nahe gerückt. Fuad Effendi, ein Ver­trauter deS GroßvezierS und bekannt als einer der gewandtesten Diplomaten der Pforte, der vor Kur­zem noch den Posten eines Vorstehers in einem Militärspitale bekleidete, aber mit ungewöhnlicher Geschicklichkeit sich in daS ihin bis dahin fremde Fach eingearbeitet hat, ist mit wichtigen, für jetzt noch geheim gehaltenen Aufträgen nach Kairo ent­sendet worden. Wie man weiter vernimmt, wäre die Stimmung der leitenden Staatsmänner des Di­vans immer noch eine gereizte und ein AbsetzungS- decret gegen den Vicekönig AbbaS Pascha soll nicht zu den undenkbaren Singen gehören. Einstweilen hat Herr Anderson daS k. britische Ministerium be­züglich dieser Angelegenheit im Unterhause interpel- lirt und von dem Schatzkanzler d'JSraeli die be­zeichnende Auskunft erhalten, daß England daS wichtigste Interesse habe, sich der beiden streitenden Theile anzunehmen, daß ihm der Bestand der Pforte nicht weniger alS der ungeschmälerte Bestand deS VicekönigS in Aegypten dringend am Herzen liege, daß jedoch eben deßhalb im Augenblicke eine Vor­lage der betreffenden Papiere, ohne SlaatSgefahr, nicht möglich sei. Dieser Erklärung schloß sich denn auch Lord John Russell vollständig an, und wir können daraus entnehmen, daß England daS ganze Gewicht seines Ansehens und seiner In jenen Gegenden hochgehaltenen Macht in die Wagschale werfen wird, um einen Zusammen­stoß zu hindern, dessen Folgenschwere wahrhaft unübersehbar sind.

Wir hoffen und wünschen, daß eS den ernsten und redlichen Bemühungeir des gegenwärtigen bri­tischen CabinetteS gelingen werde, eine Beilegung des schwebenden Streites herbeizusühren, der nur deßhalb eine gefährliche Beschaffenheit angenommen

München, 2. April. Hr. DönnigeS hat einen ' unfreiwilligen Urlaub auf 6 Monate erhalten, soll eS aber vorgezogen haben, feine Stellung alsBib­liothekar und Vorleser" des Königs ganz anfzuge- ben und ist bereits abgcreis't. Nach derD. A. Z." wird Hr. DönnigiS eine Reife nach Athen, Konstan­tinopel, Smyrna und Jerusalem machen. Ob er für die erste Station seiner Tour mit diplomatischen Aufträgen betraut wird, ist ungewiß.

Am Mittwoch Mittag, so erzählt Zanders Volköbote, ist von dem Hoftheater - Intendanten Dingelstedt ein unerhörter Anfall auf den Re­dacteur desJocuS" verübt worden, welcher in sei­nem Blatte die Theatergeschichten in anderer Weise bespricht, als der Redacteur deSPunsch" und der VolkSbötin" (zwei rothe Blättchen), der bekanntlich ein Dützbruder und häufiger Tischgenosse deS Hof- thealer-Jntendanten ist. Der Redacteur deS JocuS, Herr Vogt, hat im Odeon ruhig am Fenster ge­standen und von dort der großen Parade zugeschaut, als er auf einmal von hinterrücks (eine sehr wohlfeile und vielleicht deshalb nicht unbeliebte Art, seinen Muth zu kühlen) einen heftigen Schlag auf den Kopf erhält, wodurch ihm der Hut bis über die Augen heruntergedrückt wird. Als er den Hut wieder in die Höhe bringt, sieht er den Hoftheater- Intendanten Dingelstedt hinter sich stehen, der ihn wiederholt aus aller Kraft mit einem langen Stocke über den Kopf schlägt. Der Mißhandelte flüchtet sich zur Thüre , aber noch vor derselben erhält er mehrere Kopshiebe, wobei die Stücke deS Stockes davon fliegen. Schwer verletzt und betäubt erreicht er seine Wohnung, wo er übel und ohnmächtig wird, so daß alsbald ärztliche Hilfe nothwendig ge­worden ist und er noch gegenwärtig mit großen Schmerzen zu Bette liegt. Dies ist der Sachver­halt eines Auftrittes, den wohl Niemand, der auf Ehre Anspruch macht, ohne Empörung hören und ohne seine volle Entrüstung darüb-er auszusprechen, weiter erzählen wird.

Braunschweig, 31. März. Am Schlüsse der gestrigen Sitzung der Abgeordnetenversammlung wurde ein Schreiben deS StaatSministeriums ver­lesen, in welchem die Versammlung ersucht wird, eine Commission zu erwählen, welcher die Regierung die zu erwartenden Propositionen hinsichtlich der Zollverhältnisse deS Landes während der bevorstehen­den Vertagung zur Begutachtung vorlegen könne. Die Wahl einer solchen Commission fand die Billi­gung der Versammlung.

Elberfeld, 3. April. (Elbf. Z.) Der Herr HandelSminister v. d. Heydt ist so eben, 10 Uhr Abends, mit dem letzten Eisenbahnzuge hier ange­kommen.

Berlin, 3. April. DieGefion" und der Barbarossa" werden vorläufig nach Swincmünde geführt werden. DerLithogr. Corr." zufolge spricht man anunterrichteter Stelle" bereits davon, daß eines der Schiffe in Kurzem eine längere UebungS- reise nach America antreten werde; wegen Ueber­nahme der Matrosen und Offiziere der BundeSflotte in preußische Dienste würden auch sehr bald Ver­fügungen getroffen werden.

DaS Gesetz wegen Besteuerung der Eisenbah­nen ist dem Vernehmen nach in den Berathungen deS StaatSministeriums zum Abschluß gelangt und wird den Kammern sofort nach den Osterferien zu- gehen.

Der Abgeordnete Graf CießkowSki hat mit vierzehn anderen polnischen Abgeordneten der zweiten Kammer den folgenden Antrag vorgelegt und den­selben mit einer mehr als vier Druckbogen starken | Molivirung begleitet:Die Kammer wolle beschlie- | ßen , der königlichen Regierung die Erwägung an- Heim zu geben, auf welche Weise und in welchem I Umfange dem lang gehegten Wunsche der polnischen | Bevölkerung und dem dringenden Bedürfnisse nach einer akademischen Lehranstalt in Posen baldmög­lichst genügt werden kann, und in dieser Hinsicht die nachcheilige Ausnahmestellung, welche das Groß« Herzogthum Posen allen Provinzen des preußischen Staates gegenüber einnimmt, einiger Maßen zu heben".

Ein hiesiges Handlungshaus, daS schon seit mehreren Jahren amerikanischen Mais in bedeutenden Quantitäten bezogen, hat nun in die­sem Jahre so große Bestellungen davon erhalten, daß man daraus die immer weitere Ausbreitung der MaiScultur im Lande entnehmen kann, welche, nach dem Urtheile unserer besten Landwirthe , eine förmliche Umwälzung in der Agrikultur herbeifüh­ren wird.

Berlin, 4. April. Der erhebliche Rückgang der Getreidepreise, welcher hiesige Getreide- Händler zum Theil ernstlich bedroht, rechtfertigt die von unserer Regierung eingenommene Haltung, die jeder Beschränkung deS Handels abhold war, voll­ständig. Auch ein weiterer Rückgang der Kartoffel­preise ist zu erwarten. Die Zufuhr von Kartoffeln nimmt hier bedeutend zu, und die Bauern, die in Hoffnung auf den 3 Sgr.-PreiS ihre Vorräthe zu« rückhielten, bringen dieselben jetzt iu Markte.