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Schweiz.

Die Verhältnisse in Neuchatel sind eben interes­sant. Zwei Tage vor den Großrathswahlen brachte derRepudlicain NeuchateloiS" noch einen Artikel, welcher darauf berechnet scheint, die confervative Opposition niederzuschmettern und wo möglich einen HochverrathSprozeß gegen dieselbe zu motiviren. Seit der Revolution von 1848 gibt eS bekanntlich eine große Zahl achtungSweriher Leute in diesem Lande, welche mit der Staalsveränderung nicht ein­verstanden sind und den früheren Zustand dem jetzi­gen vorzüziehen, ja gibt Seifte unter ihnen, welche behaupten, die seitherige RegierungSweise habe die Anhänger deS alten Systemes eher ver­mehrt als vermindert. Wie Dem auch fei , eS ist längst bekannt, daß gar viele Neuenbur­ger daS Heil ihres Landes nur von Herstel­lung der alten StaatSform erwarten. Unter diesen hat sich aber schon seit längerer Zeit eine Meinungsver­schiedenheit ergeben über die Frage, ob die ihrem Fürsten getreuen Neuenburger an politischen Wahl- Verhandlungen Theil nehmen sollen oder nicht. Schon im Jahre 1848 hat der König von Preußen dieses dem Ermessen eines Jeden anheimgestellt. Seit Wochen hat man nun im Hinblicke auf die bevorstehenden GroßrachSwahlen diese Frage hin und her erörtert, und bekanntlich hat sich der von Alt- StaatSrath Calm» redigirteNeuchateloiS" für die Theilnahme ausgesprochen. DerMpublicain" bringt nun zwei Schreiben von Hrn. v. Chambrier auS Berlin, welcher feit dem Tode deS Kanzlers Favarger durch den König zu Dessen Nachfolger er­nannt wurde. Diese Briefe mahnen von der Wahl ab, vertrösten auf diplomatische Hilfe und warnen ernstlich vor jeder Fusion mit den gemäßigten Re, publicanern. Im Ganzen sind eS die allen Ver­tröstungen, womit man seit Jahren die Royalisten von Berlin auS beschwichtigt, ^unD womit man sie zu veranlassen sucht, wegen sehr zweideutiger Hoff­nungen für die Zukunft die Gegenwart Preis zu geben und auf gesetzliche Selbsthilfe zu verzichten. Ob die Schreiben, die derRspublicain" veröf­fentlicht, ächt sind, wissen wir nicht, innere Gründe gegen deren Aech'heit sehen wir keine, obschon eS denkbar wäre, daß man durch Verfertigung solcher Schreiben von radicaler Seite her die Theilnahme der Conservativen an der Wahl hätte hindern mögen. Aber fragt sich, wie kommt der Repudlicain zu diesen Briefen, deren letzter aus Berlin 23. März dann sein sost? Vergleiche man doch die Daten: ein am 23. März in Berlin geschriebener Brief erscheint am 26. in einem radicalen Neuenburger Blatte! Ist der Brief wirklich an seine Adresse gelangt und in so kurzer Zeit von da in radikale Hände, oder, wie steht es mit dem Poftgeheimniß?

Belgien.

Brüssel, 27. März. (K. Z.) Die Repräsen­tantenkammer hat heute in geheimem Comite die Berathung über den Zusatzvertrag zu dem am 1. Sept. 1844 mit dem Zollvereine abgeschlossenen Vertrage beendigt und sodann denselben in öffent­licher Sitzung mit 41 gegen 2 Stimmen angenom, men; 18 Mitglieder halten sich der Abstimmung enthalten. Blos die Herabsetzung deS EingangSzollS auf gewisse Gattungen von ShawlS war im gehei­men Comite von einigen Seiten auf Mißbilligung gestoßen.

Der Senat hat an die Stelle seines im Januar l. I. verstorbenen Präsidenten Dumortier einstimmig den Fürsten de Signe gewählt.

Frankreich.

Paris, 25. März. Der Senat und der gesetz­gebende Körper sind heute Mittag im Marschalls­saal der Tuilerien feierlich in ihre Amtsthätigkeit eingeführt worden. Der Akt war war von impo» nirender Natur; die Feier selbst verlief in größter Ordnung. Der Prinz-Präsivent nahm prâciS 1 Uijr seinen Sitz ein und verlas mit fester Stimme dle Eröffnungsrede. Er gab in derselben seine Freude zu erkennen, daß er endlich im Stande, sich der dicraiorischen Gewalt zu entkleiden, welche das Volk nach dem 2. December ihm übertragen habe. Mit gerechtem Stolz wies er auf die Veränderung hin, welche seine Regierung in der Lage deS Lan­des herbeigeführt habe, und erklärte dann, auf seine rastlosen Bemühungen, alle Werke deâ Frie­den« zu fördern, Bezug nehmend, wie eS sein an- geleqenisteS Bestreben sei, mit den übrigen Mächten Europa'S aus freundschafilichem Fuß zu leben. Am Schluß berührte der Prinz-Präsident die Frage von der Umwandelung Frankreich in ein Kaiserreich uud erklärte, daß eine solche nie von ihm beasichtigl worden sei; wie oft auch sich ihm die Gelegenheit ge­boten habe, eS zu thun. Es gebe nur einen Fall, welcher ihn möglicherweise veranlassen könne, wegen eines andern Titels an das Volk zu appelliren, der nämlich, wenn die Leidenschaften der Anarchie wie­derum versuchen sollten, daS Land zu verwirren und

den Erfolg fber nun im Fortschreiten begriffenen Verbesserungen zu zerstören. Jetzt, wie immer, sei eS sein Wunsch, alleS für Frankreich zu thun, nichts für sich selbst. LouiS Napoleons laS die Rede mit fester Stimme, die Passagen, welche daS Kaiser- thum und die Verhältnisse zum Auslande berühren, besonders hervorhebend, ihren Schluß bezeichnete der enthusiastische Ruf:Vive Napoleon! DaS ge- fammte diplomatische CorpS applauvirle, als Louis Napoleon von der Nothwendigkeit deS Friedens sprach. Die Mitglieder deS Senates und der gesetz­gebenden Versammlung leisteten dann den Eid der Treue gegen den Prinz-Präsidenten und die Ver­fassung, der ihnen von dem StaatSminister v. Ca- sabianca vorgesprochen wurde. Die Deputaten, Die beim Aufrufe ihrer Namen nicht antworteten, also Den Eid nicht leisteten, waren De Curiac, Legrand, Henon, Cavaignac und Carnot. (Siehe unten die telegraphische Depesche)

Ein komischer Zwischenfall erregte große Heiter­keit, die der Prinz-Präsident selbst theilte. Der Aufruf der Senatoren war beendet, als Herr von PortaliS, Präsident des CassationShofeS, sich er­hob und ebenfalls verlangte, Den Eid zu schwören. Sein Name war vergessen worden. Bekanntlich hat Herr von Partalis bereits sehr viele Eibe ge­schworen.

Auch heute wieder füllt derMoniteur" fast zwei ganze Seite mit neuen Dekreten deS Prinz- Präsibenten. DaS erste betrifft Die neue Institution von Bodencreditgejellschaften und besteht auS einem einzigen Artikel, welcher ausspricht, die Regierung werde für jede Bank den äußersten Umfang der Annuitäten bestimmen, mittelst welcher die Tilgung der Schuld zu bewerkstelligen ist. Dem folgt ein Decret, welches die Bildung einer auS 31 Mit­gliedern bestehenden Bank genehmigt, unter denen der vormalige Minister Fould, der Vicepräsident deS Senats Drouyn de LhuyS, Der vormalige Mini­ster Leo Faucher, der Herzog von Mouchy, Benoist, d'Azy, Graf v. Gasparin, Graf Napoleon Daru und der vormalige Minister Pasiy aufgezählt sind. DaS Decret bestimmt alS garantirtes GesellschastS- capital die Summe von 25 Millionen in Aktien von je 500 Fr. und erklärt, daß die Periode für Tilgung der Schuld durch Annuitäten nicht unter 20 und nicht über 50 Jahre betragen soll. Die Bank ist ermächtigt,, zinsentragendeâ Papiergeld (Pfandbriefe bis zum Betrag der auf Grundsatz bargeliehenen Summen auszugeben. Ein anderes Decret bestimmt Die Gehalte der Prâfecten und Un- terpräfecten.. Die Präfecten sollen in drei Classen eingetheilt werden: Die der ersten bekommen 40.000, die Der zweiten 30,000 und die Der dritten 20,000 Fr.; der Srineplssfect erhält ausnahmsweise 50,000 Fr. Auch die Unterpräsectcn theilen sich in drei Elasten mit je 8000, 6000 und 4500 Fr. Ein viertes Decret modlficirt die Zuckerzölle.

Ein anderes Decret betrifft Verwendung, Be­handlung, Belohnung und Bestrafung der aus den BagnoS nach Guyana übergeführlen Sträflinge. Wieder ein anderes Decret verfügt, daß die den Senatoren kraft Art. 22 der Verfassung durch Einzel- becrete zu bewilligenden Dotationen weder mit Be­schlag belegt noch cedirt werden können, auch von Dem Gesetz, welches für Personen, die mehr als eine Funciion bekleiden, Die Cumulation der Ge­halte verbietet, nicht berührt sein sollen. Ein folgendes Decret setzt eine Priesterschaft für die dem Gottesdienst zurückgegebene St. Genovevakirche ein, die aus sechs Kaplänen und einem Dechanten be­stehen soll. Als ihre Obliegenheiten bezeichnet das Decret: 1) für Frankreich und die Todten, welche in Den Gewölben Dieser iKirche begraben liegen, zu Gott zu beten, unk 2) sich selbst zu Predigern auSzubilden. Der Dechant erhält 4000, ein Kaplan 2500.gr. Außerdem sind 5000 Fr. für Herstellungs­kosten in Der Kirche bewilligt.

DaS folgende Decret nimmt. ausschließlich wissenschaftliche, künstlerische und landwirthschafiliche Zeit- und Druckschriften von der Stempelabgabe auS; lassen sich aber solche Blätter oder Schriften in Politik ein, so verfallen sie den Bestimmungen deS neuen PreßgesetzeS. Ein anderes Decret über­weist dem Minister der öffentlichen Arbeiten, behufs verschiedener öffentlicher Werke, in den Departement ten PaS de Calais, Corsica, Der Eure und der Nievre gelegene, dem Staat gehörige Gebäude und Grundstücke. Wieder ein anderes Decret vermehrt auf Bericht deS Generalpolizeiministers die Anzahl der Polizeicommistäre in Den Departementen und erweitert deren Befugnisse. Dann folgt ein De­kret, welches die Befugnisse der Bank von Frank­reich, Vorschüsse nur auf französisches Werthpapker und BonS der Stadt Paris zu geben, erweitert. Ein anderes Decret verbietet auf dem französischen Staatsgebiet den Nachdruck, sowie den Vertrieb auswärts erschienender Werke. Das folgende ist ein Amneftiedecret für die Deserteure Der Handels­marine. Noch andere Decrete betreffen den Häriugö- fang, den Canal von Beaucaire, die Presse in Algerien rc.

In der neuen Senatorenliste ist zweierlei aus­gefallen : einmal, daß sie die Namen der Herren v. Grouchy und v. Bourgoing, deren Ernennung in Flöge ihrer Gesinnung und Verdienste man zuver­

sichtlich erwartete, vermissen läßt, und daun, daß auch der Erzbischof von Paris Senator geworden ist, was auf eine Versöhnung desselben mit dem Elysee hindeutet. Die apostolische Legation soll die­sem Ausgang nicht fremd sein; sie habe, sagt man, den Prinz.Präsidenten zur Wahl und den Prälaten zur Annahme veranlaßt. Die Zahl der Senatnren, welche eine jährliche Dotation von 30,000 Fr. erhal­ten, beläuft sich schon, weil man in politischen Krei­sen sagt, auf 30. Die betreffenden Decrete sind noch nicht veröffentlicht.

Die Eisenbahnangestellten sind fortan der Ueber« wachung der öffentlichen Verwaltung unterworfen, welche unter Darlegung ihrer Gründe die Absetzung jedes Dieser Angestellten fordern kann. Diejeni­gen der im Cass Dänemark und zu DatignolleS verhafteten Personen, Deren Freilassung nicht erfolgt ist, haben bereits mehrere Verhöre bestanden. ES sind meistens Deutsche und Italiener; doch befinden sich auch einige Franzosen darunter, in denen man entlaufene Sträflinge und Contumacialverurtheilte erkannt hat, deren Deportation harrt. Bei den Nachsuchungen in Den Wohnungen der verhafteten Ausländer hat man viele socialistische und revolu­tionäre Schriften, Briefe der eraltirtrsten Londoner Flüchtlinge ic. vorgefunden.

Viele hiesige Fabrikanten haben daS Mißgeschick gehabt, Adler anfertigen zu lassen, die nach links schauen, während sie nach rechts schauen sollen. Der Polizeiminister hat die Redacteure eines großen Oppositions-Journals zu sich kommen lassen und sie zu größerer Mäßigung in ihrer ohnehin schon ziem­lich schüchternen Polemik aufgefordert. Die Kosten deS von einer Gesellschaft projectirten GlaSpalasteS in den elyseeischen Feldern sind auf 7 Mill. Fr. be­rechnet; derselbe soll zu Kunst- und Industrieaus­stellungen rc. dienen und der Staat wird ein Zins« Minimum garantiren. DaS" betreffende Decret soll nächstens erscheinen.

Mehrere französische Flüchtlinge haben in Lissa­bon um die Erlaubniß angehalten, sich in Portugall niederzulasse».

DieKöln. Ztg." bringt folgende mysteriöse Andeutung: Vor einiger Zeit sprach man von einer 'gewissen Kälte zwischen dem Präsidenten der Re­publik und Persigny. ES scheint, daß dieselbe, waS Persigny anbelangk, keine weiteren Folgen gehabt hat. Man versichert sogar, daß derselbe einen ein­flußreichen Posten erhalten wird. Gestern Abend reiste dagegen die bekannte englische Dame nach London ab. Der Doctor C. gab ihr daS Geleite und soll ihr auch zuerst Den Paß für England ein* gehändigt haben. Die englische M>ß hat freiwillig Frankreich nicht verlassen.

ES wird Die Rückkehr deS Herrn Changarnier und deS ThierS nach Frankreich als nahe bevor­stehend angegeben, dabei aber nicht gesagt, ob dies in Folge eines Gesuches der Verbannten, oder durch bedingungsloses Anerbieten der Regierung geschehen soll. Ein auS Belgien heimkehrendeS Mitglied der aufgelösten Legislative erzählt über einen Be- such bei Changarnier in MonS, daß derselbe bei Der Besprechung der Eventualität der Besetzung Belgiens durch französische Truppen geäußert habe: Für diesen Fall müßte ich daS Waffenglück den Franzosen wünschen würde die Rückkehr nach Frankreich verlangen und im Verweigerungsfalle mich nach England oder Italien zurückziehen".

Diese zwei Angaben sind schwer zu vereinigen und da Die zweite verbürgt wird kann man durch sie nur die Besorgnisse wegen internationaler Verwickelungen mit Belgien für bestätigt halten.

Paris, 30. März. (Tel. Dep. d. Köln. Z.) Der gesetzgebende Körper hat seine Bureaux consti- tulrt. In einem Collectiv - Schreiben weigern Ca­vaignac, Carnot und Henon den Eid, waS als Demission angesehrwwirb.

Großbritannien.

London, 27. März. Die Antikorngesetzliga von Manchester wächst an Ausdehnung und Ein­fluß; ihre Fonds haben bereits die ungeheuere Summe vvn 66,500 Pfd. St. (nahezu 800,000 fl.) erreicht.

DerPrinz Regent" von 90 undSa Hogue" von 60 Kanonen sind in Portsmouth «»gekommen und vermehren Die Dort liegenden Seetruppen bis zu 7000 Mann und daS Dampfbooigefchwader zu einer Gesamwtmacht von 3700 Pfcrdekraft. Laßt man jedes Der nun in PoriSmouth liegenden Schiffe nur zehn Meilen weit kreuzen, so ist Die englische Küste von Sheerneß bis zur Insel Wight bewacht und gedeckt.

London, 29. März. DerMorning Herald" berichtet Heuke Folgendes:Wir sind zu der Er­klärung ermächtigt, daß die imGlobe" enthaltene Ankündigung, daS Parlament werDe höchst wahr­scheinlich am oder um den 27. Mai aufgelöst wer­den, gänzlich unbegründet ist.