Nassauische Allgemeine Zeitung.
M 73.
Freitag -en 26» Marz
1832»
Neues Abonnement.
Auf daS mit dem 1. April 1852 beginnende neue Quartal laden wir hiermit zu geneigten Abonnements ein.
Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationöpreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Po st regulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisscheu Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Poffauffchlages 2 fL, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fL 241 Er.
Durch den „amtlichen Theil" dieser Zeitung gelangen Kundmachungen der Regierung am frühesten zur Kenntniß deS PublicumS. Die Assisen und Landtagsverhandlungen werden mit möglichster Schnelligkeit und Ausführlichkeit mitgetheilt. Ueber die Vorfälle und Zustände im Lande sowie von außenher berichten zahlreiche und zuverlässige Correspondenten, während der für Wiesbaden äußerst günstige Postverkehr es ermöglicht, die Nachrichten aus Norddeutschland, Belgien, England, Frankreich, Italien rc. früher, andere gleichzeitig mit den in der Umgegend erscheinenden Blättern zu bringen.
Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" erfreut sich deßhalb einer bedeutenden, stets zunehmenden Verbreitung und eignet sich dadurch besonders zur Veröffentlichung von Anzeigen aller Art. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet.
Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern zu machen L^° Reklamationen neu eingetretener Abonnenten veranlassen uns zu der Erklärung, daß es bei der im vorigen Quartal zugestandenen Begünstigung sein Verbleiben habe und daß die neuen Abonnenten auch dießmal vom Tage ihrer Beitrittserklärung au das Blatt erhalten werden.
Uebersicht.
Amtlicher Theil.
Dienstnachrichteu.
Nichtamtlicher Theil.
Rosas' Sturz.
Deutschland. Wi eSbad en (Die StaatSerigenz. Meyer).
— Aus dem Maingrund (Die Nachwahl. Das neue
Maß und Gewicht). — Frankfurt (Die „O.-P.-A.-Z." General Jacobi. Sir Mallet). — Stuttgart (Berta- gung des Landtages). — Dessau (Der VerfassungSent- wurf). — Hannover (Der Flottencongreß). — Köln (Vcrurtheilung). — Berlin (Das Gesetz über die Schwur- gerichte. v. Varennes. Verfügung, Eisenbahnbeamte bctr. Die Reise deS Königs. Die Zeitungssteuer). — Bremen (Die Frauenpetitiou). — Hamburg (v. d. Horst. Der dänische Reichstag). — Wien (Die Rentenconversion in Frankreich. Die „Marianne". Der Zolltarif. Die englische Bibelgesellschaften).
Frankreich. Paris (Die neuen Ehrenmedaillen. Das neue Aiilehen. Thiers. Vermischtes).
Türkei. Mekka (Die Walhabiten).
America. New-Bork (Koffuth).
Neueste Nachrichten.
Amtlicher Theil.
Seine Hoheit der Herzog haben den Wegbauaccessisten Muffet zu RüdeSheim als Ac- cessist an die Kreisbaumeisterei Limburg mit dem Wohnsitz zu Hadamar, den Wegbauaccessisten Krekel zu Idstein in gleicher Eigenschaft nach RüdeS« heim zu versetzen und den Bauaccessisten Gödecke zu Wiesbaden zum Wegbauaccessisten für den KreiS Idstein zu ernennen geruht.
Seine Hoheit der Herzog haben den Oberförster Scheuch von Driedorf nach Herschbach, den Oberförster Keller von Herschbach nach Driedorf, den Oberförster Alberti von NiederselterS nach Wallrabenstein und den Oberförster Gerstner von Cronberg nach NiederselterS zu versetzen, den OberforstamtSaccesfisten Wohmann zu Wiesbaden zum Oberförster zu Brandoberndorf zu befördern, den nach Wallrabenstein bestimmt gewesenen OberforstamtSaccessisten Scheurer zu Hachenburg zum Oberförstereiaccessisten zu Eltville und den Ober- sörstereiaccessisten Schwab zu Eltville zum Ober- forstamlSaccessisten zu Wiesbaden zu ernennen geruht. —
Seine Hoheit der Herzog haben den pensionirten Unteradjutanten Bast zum Brunnenverwalter zu Fachingen gnädigst ernannt.
Nichtamtlicher Theil.
Rosas' Sturz.
Wir haben der La Platafrage bisher nur eine flüchtigere Beachtung geschenkt, und versuchen eS, die Aufmerksamkeit unserer Leser, welche durch die einzelnen in den politischen TageSneuigketten zerstreuten Berichte nicht genügend gefesselt werden konnte, auf einen umfassenden Bericht zu lenken, den die „Times" auS Anlaß der endlichen Lösung dieser wichtigen Frage bringt. Derselbe enthält
einen genauen geschichtlichen Ueberblick über die letzten Ereignisse auf der südlichen Spitze America'S und Betrachtungen über die Zukunft der argentinischen Conföderation.
Mit Freuden, schreibt die „TimeS", haben wir die Kunde von der entscheidenden Schlacht bei Santos LugareS am S. Febr. vernommen, welche nicht blos die vieljährigen Feindseligkeiten an den Ufern deS Rio de la Plata (d. h. SilberstromS) beendigt, sondern auch die Regierung deö Diktators von BuenoS-AyreS gestürtzt hat, der auf einem britischen Schiff Schutz zu suchen genöthigt war. Rosa'S Flucht im Gewand eines Matrosen und seiner Toch» ter, der oftgenannten Donna Manuelita, in der Verkleidung als Schiffsjunge, unter dem Schutze derselben Flagge, die er so oft trotzend beleidigt, ist ein paffender AuSgang seiner melovramischen Geschichte. In der Stunde der Gefahr findet eine Regierung wie die deS Rosa'S keine Unterstützung bei dem eignen Volke, daS so oft unter ihrer Grau- fnmfrit 11 na ihren La NN Lil ^ezfttert, Dr« Atmühk. rung eineS^ffèlMtchen HeereS ist das Signal zur Befreiung; und mit Ausnahme verlose verbundenen GauchoShorden., die gefürchtet die Pampas durchstreiften, aber nicht im Stande waren, den Angriff regelmäßiger Truppen auszuhalten, hatte RosaSalle WiderstandSmittel verloren. Schon mehrere Wochen vorher, seit der Entsetzung Montevideo'- und der Erscheinung deS verbündeten brasilisch-orientalischen HeereS am Parana, äußerte sich die Bevölkerung von BuenoS-AyreS mit ungewohnter Redefreiheit.
Die Politik der Regierung wurde nun laut in Worten getadelt, welche noch wenige Monate zuvor mit der Folter oder dem Tode bestraft worden wären, und der Schrecken, durch den allein eine solche Gewalt sich so lange behauptet hatte, verwandelte sich rasch in offene Verachtung. DaS erste CorpS der RosistaS (b. h. Anhänger deS RosaS) das dem Feinde nach dessen Uebergang über den Parana entgegengeschickt worden, ging alsbald zu Urquiza über. DaS moralische Ansehen der BuenoS- Ayreser Regierung war zerstört, ehe sie auf der Ebene von SantoS LugareS, wenige Meilen von der Hauptstadt, ihre letzte Karte ausspielte. RosaS scheint seinen Sturz als unvermeidlich vorauSgesehen zu haben; denn seine Thätigkeit in den letzten Wochen seiner Regierung war vielmehr darauf gerichtet, Subsistenzmittel für sein bevorstehendes Eril zu sammeln, alS kräftige Anstalten zur Vertheidigung des argentinischen Gebietes zu treffen. Die Hauptmasse seines ungeheueren Vermögen-, die aus Ländereien und Heerden besteht, wird natürlich der siegenden Pariei zu Theil, und sollte von Rechtswegen an den Staat heimfallen.
Rosa-, das haben wir nie in Abrede gestellt, entwickelte in der Regierung eines rohen und unlenksamen Volkes gewisse Fähigkeiten, und seine Verwaltung, wie tyrannisch sie auch war, hatte gewisse Vorzüge vor den unaufhörlichen Unruhen und Umwälzungen, von denen bis dahin die meisten der spanischen Ansiedelungen am Plata-Strom zerrüttet waren. Er fand eS in seinem Interesse, den britischen Handel in BuenoS-Ayres zu schützen und zu begünstigen; aber seine ganze Politik hatte den Zweck, daS Uebergewicht und Monopol dieses Ha- fenplatzeS über alle umliegenden mit ihm rivalisiren- den Städte zu begründen. Daher suchte er Monte, video durch fortgesetzte Feindseligkeiten langsam zu Grunde zu richten, und eS gelang ihm die prächtigen Binnenstuffe, die einen so leichten natürlichen Zugang zu jenen. weiten Landstrichen, Santa Fs,
EntrerioS und Paraguay darbieten, dem europäischen Handel zu verschließen. Die parteiische Unterstützung, welche RosaS eine Zeitlang bei der englischen Regierung und ihren diplomatischen Agenten fand, war einer von den größten politischen Fehlern. Indessen wissen wir nicht, wie lange dieses tyrannische System, daS allen Widerstand unter seinen nächsten Nachbarn völlig bewältigt hatte, noch hätte dauern können. Der HandelSstand der Stadt Buenos AyreS hatte sich diesem Zwang unterworfen, und die Gauchos betrachteten RosaS als einen der ihrigen. Er besaß in der That alle Eigenschaften dieses wilden Reitergeschlechtes der Pampas : Er war eitel, keck, gewandt, und überzeugt, daß die Welt keinen größern Mann enthielt, als ihn. Aber der Uebermuth seiner auswärtigen Politik und seine Versuche, den Nachbarstaaten die verderblichsten und demüthigsten Bedingungen aufzulegen, haben endlich den Tag der Vergeltung herbeigeführt. Ertheilte seine Streitkräfte, um am nördlichen Ufer deS Plata-StromS Krieg. zu führen und eine von sich abhängige Autorität zu schaffen, trotz aller die Unabhängigkeit der Banda Oriental sichernden Verträge. So wurden seine Truppen einzeln geschlagen, und die Mannschaft, die in seiner Armee unter Oribe gedient, ging zuerst zu Urquiza über, und bildete den linken Flügel seines Heere- bei Santo- LugareS, wo sie ihren Oberst mordete und wieder zu ihrem alten Herrn überzugehen versuchte, aber von der Reiterei auS EntrerioS in Stücke gehauen wurde. Die Operationen deS General- Urquiza, seit der Vereinigung der brasilischen und Entrerio-aner Truppen in der Umgegend von Montevideo, scheinen ebenso geschickt alS entschlossen geleitet worden zu sein. ES ist ein bemerkenSwerther Umstand dieses Feldzüge-, daß die Schaaren deS vormaligen „schle-wig-holstei- nischen" HeereS, die nach Beendigung cher Feind- seeligkeiten in den Herzoglhümern in brasilische Dienste traten, hier den Muth und die Thatkraft Nord- Europâ'S gegen die entartete Miliz Süd America'- geltend gemacht haben. Diese Holsteiner ritten RosaS und feine in ganz Süd-America vielgerühmte GaucheS-Reiterei nieder, wie etwa ein gewappneter Kreuzritter einen Schwarm Sarazenen zerstreut haben mag, oder die Warâger-Leibwache des byzantinischen Hofs die Griechlein jener Zeit vor sich zittern machte.
(Die „A. A. Z.", welche diesen Bericht ebenfalls mittheilt, bemerkt hierzu; ES ist schön, daß die „Times", welche während deS Krieg- in deu Herzoglhümern das brave, und gewiß nicht- weniger als demokratische schleswig-holsteinische Heer so ost verunglimpft, jetzt wenigsten- ihrem deutschen KriegSmuth diese Ehrenerklärung macht. Besser wâr' eS aber, wenn eine traurige Politik jene braven Soldaten nicht genöthigt hätte, Heimath und Brod jenseit- deS Ocean- im Kampfe mit den halbwilden Rettern und Lazo Schwingern der Pampa- zu suchen — und dieß in einer Zeit, wo Deutschland selbst seine tapfern Söhne vielleicht nöthig haben wird!)
Aber die eingeborne Bevölkerung unterstützte überall die Bewegungen de- BesreiungSheereS und deckte ihm den Rücken. So sind alle Zwecke der vormaligen englisch.französischen Intervention nun durch die eigenen Anstrengungen der Südamericaner erreicht.
RosaS' Sturz ist ohne Frage die wichtigste Re- volutiou, die in Südamerica seit der Unabhângig- leilSerklârung stattgefunden; denn die Staaten der argentinischen Consöderation finb diejenigen, an