einer eben so gemessenen als rücksichlsvoüen Zuschrift deS Unterrichtsministeriums an den akademischen Senat zu Prag wird dieser Schritt dadurch eiHârt, vaß Professor Hunusch entschieden und unbedingt dem Systeme der Hegel'schen Philosophie anhing, dessen sehr 'staatdbedenkliche Seite durch manche der neueren Vorgänge in# und außerhalb Deutschlands sich mehrfach und unverkennbar herauSgestellt hat.
Die Ostdeutsche Post beantragt heute für Wien die Errichtung eines A n t i -L e h rj u n g e n-Quäle rv er ein ö. Sie sagt, bisher hätten die gequälten Hunde und Kanarienvögel mehr Sympathie erregt, als die gemarterten Jünger deS Handels und der Gewerbe.
Der Graf und die Gräfin Chambord verlassen FrohSdorf am 8., um sich nach Venedig zu begeben, und daselbst bis zum Monate Mai zu verweilen. Auch der Jnfant Don Juan, Schwager des Herzogs von Modena, der in Konbon von den Masern befallen wurde, soll nach Beendigung seiner Recon« valeScenz sich nach Venedig begeben. — Seine Majestät der Kaiser wird erst bis zum 8. d. hier zurückerwartet.
Frankreich.
Paris, 7. März. Der „Moniteur" veröffe t- licht heute nachstehendes Decret: „LouiS Napoleon, Präsident dec französischen Republik, gemäß den Artikeln 24 und 46 der Verfassung, decretirt: Ar- tikel 1. Der Senat und der gesetzgebende Körper sind auf den nächsten 29. März einberufen Art. 2. Der SlaatSminister ist mit dem Vollzüge gegenwärtigen DecreteS beauftragt.
Der „Constitutionnel" hat Nachrichten aus Algerien , welche von insurreciionellen Versuchen in Gränzdistriclen an der Sahara melden. Eine Er- pebitionscolonne unter dem Commanro deS Generals Ladmirault ist am 17. Februar nach jenen Gegenden abgegangen, um die Aufständischen zu unterwerfen. An der tunesischen Gränze finden fortwährend Raubzüge tunesischer Schaaren statt. Eine gew'ffe Bewegung macht sich auch wieder an der maroccanischen Gränze bemerklich; General Pe lissier, welcher in der Provinz Oran befehligt, hat die zur strengsten Ueberwachung der Gränze erjor- derlichen Maßregeln getroffen.
Eine halbamtliche Note im „Moniteur" kündigt an, daß literarische und wissenschaftliche Zeitschriften den durchs Pretzgesetz festgesetzten Stempel nicht zu bezahlen haben. »Gerade wo eine strengere Gesetzgebung", fügt die Note hinzu, „die Fehltritte der politischen Presse zu bestrafen gestaltet wird die Regierung glücklich sein, Die Erzeugnisse zu begünstigen, die keinen anderen Zweck haben, als den Fortschritt der Literatur, Wissenschaft und Kunst". Bis heute hat die hiesige Münze 400,000 Fünfsrankstücke mit L. Napoleon'S Bildniß geprägt.
Dasselbe Blau bezeichnet in einem ossiciösen „Mugeiheilt" alle Gerüchte über bevorstehende Mo- disicationen im Cabinet als unbegründet.
Man lacht heute viel über eine Korrespondenz der „Jndependance Belge", in welcher allen Ernstes erzählt wird, daß in einem Departement ein RegierungScandidat gewählt sei, der gar nicht eri« stire. Es ist das natürlich nur ein Witz des Col' respondenten. Die Legitimisten sind sehr betrübt, daß Leo de Laborde, der bekannte kühne Ritter der Legitimität, bei der Wahl im Departement Vaucluse durchgefallen ist. Hr. de Laborde hatte nämlich vor, wenn bei der ersten Sitzung die Reihe an ihn komme, um den durch die Constitution vorgeschriebenen Eid zu schwören, sich zu erheben und mit lauter Stimmt die folgenden Worte zu sagen: Ich schwöre Treue der vom Prinz Präsidenten erlassenen Berfassung, ebenso wie der Prinz-Präsident der Verfassung von 1848 Treue geschworen. Ich werde meinen Schwur halten, wie er seinen Schwur gehalten hat. Nach diesen Worten wolle er sich setzen und attvarten, daß er, wie Manuel unter Der Restauration durch Soldaten von seinem Sitze gerissen würde. Die Wähler haben diesen Spaß jetzt verdorben.
Mittwoch kommt der Prozeß gegen Bocher vor den Appellhof; bekanntlich ist eS das öffentliche Ministerium, welches gegen daS Urtheil appellirl hat. — Am 14. März geben die sämmtlichen Angestellten deS „Constitutionnel" ihrem Director Dr. Veron ein großes Banket, um ihn zu seiner Wahl zu beglückwünschen.
Die „Presse" will von einem Processe wissen, welcher mit Der Erbschaft b e S Herzogs von Bourbon in Verbindung steht. In feinem Testamente hatte er nämlich daS Schloß Ecouen mit einer Dotation von 100,000 Fr. für die Erziehung der Nachkommen von Soldaten der royalistischen Armeen der Vendce unv des Prinzen Conde bestimmt. Im Jahre 1831 erließ König Ludwig Phil- lipp nach Vernehmung deS StaatSrathS eine Or donnanz, welche diese Bestimmung im Testamente deS Prinzen unter dem Vorwande annuilirle, daß dieses Vermâchtniß zum Zwecke habe, einer anti- nationalen Sache erwiesene Dienste zu vergüten. Heute intentiren die 'auf jene Stiftung Ansprüche erhebenden Söhne und Nachkommen der Soldaten
der Armeen der Vendee und des Prinzen Conde gegen den Herzog von Aumale vor dem StaatSrathe einen Proc ß. Der Proceß wird von BoSviel, Ad- vocanu am CassatiorsShofe, dem Nachfolger Ledru- Rollin'S, geführt werden.
Der von L. Napoleon mit der Organisation deö inneren Dienstes deS Senates beauftragte EcnalS- Prâsident, Marschall Jerome Bonaparte, hat nach Verständigung mit dem SlaatSminister und den Mitgliedern den SeuatSbureau'S bezüglich dieses Dienstes ein ausführliches Reglement erlassen, dessen Haupt estimmungen deS Reglements der früheren gesetzgebenden Versammlungen entlehnt sind.
Die „Patrie" sagt: „DaS Ergebniß der Wahlen ist heute, jene von Corsica ausgenommen, welche nach Den letzten Berichten keinen Zweifel varbietet, vollständig bekannt. Vier Candidalen gehören Der Opposition an, fünf Wahlen (zu Dinan, Paris, Lyon , Nantes und Clermont) müssen von Neuem vorgenommen werden. Zweihunderteinundfünfzig Ernennungen sind auf Die von der Regierung pa- tronirten Candivaten gefallen".
In den Provinzen gehen fortwährend Journale (meistens legitimistifcher oder republikanischer Farbe) ein, weil sie den pekuniären Anforderungen des neuen PreßgesetzeS in Bezug auf Kaution und Stempel nicht genügen können.
Für die in den Decembertagen verunglückten Militärs und Soldaten, resp, deren Hinterbliebenen, sind bis jetzt 181,000 FrS. eingegangen.
Ein baierücher General ist mit besonderen Aufträgen seiner Regierung hier eingetroffen. — AuS Petersburg sollen gestern wichtige Depeschen ange- langt sein.
Gestern sind 7-00 Deutsche von hier nach Havre abgereist, um sich dort nach Californien einzuschiffen. Ueberhaupt nehmen jetzt ganze Massen deutscher Auswanderer ihren Weg über Frankreich, wo sie, wie die „Patrie" versichert, von Seiten der Behörden mit besonderem Wohlwollen behandelt werden.
Die Beamten der früheren National-Versamm- lung sind dem gesetzgebenden Körper zugetheilt worden. Die Mitglieder des letzteren sollen angeblich keine Uniform erhalten.
Zu Brest haben nur 2916 der 11,359 eingeschriebenen Wähler Stimmzettel abgegeben.
Der Er - Repräsentant Nadaud ist in London zum Maurerhandwerk zurückgekehrt.
Am 15. I. M. w'rd daS erste Heft der seit langer Zeit angekündigten Wochenschrift „le Civili« sateur" von Lamartine erscheinen.
Der Prinz-Präsident wird unmittelbar nach der Eröffnung der Kammern einen großen Ball in dem Palaste der Tuilerien geben.
Großbritannien.
London, 6. März. Die Bank von England beabsichtigt dem Vernehmen nach, ihren WechseldiS- conlo von 21/» auf 2 pCt. herabzusetzen. Sie hat jedoch, wie es heißt, den Vollzug dieser Maßnahme verschoben, biS man genauere Kunde darüber habe, ob daS neue Cabinet sich dazu entschließen würde, daS Parla-ment sofort aufzulösen.
Die Subskriptionen für Die Anti-Korngesetz- Liga betragen bis jetzt 36,000 Pf. Der „Heralb" sagt, man dürfe dabei nicht vergessen, daß jetzt nur 10 pCt. von allen Zeichnungen über 10 Pf. einge- zahlt zu werden brauchen.
Der pariser Correspondent von Daily NewS will aus guter Quelle in Erfahrung gebracht, daß der purpurne , mit Bienen gestickte Kaisermantel Luvwig Napoleon'- schon fertig und einigen Eingeweihten gezeigt worden sei. Dasselbe soll mit den Silbergeschirren der acht Pferde, die den KlönungS- wagen zu ziehen berufen sind, der Fall sein.
London, 8. März. (Tel. Dep. d. Fr. Bl.) Die plötzlich erfolgte Abreise des französischen Gesandten, Grafen Wa lew Ski, mit.feiner Gemahlin nach Paris hat zu den verschiedenartigsten Gerüchten Veranlassung gegeben. ~ .'
Italien.
Turin, 4. März. (Köln. Ztg.) Seit heute Morgens ist Turin in festlicher Bewegung; wir feiern die Eröffnung der neuen ParlamentS-Session und den vierten JahreSiag der Verfassungs-Verleihung. Um 1071 Uhr Morgens marschirte Die Natwnalgarde in Parade - Uniform, geführt ^'on einem glänzenden Generalstab, von der Piazza San Carlo nach der Piazza Castello, sich im Carrs um Den Palazzo Madame aufstellend, in welchem die Eröffnungsfeierlichkeit Statt hatte. Die Loge deS ErvffnungSsaaleS und die Dcputirtenbânke waren überfüllt. Der Hof war in den königlichen Logen. Stürmischer Evvivaruf von der draußen stehenden Volksmenge kündigte die Ankunft des Königs an, der, in den Saal getreten, mit langanhaltendem enthusiastischem Hochrufe begrüßt wurde. Der König verlas die Thronrede mit fester Stimme — mehr als einmal wurde er indeß durch plötzlich aus
brechenden VeifallSrausch unterbrochen. Die wichtigsten Stellen der Thronrede sind folgende: „Die Session von 1851, deren Arbeiten Sie mit bestân, digem Eifer geleitet, ist eben so vortheilhaft für den Staat, wie ehrenvoll für daS Parlament ausgefallen. Das Budget, der Hanplstützpunct im repräsentativen System, ist zum erstenmale geregelt; die ökonomischen Freiheiten sind durch Gesetze sanctionirt, durch Verträge bestätigt, die Finanzen im Wachsen, die öffentliche Sicherheit befestigt — dieses alles legt Zeugniß davon ab, daß Ihre Thätigkeit würdig den Bedürfnissen deS StaateS und meiner Erwartung entspricht. Die neue Session wird unter diesen Auspicien gleich fruchtbar an günstigen Erfolgen fein. Die freundschaftlichen Beziehungen meiner Regierung mit den auswärtigen Staaten erhalten sich unverändert. Meine Minister werden Ihnen neue Verträge mit Schweden und Frankreich vor- iegen; die Regierung dieser großen Nation betritt mit unS den Weg derselben ökonomischen Principien, welche die Freundschaft der Staaten vermittelst deS wechselseitigen Vortheiles befestigen. Sie werden Ihnen ferner wichiige Gesetze über die Reform der Verwaltung, über den Unterricht und andere wichtige Gegenstände der inneren Verwaltung vorlegen. ... ES wird unsere Pstscht sein, die Restauration unserer Finanzen eifrig zu vollführen, wozu wir aufS Neue Ihre Mitwirkung verlangen . . . Eö ist Die Pflicht jeder Regierung dem bürgerlichen Stande der Familien Sicherheit zu leihen. Das Gesetz (Civil - Ehegefetz), welches Ihnen zu diesem Behufe vorgelegt werden wird, knüpft sich, obwohl eS rein bürgerlichen Charakters ist, an religiöse und moralische Interessen, die zu schützen Ihrem Gewissen anheim gestellt ist. Meine Herren Senatoren und Depulirken! DaS Vertrauen zwischen dem Fürsten und Dem Volke ist bei unS unbegränzt. Gleiches Vertrauen setzen wir in die Tapferkeit und Treue unseres Heeres". Der König schloß die Thronrede mit folgenden Worten: „Ergeben den Jnstiiutionen, die heute vor vier Jahren mein erhabener Vater schuf, wollen' wir ausharren auf dem betretenen Wege, uns stützend auf wechselseitiges Vertrauen — daS meinige gründet sich auf Ihre freiwillige, kräftige Unterstützung, daS Ihrige auf meinem loyalen und festen Willen".
General Marmont, der letzie Marschall deS französischen Kaiserreichs, ist am 2. März zu Benediss gestorben..
America.
Philadelphia, 26. Jan. Gestern trat der ehemalige Prediger der freien und deutschkatholischen Gemeinden in Nassau, Herr Eduard Graf, der vorigen Sommer auS dem Herzogchume ausgewiesen wurdet vor einem zahlreichen und gebildeten deutschen Publikum hier auf, worauf sogleich ein Comite zur Constituirung einer freien ReligionSge- seUschafl zusamment-at, die Herrn Gr af, der eine Predigerstelle in Indiana anzutreten beabsichtigte, hier zurückbehalten und zu ihrem ständigen Prediger wählen wird. So berichtet nämlich daS „Fr. I."
Neu-Orleans. 15. Februar. Der „Picayune" bringt heute Die Nachricht, Rosas sei von Urquiza geschlagen und völlig geworten worden. — In Neu-OrleanS wurde der spanische Con'ul abermals insultirt und seine Flagge vom Pöbel herabgerissen.
Neueste Nachrichten.
München, 7. März. Der heutige „Polizeianzeiger" cnihali eine Bekanntmachung, wonach die Vereinigung hiesiger Cigarreuarbeiter polizeilich aufgehoben ist.
Breslau, 2. März. Die beiden russischen Großfürsten NicolauS und Michael passirlen heute unsere Stadt, und reiften heute Abend nach Dresden (nicht nach Wien) weiter.
Wien, 7. März. In Bosnien soll ein großes panslavistischeS Complott mit weit reichenden Fäden entdeckt worden sein.
Der 70jährige Vladlca von Mostar ward nach Serajewo eScorlirt. Auch die Bewohner der montenegrinischen Grenze werden. entwaffnet. Die ka- lholische Geistlichkeit ist angehalten worben, von ihren Klostergütern den Zehnten zu entrichten; die Errichtung einer katholischen Kirche zu Serajewa ward verweigert.
Zürich, 8. März. Der Socialist Treichler ist zum Rationalraih gewählt worden und zwar mit 6050 Stimmen; Stopfer crhi.lt deren nur 5146 und Hüni-Stettler 36. Die Zahl Der Stimmfähigen im ganzen -Kaulon beträgt 18.258, wovon nur 11,290 ihre Stimmen abgaben.
Brüssel, 8. März. Die Herren Berryer und Odilon Barroi sind hier erwartet, um die Verihei- bigung der Revacieure deS „Bulletin fraucais" zu übernehmen. — Der preußische Gesandte in London, Riiter Bunsen, ist hier eingeiroffen und im „Hotel De Russie" abgestiegen.
Verantwortlicher Redacteur Dr. A, Boczek.