meldet haben — steht damit in dem innigsten Zu- sammenbang. Wollte sich unsere Regierung in ähn- lieber Weise wie die badische der Auswanderung annehmen, eS würde sich auch bei uns eine überraschende Anzahl Heimathüberdrüffiger herausstellen, besonders in einigen unserer GebirgSdistricw. Mag immerhin daS Getreide in jedem Frühjahr etwas anziehen ; aber die Preise haben j<$t eine bereits für einen großen Theil deS Volkes drückende Höhe erreicht. Wir wollen unter solchen Umständen nicht darauf aufmerksam machen, wie nöthig in Deutschland umfassende statistische Anstalten wären. DaS ist eine oft gestellte Forderung, die aber bei der jetzigen Sachlage sobald noch nicht erfüllt werden wird. Wir haben in unserer Nähe, in Frankfurt, in dem Freiherrn v. Reden ein anerkanntes Talent für stanstitche Organisationen. ES ist zu bedauern, daß seine Kraft nicht durch ein dabinjielen- de- öffentliches Amt beschäftigt wird. Um noch etwas Specielles zu erwähnen: auf dem nächsten ZollvereinScongreß wird die Runkelrübenzuckerfrage zur Sprache kommen, da Preußen eine höhere Besteuerung einführen will. In einer der letzten Nummern des englischen „Economiste" schreibt ein Stettiner Handelshaus, daß die unverhâltnißmäßig um sich greifende Rübencultur die Waizenproduction der Ostseeländer in fühlbarer Weise beeinträchtige. Es ist gut, daß die nassauische Landwirthschaft ihrer gelammten Gestaltung nach von dieser übertriebenen Cultur der Rübe befreit geblieben ist. Eine Zoll- erhöhung wird daher bei uns keine Störungen verursachen. Eine geeignetere Besteuerung ist gerechtfertigt, da der Ausfall des Zolls auf Rohzucker zu bedeutend ist, der internationale Verkehr leidet, und der Schutz einer Industrie, welche, selbst künstlich, noch außerdem die Lebensmittel in auffallender Weise vertheuert, doch gar zu wenig Berechtigung in' sich trägt. Wir wollen den Zucker auf eigenen Schiffen auf den überseeischen Ma.kten holen, aber nur mit eigenen Jndustrieerzeugnissen bezahlen. So lange der Zollverein nicht auf dieser Stufe der Entwicklung steht, ist die Armenfrage ein bodenloser Abgrund.
f Limburg a. d. Lahn, 7. März. Mit allgemeiner Befriedigung ist die gestrige Nachricht ausgenommen worden, baß die Regierung die bereits ausgeschriebene Fruchtversteigerungen ststirt habe. —
Als die Speicher der sämmtlichen Recepturen noch mit Z ehn i-G ült und Pachlfrüchten angefüllt waren, hatte die Speculation den ausgedehnten Spielraum nicht, denw damals trieb — der reichere Bauer wenigstens — ba6 Risico nicht zur äußersten Spitze jenen gefüllten Speichern gegenüber; jetzt aber hat der Bauersmann fast ausschließend den Markt — auf seinem Speicher!
Man wundere sich nicht der zunehmenden Verarmung auch bei uns; eineSlheils werden durch die Auswanderung — anPeUlheils durch die Einfuhr von Branntwein — dem Lande große Summen entführt. Wenn im März 1851 der damalige Abgeordnete Zolimann in der Kammer beantragt hatte, daß man bei den nothwendig gewordenen er- höheren Staai-bedürfnissen auch Mittel zur Deckung derselben, ohne drückend zu werden, besch ffen möge und nachgewiese hatte, daß seit 4 Jahren fl. 475,000 für Branntwein (per Ohm ä fl. 21 nur) — auSgewandert seien, und daher wie Fabri« cationSsteuer vow Branntwein gleich allen angrenzenden Ländern vorgeschlagen hatte, so wird immer fühlbarer, wie richtig eine solche Finanz- maßregel bleibt und — der Stimmen dafür sind nicht wenige. —
Bis zur Ausführung einer solchen Maßregel würde eS selbst wünschrnSwerlh sein, wenn man — den Drang der Umstände gerechiferliget — die Branntweinkesset zu Dauborn und Eufingen ic. jchtieße.
ES eristiren in diesen beiden Orten allein 84 Kessel, wovon jeder wöchentlich im geringsten Anschlag % Ohm Branntwein beschafft, und weil zur Ohm Branntwein 36 Diezer Simmet Korn und Geist nöthig sind, so werden dort allein 9828 Die- zer Malter Frucht der Konsumtion entzogen; um dies Quantum aber aufzudringen, von den Brennern â tout prix gezahlt.
Daß ein sehr großer Theil des landwirthschaft- lich benutzten BooenS, ohne Beihilfe der Brennerei bebaut wird und werden muß, zeigt unS ein so großer Theil von Besitzern der Bauerngüter, und eS braucht daher daS Gedeihen der LanvwiUhschaft nicht von der Branntweinblase abhängig gemacht zu werden.
△ Diez, 8. März. Gestern Abend gaben f mehrere Mitglieder des Domchors zu Limburg un» ; ter der Leitung des Herrn Cantors Glâffer im Saale deS Holländischen HofeS dahier ein Concert zum Besten des Hospitals Der barmherzigen Schwestern in Limburg. Das Concert war sehr zahlreich besucht. Besonderen Eindruck rief daS herrliche Lied von der Glocke mit der Musik von Romberg hervor ; anziehend und rührend wurde auch daS Duett für zwei Soprane „Die Pilgrinnen" vorgetragen. ES gereicht dem Herrn Glässer und seinem
Sängerchor zur größten Ehre, nicht nur daß sie so treffliche Leistungen ihres GesangS an Tag leyn, sondern auch daß sie zu dem so mildthätigen Zwecke, wieder angegebene, die bereitwilligsten Opfer bringen.
Frankfurt, 7. März. Unser Senat hat der gesetzgebenden Versammlung nun einen VerfassungS- RevisionSentwurf vorgelegt, in welchem auf den Beschluß unserer dritten Staatsgewalt, der ständischen Bürgerrepräsentation, gegen die Aufrechthal- tung des Gleichstellungsgesetzes vom 20. gebr. 1849 keine Rücksicht genommen ist. Sicherstem Vernehmen nach haben vor der Abfassung deS Entwurfes mehrfache Besprechungen im BundeShause Statt gefunden; eS ist nun aber auch daS Gutachten der ständigen Bürgerrepräsentation zur officiösen Mittheilung , besonders an die Höfe von Wien und Berlin, gelangt.
Aus dem Badischen, 6. März. Ein merkwürdiger Artikel über die Versammlung der oberrheinischen Bischöfe zu Freiburg in der „A. A. 3 " befürwortet den Fehdebrief derselben an die weltlichen Regierungen und schließt mit folgenveu Sätzen.
„Sie erklären: 1) daß sie unerschütterlich auf den Punkten beharren, die sie schon in der ersten Eingabe vom März 1851 namhaft gemacht hatten; 2) erklärten sie, daß sie, wenn man ihr gerechtes Verlangen nicht befriedige, entschlossen seien, für sich voranzugehen und so zu handeln^ als ob, dir Punkte wirklich bewilligt wären, möge daraus entstehen, was da wolle. Man kann nicht zweifeln, daß die Bischöfe der oberrheinischen Kirchenprovinz in letzterem Falle ihr Wort halten werden da beides, Pflicht und Ehre sie dazu nöthigt. Was wird nun geschehen? Da die Regierungen der anderen miibe- thciligten Staaten während der letzten zwei Jahre unzweifelhaft gegen das Episkopat eine mildere Gesinnung an den Tag gelegt haben als die badische, so wäre eS denkbar, daß erstere ihre Sachen von der letzteren trennten, und daß jede für sich mit dem betreffenden Kirchenhaupte Frieden schlösse. Würde dieS geschehen, so läßt sich voraussehen, daß dann das badische Ministerium in Kurzem — und zwar auf peinliche Weise — nachgeben müßte. Over verständigen sich alle zusammen mit dem Episkopate, dann wird die Folge fein, daß in der oberrheinischen Kirchenprovinz, statt der bisherigen Pragmatik, daS nämliche Kirchenrecht, das seit zwei Jahren in Preußen und Oesterreich gilt, im Frieden den Sieg erringt, den eS früher oder später unter allen Umständen erringen wird. Oder leisten Alle gemeinsamen Widerstand, dann ist ein Conflict vorhanden, den Niemand für unbedeutend halten dürfte, der die Tragweite der Mittel kennt, welche dem katholischen BiSthume zu Gebote stehen. Und wenn eS zum Conflicte kommt, werden dann die Regierungen dem selbstständigen Auftreten der Bischöfe ruhig zusehen, oder etwa einen ähnlichen Weg einschlagen, wie der, den daS preußische Mi, isterium 1837 versucht hat? Es wird gut sein, wenn man sich, ehe daS entscheidende Wort gesprochen wird, Rechenschaft über alle möglichen Eventualitäten gibt. Im Ueb; rigen warten wir die nächste Zukunft ab".
Aus Franken, 6. März. (M. I.) Sicherem Vernehmen nach sind von Seiten des bayerischen EpiScopateS gemeinschaftliche Vorstellungen direkt bei allerhöchster Stelle in Betreff der Verwirklichung der bischöflichen Denkschrift gemacht worden, welche ganz den ernsten Charakter jener an sich tragen sollen, die von Seiten der Bischöfe der oberrheinischen Kirchenprovinz an ihre betreffenden Regierungen jüngst geschehen sind.
München, 5. März. Rittmeister Graf Jenison« Walworth und Oberlieutenant Ludwig Frhr. v. Gumppenberg haben sich zufolge KriegSministerial« RcscrlplS nach Böhmen, Ungarn und Galizien zum Ankauf von Pferden zu begeben.
Die „LandSbönn" ist wegen Abdruck eines Berichtes über den Nothstand in der Rhön confiscirt.
Aus Thüringen, 6. März. Nach Lokalberichten haben die Swull-Hrer deS Herzogtums Meiningen B-fthl erhalten, den OrtSgeistlichen, als ihren Vorgesetzten, Gehorsam zu geloben. Die Trennung der Schule von der Kirche, ein Wunsch deS JahreS 1848 , scheint demnach in Meiningen nicht verwirklicht zu werden.
Hannover, 5. März. (Z. s.N.) Niemand wird wohl mehr darüber im Zweifel sein, daß seit einiger Zeit wirklich Differenzen im Stooße unseres Ministeriums obwalten, obgleich wenigstens wir an eine Ministerkrisis, d. h. an eine theilweise Auflösung deS Cabinets, im Augenblicke nicht glauben. Die Herren Windihorst und Bacmeister sind mit ihren Kollegen nicht mehr ganz einig , sei eS, daß sie beim Eintritt in daS Ministerium der ganzen Kluft sich nicht bewußt gewesen sind, welche die letzten Ziele einer feudalistischen und bürgerlichen Reaction unvereinbar auseinander hält, oder daß ihre ritterschaftiichen AmtSgenossen im Laufe der Zeit kühner geworden sind in ihren Ansprüchen, als zu Anfang. ES scheint nun, alS ob in diesem
i Conflicte die beiden bürgerlichen Minister sich auf I Siüve und seine Partei zu stützen suchten, der ihnen denn auch.auf halbem Wege entgegenkommt.
Berlin, 6. März. Auch in der zweiten Kammer hat gestern die Opposition einen Sieg erfochten. Die rechte Seite und daS Kentrum wollten die politischen Vergehen ganz den Geschwornen entziehen und diesen nur die Preßvergehcn lassen. Die Führer deS CentrumS, Hr. Geppert sowohl wie Hr. v. Bodelschwingh, traten den Ausführungen der Kommission und deS RegierungscommissariuS bei; bei der Abstimmung vereinigten sich jedoch die Polen und Die sogenannte „katholische Fraktion" (Oste« rath-ReichenSperger) mit der Linken, und mit Majorität einer Stimme wurde daS Amendement deS Hrn. Beieler angenommen, wonach politische Vergehen ohne Ausnahme, wie bisher, vor die Schwurgerichte gehören. Dieser Erfolg ist wichtig, er hält andere Angriffe gegen die Geschwornengerichte auf.
Berlin, 7, Mârz. Die gestrigen Berathungen der Commission für Finanzen und Zölle über den ZeitungSsteuer-Gesetz-Entwurf geben endlich einen festen Anhalt für den von der Kommission vorzu- schlagenden Entwurf. Wie die „L. C." erfährt, wird sich die Commission bei der Feststellung der Steuer für die einzelnen zu bildenden Klaffen für eine Ermäßigung der auf V» Pfennig von der Regierung für 100 Quadratzoll Flächeninhalt angenommenen auf 1 Pfennig für den acceptirten Normalbogen von 400 Quadratzoll erklären. Die höchste Steuerclaffe würde nach einer vorläufigen Berechnung dann etwa 2 Thlr. 10 Sgr. pro Exemplar, die niedrigste 4 Silbergroschen Steuerzahlung auS- werfen. — Auch in dem Kreise Neuwied sind Nothstände in beträchtlicher Ausdehnung hervorgetreten. Der Abgeordnete dieses Kreises, Dr. Wurzer, hat sich deßhalb veranlaßt gesehen, sich dorthin zu begeben. — Vom 1. d. M. an hat der königlich wür- tembergische Kammerherr und Intendant deS Hof- thearerS zu Stuttgart, Freiherrn von Gall, die Leitung der Geschäfte deS ^Bühnen -Cartell- Vereins übernommen.
Nach einem Schreiben in der „Düsseld. Ztg." soll der Graf v. Fürstenberg sich vorgestern kurz vor Eröffnung der Verhandlungen in der ersten Kammer zu dem Könige begeben haben, um Silier# höchstdenselben für daS Koppe'sche Amendement zu gewinnen. Während der Sitzung habe daher der Ministerpräsident ein Schreiben Sr. Maj. erhalten, in welchem sich Allerhöchstderselbe für daS Koppe'sche Amendement erklärt haben soll.
Die Neue Preußische Zeitung schreibt: Die ; Times hat ihren bisherigen hiesigen Eoiresponden- ten Hrn. Filmore plötzlich nach Genf dwMrn Wegen Ludwig Napoleon ?
Oldenburg, 4. Mârz. (W.-Z.) Die zu Han. nover seit längerer Zeit gepflogenen Verhandlungen über den Anschluß Oldenburgs an den September- vertrag sind jetzt mit allen Nebenberedungen beendet worden. Die Unterzeichnung der Verträge ist, wie bereits anderweitig berichtet, am 1. d. M. geschehen. Die Ratification wird ohne Zweifel baldigst erfolgen und die Sache vielleicht schon gleichzeitig an den Landtag gebracht werden. Wie wir vernehmen, be# steht die wesentlichste Vertragsbestimmung darin: Oldenburg tritt dem Vertrage bei und wird hinsichtlich aller darin begründeten Rechte und Verpflichtungen , soweit der Gegenstand derselben im Herzogthum vorhanden ist, Hannover völlig gleich, stellt, führt auch bei den demnächstigen Verhandlungen mit den ZollvereinSstaaten gleiches Stimmrecht mit Hannover. Der diesseitige- Bevollmächtigte, Steuerbirector Mayer, ist bereits gestern hierherzurückgekehrt. — Der dänische Gesandte, Baron Dirckinck- Holmfeld, ist, vermuthlich in außerordentlicher Mission, hier anwesend, und hatte heule eine Audienz beim Groherzog. Der zur Zeit als diesseitiger Bun- deStagSgesandter fungirende StaatSraih v. Eisen« Vecher zu Frankfurt ist vor kurzem seines biS jetzt dabei zugleich innegehabten Postens eines Ministe- rialvorstandeS im Departement deS Auswärtigen enthoben und sind die damit verbundenen Geschäfte dem StaatSrath v. Rössing übertragen worden.
Wien, 4. iötârz. ES ist j-tzt beschlossen, die Mailänder Eisenbahnaclien gegen 4 pCt. binnen sieben Jahren durch Verloosung al pari zu amorti# sirende Obligationen einzulösen.
Wien, 5. März. Der Kaiser ist bereits auf der Rückreise von Venedig in Triest eingetroffen. — Die sämmtlichen durch die diesjährige Affen« tirung zum Militärdienst eingereihten Recruten werden sogleich vom Affeniplaye mit Urlaub biS zur Einberufung entlassen. — Die Regierung hat dem Schwager Kossuth'S, von Rultkay, und feiner Frau die Reise nach Pefih gestattet , wo sie auch vor einigen Tagen angelangt sind. Die Mutter Kossuth'S sucht um einen Paß zur Auswanderung nach.
AuS der heutigen Wiener Zeitung ersehen wir, daß Hr. Hanusch, Professor der Philosophie an der Universität zu Prag, unter Belassung seines GehalteS seiner Stelle enthoben worden ist. In