Nassauische Allgemeine Zeitung.
M S8
Dienstag -en N. Marz
1852»
Die Naff. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränumerationspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Postaufschlages nur 8 fl., für die übrigen Länder dès deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland nur 8 fl. 84 kr. — Jusera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe mau in Wiesbaden in der L. Sch ellen berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Die gewerblich-statistische Anstalt zu Frankfurt, Deutschland. Bon der Mainhöhe (Schlechte Wege).
Vom Lande (Die bischöst. Fastenschreiben). — Diez (Das Gesetz über Maß und Gewicht). — Montabaur (Entdeckung eine» FalschmünzercomplotS). — Höchst (Raub). Frankfurt (Ausweisungen. Conferenz des PostvereinS. Memoriale über den deutsch - franz. Communistenbund). — Hanan (Vorkehrungen gegen den Nothstand). — Darmstadt (Schiedsgericht). — Stuttgart (Competenz der Kammer). — Hannover (Die Nordseeflotte) — Berlin (Beschluß über Neubildung der ersten Kammer: Auswanderung nach Peru. Erklärung. Der Landfriedensbriich im Weimarischen. Die Unterhandlungen mit Bremen). — Hamburg (Ruschak). — Wien (Die Großfürstin. Der Kaiser. Uebertritt zur röm. Kirche. Mazzini.)
Dänemark. Kopenhagen (Interpellation)
Frankreich. Paris (Der Prâfldent. de Morny. Ca- vaignac. Die Wahlen. Eugen Sue. Bocher. Barmann. Differenz mit den Vereinigten Staaten).
Großbritannien. London (Die Freihandelsmotion. Die Ausstellung. Thomas Moore).
Türkei. Pera (Die Einkommensteuer. Sir Stratfort Canning. Brücke über den Hafen). F
America. New-Vork (Koffuth und die Officiere des „Miffiflppi").
Neueste Nachrichten.
Die gewerblich - statistische Anstalt in Frankfurt.
Di« gewerblich-statistische Anstalt in Fränksurt (ein dem Verein zum Schutze der vaterländischen Arbeit beigeordnetes Institut) entwickelt zur Förderung ihres umfassenden Zweckes eine höchst rühmliche Thätigkeit, so daß eS von Interesse sein dürfte, auf daS eigentliche Wesen dieser Anstalt aufmerksam zu machen.
Dieselbe besorgt:
1) Anschaffung und Verbreitung von in- und ausländischen Mustern, Modellen, Zeichnungen, Katalogen, Preiscouranten, Adressen, Circularen, Certifiealen ic.;
2) Corresponvenzen, Uebersetzungen, Einholung von Sachverständigen - Gutachten , Analysen, Recensionen, Abhandlungen;
3) Lösung von Patenten auf neue deutsche Erfindungen im In- und Auslande, sowie Auskunft über daS Patentwesen;
4) Nachweisung über Kosten, Umfang der Production , deS Absatzes in- und ausländischer GewerbSerzeugnisse und Rohstoffe, über Frachten, Spesen und sonstige den Waarenverkehr betreffende Angelegenheiten;
5) Anschaffung von Tarifen, handelspolitischen und gewerblichen Zeitungen, Denk- und Druckschriften, Ein- und Ausfuhrlisten (Englands, Frankreichs, Belgiens, Hollands, der Schweiz, deS Zollvereins, Oesterreichs K.), technischen Hând- und Wörterbüchern, Jahresberichten von Handelskammern, gewerblichen und land- wirthschafilichen Vereinen, Schulplänen von polytechnischen Anstalten, Universitäten, Sta, tuten von Gewerbsvereinen, gewerblichen Hilfs- und Krankencassen rc.
Die für den August dieses JahreS projec- jectirte Kunst- und Ind u st rieaus stel- lung in Newyork hat dieser Anstalt nun ein weites Feld für ihr Wirken geöffnet. Ihr der New- Norker AuSsiellungSdirection gemachtes Anerbieten, in den ZollvereinSstaaten für die Beschickung der Ausstellung thätig sein zu wollen, ist mit Dank angenommen, demzufolge am 13. v. M. ein Circu- lar an die Industriellen des Zollvereins erlassen, in welchem dieselben zur Betheiligung mit dem Bewerten eingeladen wurden, daß die gewerblich-statistische Anstalt die gemachten Anmeldungen der AuS- fiellungSdirection bekannt geben, sowie aus portofreie Anfragen nähere Ausschlüsse ertheilen wird.
Die gewerblich statistische Anstalt veröffentlicht vun in Nro. 19 deS Vereinsblattes für deutsche Arbeit (dem Organ deS Eingangserwähnten Ver« fineS) die bis jetzt bei ihr eingegangencn Anmel
dungen (28 an der Zahl), unter denen einige der bedeutendesten Firmen der zollvereinsländischen Industrie. ES steht zu erwarten, daß auch die New- Norker Industrieausstellung in Deutschland große Theilnahme erregen werde.
WaS dem Unternehmen von großem Nutzen fein wird, und ihm, bei dem Mangel an Garantie von Seiten der Regierungen dennoch großen Credit verschaffen muß, ist die Bildung eines auS lauter angesehenen Männern NewyorkS bestehenden Comi- te'S. Die genannte Anstalt macht die Namen der selben bekannt. Wir bemerken unter ihnen z. B. den, vielleicht ersten, Juristen der vereinigten Staaten, W. Kent. Auch andere Mitglieder dieses Comites sind in Deutschland nicht unbekannt. DaS L öftre besteht auS den Herren: Franz W. CD* mondS, Direktor der MechanicSbank. Mortimer Livingston, Kaufmann, Agent und Hauplrheber der Havre- und Newyorker Dampfschiffe. August Belmont, Banquier. Watts Sherman, Banquier. Alfred Pell, Director der London Liverpooler Assecu- ranzcompagnie. Wm. C. Bryant, Schriftsteller, Hauptiheilhaber der „ Evening - Post". C. King, Präsident vom Columbia College in Newyork. Wm. Kent, Richter im Obergericht der vereinigten Slaa- icn, emeriiirt. E. K. Collins, Ocean-Dampfschiff- Rheder. Theodor Sedgwick, Rechtsanwalt. Alexander Hamilton, Rechtsanwalt. John E. Develin, Rechtsanwalt. Johnson Livingston, Mauihagent und Spediteur.
Die fünf erstgenannten werden als Depositoren, (Trustees) fungiren.
Hr. Conful C. L. Fleischmann, welcher in Kurzem nach denvereinigten Staaten zurückkehrt, hat sich auf Ersuchen der gewerblich statistischen Anstalt freundlich erboten , der .Ausstellungsangelegenheit seine uns besonders willkommene Prüfung und Vermittlung zu schenken; auch die königliche Centralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart widmet demselben Gegenstände ihr^Augenmerk.
Die von Hrn. Carl Buschek, österreich. Com« miffâr und Edward Riddle, Commiffär der vereinigten Staaten erlassene Aufforderung zur Beschickung der Newyorker Kunstausstellung, haben wir sammt den beigefügten Bedingungen.^ seiner Zeit mit- geiheilt.
Deutschland.
+ Von der Mainhöhe, 4. März. Von der schlechten llnterhaltung der Wege in einigen Gemarkungen unseres Amtes ist schon mehrfach in diesen Blättern die Rede gewesen, und ein neuer Beleg dafür ist folgender Vorfall: Vor einigen Wochen hauen sechs Fuhrleute von Wicker jeder circa 30 Wellen auf seinem Karren, also e)ne mäßige Pferdelast. Diese Wellen hatten dieselben auS einem Walde im Amte Idstein — die OrtSgemarkung habe ich nicht erfragt — geholt. Mit diesen sechs Fuhren blieben dieselben AbendS in der Gemarkung Medenbach oberhalb der Ziegelhütte mitten in dem Vicinalwege stecken und mußten daher auSspannen und in Medenbach übernachten. Am Morgen darauf waren vier Pferde kaum im Stande, einen Karren auS dem Morast zu schleifen. Hierdurch ging abermals soviel Zeit verloren, daß diese Leute mit ihren Fuhren erst gegen fünf Uhr AbendS zwischen Wallau und Maffenheim auf einer in der Gemarkung Delkenheim gelegenen Höhe in einem Hohlwege — auch ein Vicinalweg — ankamen und an dieser Stelle sanken die Karren bis an die Naben der Räder in den Grund, so daß sechs Pferde vor einen Karren gespannt werden mußten, und auch dann noch daS Flotlwerben erst möglich wurde, als sämmtliche Fuhrleute noch heben und drücken halfen. Die Leute halten daher jeder zu einer Beifuhr von 30 Wellen 2 ganze Tage verbraucht und Karren und Pferde mehr bei dieser einzigen Fahrt verdorben, alS sonst in einem halben Jahre. DieS der Vorfall zur beliebigen Nutzanwendung. ,
A Vom Lande, Anfang März. Der diesjährige Fastenbrief des hoch würdigsten Bischof von Limburg, welcher am Sonnlage Quinquagesimä von den Kanzeln verlesen wurde, hat ernst-mahnende, väterliche Worte an die Angehörigen dieses BiSlhumS gerichtet. Er gedenkt zunächst deS traurigen Zustandes der Christenheit in
der Gegenwart, sowie einzelner Hemmungen für daS Wirken dieser Kirche gegenüber der zu größerer Freiheit und scheinbarer Berechtigung gelangteu TageSweiSheit eines unchristlichen Zeitgeistes. Mit Erinnerung an die neueste pabsiliche Ansprache werden sodann die ermunternden Anfänge einer besseren Zukunft deS Christenlebens in der Wiederkehr größerer Theilnahme an dem kirchlichen Leben, sowie in der Bildung frommer Vereine zu wechselseitiger Heiligung sowohl als auch Behufs christlicher Armen- und Krankenpflege nachgewiesen und mit ehrender Ermunterung anerkannt.
Dieses würdige und umsichtige Fastenschreiben darf um seiner einfachen biblischen Haltung und seines richtigen Urtheils über die Gegenwart willen auch den evangelischen LandeSange- h ö rigcn zu sorglicher Beachtung empfohlen werden. Ist doch für die Mitglieder der evangelischen Kirche deS HerzogthumS seit dem Jahr 1848 eine schmerzliche Lücke in dieser Hinsicht eingetreten, da biS zu jenem Zeitpuncte durch den ehrwürdigen evangelischen Bischof Dr. Heidenreich von Anfang seines Amtsantritts alljährlich väterliche Hir tenwo r te z ur Derlesung au f Sonntag Jrtvocavit im Beginne der Fastenzeit an die Evangelischen in Nassau gerichtet wurden.
Warum diese Pastoralschreiben, welche von den gläubigen Mitgliedern der Kirche stetS mit innigem Danke ausgenommen wurden, seit jenem Jahre der Umwälzung nicht mehr erlassen worden sind, ob hieran die Ungunst und Ungebühr der letzten Jahre oder daS hohe Alter und Krankheitsschwäche des theuern Greifes Schuld trägt, ist nicht öffentlich bekannt geworden.
Welche Entbehrung aber gerade in den vorü> bergegangenen aufechtungSvollen Jahren mit dem Unterbleiben der früheren bischöflichen Ansprache für Die evangelischen Gemeinden in mehrfacher Hinsicht verbunden gewesen ist, liegt nahe, — besonders wenn die weihevollen Worte einzelner Fastenschrei, den inS Gedächtniß zurückgerufen werden.
Diese bischöflichen Fastenbriefe haben zwar in jenen verflossenen Jahren auch mannichfache Anfechtung und hämische Ausstellung erfahren. Sie waren selbstredend mit ihrem gewichtigen Ernste, mit ihrem markigen Bekenntnisse manchem Prediger, gegen dessen sonstige Canzelvorträge sie in hervorstechendem Gegensatze standen, unbequem. Indessen abgesehen von mancher oft zu weiten formellen Ausdehnung dieser bischöflichen Ansprachen, dürfte gerade der Tabel, welcher um ihres entschiedenen kirchlichen Zeugnisses willen wider dieselben erhoben wurde, eine zwiefache Hinweisung darauf sein, wie würdig und umfassend dieselben einem eitel wählerischen SubjcctiriSmuS sowie einem verweichlichten sentimentalen Geschmacke der Neuzeit cntgegengetre- ten sind. ES ist daher lebhaft zu beklagen, daß die angedeutete Unterbrechung gerade in den letzten vier Jahren stattfanb, wo durch wilde Aufregung der Gemüther, durch daS dreiste Eindringen der Freigemeindicr in die Heiligthümer der Kirche, so» wie durch die massenhafte Verbreitung verführerischer Schmäh- und Zweifel-Schrifttn die ewig. Kirche Den größten Gefahren, der stärksten Zerstörung ausgesetzt war.
Der Wunsch und die Bitte werden daher nich. unberechtigt sein, falls es dem hochbetagten Bischöfe nicht möglich sein sollte, selbst an seine Pflegebre fohlene ein Wort väterlicher Ermahnung zu richten, daß von Seiten deS Hochwürbigen evang. Kirchen- SenatS deßfallsige Anträge höchsten OrlS gestellt würden, um wo möglich noch in diesem Jahre, etwa beim AuSschreiben deS jährlichen BußtagSterteS oder zur h. Feier dieses ernsten Tages selber Pastoral- schreiben in ähnlicher Weise wie in früheren Jahren richten zu lassen.
D Diez, 5. März. Schon lange ist daS Gesetz erlassen, wonach mit dem 1. Oktober d. I neues Maaß und Gewicht eingeführt werden soll und bis jetzt sind zur Ausführung dieses Gesetzes noch keinerlei Schritte von dem Herzogl. StaatS- Ministerium geschehen, indem die Kreisämler noch ohne alle Instruction sind. In doppelter Beziehung ist eS wünfchenSwerth, daß alSbalv die nöthigen Verfügungen zur Ausführung dieses Gesetzes erlassen würden. FürS Erste erfordert die Beschaffung