aus der bisherigen zu lockeren Verfassung schon des kleineren Zollvereines hervorgetretâ waren, wünschte sofort den Bedingungen eineS in sich lebenskräftigen Organismus zu genügen und dadurch zugleich den Nehergang von der völkerrechtlichen VertragSgrund-' läge der neuen größeren Zolleinigung zu der dauernden bundeSrcchllichen Grundlage für die Zukunft zu erleichtern. Allein die Subcommission (B), welcher Me Borberrtrung ^fëner Paragraphen oblag, und ebenso die Mehrheit der Conserenzmiiglieder mochten für gerathener halten, sich vorerst einfach der schon herkömmlichen Form deS Zollvereines anzuschließen, welche voraussichtlich auch sich am ersten der Zustimmung aller deutschen Regierungen zu erfreuen haben durfte, und die weitere Entwickelung dieser Organisation der Zukunft anheimzugeden. Daher wurde auf Antrag der Subcommiision von der Mehrheit der Conferenz beschlossen hinsichtlich der periodischen Conferenzen und deS Centralbureau, ferner der VereinScommissarien und Controleure vorläufig die Annahme der Grundsätze der Zollver- einSverträge zu empfehlen. Jedoch sollen die Con- ferenzen stets am Eitze deS Bundestages stattfinden, wo auch daS Centralbureau bestehen wird. DaS Kanzleipersonal, daS Local, die Druckkosten und ähnliche Auslagen der 'Zusammentretungen werden auS den gemeinsamen Einkünften bestritten. Ebenso bleibt der Grundsatz deS Zollvereines aufrecht, daß allen Vereinsstaaten die gleiche Silmmberechligung zustehen soll, insofern nicht zwischen Den VereinS- Staaten bestehende Verträge etwas Anderes festsetzen.
Manchen mag dies freilich nicht die volle Befriedigung gewähren, weil sie in diesen Bestimmungen noch lange nicht die definitive Form der ge- fammten Zolleinigung finden werden. Allein daS Bessere ist oft des Guten Feind, und das Werden deS Zollvereins selbst hat eS bewiesen, daß gerade diese lose streng völkerrechtliche Form daS erste Begründen von Zolleinigungen ungemein erleichtern könne. Bei einer Gestaltung mit einer so großen Fülle von innerem Leben und lebendigem Inhalte darf man bann auch der Fortbildung der Zeiten vertrauen! Der ZolleinigungSvertrag, wie er im Entwurfs beschlossen worden ist, liegt jetzt vollständig und bereits gedruckt vor. Wie Vieles, wie Großes und Herrliches bietet er auch in dieser vereinbarten Form Deutschlands dar! Für alle Hauptfragen ward eine passende Lösung gefunden, über alle wichtigen Puncte ein klares Einverständniß erzielt, und blos über einige auf den Separatartikel 5., der über StaatSmonopole handelt, bezügliche Controlen und Csntrvlöerleichterungen von untergeordneter Bedeutung kam kein Beschluß zu Stande. Die baldige Veröffentlichung der vollständigen Ergebnisse der Wiener Conferenzen, d. h. der beiden Vertragsentwürfe steht zu hoffen, vielleicht wird dann das Gewicht der öffentlichen Meinung in Deutschland für die Verwirklichung dieser schönen Ergebnisse sich mit in die Wagschale senken.
Deutschland.
2 Von der Mainhöhe, 28. Februar. DaS immerwährende Steigen der nothwendigsten Lebensbedürfnisse macht sich jetzt auch in der hiesigen, von der Natur auS sonst recht gesegneten Gegend auf eine sehr bedauerliche Weise bemerklich, indem eS schon häufig vorgekommen ist, daß nächtlicherweise Gruben, in welchen Kartoffeln vergraben waren, gänzlich geleert werden. Kann.eS Übrigens anders kommen bei der zunehmenden Verarmung auf der einen und dem Wuchersystem auf der andern Seite? ES ist wahr, daß daS verflossene Jahr nicht die Masse Getreide geliefert hat, als manches vergangene, aber dieß kann man kühn behaupten, daß mindestens in unserer Gegend noch mehr Getreide gewachsen ist, alS der Bedarf erfordert, — und dabei daS durch Speculanten und den Geiz Vieler hervsrgerufene unnatürliche Steigen der Frucht- und Brodpreife; — so daß kaum der fleißigste Familienvater, welcher zur Ernährung der Seinigen auf den Taglohn angewiesen ist, von seinem Verdienste daS Brod für seine Haushaltung verdienen kann, nicht zu gedenken der weiteren Bedürfnisse. Man traue ja nicht den Angaben unserer reichen Bauern hinsichtlich ihrer Fruchtvorräthe; denn ein ganz anderes Resultat würde sich Herausstellen, wenn ihre Speicher von Abgeordneten der Behörden einmal visiiirt werden sollten. Wer auf dem Lande verkehrt, und die ängstlichen Fragen der Reichen nach jedem Hauptmarkle hort: „Hat die Frucht wieder angezogen" ? der läßt sich von dem Geschrei über Geireidemangel nicht beirren. Vor Kurzem bemerkte ein Correspondent VeS Wanderers, daß Deutschland, nicht wie England, ein Irland zu verantworten habe; doch, wenn der Druck, welchen unsere reichen Bauern durch ihren Fruchtwucher auf ihre armen Mildrüder auSüben, nicht bald sein Ende erreicht, so haben wir ein Irland in jeder Dorfgemeinde , und wer wird sich da wundern, daß der CommuniSmuS, wenn auch heimlich, täglich mehr Boden gewinnt. DaS Jahr 1848 hat den Reichthum erzittern gemacht, aber nicht gebessert.
+ Niederwalluf, AmtS Eltville, 3. März, Gestern hatten wir dahier einen Erceß der — wie- wohl wir an dergleichen Auftritt seit 1848 gewöhnt find — denn -doch den Lesern Ihres geschätzten Blattes einen neuen Beweis liefert, wie tief unsere Zustände erschüttert sind.
Die beurlaubten Soldaten von hier und Oberwalluf erschienen gestern in Uniform, bewaffnet mit Säbel und Gewehren, um einen dahier verstorbenen Gameraben zu beerdigen; ein Trommler zog der Abtheilung voran und auf dem Friedhofe gaben sie mehrere Salven.
Nachdem dieser Act beendigt, zogen fragliche Bursche mit den Waffen im Dorfe herum und verführten ein solches Lärmen, daß sich ängstliche Gemüther fürchteten und Die Flucht ergriffen.
Der Hauptscandal gab sich jedoch erst in der Behausung eines hiesigen Bürgers und Gastwirths kund, welcher einer gewissen Partei mißliebig ist und unlängst — am Fastnachtssonntage — eine beabsichtigte Satyre auf die Reaktionäre und daS Pfaffenthum, wie sie es nannten, dadurch störte, daß er die unter den Namen Trütschler, Robert Blum und Genossen figurirenden Helden die Treppe hinab spebirte.
Einer der Soldaten soll sogar sein Gewehr scharf geladen gehabt und gefährliche Aeußerungen gemacht haben. Als jedoch die Hausbewohner sich geflüchtet hatten, kühlten die rohen Gesellen ihren Muth durch Zerschlagen der Thüre , Fenster und deS MöblementS und zwar mit scharfen Säbeln. Die herbeigeeilten Landjäger hatten große Mühe, dem Skandal ein Ende zu machen und wurden, als sie den Haupträdelsführer drretirten , bis nach Eltville verfolgt und wäre es nicht NachtS (11 Uhr) gewesen, so würde wohl noch Blut geflossen sein.
Der. Schaden, den die Frevler angerichtet , ist nicht unbedeutend, allein nach unserm Strafgesetze dürfte ihre Strafe nicht nach Gebühr auSfallen, [ deßhalb geben wir unS der Hoffnung hin, daß sie - die Miliiärbehörde einziehen und ihnen die FreiheitS- possen aus dem Kopfe treiben wird.
Schließlich können wir nicht oft und dringend genug darauf Hinweisen, wie wir allen diesen gesetzlosen Zustand am meisten deßhalb zu beklagen ha, den, daß die Policei in den Händen der Bürgermeister liegt und empfehlen wiederholt diesenPunct den Hohen Behörden zur geeigneten Abänderung.
T Von der Lahn Zu einer Zeit, wo man wieder recht geflissentlich von der Uebermacht deS Kapitals, deS liegenden und deS beweglichen, die grauenhaftesten Schilderungen in Volksblätter wirft und dadurch den nimmer ruhenden Stachel der Nichihäkëndën oder Minderhabenden gegen die Habenden zu reizen sucht, ist eö erfreulich, wenn historische Forscher die Vergleichung zwischen Ehedem und Jetzt einer gründlichen Untersuchung unterziehen. Der kurfürstl. Hess. Archivar, Dr. Landau zu Kassel, hat im vorigen Jahre bei dem dortigen historischen Vereine eine Uebersicht deS Betrages verschiedener Arbeitslöhne seit dem 15. Jahrhundert gegeben mit den gleichzeitigen Preisen der nothwendigsten Lebensbedürfnisse. DaS Resultat der Vergleichung fiel dahin auS, daß im Allgemeinen der Arbeitslohn gestiegen ist und die Lebensbedürfnisse billiger geworden sind. Wie wir hören, wird dieser Vortrag mit erweiterter Form und den nöthigen Belegen im Buchhandel demnächst erscheinen und so einen interessanten Beitrag zur Geschichte deS PauperiSmuS in Deutschland liefern. — Man braucht aber nicht in so ferne Zeiten zurückzugehen und den Staub der Archive aufzurühren; man darf nur bejahrte Leute fragen , deren Erinnerung bis an oder bis über die Gränze deS gegenwärtigen Jahrhunderts hinaufreicht, um zu gleichen Resultaten, z. B. bei den Arbeitslöhnen der Gesellen und der Handwerker zu gelangen.
Darmstadt, 3. März. DaS Ministeriairescript gegen die Bärte der Anwälte, so wird der Ober- postamtS-Zeitung geschrieben, ist nun auch in der Provinz Rheinhessen zur Anwendung gekommen. Advocal Lehne in Alzei erschien am 25. v. M. vor dem dortigen KreiSgerichte zur Verhandlung einer Rechtssache. Da der Präsident wahrnahm, daß derselbe einen Bart trage, so bedeutete er ihn, daß dieses dem Mmisterialrcscripte zuwiderlaufe. Lehne widersprach der Verbindlichkeit, sich demselben zu fügen, worauf der Präsident protocollarisch feststellen ließ, daß derselbe einen Bart trage und damit vor Gericht erschienen sei, und der StaatSanwalt auf Grund einer Verordnung auS der französischen Herrschaft (vom 30. März 1808), welche die Nichtbeachtung von Gesetzen und Reglements mit Strafe bedroht, auf Suspension des Widerstrebenden antrug. Dieser bestritt diesen Antrag aus mehreren Gründen, auch aus dem, baß das Rescripl von einer bloßen „Erwartung«, die Anwälte würden ihm nachleben, rede, aber vergebens. DaS Gericht entsprach dem Anträge deS StaatSanwaltS und verur- theilte den Avvocat Lehne zu acht Tagen Suspension von der Abvocatur.
Fulda, 3. März. DaS Verbot der Maskenbälle im Lande ist dahier soweit ausgedehnt worden.
daß auch an dem s. g. Hutzelsonntag, wo man sich hier nad) alter Weise deS AbendS gegenseitig maS- litt zu besuchen pflegt, um sich mit Kräpeln bewir- t^n zu lassen, daS Tragen von Wasken untersagt wurde und bis zur Nachtzeit zur Äufrechchaltung dieses Verbots Patrouillen die Stadt durchzogen.
Würzburg, 2. März. Es verdient rühmlichst erwähnt zu werden, daß die verschiedenen Main- dampfschifffahrtS - Compagnien förmlich wetteifern, um dem Nothstände am Spessart und an der Rhön durch unentgeldliche Beförderung von Lebensmitteln nach Kräften entgegen zu wirken.
München , 2. März. Der Flügeladjutant Sr. Maj. des Königs, Oberst v. d. Tann, wurde zum königlichen Kammerherrn ernannt. — Aufs Neue verbreitete sich daS Gerücht, daß eine Wiederaufbe« bung des CultuSministeriumS und Wiedervereinigung desselben mit dem Ministerium deS Innern beabsichtigt sei.
Leipzig, 2. März. Abermals ist eine der vielen Maiuntersuchungen zu Ende gegangen, die Rochlitzer. ES haben'dabei mehrere Begnadigungen stattgefunden, indem die dem Cantor Funke nnd dem Wagner Häberlein. zuerkannte siebenjährige Zuchthausstrafe in eine zweijährige zweiten Grades verwandelt wurde. Ferner bekam der Nadler Fichtner statt sechs Jahren Zuchthaus zwei Jahre zweiten Grades, und der Brückenschreiber Dietz statt eines JahreS Arbeitshaus ein halbes.
Die studentische Verbindung der Cherusker ist nun ebenfalls aufgelöst, wie es neulich mit der der Varisker geschah. Man erzählt sich, daß unter den Motiven der Auflösung der letztgenannten auch daS gewesen, daß unter ihren Farben, — schwarz, roth, weiß, — daS Weiß eigentlich Gold bedeuten solle.
Hannover, 1. März. (Hannov. Z.) Heute Nachmittags ist der Zoll- und Handelsvertrag mit Oldenburg von den resp, dazu Bevollmächtigten unterzeichnet worden.
Koblenz, 3. März. Der gestrige Nachmittag war ein sehr unglücklicher für unsere rheinische Dampfschifffahrt. ES war halb 6 Uhr AbendS und in Folge Schneegestöbers ziemlich trübe, als daS Dampfboot „Beethoven" (der Kölnischen Gesellschaft gehörig) in der Bergfahrt und ein niederländischer Dampfer in der Thalfahrt, in dem engen Fahrwasser bei Krsselheim, etwa eine Stunde rheinab« wârtö von hier ankamen. Obschon der „Beethoven« sich angelegen sein ließ, so viel wie möglich seitwärts auSzuwcichen, sah sich doch der Niederländer, um nicht direct auf den Kesselheimer Grund aut'zu- rennen, genöthigt, plötzlich eine Wendung zu machen und fuhr so mit voller Kraft dem „Beethoven" quer in die Seite, daß Bugspriet, Radkasten ic. deS letzteren sofort in den Rhein stürzten, überhaupt der „Beethoven" so zerstört wurde, daß er gleich darauf sank und jetzt unter Wasser liegt. Der Koch und daS Dienstmädchen deS „Beethoven", tvelche gerade in der Küche auf dem Radkasten sich befanden, wurden dabei bedeutend verletzt, der Conducteur stürzte mit dem Radkasten in den Rhein und rettete sich schwimmend auf den Niederländer. Die Passagiere wurden eiligst mit Kähnen und Schaluppen auf den Niederländer und anS Land gebracht. Ein werth- volles Pferd, welches vorn auf dem Beethoven in einem Stalle sich befand, ertrank, indem man in der Verwirung vergaß oder nicht Zeit hatte, dasselbe auS dem Stalle Herauözulassen. Die Beschädigungen des niederländischen Bootes dürften wohl von keinem großen Belange sein.
Berlin, 2. März. Die Maßregeln, zu welchen die Regierung in Betreff des Nothstandes, der in einzelnen LandeStheNen hervorgetreten ist, sich veranlaßt steht, werden überall mit Zustimmung und Beifall ausgenommen. Vorzugsweise dürfte der Beschluß, die Erhebung der Eingangssteuer auf die nothwendigsten Lebensmittel: Getreide, Hülsenfrüchte und Mehl, im Zollvereinsgebiete bis zum 31. August d. J. einzustellen, als ein heilsamer be- grüßt werden. Wie vom Finanzministerium auS versichert wurde, lagern bedeutende Getreide-Zufuhren an den Gränzen deS Zollvereingebietes, welche auf eine Maßregel, wie die von der Regierung beschlossene, nur warten, um die Zollvereinsstaaten aufzuiuchen. Es läßt sich in Folge hiervon eine sofortige Ermäßigung der Kornpreise auf die normale Höhe erwarten. Der w e imarischen Regierung ist daS Verdienst zuzuiprechen, daß sie eine Maßregel dieser Art bei den Zollvereinsstaaten zuerst in Anregung gebracht hat.
Als RegierungScommissar zur Berathnng über die Zeitungssteuer ist der Chefredacteur der Preuß. Zeitung, Dr. Quehl, ernannt worden. ES scheint dies indessen bei den Mitgliedern der hierher bestimmten Berichterstattungscommission keinen günstigen Eindruck gemacht zu haben, da von denselben bei dem Kammerpräsidenten Grafen Schwerin Schritte gethan worden sind, um bei Herrn von M a n t eu f f e l anzufragen , ob Herr Quehl auch hierzu die nöthigen Qualifikationen besitze, wor«