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sich zunächst nur auf das Neuere »er Einrichtun- gtN und hat nach der Geschichte darin wohl ihre Begründung; Hr. Chmel faßt die Sache tiefer, und sehr gern werden ihm da die Leser zugestehen, waS er behauptet.

Deutschland.

Don der US, Ende Februar. Es ist ein wichtiger Fortschritt in unserer Volkserziehung, daß die künftigen Volkslehrer neuerdings tiefer in die Entwicklung der Menschheit und die großen Ge­schicke der Weltgeschichte eingefnhrt werden und zwar von dem für sie allein angemessenen religiösen Standpunkte auS, indem die Entwicklung der Mensch, Heil alS ihre Erziehung zum GotteSreich erfaßt wird. Daß hierbei die vaterländische Geschichte be­sonders berücksichtigt wird, versteht sich von selbst. Die letzten Jahre würden nicht so viele unerfreu­liche Erscheinungen, die meist auS einem engherzi­gen, selbstsüchtigen Parteigeist hervorgegangen wa. ren, gesehen haben, wenn man früher einen ge­summt vaterländischen, acht patriotischen Sinn ge, pflegt hatte. Die Elementarlehrer sind gerade am häufigsten einer krankhaften radicalen Richtung ver­fallen, weil man in ihr Gemüth keinen Respect vor großen historischen Entwicklungen und für die va­terländische Vorzeit gepflegt hatte. Man ist nun von dem Vorurcheil zurückgekommen, die künftigen Volkslehrer bedünlen nicht der Erkenntniß der va­terländischen Geschichte. Es kommt nur darauf an, daß diese ihnen in einer Weise vermittelt wird, daß sie auch wirklich ein Verständniß der dem Gesichts­kreis deS VolkâlefwerS zunächst gelegenen Dinge ist. In Deutschland hat sich aus der Umwälzung der Verhältnisse, welche die Auflösung des alten Rei­ches herbeiführte, viel WerlhvolleS erhalten. Leider ist aber das Volk sich desselben wenig bewußt ge, blieben. Die neuere Entwicklung der Geschicht­schreibung kommt diesem BolkSbedürfniffe förderlich entgegen, so daß die populäre Behandlung in die­sen Dingen auch immer sicherer gehen kann. Den Weg, den JustuS Möser bereits im vorigen Jahr­hundert betreten, ist der allein zum Ziel führende. Dieser deutsche Mann verstand sich auf die Bedürf­nisse seines Volkes, im Großen, wie im Kleinen. Eine besondere Ausgabe deS Lehrerseminars ist die Erweckung der Freude an der engeren Geschichte der Heimath, wozu die Jugend viel Empfänglich­keit mitbringl. Diese Geschichte läßt sich auch oft noch an Ruinen, Sitten, Gebräuche und lebendige Mächte deS Daseins anknüpfen. In dem sogenann­tenSchrank" findet sich in jeder Schule schon eine ziemliche Anzahl von Hilfsmitteln für diesen Un- ° lerricht; denn die Regierung hat seit mehreren Jahrzehnten alle dahin einschlagenden Bücher, be« j sonders die von Nassauern herauSgegedenen durch ; die Schulen anschassen lassen. Leider wird dieser i Schrank" nur zu wenig benutzt. In Vogels To­pographie des HerzogthumS allein ist in dieser Be­ziehung schon ein großer Schatz zu heben. Ader der historische Sinn, die Lust, diese Bücher zu be­nutzen , wurde nicht entwickelt. Dies wird nun hoffentlich eine Aenderung erfahren. Die achte Heimalhökunde wird iw Volksleben thätiger wirken, als die Kenntniß der aus der Fremde stammenden politischen Theorien.

Som SaunuS, 28. Febr. Kaum ist es den achtbaren Bemühungen des geistlichen Obern gelungen, die evangelische Geistlichkeit von dem offv ctellen Ausschluß von der jeder Kirche zum Leden Nothwendigen thätigen Liebe in der Armenpflege we nigstenS in soweit zu befreien, daß die Kirchenvor- ßânde wieder über die für Arme bestimmten Kir- chenopf«r zu diesem Zweck in christlichem Geist selbst verfügen können; so lesen wir mit Bedauern in dem Allg. Nass. Sckulblait, daß in den Ortschaften einer Pfarrei diese Kirchenopfer zn WeihnachtSge- schenken an reiche und arme Kinder aller Con- fessionen verwendet wurden; schön, wenn nur nicht den Armen daö Ihre wäre genommen; oder doch zum größten Theile wäre geschmälert worden. Die darüber erhobene Lobhudelei kann nur als ganz unpassend bezeichnet werden. Wir würden eS ganz in der Ordnung finden, wenn die geistlichen Odern sowie Herzogl. Rechnungökammer dafür sorgte, daß die Gelder wieder in den GotteSkasten ersetzt und ihrer Bestimmung gemäß nur für Armen ver­wendet werden.

Armenpflege auS den Aermeln deS selbstgefäl­ligen Schlafrocks taugt nicht; besonders nicht in diesen traurigen Zeiten.

Frankfurt, 25, Febr. Wie an alle europäische Höfe hatte Ludwig Napoleon ein auf die December- tag« bezügliches Notificalionöschreiben auch an den Bundestag gerichtet. ^Dcr Kass. Ztg. zufolge ist Beantwortung dieses Schreibens in der letzten Bun- deStogSfitzung in der vom Präsidium beantragten Weise beschlossen und die betreffende AntworlSnore in einem Tone abgesaßt worden, welcher vollstän­dig mit den bis jetzt von Ludwig Napoleon kupd- gegebenen Bestrebungen harmonirt".

DerSchief. Ztg." schreibt man von hier: Die Verhandlungen der Wiener Zollconferenz schei­nen sich ganz außerordentlich in die Länge zu ziehen. Nach einem unsere Handelsreise durchlaufenden Privatschrtiden von Wien hätte der Bevollmächtigte eines dort vertretenen deutschen MittelstaateS, auf dessen Unterstützung Oesterreich seither ganz beson­ders gerechnet, eine die Schwarzenberg'fchen Pläne geradezu durchkreuzende Erklärung abgegeben. Auch der herzoglich nassauische Bevollmächtigte, Re­gierungspräsident Vollpracht, soll sich minder will­fährig auf diese Pläne einzug.hen bezeigen, alS man zu Wien mit Hinsicht auf den letzten Ministerwech­sel in Wiesbaden erwartet (?) haben mochte".

Karlsruhe, 28. Febr. (K. Z.) Wie fest die Ansicht unserer zweiten Ständekammer steht, den Zollverein mit Preußen aufrecht zu erhalten, kann auS einer interessanten Verhandlung entnommen werden, welche in der gcstrig.Sitzung gepflogen wurde. Im Budgelbericht über die Zollverwaltung hatte die Commission den Antrag gestellt, die Kammer möge folgende Erklärung zu Protokoll niederlegen:Die großherzogiiche Regierung wolle dahin wirken, daß der Zollverein auch ferner erhalten und dessen (Sri stenz durch eine den neueren Verhältnissen und Be­dürfnissen angemessene Organisation für die Dauer begründet werde".

Dieser Antrag gab dem Abgeordneten Zell Veranlassung, seine Sympathieen für Oesterreich kund zu geben und eine Deutung hinein zu legen, welche der Zolleinigung mit der ganzen Monarchie Oesterreichs entspräche; dabei tadelte er das Ver­fahren Preußens, hinsichtlich der Rückbehaltung der badischen Zollgefälle, wegen der Kosten der Mobil­machung seines Heeres und den einseitigen Abschluß eines Zollvertrages mit dem Steuerein. Die Abg, Dennig, Platz, Matthy und Weller beleuchteten hierauf die handelspolitischen Interessen Badens in höchst gediegenen Vorträgen und wiesen schlagend nach, daß der Zollverein zunächst erhalten werden müsse, und daß nur durch ihn eine Annäherung an Oe­sterreich gemacht werden könne, während die Spreng­ung deS Zollvereins daS letzte nationale Band Deurjchlands zerreißen werde; sie schilderten tref­fend, wie eine Partei in Deutschland cristire, welche die Handelspolitik Preußens zu diScreditiren suche, um einem Nebelgcbtlde zu Gunsten Oesterreichs nachzujagen. Nicht eine einzige Stimme ließ sich sodann im Sinne veö Abgeordneten Zell vernehmen, und es blieb ihm am Schluffe der Debatte nichts Anderes übrig, als für den ganz anders cvmmen- tirltn Antrag der Commission zu stimmen, der sofort einstimmig-angenommen wurde. Der Präsident deS Finanzministeriums, StaatSrath Regenauer, hatte sich bei der ganzen Debatte nicht betheiligt.

Man vernimmt, daß eine Uebereinkunft zwi­schen Preußen und Baden hinsichtlich der Kosten für die militärische Hülfeleistung von Seiten deS ersteren StaateS abgeschlossen ist; hiernach soll die ursprüngliche preußische Forderung von 2,600,000 Thalern auf 1,500,000 Thalern herabgesetzt wor­den sein, deren Besitz Preußen bereits dadurch ge­worden ist, daß eS den badischen Zollrevenuen- Antheil zurückbehalten ha«.

Die dad. Regierung hat, wie eS heißt, den Ver­trag an die Zustimmung ihrer Stände geknüpft; ob die preußische Regierung dasselbe Verfahren zu beobachten gedenkt, wissen wir nicht. Jedenfalls scheint eS sicher zu sein, daß unsere beiden Kam­mern die Uebereinkunft genehmigen werden, ohne jedoch den Ansprüchen Badens an den deutschen Bund zu entsagen.

Kassel, 29, Febr. Die hiesige Zeitung bringt in einem Artikel d. d. Wiesbaden, 28. Febr., folgende Betrachtungen über Nassaus Eisen­industrie und die Zollfrage: Mit ge­spannter Aufmerksamkeit verfolgt ein großer Theil der Bevölkerung unseres HerzogthumS die Entwick­lung der Zollsrage. Besonders zieht die Forderung der Hannover'schen Stände die allgemeine Aufmerk­samkeit auf sich, daß der Eingangszoll auf Roheisen ganz schwinde und der auf Slabeisen und schweres Eisenblech auf zwei Thaler herabgesetzt werde. Man wird dadurch sehr unangenehm berühr«, da die Ei­senindustrie der wichtigste ErwerbSzweig unseres Landes ist und sich bei den bisherigen höheren Zoll­sätzen nur mit Mühe gegen die englische Uebermacht erhalten konnte. Ginge eS den hannover'schen Stän­den nach Willen, jo würden unsere Eisenhütten ihr Geschäft ganz einstellen müssen und nur einige Berg­werke würde«, etwa fortbetrieben werden können, weil ihr Gestein unvergleichlich ist uno weit in die Fremde geholt wird. Man wundert sich überhaupt hier am Rheine über den unverbolenen Egoismus, welcher sich an unserer Nordseeküste ausspricht, von der Ostseeküste ganz zu geschweigen. Wir wollen nichts darü er sagen, daß unsere ëeefüfte einen höheren Antheil an dein gesummten Zollerirage ver­langt, weil sie mehr Kaffee und Zucker consumire alS der Taunus oder Spessart, obgleich z. B. auch der Franzose mehr Colonialwaaren verbraucht als die Sevepnendlstricte, ihm aber das Blut in den Kopf steigen würde, deshalb auS der ©efammtcaffe ; deS Vaterlandes Gelb herausverlangen zu sollen,

indem er den Geschäftsverkehr deS Binnenlandes über'S Meer besorgt. Wir müssen die Fürsorge für den localen Geldbeutel bei den vielen anderweitigen Vorzügen deS FöderativsystemeS mit in Kauf neh­men ; aber das scheint uns denn doch zu viel ver­langt , daß die ganze Industrie deS Binnenlandes gestört werde und zwar zum verhâl'nißmäßig ge­ringen und nur nächstzeickichen Vorlheil der Mee­resküste. Preußen allein gegenüber mögen die han­nover'schen Stanke wohl solche Ansinnen stellen. Wenn sie eS mit ganz Mitteleuropa zil thuen ha­ben, werden sie wohl die Absonderlichkeit ihres Be­gehrens erkennen. Zu unserem neuen StaatSmini- ster, Fürsten von Wittgenstein, Hegen mit daS volle Vertrauen, daß er die wichtigsten Inter­essen unseres Landes nicht werde hinopfern lassen, sondern mit Denen Hand in Hand gehen werde, welche den einheimischen Fleiß gegen die Fremde zu schützen wissen.

Der Vorstand deS KriegâministeriumS , Oberst V. HNynau, ist mit seinem Vater, dein alten pensionirten Generallieutenant, welcher im Herbst 1850 alsmilitärischer Oberbefehlshaber" so un­glücklich debutirte, nach Gratz verreist, um eine Con- ferenz in Familienangelegenheiten zu halten. Da nun Herr v. Ende, einer der militärischen Beisitzer des General-AudiloratS, welcher schon früher längere Zeit im Ministerium gearbeitet hat, interimistisch mit Versehung deS Kriegsministeriums beauftragt ist, so hat der höchst zuverlässige Herr v. Schenk, Commandeur der Garde du CorpS, einstweilen dessen Platz im General-Auditorat einnehmen müs­sen. Man bezeichnet den 5. März alS ben Tag, an welche,« dein alten General-Audidorat von dem neuen daS Urtheil werde gesprochen werden.

Kassel, 1. März. Ein Ausschreiben deS kur­fürstlichen Finanzministeriums verordnet, in Rück­sicht der eingetretenen Theuerung der Brodfrüchte, die zollfreie Einführung deS Getreides, der Hülsen­früchte des Mehls und der Mühlenfabricate bis zu« 30. September d. J.

Berlin, 28. Febr. Die AuSweisnngSangelcgen- Heit des frühern hiesigen deutsch-katholischen Pfar­rers Brauner ist, wie es scheint, in ihr letztes Sta­dium getreten. Herr Brauner, der sich krankheits­halber hier aushielt, hat die Weisung erhalten, bis spätestens zum 20. März Berlin zu verlassen. Es ist damit die Andeutung verknüpft worden, daß sei­nem Aufenthalte in Habelschwerdt, seinem Geburts­orte, nich'lS entgegen stehen werde. Herr Brauner, dem der Aufenthalt in einem streng katholischen Be- zirk mit manchen Uebelstânden verknüpft zu sein scheint, hat sich hierauf an daS Ministerium deS Innern mit der Bitte um einen Paß ins Ausland gewandt.

Bei Anregung der Frage über gesetzliche Ein­richtungen, um den Ehen der Mitglieder freier Ge­meinden bürgerliche Geltung ju verschaffen, wurde von Seiten der Regierung die Erklärung gegeben, daß, sofern Geistliche bereit seien, solche Ehen einzu­segnen, die Regierung dies nicht hindere, daher sie auch keine Lücke in der Gesetzgebung erblicken könne. Gegen Geistliche, «velche sich daz«i nicht verstehen wollten, könne aber auch fein Zwang geübt werden.

In der (Kommission für Finanzen und Zölle steht dem RegierungSentwurf die Einführung der Zeilungssteuer betreffend, bis jetzt eigentlich nur der Antrag deS Abgeordn. Pochhammer auf gleich­mäßige Besteuerung aller Zeitungen, abgesehen von Größe, Verbreitung rc., gegenüber. Die Regie­rung spricht sich ziemlich bestimmt gegen diesen Vorschlag auS und hält den von ihr vorgeschlage- nen Steuer; oduS Unter Ermäßigung deS proponir- ten Steuersatzes für weniger drückend für die TageS- Presse. Dem Vernehmen nach wird der Regie, rungSentwurf in der Weise interprelirt, daß der durch die Steuer hervorgerufene Aufschlag deS ZeitungSpreiseS von der Entrichtung der Postpro- Vision befreit fein soll.

Posen, 27. Febri Die Nachrichten auS War­schau lauten in Bezug auf die bevorstehende An­kunft deS Kaisers Nikolaus im Monat März immer bestimmter. Daß sich seine Reise weiter erstrecken nnd daß er namentlich in Berlin einen Besuch ab« statten werde, davon ist bis jetzt keine Rede; dage­gen lassen die Einrichtungen, welche in den kaiser­lichen Palästen getroffen werden, darauf schließen, daß man den Besuch auch anderer hoher Fremden daselbst erwart«. Wir haben schon mitgetheilt, mit welcher Energie der Bau der Eisenbahn von Warschau nach Petersburg in Angriff genommen werden soll. Nach weiteren erhaltenen Mutheilun- gen darüber werden die Schienen schon jetzt ange, kauft und der Lieferungstermin bis spätestens Juli dafür angesetzt; ebenso sind die LieferungScontracte über sämmtliche auf der ganzen Bahn erforverllche Locomotive rc. schon abgeschlossen. Man sieht dar­aus, mit welcher ungeheuren Eile diese Bahn her­gestellt werden soll , deren strategische Wichtigkeit für Rußland allerdings sehr groß ist.

Hamburg, 28. Febr, Gestern sind die beiden BundeScommiffâre, General von Thümen und Ge-