Nassauische Allgemeine Zeitung.
M 82
Dienstag -en 2. März
1882.
, Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränumerationspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und TaxiSfchen Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Postaufschlages nur Ä fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland nur S fl. ^* fr. — Jnsera te werden die dreisvaltige Pelitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bet den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Das Torry-Ministerium.
Deutschland, Wiesbaden (Anordnung von Neuwahlen).
— Dom Westerwald (Industrielles).— Vom Rhein (Das Bremer Handelsblatt). — Frankfurt (Der Zollverein. Die Fottenangelegenheit). — KarlSruhe (Die Conferenz der RegierungScommiffâre). — Berlin'(DaS ConcesstonSwesen. Die Reform des Schulwesens. Wirkungen des Septembervertrages. Prinz Friedrich von Baden. Unterhandlungen mit dem Herzog von Augustenburg). — Hamburg (Ruschak).—Wie n (Reise deS Kaisers nach Triest. Die Stellung Ungarns. Gründung eines Bonifa- ciusvereins. Filialbank in Triest. Vermischtes).
Schweiz. Bern (Die Notenangelegenheit. Ausweisung von Flüchtlingen).
Frankreich. Paris (Decrete. Lord Malmesbury. Die deutschen Communisten. Vermischtes).
Großbritannien. London (Erklärung des neuen Ministeriums. Die irischen Gefangenen. Thomas Moore f). America. Neu-OrleänS (v. Hülsemann. Die Vereinigten Staaten und Spanien. Vom La Plata).
Neueste Nachrichten.
Das Tory - Ministerium.
Das neue englische Ministerium ist fast vollständig gebildet. Folgendes sind die Namen derer, von welchen man bis jetzt weiß, daß sie Stellen in der von Lord Derby zu leitenden Verwaltung angenommen haben: erster Lord deS Schatzes und Premier-Minister, der Earl v. Derby; Schatzkanzler und Führer des Hauses der Gemeinen, D i S r a e l t; Lorvkanzler Sir E. Sugden; Lord- Präsident, der Earl v. LonSdale; Lord-Geheim, Siegelbewahrer, der Marquis v. Salisbury (mit einem Platze im Cabinel); StaatS «Secretär für das Innere, Walpole; StaatS-Secretâr für das Auswärtige, Lord Malmesbury; StaatS«Se« crelâr für die Colonieen, Sir John P a k i n g t o n; erster Lord der Admiralität, der Herzog v. Nor« thumberland; Präsident deS indischen Bureau'S, HerrieS; Präsident deS Handrö-Bureau'S, Henley, General-Postmeister, der Earl v. Harv- wi cke; KriegS-Secretâr, Beresford; Verwaltung der Domänen, Lord John MannerS; General - Feldzeugmeister Lord Hardinge (der dritten Ausgabe deS ministeriellen „Herald" zufolge; die früher am 2â. d. M. auSgegebene „TtmeS", deren Ministerllste sich vom vorhergehenden Abend her« schreibt, nennt Lord Combermere); Attorney General, Sir F. Thesiger; Solicitor General, Sir Fitzroy Kelly; Judge Advocate, BankeS; Lord-Statthalter von Irland, der Earl Egli n« ton; Attorney General für Irland, Napier; Solicitor General für Irland, Whiteside; Lot bS deS Schatzes, Marquis von Chandos und Herr Bateson; Secrelâre des Schatzes, G. A. Hamilton und Forbes M'Kenzi. Unterfecretär deS Innern, Sir W. Joliffe; Unlersecretär für die Colonieen, Lord Des ar l; Secreiâre deS indischen Bureaus, Lord Jocelyn (der „Heralb" nennt statt dessen Lord Desart) und Henry Ba i l- lie. LordS der Admiralität, Admiral Milne, Admiral Hornby, Admiral H. Parker; Feld- zeugawtSprotocollist Oberst Forester; erster Com- missar deS Armenwesens, Sir John Trollope.
Die Stelle deS UnterfecretârS für das Auswärtige ist dem Sohne deS Premierministers, Lord Stanley, welcher sich unseres Wissens gegenwär. tig noch in Ost-Indien befindet, zugedacht. Der Posten deS Lord.CanzlerS für Irland ist dem Lord« Oberlichter Blackdurne, der des irischen Sekretärs dem Lord NaaS, der deS Vicepräsidenten im HandelSbureau dem bekannten schvtzzöllnerifchen Agitator G. F. Noung angeboren worden. Ueber Annahme oder Ablehnung dieser drei Stellen ist noch nichts bekannt. Sir J. Buller, dem die Canzlerschaft deS HerzoglhuwS Lancaster angeboren wordeniwar, hat dem Vernehmen nach den Eintritt ins Ministerium abgelehnt, wird jedoch die Regit' tung unterstützen.
Alle bereits bekannten Namen deS neuen Ca- binetS gehören zur Partei der Protectionisten; ihre Träger haben im Jahr 1846 sämmtlich gegen die
von Sir Robert Peel beantragte Zoll- und Han- delSresorm gestimmt.
Ueber die Mitglieder des neuen CabinetS sind folgende Notizen miizutheilen:
Graf v. Derby (vormals Lord Stanley) war seit dem Rücktritt deS ebengenannten Staatsmanns Haupt und Führer der TorieS; 1831 vertrat er im HauS der Gemeinen den Burgflecken Hendon, später die Grafschaft Cheshire. Bei den allgemeinen Wahlen deS JahreS 1841 wurde er übergangen und erst im Jahr 1847 ohne Opposition wieder gewählt. Im Staatsdienst debütirte er als UnterstaatSsecre« lâr im Ministerium deS Innern von Juli bis November 1834. In den Jahren 1835 bis 1841, als* in berfelb.n Zeit, in welcher er dem Parlamente nicht angehörte, war er Schatzsecretär und General- zahlmeister der Armee. Er hat sich für die geheime Abstimmung, aber bis in die letzte Zeit gegen jede Ausdehnung deS Wahlrechts ausgesprochen. Während der neue erste Lord deS Schatzes und de facto Chef deS CabinetS die Partei der TorieS im Oberhaus anführte, in welches er durch den Tod seines Vaters gerufen wurde, war Benjamin DiS ra e li, den schon der Name als Israeliten bezeichnet, der anerkannte Führer derselben im Hause der Gemeinen. Er zählt zu den berühmtesten Romanenschreibern Englands, ist jetzt 46 Jahre alt, hat nacheinander Maidstone und Shrewsbury vertreten und ist gegenwärtig Mitglied für die Grafschaft Buckingham. Vor der Spaltung, welche die Reform von 1846 im Schoß der konservativen Partei veranlaßte, galt der neue Schatzkanzler zugleich mit Lord John MannerS für ein Haupt deS „jungen England", dessen Grundsätze er in seinem berühmten Roman „Coningöby" niedergelegt hat, und dessen Mitglieder sich in dem Unterhaus neben der ost vernachlässigten Toilette ihrer Collegen durch lackirte Stiefel, buttergelbe Glacehandschuhe und stetSfort unladelhafte Haltung und Eleganz bemerklich machten. Lord George Bentinck, alS parlamentarisches Haupt der Tory- partei DiSraeli'S Vorgänger, zählte zu den Koryphäen dieser Fraktion der Conservativen.
Sir Eduard Sugden, der neue Lordkanzler, gehört zur Magistratur und hat mehrere hohe Justizämter bekleidet. Kraft seiner neuen Würde führte er den Vorsitz im Hause der LordS und im Justizkanzleihof. Der erste Lord der Admiralität, Algernon Per ky, Herzog von Northumberland, gegenwärtig 60 Jahre alt, ist ein Sohn der vormaligen Erzieherin der Königin Victoria; in der Marine bekleidete er den Rang eines ConireadmiralS.
Spencer Horacio Walpole, Deputirter für Midhurst, ist Advoeat der Königin, 44 Jahre alt, und bekleidet zum erstenmale ein StaaiSamt.
Der Graf v. Hard wicke (Lord RavenSworth und Discount Royston), der Generalpostmelster wird, hat in der Marine den CapitänSgrav. Er steht im 53. Jahre und war Mitglied im Rath deS Herzog- ihumS Lancaster und Lordstatthalter der Grafschaft Cambridge.
Der neue Colonienminister, Lord George John MannerS, ist der jüngere Sohn deS Herzogs von Rutland. Im Hause der Gemeinen sitzt er für die Grafschaft Cambridge. Er ist eines der jüngsten Mitglieder des Parlaments, da er erst 32 Jahre zählt. Vor 1847, in welchem Jahr er zum erllen- wake gewählt wurde, war er Capitân bei der Leibgarde zu Pferd, und hat sich später im Unterhaus durch seine Opposition gegen die DotationSbiU der katholischen Geistlichkeit und durch eine Art von Fanatismus in seinen protektionistischen Ansichten bemerklich gemacht.
William Lowther Graf v. LonSdale, Lord« statthalter und Viceadmiral von Cumberland und Westmoreland, im neuen Cabinet zum Präsidenien deS ConseilS ernannt, war Obercommissâr der Forste und Waldungen, Schatzmeister der Marine, Vice- Präsident deS HandelSbureau- und General-Postmeister. Im Jahr 1841, noch zu Lebzeiten seines VaterS, wurde er mit dem Titel Baron Lowiher inS HauS der LordS berufen.
Der sehr ehrrnwerthe John Charles Her- rieS, Präsident deS CentralbureauS und Abgeordneter für Stamford, war, so lange Perceval alS CabinetSchef fungirte, dessen Privaisecrelâr , bekleidete dann das Amt deS ersten CommiffârS und Auditeurs der Civilliste, wofür ihm nach Aushebung dieses Postens eine Pension von 1350 Pfv. Et.
geblieben ist, wurde in den Jahren 1823—1827 nach einander Secretâr im Schatzamt, Schatzkanzler, Münzmeister, Präsident des HandelSbureauS und endlich KriegSsecretär in den Jahren 1834 und 1835. Nachdem er achtzehn Jahre lang im Hause der Gemeinen Harwich vertreten hatte, mißglückte 1841 seine Canbibatur in JpSwich; erst im Jahr 1847 wurde er wieder in Stamford gewählt.
(Schluß -folgt.)
Deutschland.
^Wiesbaden, 1. März. Die Kammer» der Landstände sind nicht befugt, über die Ablehnung einzelner dazu gewählten Mitglieder zu entscheiden. Denn dem Landesherrn steht nach ganz unbestrittenen Grundsätzen der constitulionellen Monarchie ausschließlich das Recht der Einberufung, der Schließung und der Auflösung deS Landtages zu. „Rex est caput, principium et finis parliamenti“ (der König ist das Haupt, der Anfang und das Ende deS Parlaments) sagt ein all-englischeS RechtSsprüch- wort. WaS nun von dem Ganzen gilt, das muß logischer Weise auch auf einen Theil seine volle Anwendung finden. Sind diese Sätze richtig; so ist folgeweise die Regierung ebenso berechtiget, als verpflichtet, die Neuwahlen, welche durch Ablehnung mchrerer Abgeordneten zu beiden Kammern nothwendig geworden find, alsbald anzuord- nen. Wir sind sonach auch vollkommen mit der von Ihrem Correspondenten vom Main in No. 51 Ihrer Zeitung ausgesprochenen Ansicht und deren Begründung einverstanden, daß die Regierung sofort Neuwahlen anzuordnen habe, und müßten eS alS einen bedauerlichen Mißgriff schon im Voraus bezeichnen, wenn diese den Kammern eine Enlschei« dung über die fraglichen Ablehnungen zugefleben oder gar ansinnen wollte. Ganz abgesehen von den, von dem gedachten Herrn Corresponvenien angedeuteten , Verlegenheiten ist eS bei der ohnehin künstlichen und öfters naturwidrigen Sonderung der Gewalten in der constltutionellrn Monarchie nicht weniger für die Krone als für die Volksvertretung verderblich, wenn man der legern auch nur den geringsten Eingriff in die HoheitSrechte deS SouverainS gestattet oder sie gar — wenn auch bona fide — zu einem solchen Uebetutiff inkucirt.
Es ist ein großer Irrthum, wenn man glaubt, sich zuweilen Verlegenheiten dadurch ersparen zu können, daß man die Landstände bei einzelnen zu gewissen Zeiten mißliebigen Regierungshandlungen mitwirken lasse. Dergleichen Zugeständnisse mögen wohl geeignet sein, den Unwillen über einzelne Verfügungen — z. B. den Unwillen einzelner bei Vertheilung der KreiSämter leer ausgegangener Städte — mit auf die Landstände zu verlheilen; aber sie führen, da nun die Kammern unaufgefordert auch bei andern VerwaltungSgegenstänvcn mit* sprechen wollen, sicherlich zur Abschwächung der RtgierungSgewalt und zur Kammerregierung, die nach der Erfahrung jedenfalls viel schlechter ist, alS die Autokratie. Darum — principiis obstaI
+ Vom Westerwald, 27. Febr. Wenn wir in unserer jüngsten Mittheilung (Nr. 47 d. Bl.) daS s. g. Kannenbäckerland als einen District un* fereS Landes bezeichnet haben, in dem sich gegenwärtig kein fühlbarer Mangel kund gebe, so haben wir natürlich nur diejenigen Ortschaften verstanden, in denen die Krug-, Kannen« und Pfeiffenbäckeret betrieben wird Wir haben unS an Ort und Stelle überzeugt, daß diese Ortschaften den Fleißigen zu einem hinreichenden Erwerb Gelegenheit darbieten und daß die daselbst betriebene Industrie noch großer Ausdehnung und Vervollkommnung fähig ist. ES wäre deshalb sehr zu wünschen, daß unternehmende (Kapitalisten dieser Gegend mehr Aufmerksamkeit schenkten und daß daselbst bald die projectirte Industrieschule mit zweckmäßigen Einrichtungen inS Leben gerufen würde. AuS den an der südlichen und westlichen AuSdachungen deS WesierwalveS vorkommenven, reichen uud mannigfal.igsien Thonablagerungen lassen sich noch eine Menge der feinsten, schönsten und nützlichsten Gegenstände verfer, tigen, die auch mm Tbril aus diesen Tbor.-n tm