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RassauW MMcmc Zeitung.

M 31

Sonntag den 29» Februar

1832

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumeratkonspreis für Wiesbaden und, na ch dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Postaufschlages nur Ä fl., für di« übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland nur 3 fl. 34 kr. Jnfera te werden die dreispaltige Petit^eile oder ve.en Raum mit 3 kr. ber-chnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hos-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Verordnung, die Einberufung der Ständever­sammlung betreffend.

Bekanntmachung des Resultats der Wahlen zur Ständeversammlung des Herzogthums.

Dienstnachrichten.

Nicht amtli ch er Theil.

Die ungarischen Halbbarbaren.

Deutschland. Vom Main (Anordnung der Neuwahlen).

Hochheim (Ablehnung der Wahl). RüdeSheim (Gergens). Vilmar (Wegbau). Vom Rhein (Zur älteren und neueren Politik Nassau'«). Kassel (Henkel. Schwarzenberg). Stuttgart (Die Grund- rechtsfrage). Weimar (Landfriedensbruch). Leipzig (Preßvergehen). Köln (Petition). Berlin (Die Zollconferenz. Lette'S Antrag. Die Gemeindeordnung. Die erste Kammer. Die dänisch-deutsche Frage). O ld e n- burg (Schreiben der Regierung). Hamburg (Merk).

Wien (Die Großfürsten Nicolaus und Michael).

Schweiz. Bern (Die Flüchtlingsfrage)..,-. Frankreich. Paris (Diplomatisches" Proklamation des Grafen Chambord. Die Wahlen. Die Eisenbahn nach Weißenburg. Marquis Pastoret. Vermischtes).

Großbritannien. London (Das neue Ministerium. Ver­mischtes).

Italien. Turin (Die St. Paulscompagnie. Deforesta)- Neueste Nachrichten.

Amtlicher Theil.

Wir Adolph, von Gottes Gnaden Herzog zu Nassau re. rc. haben die Stände­versammlung Unseres Herzogthums auf Montag den ,15. März dieses Jahres cinzuberufen beschlossen. Mit der Vollziehung dieses Beschlusses, welcher durch daS Verordnungsblatt zu verkündigen ist, haben Wir Unser StaatSministerium beauftragt.

So gegeben Wiesbaden den 26. Febr. 1852.

(L. sa Adolph.

Wittgenstein. Ler. Faber. Haveln.

(Bekanntmachung des Resultats der Wahlen zur Ständever­sammlung des Herzogthums.)

Auf den in Gemäßheit der Ministerialbekannt­machung vom 126. Januar dieses JahreS (Verord­nungsblatt No. 3) ungeordneten Wahlversammlun­gen sind als Abgeordnete zur Ständeversammlung des Herzogthums auf die Dauer von sechs Jahren mit absoluter Stimmenmehrheit gewählt worden:

I. zur ersten Kammer,

a) »von den höchstbestcuerten Grundbesitzern:

1) im ersten Wahlkreis: Ministerialrath Dr. Phi­lipp Bertram zu Wiesbaden;

2) im zweiten Wahlkreis: Seminardirector Johann B el lin g e r zu Montabaur;

3) im dritten Wahlkreis: der vormalige Schultheis Johann Höchst zu Obertiesenbach;

4) im vierten »Wahlkreis: HofgerichtSprocurator Victor von Eck zu Wiesbaden;

5) im fünften Wahlkreis: Wilhelm Sevberth zu Esch;

6) im sechsten Wahlkreis: «Anton Ger gen ö zu RüdeSheim;

b) von den höchstbestcuerten Gewerblreibenden:

1) Professor Dr. Remigius FreseniuSzu Wies­baden;

2) Oderbergrath Carl Lossen zu Michelbach;

3) Kaufmann Eduard T r o m b e t t a zu Limburg;

II, zur zweiten Kammer:

1) im I. Wahlkreis: Decan Cari Keim zu Dil­lenburg;

2) im II. Wahlkreis: HofgerlchtSprocurator Carl Schenck zu Dillenburg;

3) im III. Wahlkreis: Bürgermeister Ch. Car! Schäffer zu Willmenrod;

4) im IV. Wahlkreis: Bürgermeister PH. Bitzer zu Hachenburg;

5) im V. Wahlkreis: Justizamtmann Carl Wtrth zu Selters; >

6) im VI. Wahlkreis: Kreisamtmann Friedrich Halbey zu Hadamar;

7) im VII. Wahlkreis; Domcapitular Joh. Georg Rau zu Dietkirchen;

8) im VIII. Wahlkreis: Oberschulrach Dr. Georg Wilhelm Metzler zu Weilburg;

9) im IX. Wahlkreis: Johann Knapp 6r zu Dauborn;

10) im X. Wahlkreis: Freiherr Friedrich Wilhelm Marschall von Bieberstein zu Hahn­stätten ;

; 11) im XL Wahlkreis: Balthasar Münch zu Hof TraiSfurh, GemeindebezirkS Villmar;

12) im XII. Wahlkreis: Hofrath Dr. Joh. August V o g l er zu BavemS;

l 13) im Xin. Wahlkreis:Loh. Ad, Schwickert lr zu WirgeS;

14) im XIV. Wahlkreis: Landoberschultheis Carl D o m b o i S zu Braubach;

; 15) im XV. Wahlkreis: Gastwirth Friedrich Lang zu Langenschwalbach;

I 16) im XVI. Wahlkreis: Freiherr Friedrich von Schütz zu Holzhausen zu Camberg;

17) im XVII. Wahlkreis: Pfarrer Heinrich Schel l e n b e r g zu Usingen ;

; 18) im XVIII. Wahlkreis: Heinrich HeimcS zu Hattenheim;

19) im XIX. Wahlkreis: Johann Baptist König zu Rauenthal;

20) im XX. Wahlkreis: Philipp Reges zu Esch­born ;

21) im XXI. Wahlkreis Heinrich Giebermann zu Ma ssen heim;

22) im XXII Wahlkreis: Gastwirth Georg Eigner zu Königstein;

23) im XXIIL Wahlkreis: StaatSprocurator Wil­helm Reichmann zu Wiesbaden;

24) im XXIV. Wahlkreis: Bürgermeister Peter Ulrich zu Erbenheim;

Wiesbaden, 26. Februar 1852.

Herzoglich Nassauisches Staatsministerium.

W ittgenft ei n.

vdt. Grimm.

(Nr. 6 des VerordnungSbl. vom 27. Febr. 1852.)

DienstnachrLcht.

Seine Hoheit der Herzog habendem Medicinalassistenten, Medicinalrath Dr. ZaiS zu Wiesbaden die nachgesuchte Dienstentlassung zu er- theilen geruht.

H öch stdi e se lb en haben den Bergmeistercivrr- walter, Berggeschwornen Stein zu Diez zum Mit­glied der Commission für die Prüfung der Candi- daten der Berg- und Hüttenkunde ernannt.

Seine Hoheit der Herzog habender von deS Grafen von Galen erfolgten Präsenta­tion des CaplanS R o ß b a ch zur Pfarrei Daisbach Höchstihre Bestätigung zu ertheilen und den Can­didaten Mannes von Langenschwülbach zum Pfarrvicar zu Borning zu ernennen geruht.

<1 ........ I. ! .....- ............................

Nichtamtlicher Theil.

Die ungarischen Halbbarbaren.

DieA. A. Z." bringt folgendes Von der Theiß, 14. Febr. ES waren eben einige gute Freunde bei mir auf meinem Landsitze; der Thee­kessel dampfte als mir ein Paket Bücher aus Pestb gebracht wurde. Sie waren alle sorgfältig in Pa­pier eingeschlagen, und da ich die Gewohnheit habe, auch Maculaturpapier durchzusehen, bevor ich eS wegwerfe, blätterte ich auchjetzt diese Papiere durch. Eins dieser Papiere war die Nr. 29 der Preußi­schen Kreuzzeitung. Wir alle kannten diese Zeitung nur auS den Auszügen in andern Blättern ihrer Tendenz nach, gesehen hatte sie noch keiner von uns, und so beschlossen wir den Abend durch die Lectüre dieser Nummer zu verkürzen. Zu unterm nicht geringen Erstaunen lasen wir, daß die Kreuz. zeilungunS Halbbarbaren nennt, daß wir von

Milch und Grütze leben, daß wir keine Fa bricate brauchen, daß also wir in den Zollverein nicht ausgenommen werden können. Ich lachte, meine Freunde waren entrüstet, und so ward eine kleine Gegenrede beschlossen und die vorliegenden Zeilen entstanden gleich noch am The,tisch.

Wir können die Kreuzzeitung versichern, daß in Ungarn eben so viel Thee und Kaffee getrunken wird alS in Preußen , und daß wir unsere Küche eben so gut, vielleicht noch um ein gutes Theil besser beschäftigen alS die Pommern und Branden­burger. Wenn also die Kreuzzeitung gegen den Zollanschluß nichts vernünftigeres vorzubringen weiß, alS daß die Preußen Thee und Kaffee trinken, während wir nur Milch und Grütze genießen, so ist daS keine Argumentation wie wir sie vom Mit- telpunct der deutschen Intelligenz erwarten durften. Wir können die Kreuzzeitung versichern, daß eS in Ungarn Dörfer gibt, wo der Landmann nicht zur Feldarbeit geht, ohne vorher feinen Kaffee getrunken zu haben. Wir können die Kreuzzeitung versichern, daß eS bei unS in diesen Dörfern Mütter gibt, die ihre Töchter in die Stadt schicken, damit sie Cla- vierspielen lernen, und die sich Möbel von Pesth oder Wien kommen lassen. Wir zweifeln, daß eS im schlesischen Gebirge und in den Marken, im Kassubem-, im Oder« und Havellande viele Land- leuie gibt die hierin unsern Halbbarbaren gleich­stehen.

Im Ernst: der Zollanschluß wenn er aus Ungarn ausgedehnt wird kann nur beiden Thei« len Vortheil bringen. Ungarn ist kein Fabrikstaat, ; sondern auf Agrikultur angewiesen. ES werden Menschenalter vergehen, bis Ungarn ein Fabrik- staat werden kann. Es braucht aber sehr viel Fabrikate. Jedem Staat, der Fabriken hat, muß eS also erwünscht sein, wenn ihm ein so großer Markt geöffnet wird wie Ungarn. ES ist der Weisheit der Kreuzzeitung vorbehalten, zu beweisen, daß dieß ein Nachtheil wäre. Ungarn ist so groß wie ganz Preußen, nämlich 5000 Quadratmeilen, vierzehn Millionen Menschen bewohnen Ungarn und Siebenbürgen. Wir wünschen nichts lebhafter als den Zollanschluß. Die Sorge für die Verwer­thung unserer Naturproducte sollte die Kreuzzeitung blUig unS überlassen. Wegen des Absatzes der deutschen Fadricate in Ungarn darf die Kreuzzeitung ebenfalls unbesorgt sein. Trotz der Wunden, die dem Lande, durch die letzte Revolution geschlagen wurden, ist Ungarn wohlhabend, und man kennt hier in den Städten und in den Sitzen deS Adels die verfeinerten Genüsse deS Lebens ebenso gut als in Berlin. Seit hundert Jahren war die Klage der Ungarn immer die der Einengung des Landes durch Zolllinien. Im Innern der Monarchie sind sie gefallen, und wir erkennen dieß mit Dank. Aber je größer daS freie Handelsgebiet wird, um fo lie­ber, um so ersprießlicher ist eS dem Land, und es wird für Ungarn eine der größten Wohlihaten sein, wenn die Regierung die Zolleinigung mit Deutsch­land zu Stande bringt. ES ist dieß eines der sichersten Mittel daS Land blühender zu machen als je, und was die Folgen für Deutschland betrifft, so werden die deutschen Fabricate reichen Absatz bei unS finden. Nur gewisse Artikel werden bei unS keine Käufer finden, und diese sind 1) die Weis­heit der Nationalökonomen an der Spree, die für Freihandel schreiben, und gegen die Eröffnung einer Zollföoeration von 70 Millionen prolestiren, 2) die Anmaßung über Gegenstände absprechend zu ur­theilen, von denen man keine Kenntniß hat.

Diese Zeilen sind vielleicht die ersten, Vie über die Zollfrage auS Ungarn kommen; wir können aber die Kreuzzeitung versichern, daß eS sehr wenige im Lanke gibt, die hierüber anders denken als hier auScinandrrgefetzt worden.

Deutschland.

P Dom Main, 27. Febr. Veranlaßt durch die Ablehnung mehrerer gewählten Abgeordneten ist mehrfach die Frage aufgeworfen worden, ob schon jetzt eine Zusammenberufung der Kammer stattfinden solle, oder ob die Neuwahlen vorerst anzuordnen und abzuwarten seien.