Nassauische Allgcmcmc Zeitung.
M 46
Dienstag den 24, Februar
1852.
Die Naff. Allg. Zeitung mit dem W and erer erscheint einmal t â g I i ch mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Prânumerationsprei« für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Postaufschlages hut 8 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland nur 8 fl. 8-1 kr. — Jnsera te werden die dreispaltige Petitzeile oder re-en Raum mit » fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch e ll en ber g'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Amtlicher Theil.
Dienstnachrichten.
Nichtamtlicher Theil.
Der JmperaliSmus in Frankreich.
Deutschland. Wiesbaden (Asflsen. Abdera vor den -Schranken der Justiz). — RüdeSheim (Ablehnung der Wahl). — Limburg (Entgegnung). — Vom Westerwald (Zeichnenunterricht in den Gewerbeschulen). — Mainz (Bischof Kctteler. Verurlheilung). — AuS der oberrhei». Kir ch enprov in; (Die Conferenz der Bischöfe). — Kassel (Der ständ. Ausschuß). — Leipzig (Studentenverbindungen). — Hannover (Vergiftungen).
— Paderborn (Dr. Kellner). — Berlin (Oldenburg dem Septembervertrag beigetreten. Die deutsche Flotte. Proceß Arnim. Vermischtes). — Oldenburg (Die Erbgroßherzogin). — Kiel (Uebergabe. Das Ministerium). Wien (Armeebefehl. Die Zollconferenzen. Hülsemann. Bach).
Frankreich. Paris (Montalembert. Michot. Abbö Lamenais. Der Senat. Carlier. Vermischtes).
Spanien. Madrid (Der Kirchengang).
Großbritannien. London (Die Arbeiter. Sieg des Ministeriums. Lord John Nussel's Rücktritt. GerichtS- . zustânde in Irland.)
Neueste Nachrichten.
Amtlicher Theil.
Lehrer Heinz zu Nister ist am 8. Februar mit Tod abaeMlükN, Lehrvlcar A n ke l ^u Hohenroth zum Lehrer in Nister ernannt und die Lehrvicarstelle in Hohenroth dem Schulcandidaten Diehl in WaUau.provisorifch übertragen worden.
Nichtamtlicher Theil.
Der Imperialismus in Frankreich.
Der Pariser Correspondent der „TimeS" thut einer auf verschiedene Schritte deS Prâstdenten der französischen Republik bezüglichen russischen Note Erwähnung, welche zu einer Unterredung zwischen LouiS Napoleon und dem russischen Gesandten über die Ersterem äugetrauten imperialistischen Plane geführt haben soll. Der kaiserliche Adler auf den Fahnen, daS Bilvniß deS Präsidenten ans den Münzen und die WohnungSverlegung nach den Tuilerieen bat, wie eS heißt, den Argwohn deS Kaisers Nikolaus erregt, der darin die Anzeichen einer neuen imperialen Aera erblickt, von der er eben so wenig, wie von der Dynastie Napoleon etwas wissen will. „Dieser Argwohn", berichtet der „TimeS"-Cerres- pondent, „fand einen AuSdruck in der erwähnten diplomatischen Note, welche der französischen Regierung in der herkömmlichen Weise übermittelt wurde. Um der größeren Genauigkeit willen mag eS nöthig sein, zu erwähnen, daß über den Charakter dieser Noie eine Meinungsverschiedenheit herrscht. Nach Eln'gen war daS Dokument mehr vertraulicher als offizieller Natur; nach Anderen war eS eine eigentliche amtliche Depesche, welche als Thema für eine Reihe von Bemerkungen diente. Noch Andere sagen, eS sei eine diplomatische Note gewesen, die dem Minister deS Auswärtigen vorzulesen,- der russische Gesandte den Auftrag gehabt habe. Sei dem nun, wie ihm wolle, so viel steht fest, daß im Ministe, rium deS Auswärtigen eine Zusammenkunft Statt fand, und daß Aufklärungen verlangt wurden über gewisse ziemlich stark nach Imperialismus aussehende Dekrete. WaS die etwaigen weiteren Projekte deS Präsidenten augeht, so ward erklärt, daS Cabinet von Petersburg werde die Verwandlung des Präsidenten in einen Kaiser und die Stiftung einer neuen europäischen Dynastie nicht zugeben. Diese Ankündigung brachte im Ministerium deS Auswärtigen einen unangenehmen Eindruck hervor. Dem Elyfee ward sofort Anzeige von dem Factum ge, macht, und der Präsident nahm diese Anzeige nicht
mit seiner gewohnten GemüthSruhe auf. Es fand i eine Zusammenkunft zwischen dem Präsidenten und dem Vertreter deS Kaisers Nikolaus Statt, und wie man mir versichert, ward bei dieser Gelegenheit die fragliche Note nochmals verlesen, oder ihr Inhalt mündlich mitgetheilt. Der Präsident soll sich beklagt haben, daß man in Petersburg seine Absichten und Handlungen mißverstehe oder mißdeute; er soll erklärt haben, man dürfe seine Decrete in Betreff deS kaiserlichen AdlerS, in Betreff seines Bildnisses auf den Münzen und in Betreff der Tui- : lerieen nicht entstellen oder ihnen zuviel Bedeutung beimessen. ES seien dies bloße Regulationen. Durch Vie Rückkehr zur Verfassung deS JahreS VIII habe er nur eine starke in seiner Hand ruhende Autorität gründen wollen. In den Erinnerungen au daS Kaiserreich bestehe seine Stärke, und er werde durch dieselben mit Popularität unter den Massen bekleidet. ES sei nichts Auffallendes darin, daß er in den Institutionen deS Kaiserreichs daS suche, was die Wiederherstellung der Autorität in Frankreich sichere. Er habe nicht die Absicht, daS Kaiserthum wikderherzusteUen oder sich zum Kaiser zu machen; weder daS Eine noch daS Andere sei zur Erfüllung seiner Mission erforderlich. Sein Prâsidentenlitel genüge ihm, und er habe eben so wenig Grund, sich um eine Kaiserdynastie, die nicht eristire, Sor« gen zu machen, wie der Kaiser Nikolaus. In Beziehung auf alle diese Punkte hat, wie versichert wird, der Präsident die feierlichsten Erklärungen abgegeben, und ein Courier ist am vorigen Mittwoch abgegangen, um dieselben nach Petersburg zu überbringen". Die erwähnte russische Note ist geschrieben worden , ehe die daS Vermögen der Orleans betreffenden Dekrete in Petersburg bekannt waren. —
Deutschland.
• Wiesbaden, 22. Febr. (Assiienverhandlung gegen Georg S t u h l t r â g e r und Genossen wegen MeineidS und Verleitung zum Meineid). Die Angeklagten sind von den Geschwornen für schuldig befunden und wurde in Folge dessen Georg S i u hl- träger zu sechs, Johann Bieger zu fünf, Franz Badior, Johann und Michael Holzmann und Martin Mackauer zu drei, Bernhard Forstner zu zwei Jahren Zuchthaus, Carl und Michael Maurer zu einem Jahr Cvrrec- tionShauS verurteilt. Die solidarisch zu tragenden Kosten belaufen sich vorbehaltlich der noch zu liquid dircnden auf 150 fl.
* Wiesbaden, 23 Februar. (Assisenverhand- lung gegen Peter Anton Roth, 35 Jahre alt, Makler zu ZeilSheim, wegen Schriflsâtschung.)
Peter Anton Roth iß angeklagt, daß er unter eine von dem Bürgermeister zu Eppstein unterm 24. Okt. 1851 ausgestellte Bescheinigung: daß Jacob Bork von Eppstein 720 fl. gegen Hypothek zu leihen beabsichtige und dafür alS Unterprano eine Hofraithe zu 820 fl. tarirt und für 620 fl. Grundstücke bieten könne, den Beisatz: „Auf vorstehende Unterpfänder sollen auS dem Evel'schen FoneS zu Hochheim 720 fl. gegen doppelte gerichtliche Hype- thck geschossen werden zu 4’/» Proccnl" geichrieben und mit dem Namen deS GemelnderechnerS Phil. Fach zu Hochheim unterschrieben und von dieser falschen Urkunde dadurch Gebrauch gemacht habe, baß er sie dem Jacob Bork und dem Bürgermeister Schäfer in Eppstein übergab, um nun das Hypolhekattestat für Jacob Bork auSzuferligen in der Absicht, sich den ihm von Jacob Bork für daS Verschaffen deS Darleihens versprochenen Makler, lohn mir 4 fl., den er erst nach dem Zustandcbrin« gen deS Darlehens vertragsmäßig anzusprechen hatte, zu verschaffen.
Auf Grund dieser gefälschten Urkunde wurde von dem Eppsteiner Bürgermeister daS Hypolhekenattest auSgefertigt. Der Angeklagte hat noch überdieß den Jacob Bork durch Vorspieglungen und durch einen falschen im Namen deS Hochheimer Rechners Fach geschriebenen Brief zu bestimmen gesucht, mit der Erhebung deS Geldes zu zögern.
Der Angeklagte wird als ein schlechtes Subject geschildert.
Die Verhandlung leitet der Asfisen-Präsident Forst; die Staatsbehörde vertritt StaatSprocu« rator Reichmann, als Vertheidiger deS Angeklagten fungirt Prokurator v. Eck.
* Wiesbaden, 22. Febr. Wir haben vorigen JahreS in einem größeren Artikel: „Abdera vor den Schranken der Justiz" gerechte Beschwerde darüber erhoben, daß ein Correspondent unseres BlatteS von dem Justizamt Hochheim wegen Preß- Vergehens verurteilt werden konnte, weil er gesagt hatte, daß die seit 1848 gewählten Bürgermeister und Gemeinderäthe mitunter der Welt Abderilen» streiche zum Besten gaben. Die darauf folgende Mittheilung einiger vom Bürgermeister Kopp zu Wicker begangenen Unziemlichkeiten hatten diesen veranlaßt, den obigen AuSdruck auf sich zu beziehen und gerichtliche Klage zu erheben. Durch dle nunmehr auf Berufung deS Vcruriheilten ergangene Entscheidung deS Wiesbadener Hof- und Appell«« tionSgerichleS ist uns uns unserem Korrespondenten vollständige Genugthuung zu Theil geworden.
Nach Inhalt derselben wurde in Erwägung: daß der incriminirte Artikel in Nr. 184 der Nass. Allgem. Zlg. vom 8. August 1851 keinen der Form nach beleidigenden AuSdruck enthält und waS die dem Bürgermeister Kopp zum Vorwurf gemachten Handlungen selbst betrifft, deren Wahrheit durch die von dem Herzoglichen KreiSamle zu Höchst gegen den Bürgermeister Kopp geführte Untersuchung nachgewiesen worden ist, da die vorgesetzte Dienstbehörde auch deßhalb eine Strafe gegen denselben ausgesprochen hat., mit Aufhebung deS Urtheils des Herzoglichen JustizamtS zu Hochheim vom 9. Oktober 1851 zu Recht ersannt , daß der Appellant von der Anschuldigung der Ebren- kränkung des Bürgermeisters K o p p zu Wicker frei» zusprechen fei mit Niederschlagung der Kosten beider Instanzen.
K. Rüdesheim, 22. Febr. ES ist mir unan* genehm, Ihnen milthellen zu müssen, daß nach der mir so eben gewordenen zuverläßigen Nachricht der im hiesigen Kreise zum Abgeordneten in die zweite Kammer gewählte Gutsbesitzer Heinrich HeimeS von Hattenheim die auf ihn gefallene Wahl ablehnte, und dadurch also eine zweite Wahl dahier nöthig werden wird.
S Limburg, 21. Februar. Nur zur Abwehr einiger, in ter mir io eben zu Gesicht gekommenen, Nr. 44 der MuielrheinischkN Zeitung er Italiener Angriffe bitte ich Sie um Ausnahme folgender Zei« len in ihr geehrtes Blatt:
Zunächst ist eS Herr Julius Oppermann, der feine Lanze eingelegt hat, um — einzu gest e h e n: daß E r einer der beiden in Limburg eingedrungenen Demokraienapostel fei, „die neulich ich lag ende Beweise von der hier herrschenden Stimmung auf ihrem Rücken davon getragen"! io* wie um auSzuführen, daß die erwähnte Geschichte rein privater Natur gewesen".
Wir unserer SeitS füllen uns eben so wenig berufen, diesem, mit anerkennungSwcriher Selbstverleugnung ausgesprochenen Geständnisse entgegen zu treten, als die private Natur der Geschichte zu bestreiten; möchten sogar behanplen, daß sie für Herrn Julius Oppermann von höchst persönlicher Natur war.
Dagegen können wir denselben versichern, daß wir ihm „daS Brod, das er hier zu erwerben trachtet" von ganzem Herzen gönnen, und ihm nur wünschen, daß er baffUbe künftig ohne Beigabe von Prügelsuppen genieße.
Auch die von ihm auSgestoßenen Schimpfworte haben unS nicht in gereizte Stimmung versetzen können, denn wir wissen ja längst:
„DaS ist die Art, wie er sich foulagirl"!
In dem erwähnten ZeitungSblatte begegnen wir sodann einem Artikel „AuS dem Amte Limburg, 18. Febr. mit dem Zeichen 00, worin gesagt wird, raß die Landleute auS Den katholischen und protestantischen Orten gegen den Candidaken der Wahlmänner auS der Stadt Limburg, Medicinalrath Heydenreich, gestimmt, und dadurch den Beweis geliefert hätten, daß unter ihnen die Intoleranz keine Wurzel gefaßt habe!