RAmschc Allgemeine Zeitung.
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Sonntag den 8. Februar
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Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränumerationspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes mit «»begriff des Postaufschlages nur Sfl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland nur Ä fl. «1 fr. — Jnsera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ellenderg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Schutzzoll und Freihandel.
Deutschland. Wiesbaden (Asstsenfâlle). — Vom nass. Rheinufer (Rheingauer Zustände). — Limburg (Die barmh. Schwestern). — Hadamar (Ueberschwem- mung). — Frankfurt (DaS kurhessische Wahlgesetz). — Stuttgart (Der Proceß Becher. Zimmermanns geschichtliche Vorträge verboten). — Siegen (Eisenbahn).
— Magdeburg (Transport österr. Militärgefangenen). Berlin (Verhandlung über das Budget. Polizeicongreß. Verstärkung der Armee, v. Manteuffel. Zur Zollfrage. Steuerbefreiung). — Wien (Der Anhang des Zolltarifs. Genugthuung für Wegnahme eines österreichischen Kauf- fahrers).
Frankreich. Paris (DaS Schreiben der Prinzen von Orleans. Vermählung deS Präsidenten. Stimmung der Armee. Altentat auf die Königin von Spanien).
Spanien. Madrid .(Ministerkrists. Viluma. Colonisi- rung der Sierra Morena).
Italien. Turin (Telegraphenlinie. Ausweisung italien. Arbeiter aus Frankreich. Der Papst).
America. New-Vork (Der Congreß. iKoffuth. Lola §!ontez).
Neueste Nachrichten.
Schutzzoll und Freihandel
(Entgegnung.)
O Vom Lande. Man muß faßen/: daß Ihr Freihändler vom Main ein Mann ist, mit dem sich ein Wort reden läßt, und daß er, obgleich noch etwas unwirsch, auf dem besten Wege sich befindet, eine Verständigung über die große handelspolitische Frage, im Interesse der Gesammtheit anbahnen zu helfen. Seine letzte Mittheilung in Nr. 22 und 23 dieser Blätter ist als ein großer Fortschritt in der freihändlerischen Wissenschaft zu begrüßen, obgleich sie, wie immer, noch sehr unduldsam und nicht von Irrthümern frei ist.
I. So wird vom Handel zwar richtig bemerkt, woran übrigens noch kein Mensch gezweifelt hat, daß er reiner Tausch sei; eS ist aber nicht einerlei, ob er mit gegenseitigen Provucien, oder auf einer Seile nur mit baarem Geld betrieben wird, denn im ersteren Falle ist auf beiden Seiten Handelsgewinn bei dem Tauschgeschäft, im zweiten Falle aber nur auf einer Seite. Daß Zollschutz ein Mittel fein soll, baares Geld vom Auslande herbeizuziehen, ist wohl noch nicht behauptet worden ; wohl aber ist er alS ein Mittel angeführt worden, den Ab- fluß desselben zu verhindern, was denn auch seine Richtigkeit hat. Vollkommen einverstanden muß man dagegen mit Ihrem Herrn Korrespondenten sein, wenn er den Schmuggel als einen starken Abstußkanal deS baaren Geldes ansieht, weßhald denn auch Einfuhrverbote und Prohibitivzölle durchaus zu verwerfen sind. Die demoralisirenden Wirkungen des Schmuggels auf daS Volk sind ebenfalls vollkommen begründet.
H. Gegen diesen PassuS (derselbe weiset nach, daß der Handel nur dem Vortheile folgt, daß der loyale Import ausländischer Producie nur dann stallfinde, wenn diese billiger sind, alS sie in der Heimath hergestellt werden können und baß, da wieder andere Producte der Heimath dafür fortgehen, die im AuSlande theurer sind, bei dieser zwiefachen Operation, abgesehen von momentanen Mißconjunc- turen, stetS beide Theile gewinnen) ist vom Standpunkte einer verständigen Volkswirthschaft nichtâ zu erinnern.
Hl. Der hier ad 1 ausgesprochene Satz, daß eS nicht möglich fei, daß ein Land auf längere Zeit für einen größeren Werth aus- als einführe, ist vollständig falsch; denn abgesehen davon, daß ein Land durch eigene Betriebsamkeit in seinem Innern wohlstehend werben kann, ist eâ doch wohl recht gut möglich, daß dasselbe durch Ausfuhr seines UeberflusseS ohne entsprechende Einfuhr, lange Zeit sehr nachtheilig auf den Wohlstand anderer Länder wirken kann. DaS schon so lange bestehende Ge- schäftSverhältniß zwischen England und Portugal und auch anderen Ländern ist hiefür ein unumstößlicher Beweis. Wie traurig die Folgen eines so ungleichen Verkehrs sind, braucht wohl nicht näher erörtert
zu werden. Der Herr Correspondent mag dagegen Recht haben, wenn er mäßige Tarife empfiehlt, wie sie auch alle verständigen Schutzzöllner nur haben wollen. DaS Beispiel mit der Schweiz scheint indessen etwas hinkend zu sein, denn der bedeutende Wohlstand läßt sich daselbst nicht finden, obgleich dieses Land als ein großes Wirthshaus zu betrachten ist, in dem alle Nationen Europas einen Theil ihrer Ersparnisse verzehren.
Der Satz ad 2 wegen der Wohlfeilheit ist ebenfalls unrichtig, da wohlfeil und theuer ganz relative Begriffe sind, wie schon mehrmals in diesen Blättern auSgeführt worden ist. Ebenso verhält es sich mit dem Verhältniß der StaatSregie- rungen zu den Zöllen und Steuern ic., denn die Steuerkraft eines Volkes wächst nicht durch die Einfuhr wohlfeiler Producte, sondern ganz allein nur durch die eigene Erzeugungsfähigkeit.
IV. Was hier der Herr Correspondent von der Neigung der Einzelnen sagt, nur immer wohlseil zu kaufen, wird Niemand leugnen wollen. Diese Neigung ist aber nicht maßgebend für die VolkS- wirthschaft, da diese nicht individuelle Neigungen zu vertreten hat, sondern die widerstreitenden Interessen vermitteln muß.
V. Die WirkungSart, welche hier den Schutzzöllen untergeschoben wird, ist vollkommen unrichtig und befindet sich auch Ihr Herr Freihändler mit sich selbst im Widerspruch. Unrichtig ist sie, weil daS ganze ProductionScapital eines beschützten Artikels nach Abzug deS Zolles der beschützten Nation verbleibt, während sie eS im anderen Falle verdient — und im Widerspruche ist er mit sich selbst, weil er Finanzzölle empfiehltdie doch auch keine andere Wirkung haben können, alS die uns von Außen nöthigen Products zu verlheuern. DaS alte Lied, baß Schutzzölle kein Gewerbe empor bringen könnten, kann man Freihändlern gegenüber gar keiner Wi- Verlegung mehr werth halten, denn eS ist bei ihnen ein so eingewurzeltes Vorurtheil geworden, daß alle Gründe dagegen und wenn sie noch so schlagend sind, als rein verschwendet angesehen werden müssen. Ebenso verhält eS sich mit ihren Citaten von Oesterreich, die sie gar nicht müde werden zu Markt zu bringen; während doch die industriellen und finanziellen Kalamitäten dieses StaatS in ganz andern Verhältnissen ihren Grund haben, alö in den Schutzzöllen.
VI. In diesem Capitel übertrifft sich Ihr Herr Correspondent so, daß man ihn kaum wiedererkennt. Hier werden die Finanzzölle herausgestrichen — und o Wunder! diese sollen auch sogar den inländischen Gewerben alS ausreichender Schutz dienen. Eines ist aber bestimmt falsch, denn sind eS wirk liche Finanzzölle, so gewähren sie keinen Schutz — und gewähren sie Schutz, so sind eS keine Finanz- zölle. Die Zollsätze sind dann zu 10—20 pCt. des Werthes in Aussicht genommen. Warum nicht 25 oder 30 pCt. oder nur 5. Wo' ist hier eine Grenze, eine Consequenz gegen die früheren Ausführungen zu finden. Man sollte denken, daß 20 pCt. für d>e meisten Artikel schon ein guter Schutzzoll sein könnten und wenn dabei auch kein Eisen geschmuggelt wird und die inländische Fabrication desselben dadurch geschützt ist, so wäre eS doch noch der Mühe werth, Seidenwaaren, Spitzen, Bijouterien, Modeartikel rc. einzuschwärzen. Man kann übrigens daS Zugestânbniß , daS der Herr Corre- spondent mit feinen Finänzzöllen, die man auch eben so gut Schutzzölle nennen könnte, macht, schon zum Vortheil ver nationalen Industrie acceplircn — und eS ist recht freundlich von ihm, daß er sich von feinem hohen Standpuncte , zu einer solchen Concession herbeigelaffen hat, womit der principielle Streit beseitigt ist und nur mehr zwei Namen übrig geblieben sind, die dasselbe bedeuten können.
VII. Schließlich nimmt Ihr Herr Freihändler, wie eS sich nach so kräftigem Anlauf gebührt , die Gelegenheit wehr, sich selbst und feinem unvergleichlichen System den nöthigen Weihrauch zu streuen und dem jugendlichen Riesen „Freihandel" genannt den zarten Bart zu falben, auf daß er freudig wachse und seinen Gegnern fürchterlich werde. Vian muß sich hierbei unwillkührlich an die Fabel vom Pharisäer und dem großen Sünder, dem Zöllner, erinnern.
Deutschland.
* Wiesbaden, 7. Febr. Vor den Assisen deS Wiesbadener HofgerichtSbezirkS werden im ersten Quartal 1852 nachstehende Fälle zur Verhandlung kommen:
Dienstag , 10. Febr., gegen die Wittwe deS Kelschenbach von Schierstein wegen Schriftfälschung.
Gegen Christian Ludwig von Miehlen wegen Schriftfâlschnng.
Mittwoch, 11. Febr., gegen Balthasar Dietz von Cronberg wegen Schriftfälschung.
Gegen Johann Philipp Jacobi von Gemmerich wegen Diebstahls.
Donnerstag, 12. Febr., gegen Johann Schmidt von Niedcriahnstein wegen Meineids.
Freitag, 13. Febr., gegen Georg Ott von Biebrich wegen Schriftfälschung.
Gegen Georg Mehli von Höchst wegen Schriftfälschung.
Samstag, 14. Febr., gegen Mathias Preis von Hornau wegen Mißbrauchs zur Unzucht.
Montag, 16. Febr., gegen Johann Schläfer von Oderursel wegen Diebstahls.
Dienstag, 17. Febr., gegen Anna Maria Kreß von Uerzel wegen KindeSauSsetzung.
Gegen die Ehefrau deS Martin Born von Oberlahnstein wegen Schriftfälschung.
Mittwoch, 18. Febr., gegen Johann Jckstadt von Bremthal wegen Diebstahls.
Donnerstag, 19. Febr., gegen Johann S ta lp von Epstein wegen Diebstahls.
Freilag 20. und Samstag 21. Febr. , gegen Johann Stuhltrag er von Johannisberg und 8 Konsorten wegen MeineitS.
Montag, 23. Febr., gegen Peter Anton Roth von ZcilSheim wegen Fälschung.
Die überwiegende Mehrzahl dieser Fälle betrifft so. unbedeutende Gegenstände, daß der in diesen Blättern oft geäußerte Wunsch, eS möge eine Beschränkung der Schwurgerichts - Compeienz vor« genommen werden, vollkommen gerechtfertigt erscheint ; auch dürfte dieses Verzeichniß den Beweis liefern, daß eS mit der Rechtssicherheit im Herzog« thu in nicht so übel beschaffen sei, alS eS daS „Frankfurter Journal", durch leinen unzuverlässigen hiesigen Korrespondenten abermals irregeführt, vor Kurzem geschildert hat.
A Vom nassauischen Rheinufer. In Nr. 30 der „Mmelrhemuchen Zeuung" schildert der §§ Cor- retpondent auS dem mittleren Rheingau die rasigen Nothstände auf eine Art, wie man sie eben von dem Aufsatzschreiber Diese» BlatteS bereit» gewohnt ist. Voran rücken die bekannten Schlagwörter dieses BlatteS: „DaS wachsende Staatsbudget", „die vermehrte Größe der stehenden Heere" rc. Wir wollen über den unerwarteten Rückfall deS genannten Blattes nicht viel Worte verlieren und gehen zu b n weiteren Aeußerungen jenes Correspondenten. Die Behauptung desselben, daß feit Neujahr im Am et Eltville 1800 und im Amte Rüdeoheim 3—400 Klage-Dekrete in Folge deS VerjâhrunaSgcsetzeS genommen worden seien, ist unrichtig. Eben so übertrieben ist die behauptete Anzahl Der anhängigen Concurse. Was er ferner über die zwangsweise Beiireibnug' der Gemeindeausstände sagt , ist auch falsch, da deren Beitreibung zu den ersten Pflichten der Gemcindebeamlcn gehört; dann ist eS aber auch nur Nachtheil deS Schuldners, wenn feine Abgaben noch mehrere Jahre zusammenkommen und zuletzt, wovon sollen Du Gemeindebediensteten bezahlt und andere Ausgaben bestritten werden? Der Herr Correspondent kennt vielleicht andere Mittel, die er aber anzugeben unterlassen hat!
Daß eS im Rheingau traurig auSsieht, geben wir zu, allein wo — fragen wir — ist eS besser? etwa auf Dem Westerwalbe? — Wäre nicht in hie« siger Gegend Der LuruS zu übertrieben und könnte man sich an eine einfache solide Lebensweise gewöhnen und den Lustbarkeiten und Genüssen entsagen, so wäre eS wahrlich hier nicht so schlimm, alS an» derSwo; hier ist Gelegenheit zu Verdienst für jeden Taglöhner und er erhält 30—32 Kreuzer, während der Westerwälder nur 18 höchstens 20 Kreuzer bekommt und dafür noch gerne arbeiten würde, hatte er nur Gelegenheit.