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her nur auf die Mittheilung, daß die HülfScasse zur Zeit einen FondS von 1100 fl. in 220 Actien beii^t, und bisher an 54 Bürger 572 fl. 12 (r. dargelithen hat.

HZ Bon der Lahn, Anfang Februar. Die Nassauische Allgemeine Zeitung vom 30. Januar brachte aus dem KreiSamle Limburg einen Vor­schlag für eine würdigere Sonnlagsfeier. Ohnstiei- tig kragt eine zu große Vermehrung der Wirthshäuser sowie daS wüste Treiben in Denselben viel zur Verwilderung im Allge. meinen wie zur Entehrung der Sonn- und Feier- tage bei. Im allgemeinen Interesse sind deßhalb in Frankreich strenge Maßregeln gegen die Wirths­häuser, ergriffen worden, Die noch, wie verlautet, durch folgende Vorschriften vervollständiget werden: I) In jeder Gemeinde sollen in Zukunft nur so viel Schenken cristiren, daß auf je 500 bis 1000 Seelen eine kommt; 2) die Zahl der gegenwärtig bestehenden soll auf dem Wege deS Erlöschens aus die Normalzahl rebucirt werden; 3) der Debit soll denjenigen entzogen werden, welche Getränke ver­fälscht oder verfälschte Getränke wissentlich verkauft haben, welche den Staat um die Abgaben betrügen, welche den Trunk, die Ausschweifungen, die geheimen Spiele und die politischen Umtriebe begünstigen ; 4) die Trunkenheit soll an sich als Vergehen, und in Verbindung mit andern Verbrechen nicht mehr als mildernder, sondern viel, mehr als erschwerender Umstand betrachtet werden, der die Steigerung der Strafe um einen Grad zur Folge hat; 5) die Beamten der Verwaltung werden in Zukunft ihr Augenmerk nicht bloß auf die Steuer- angelegenheiten, sondern zugleich auf die im In­nern der Wirthshäuser vorgehenden Dinge richten, welche die öffentliche Gesundheit und Moral berühren".*) Möchten auch an andern Orten ebenso heilsame Maßregeln zum Besten der einzelnen^Menschen, wie auch zur Wohlfahrt der Gemeinden getroffen und baldmöglichst in'S Leben gerufen werden!

):( Aus der Grafschaft Catzenelnbogen, 2. Februar. Am Samstag Abend war in Auftrag der Behörde unser Arzt, Hr Dr. Kremer zu Catzen- elndogen mit dem Hrn. Bürgermeister Hofmann in der Behausung deS hellsehenden Knaben No. 2 Namens Weyer. Durch die mit dem Wunder- knaben angestellten Versuche soll sich daS ganze Thun und Treiben von Seiten deS Jungen als Ver­stellung erwiesen haben.

Frankfurt, 2. Febr. Die Nachricht, daß die | preußische Regierung- we^ deS Ankaufs deSHo- . tel de Ruffic" mit dem Besitzer in Unterhandlung stehe, wird heute von derKöln. Z." widerrufen. Gegen Ende vorigen Jahres habe allerdings die Absicht obgewaltet, daS erwähnte Hotel zu erwer, den; unter den gegenwärtigen BundeStagSverhält- l Nissen fei jedoch dieselbe für jetzt wenigstens, wie versichert wird, aufgegeben. Dieser Auffassung ent­sprechend, circulirt hier ein anderes Gerücht, nach welchem der preußische BundeStagSgesandte, Hr. v. DiSmark-Schönhausen, in der nächsten Zeit Frank­furt verlassen wird, um einen andern diplomatischen Posten zu übernehmen. Dem Vernehmen nach beabsichtigt der Ministerialrath Frhr. v. Nell, Mit­glied der BundeScassenabtheilung, in nächster Zeit nach Wien zu reisen, um sich vvn den anstrengen­den Arbeiten seiner hiesigen BundeScasjenstellung zu erholen.

Hannover, 30. Jan. (A. Z'g.) Die Pariser Deereie fangen an auch hier ihre Wirkung zu thun, an die Möglichkeit einer Revolution oder eines Krieges fängt man doch wieder an zu glauben und damit schwindet die Sicherheit. Der Glanbe an ein Ministerium Stüve, der in letzter Zeit an Stärke gewonnen, hängt auch damit zusammen. Dieser Glaube ist durch Conjecturalpolitik entstanden, und genährt durch das Verhalten Stüve's. Man kennt die Zuneigung einer hohen Person zu Stüve, man sieht daS neue Ministerium ohne Energie, ansch-i- nenb in sich uneinS, durch ständische Beschlüsse in Verlegenheit gesetzt uud in seinen Planen gestört. Mit diesen Ständen kann dies Ministerium unmög­lich lange marschiren. Uns doch will man die Ver. saffung nicht brechen, man verlangt höchsten OrtS ein genaues Jnnehalten aller VerfassungSbestim- rnungen. WaS liegt da näher, glaubt man; als e,n Ministerium Stüve, zumal letzterer nach einem ihm zugeschriebenen Artikel sogar die Komposition zweiter Kammer bioSzugeben bereit sein soll. Ob­gleich Die Dinge nun bei weitem anders liegen, er­klärt diese Art Anschauung allein einen Theil der Scenen, die in den letzten Tagen in zweiter Kam­mer vorkamen. Herr Weinhagen hielt eine Rede, in welcher er nicht nur daS gegenwärtige Junker- ministerium auf daS heftigste anqriff, Stüve's frü­heres Verfahren tadelte, vor allem aber daS künf­tige Ministerium Stüve mit Sarkasmen überschüttete. Der Finanzminister v. d. Decken, den Herr Wein-

*) Diese Angaben werden durch die heutigeKöln. Ztg." bestätigt.

Hagen beschuldigte, er und der Minister deS Innern, vielleicht auch der Ministe, Präsident, hatten die Ritterschaften verführt, jene Beschwerden beim Bunne zu führen, forderte vom Präsidenten einen Ordnungs­ruf, Den Dieser aber mit Entschiedenheit verweigerte. AlS Minister Windihorst nun äußerte: Die Rede­freiheit gehe aber weit im Lande Hannover, erwie­derte der Präsident Lindemann: nicht weiter als die Verfassung gestatte. Herr Weinhagen, der einen Antrag wegen Einführung der Organisationen ge­stellt ^\ut und sehr wohl wußte, daß bei näherer Erörterung und Eingehen auf diesen Antrag sich Die alle Meinungsverschiedenheit wegen getrennter Einführung der Justizorganisaiionen Herausstellen würde, zog seinen Antrag zurück, und verlangte von Der Kammer aus eine Manifestation dafür, daß man im Lande über Die Organisationen noch wie früher denke, Die er denn auch beinahe von der gan­zen Kammer erhielt. Nur Stüve und seine nächsten Freunde , Lehzen, Buddenberg, Staffhorst, entzogen sich Der Theilnahme an Dieser nicht GeschâftSord- nungSmäßigen Demonstration.

Köln, 4- Febr. Der Vorstand des Central- Dombau-VereinS war heute in außerordentlicher Sitzung versammelt und berieth namentlich den An­trag auf Veranstaltung einer Geldlotterie zum Be­sten deS DombaueS. Sicherem Vernehmen nach wurde dieser Antrag mii überwiegender Mehrheit a b g e i e h n t.

Magdeburg, 3. Febr. Der hiesige Kaufmann Hartung ist gefänglich eingezogen, weil er seine beiden ersten Frauen und ganz kürzlich auch seine Tante vergiftet haben soll. Er hat bereits daS letztere Verbrechen (Die Vergiftung seiner Tante) eingestanden. Man zweifelt hier keineSwegeS, daß er auch feine beiden Frauen durch Gift aus der Welt geschafft habe, um in Den GeUuß Der Rente zu gelangen, welche ihm Die LebenSversicherungSge- sellschaft, bei der er daS Leben feiner Frauen ver­sichert hatte, zahlen mußte. Damit aber ist eS noch nicht genug; eS läuft heute das Gerücht in Der f Stadt um, Hartung habe noch mehrere andere Giftmorde begangen und bezeichnet nicht weniger als sieben Opfer, die, wie auch höchst wahrschein­lich ist, von ihm durch Gift getödtet wurden. Die Bestürzung, Die allgemeine Aufregung in der Stadt über diese scheußlichen Mordthaten ist um so größer, als Die Gemordeten, wie auch der Mörder selber, sehr bekannte hiesige Persönlichkeiten sind.

* Berlin, 2. Februar Der VerwaltungSrath deS Vereins zur Centralisation deutscher Auswande­rung und Kolonisation erläßt eine öffentliche War­nung vor Der Auswanderung nach Den Besitzungen Derfünf der angesehensten Landgut Besitzer deS Kaiserreichs Brasilien" in der Provinz Rio de Ja­neiro. Den deutschen Auswanderern soll das Ueber- fahrtsgeld vorgeschossen, Wohnung auf dem Gute angewiesen und AUeS, waS sie während deS ersten Jahres an Lebensmitteln, Kleidung und sonstigen Bedürfnissen brauchen, auf Borg gegeben werden. Alles, was Die Auswanderer auf diese Art geborgt erhalten, müssen sie natürlich zurückbezahlen, aber sie dürfen auch, .so lange vieö nicht geschehen, den Dienst ihrer neuen Herren nicht verlassen, und müssen DaS, waS nach vier Jahren nicht zurückge­zahlt ist, verzinsen. Ein Eigenthum an Land er­halten sie nicht, eben so wenig einen bestimmten Ta gl ohn, sondern ihnen werden einige Tausend Kaffeebäume zur Besorgung übergeben. Der ge- wonnene Kaffee wird vom Eigenthümer verkauft, und waS dieser nach Abzug Der Kosten für den Transport deS Kaffee'S, der Verkaufö-Commission und einer Abgabe für Den Gebrauch der Maschinen (zum AuSkörnen deS Kaffee'S) als Rein - Ertrag berechnet, soll zwischen ihm und den Kolonisten ge­theilt werden. Außerdem wirb den Kolonisten noch so viel Land geliehen, alS sie nebenher zur Erzie­lung von Lebensmitteln bebauen können. Aber auch von diesen Lebensmitteln Dürfen sie dasjenige, waS sie über ihren häuslichen Bedarf erzielen, nicht selbst verkaufen, sondern der Gutsherr verfährt damit ebenso, wie mit Dem Kaffee. Außerdem müssen sie sich ver­pflichten, ohne Bewilligung deS Gutsherrn sich in keinerlei Handelsgeschäfte eirjuläffen.

ES läßt sich leicht berechnen, daß auf diese Weise der Auswanderer in Den meisten Fällen un­möglich seine Schulden innerhalb vier Jahren ad- tragen kann. Denn von dem deutschen Hafen be, trägt daS Passagegelv nach Brasilien mindestens 45 Thaler und mit Einschluß der nöthigen Schiffsde- dürfniffe (Matratze, Geschirr u s. w.) wenigstens 50 Thlr. pro Kopf. Die erste Einrichtung, so wie Die Lebensmittel brö zur eigenen Ernte, etwaige Kleidungsstücke und sonstige'Bedürfnisse kann man gut und gern auf 100 Thlr. pro Kopf veranschla­gen. Denn Vieles davon ist ohnehin in Brasilien sehr theuer, und Der Gutsherr wird ihnen unzwei- felhafl Die höchsten Preise berechnen, damit fein Guthaben möglichst hoch werde. So würde z. B. eine Familie von vier Personen eine Schuldenlast von wenigstens 600 Thlr. haben. Im günstigsten Falle wird sie in Den ersten vier Jahren vielleicht 100 200 Thlr. abzahlen können, so daß noch eine

è Schuld von mindestens 400 Thlrn. verbliebe. Nun fängt aber Die Verzinsung an und Der landesübliche Zins in Den dortigen Gegenden beträgt 18 25 Procent! Die Familie muß daher jährlich 72 100 Thlr. abgeb«« um nur die Zinsen ihrer Schuld zu decken, und man kann leicht berechnen, wie Diese Schuld wachsen muß, wenn nicht so viel erübrigt werden kann. Der Plantagcnbcsitzer hat eS hier­nach völlig in seiner Hand, die Leute so lange in feinen Diensten festzuhalten, alS ihm irgend beliebt, und die Auswanderer gehen somit für ihre Lebens­dauer einem Verhältniß entgegen, waS man nicht anders als Sclaverei nennen kann.

Berlin, 2. Febr. Ueber die Erneuerung der Kaunitz-Choifeul'fchen Allianz, schreibt dieK. Z.", liefen in den letzten Tagen die düstersten Gerüchte um. Mag man daS alS eine Fabel oder eine Tendenz-Lüge betrachten, jedenfalls ist nicht ganz außer Ächt zu lassen, daß ähnliche Sagen, wenn­gleich mit einigen Abweichungen, seit einiger Zeit sich stets wiederholen. So wurde heute als zuver­lässige Thatsache berichtet, Frankreich und Oester­reich hätten ! ch für einen eventuellen Fall über Die Occupation der Schweiz vereinigt. Wenngleich sich damit der Weg nach Neuenburg zu öffnen schiene, so soll die Nachricht doch in Den höheren Kreisen ausschließlich und ganz entschieden Mißbehagen er­regt haben. So viel steht fest, daß alle Gerüchte ähnlicher Art mit dem größten Mißtrauen aufzu- nehmen sind. Da das Publicum den Präsidenten Napoleon nun einmal von kriegerischen Absichten nicht freisprechen will, so darf eS auch die Mühe nicht scheuen, eine Allianz für ihn zu suchen, da eS Einsicht genug hat, um eine französische In­vasion ohne Alliirten als ein abgeschmacktes Unter­nehmen anzusehen,

Die Bestrebungen wegen Gesammtrevision Der Verfassung werden trotz deS Schicksals, welches die betreffenden Anträge in beiden Kammern erfuhren, noch immer nicht eingestellt. ES sind in Diesem Augenblicke wieder zwei ritterfchaftliche Abgeordnete aus Pommern hier anwesend, welche bei der Re­gierung Vorstellungen dahin machen sollen, daß eine durchgreifende Umgestaltung der Verfassung vorgenommen werde. Wir brauchen wohl nicht hinzuzufügen, daß daö Ministerium von dem Stand­punkte aus, den eS bisher in der ganzen Frage behauptet hat, auf derartige summarische Forde­rungen nicht eingehen wird. Die Verhandlungen mit Oldenburg wegen deS Anschlusses an Den Zoll­verein werden nach der erfolgten Genehmigung deS hannoverichen Vertrages mit größerer Lebhaftigkeit alS früher fortgesetzt.

DemM. C." wird auS Berlin gefchriebenT- daß Die einjährige Militärdienstzeit ganz abgeschafft werden soll.

Wie derPubl." meldet, ist wegen deS bei Gelegenheit deS OrdenSfesteS an silbernen Löffeln im königl. Schlosse verübten Diebstahls ein Lohn­lakai verhaftet worden. ES soll daS gestohlene Gut bereits im eingeschmolzenen Zustande zum Vorschein gekommen sein.

Berlin, 3. Febr. In einer Commission der ersten Kammer ist Seitens deS betreffenden Regie» rungöcommiffarS die Mittheilung gemacht worden, daß die StaaatSregierung den Gesetzentwurf über die Grunbste-uer noch in dieser Session vorzu­legen gedenke.

Aus Holstein, 3. Febr. Die Entscheidung über die Festung Rendsburg ist zwar noch nicht definitiv bekannt, doch scheint mit Rücksicht auf die Quelle daS Gerücht nicht unbegründet, daß dieselbe zur BundeSsestung erklärt werden wird. In Kiel wollte I man wissen, eS werde ein deutsches Bundesconiin- gent in der Festung Rendsburg verbleiben, das den Befehlen deS Königs von Dänemark alS Herzog von Holstein untergeordnet werden soll.

Wien, 31. Jan. Der Herzog von Coburg ist hier angekommen, wie in den öffentlichen Blättern gemeldet wird, um Der Eröffnung deS Testaments deS Prinzen Ferdinand von Coburg beizuwohnen. Diese irrige Angabe wird von Den hiesigen Zeitun­gen folgender Maßen berichtigt;Diese Testaments- Eröffnung ist schon im September v. I. vor sich gegangen, und eS kann aus bester Quelle versichert werden, daß der Herzog bei seinem Aufenthalte in Wien lediglich den Zweck vor Augen habe, dem Kaiser eine Allerhöchstdemselben schuldig befundene Aufmerksamkeit zu erweisen und sich dem kaiserlichen Hofe zu nähern". Morgen soll der neue Tarif in Wirksamkeit treten. DiePresse" schreibt dar­über:Ein großer Theil unserer Fadricanten scheint von seinen anfänglichen Besorgnissen zurückgekommen zu sein und die heranstürmende Concurrenz mit gro­ßer Kaltblütigkeit erwarten zu wollen. Die Erzeu­ger von Modeartikeln und theuren Stoffen haben dagegen jede Hoffnung auf erfolgreichen Widerstand aufgegeben. Für diese FabricationSzweige bleibt aller Wahrscheinlichkeit nach kein anderer Ausweg übrig, alS zur Erzeugung minder werihvoller, der Concurrenz weniger ausgesetzter Waaren üderzu- gehen".