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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Jo 20.

Samstag den 2L. Januar

1832.

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumscationsvreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisschen VerwaltungSgebietes mit Inbegriff des PostaufschlageS nur 8 fl., für die übrigen Länder de« deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland nur S fl. SL fr. Inserate werden die dreispaltige Pètitjeile oder ve-en Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dtenstnachrichten.

Nichtamtlicher Theil.

Nassau und die Industrie.

Deutschland. Non der Lahn (Kirchliches). F r a n^k- furt (Bundespatentgesetz). Karlsruhe (Telegraphen­verbindung). Kassel (Die städtischen Behörden). München (Berichtigung). Rudolstadt (Hönniger)

Altenburg (Vermählung deS ErbgroßherzogS von Oldenburg). AuS Thüringen (DaS neue Wahl­gesetz). Berlin (SchwurgerichlShof. Postconvention).

BreSl «u (Ein Koffuth'scher Agent). Hamburg (Besatzung). Wien (Die Zollconferenzen. Veränderungen im Ministerium. Großfürst Constantin. Vermischtes).

Frankreich. Pjaris (Die bedrohten Schnurrbärte. DaS Wahlgesetz. Spanische Flüchtlinge. Rundschreiben an die Präfecten. Attentat auf L. Napoleon. Vermischtes).

Großbritannien. London (Thiers und die Flüchtling«- frage).

Griechenland. Athen (Der Räuberchef Calamata).

Türkei. Konstantinopel (Raub einer armenischen Frau. Conflict der Behörden mit dem armenischen Pa­triarchen).

Neueste Nachrichten.

Amtlicher Theil.

Lehrer S ch m i d t zu Kirburg ist auS dem Schul« dienst entlassen; Lehrvicar Acker in Langenbach zum Lehrer in Kirburg ernannt und die Lehrvicar« stelle zu Langenbach dem Schulcanvidaten Pfeif­fer in Stangenrod provisorisch übertragen worden.

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Nichtamtlicher Theil.

Nassau und die Industrie.

+ Vom Lande. Ihr sreihândlerischer Corre- spondent v^m Maln, der sich in Nr 9 dieser Glât« ter wieder vernehmen läßt, ist über meinen früheren Artikel unter gleicher Ueberschrist recht sehr unge« halten und bringt sogar zur Bekräftigung seiner Ansichten die merkwürdige Thatsache , daß den Ac« tionären einer Actienspinnerei 19 Procent Dividen­den in Aussicht gestellt worden seien. Es ist wahr­haft lächerlich, wenn solche Ankündigungen, deren Zweck Jedermann kennt, und die nur dazu bestimmt sind, Aktionäre anzulocken, die aber in der Regel gar nicht oder nur in sehr bescheidenem Bruchtheil realisirt werden, als Beweise für die Unfehlbarkeit der Freihandelstheorie auSgcbeutet werden. Ich halte eS deßhalb auch gar nicht der Mühe werth, alle Folgerungen, welche der Herr Korrespondent daraus gezogen hat die übrigens nicht einmal auf Nassau Anwendung finden können zu widerle­gen; sondern bemerke nur im Allgemeinen, baß «S recht gut wäre, wenn solche Dividenden den Spinnereien entsprängen; denn sie würden dadurch ihre Fortschritte, die ihnen beständig von den Frei« Händlern bestritten werden, beurkunden und auch sicherlich bald eine heilsame inländische Concurrenz Hervorrufen. WaS jedoch brr Herr Correfpondent Über die bisherigen Schutzzölle sagt, verdient nähere Erörterung. Es ist nämlich wahr, daß Nassau feit seinem Eintritt in den Zollverein auch dir demselben anhängenden Schutzzölle hatte aber nur für einen belangreichen Artikel, für das Ei­sen. Wie war eS aber mit diesem Schutz beschaf­fen ? In der ersten Zeit war er zureichend, und später kam der belgische Bertrag, der ihn illusorisch wachte. Außerdem war der Zolltarif nur auf kurze Perioden festgesetzt und die Handelspolitik des Ver­eins immer eine schwankende. Es konnten deßhalb weder größere Unternehmungen gegründet werden, noch die Abnehmer geneigt sein, LieferungSverträge auf längere Zeit rinzugehen. Trotz dieser schwierigen Umstände hat sich unser Eisengewerbe doch bedeu­tend gehoben und wir sind im Stande, jetzt brdeu« tend wohlfeiler zu produciren, wie früher.

Mit vieler Sicherheit läßt sich annehmen, daß unsere Eisenindustrie, die einen jährlichen Brutto- Ertrag von I V, Mill. Gulden liefert, durch die englische Concurrenz, wenn dieselbe frei gewesen, wenigstens zu % verschwunden wär; und daß daS andere Drittel sich nur kümmerlich durch daS Be­dürfniß für besseres Eisen re. erhalten hätte. Da wir nun zur Darstellung des Eisens unsere eigenen Kräfte und unsere eigenen Materialien nur brau­chen, so haben wir doch jedes Jahr 1 Mill. Gul­den gewonnen, die bei Freihandel für uns verloren gewesen wären. Wenn man nun nach den Vor­stellungen der Freihändler auch den Schutzzoll, der ungefähr 120,000 Gulden beträgt, hiervon abzieht, so bleiben doch noch 880,000 Gulden übrig, die für die Nation rein gewonnen find, indem wir diese Summe, die wir sonst an England oder Bel« gien für das entsprechende Eisenquantum bezahlt hätten, behielten.

Ich halte die Schutzzölle nicht, wie der Herr Correfpondent vom Main glaubt, für eine Art Universalmittel zum ökonomischen Aufschwung, son­dern, wie auch auS meiner Darstellung hervorgeht, für ein nothwendiges Uebel. Ich bin aber nicht, wie die Freihändler, der Ansicht, baß alle unsere ökonomischen Uebelstände auS den Schutzzöllen ent­springen, wofür sie biS jetzt den Beweis noch nicht geliefert haben und auch nicht liefern werden. Man könnte eben so gut jeden anderen Schutz, der die Macht deS Stärkeren gegen den Schwächeren zu regeln bestimmt ist, abschaffen, z. B. die Gesetze und Gerichte, weil man ihnen nachsagen kann, baß sie der Nation viel Gelb kosten und die Prozesse vermehrten, statt daß sie dazu da seien, dieselben zu vermindern. Wie ist aber mit solchen, Alles ibralisirenben Leuten fertig zu werden: die das Geld wie jede andere Waare betrachten; die jede Nation in Producenten und Consumenten theilen, die beständig den Handel mit der Production iden- lificiren; die keinen Begriff von inländischer Con« currenz haben, und bei jeder GewerdSanlage so­gleich berechnen, wieviel der allgemeine Beutel dazu beisteuern muß; die nicht wissen, waS wohlfeil und was theuer ist, die die Schutzzölle als die Erbsünde der Nationalökonomie ansehen und hundertmal widerlegt, dennoch wieder mit ihren alten Beweis- sätzen auftreten. Die freihändlerische Weisheit ist wahrlich nicht so schwer zu ergründen, wie der Herr Correfpondent zu glauben scheint. Ich habe sie ebenfalls bei Beginn meiner volkSwirthschaft« lichen Studien für ein Evangelium gehalten aber sehr bald gefunden, daß zwischen einem Ideal und der Wirklichkeit ein gewaltiger Unterschied ist und daß wir zwar nach Freihandel streben müs­sen , aber nicht auf Kosten der nationalen Wohl­fahrt und einseitig zu Gunsten deS Handels, der für eine Nation unendlich weniger wichtig ist, als die Industrie. Ich weiß auch recht gut, daß bei Befolgung deS Schutzsystems mit großer Umsicht verfahren werden muß und daß dabei grobe Fehler begangen werden können; weshalb ich auch weit entfernt davon bin, dasselbe als ein Univerfalmittel anzusehen, wir die Freihändler mit ihrem System thun.

In meinem vorigen Aufsatze habe ich die öko- nomischt Lage Nassaus erörtert und hervorgehoben, daß wir daran denken müßten, die vielen Hände, welche der Ackerbau und die Kleingewerbe nicht mehr ernähren können, durch Erweiterung der alten oder durch Gründung neuer GewerbSzweige produc­tiv zu beschäftigen, wobei die bisherigen Schutzzölle auv nicht im Geringsten in Betracht kommen. Sie haben weder einen guten noch schlimmen Einfluß auf diese Verhältnisse gehabt; wohl aberhaben wir eS versäumt, productive Industriezweige, wie eS unter diesen Verhältnissen nothwendig war, anzu­bahnen. Wenn ich deßhalb unter den jetzigen Aus­sichten, wo Preußen, um dem mächtigen Andrange Oesterreichs zu entgehen und sich mit England in gutes Einvernehmen zu setzen d. h. den volkSwirth- schaftlichen und mit ihm den politischen DualiSmuS in Deutschland aufrecht zu erhalten, nicht aber um der eitlPh FreihanbelSthcorieen willen, sich auf die Seite der Letztern zu neigen scheint, (wovor eS aber hoffentlich fein besseres deutsches Bewußtsein und die sichere Aussicht, daß England selbst wieder fein Schutzzollsystem für seine schwächeren Industriezweige und den Ackerbau, zum Frommen der deutschen Frei­

händler vervollständigt, bewahren wird), empfohlen habe, daß Nassau sich in in diesem Falle an eine Zolleinigung anlehnen möge, die seiner Industrie Schutz gewähre, so glaube ich, daß dieses in un­serem wohlverstandenen Interesse geschah und daß die Erörterungen und Schlüsse deS Hrn. Cor- respondenten vom Main gar nicht darauf passen.

ES sind schon mehrere öffentliche Stimmen laut geworden, die unser gutes Nassau warnen, an keine solche Verbindung zu denken, da seine meisten Absetzungen nach Preußen habe und auch die be­deutende Einnahme auS den Zollgefällen nicht ent­behren könne. Wenn diese Stimmen nur daran dachten, daß Nassau sich nicht von Preußen loSsa« gen möge, wenn dieses ein verständiges Schutzzoll­system erstrebe, so ist nichts dagegen einzuwenven; denn das will ja auch gerade Oesterreich und mit­hin wäre auch eine Zolleinigung des jetzigen Zoll­vereins mit Oesterreich ganz in der Ordnung. Wenn aber Preußen zum Freihandel übergehen will, wie eS wenigstens den Anschein hat, so ist nicht einzu­sehen, wie die gegen die LoStrennung Nassaus von Preußen geltend gemachten Gründe stichhaltig sein sollen. Denn tritt diese Schwankung Preußens ein, so find wir bei einer Abtrennung ja nicht behindert, unsere Producte dahin abzufetzen; wir verlieren aber die Zolleinnahwen, da dann die Zölle über­haupt aufhören. Außerdem würden wir aber gegen die äußere Concurrenz in dem neuen Zollgebiet ge­schützt sein und würden auch, wenn den Frei­händlern Glauben beizumessen ist, die die AuSbil- dung der österreichischen Industrie unter dem Einfluß der Schutzzölle als sehr gering anschlagen, noch obendrein einen sehr ansehnlichen Markt für unsere Producte finden. Ja, wir werden unS nicht einmal vor dem österreichischen Papiergelde zu fürchten ha­ben , daS wir gewiß nicht höher annehmen müssen, wenn dieses uns zugemuthet werden sollte, als eS wirklich werth ist.

Deutschland.

} Don der Lahn, 15. Jan. Der im Laufe der vorigen Woche vorübergegangne Epiphanias« Tag konnte nicht verfehlen, dieses Mal in ganz besonderer Weise auch in größeren und gemischten Kreisen die öffentliche Aufmerksamkeit auf den in­neren Zustand und die festliche Darstellung deS kirchlichen Lebens im Nassauischen Lande zu richten. Indem eS Schreiber dieieö vergönnt war, auf einer Reife sich gerade an jenem Tage am Bischoffitze zu Limburg aufzuhallen und der Feier in dem ehrwür­digen Dome beizuwohnen, mußte der richtige Sinn und die hohe Würde, womit die katholische Kirche an dem festlichen Character dieses wichtigen TageS festgehalten hat, mit ganz besonderem Nachdrucke ihm entgegentreten. ES war erhebend, die weiten DomeShaUen mit zahlreichen Schaaren Andächtiger gefüllt zu sehen. Die Versammelten wohnten nicht blos mit sichtbarer Hingabe dem durch Theilnahme deS Bischofs und Domkapitels verherrlichten Hoch­amte bei, folgten nicht nur mit stiller Rührung dem sehr ergretfenden, anbetungsvollen Gesänge einer einheimischen Chorsängerinn, sondern schienen auch mit unverkennbarer Sorgfalt den festlichen Predigt« vorlraq in sich aufzunehmen. In dieser Festan­sprache wurde von beredten Lippen mit gewinnender Innigkeit der Reichthum geistiger Schätze in der Erscheinung des einst mit Geschenken gläubiger Liebe von den Weisen auS Morgenland bedachten und Angebeteten ChristuSkindeS aufgezeigt, unter großer Berlrauih.il mit den mannichfachen Ge­bieten deS ChristenlebenS, nicht ohne Beurkundung eigner Ergriffenheit das heilige Vorbild deS Chri­stenmenschen cnihüllt, und wurde sodann als Mittel zur Aneignung dieses himmliichen Reichthums daS fromme Heranlielen zur Krippe und daS selbsiver- leugnende Kommen unter daS Kreuz deS Welterlö- serS hingestellt und den Herzen nahe gebracht. ES war erfreulich, die Pracht und Herrlichkeit deS symbolischen Cultus durch das lebendige Wort der Predigt zum innersten Eigenthuwe der Gemüther gebracht zu sehen.

Indem aber hiernach in der Metropole deS Limburger BiSthumS der EpiphaniaStag eine fo würdige Feier fand und mit so großer Theilnahme