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gegangen wurde, um der Regierung die Initiative { in dieser Hinsicht zu überlassen. Die Wichtigkeit ! und die Nothwendigkeit einer solchen, möglichst plan­mäßig auszuführenden Regulirung ist aber von der Regierung immer anerkannt worden, und eS ist deßhalb, wie wir hören, neuerdings auch im Han­delsministerium eine Denkschrift ausgearbeitet wor­den, die dem in dem ««gezogenen Anträge deS Hrn. v. Goerz ausgesprochenen Wunsche entspricht und die erforderlichen Feststellungen über den in der Folge festzuhaltenden Plan bezweckt.

Schwerin, 14 Jan. Hier ist eine alte Ver­ordnung wieder publicirt worden , welche den Pre- tigern vorschreibtdie halsstarrigen Verächter des göttlichen Wortes und der heiligen Sacramente ge­hörigen Ortes zu berichten."

Wien, 17. Ian. Für die Verwaltung der Civilangelegenheiten Ungarns schienen entscheidende Schritte vorbereitet zu werden. Auch in den Per­sonen, welche mit der obersten Leitung der Admi­nistration betraut sind, dürste ein Wechsel eintreten. An sämmtliche Ministerien ist die Anzeige gelangt, daß Graf de la Motte die Geschäftsführung des BaronS Gehringer interimistisch übernommen habe, was bet der zeitweiligen Abwesenheit deS Letzteren früher nie der Fall gewesen. Baron Gehringer wird in Wien auf unbestimmte Zeit verbleiben. Man glaubt allgemein, daß derselbe einen Platz in dem Reichsrathe einnehmen werde. Die Commission, welche jetzt unter seinem Vorsitze die neue Verwal­tungs-Organisation für Ungarn beräth, besteht auS den Herren Grafen Appony, Grafen Cziraky, Ba­ron Hauer und v. Nagy. Eine auS allen Mi­nisterien zusammengesetzte Commission beräth den Entwurf zu einer neuen Dienstpragmatik. Der An­trag, daß künftig die Anciennetät bei der Vorrückung der Beamten nicht maßgebend sein, sondern nur die Befähigung den einzigen Anspruch auf Beförderung geben sollte, hat bei dieser Beraihung einhellige An nähme gefunden.

Der Verkehr mit den telegraphischen Depeschen zwischen Wien und London ist jetzt ein sehr lebhafter und bezieht sich größtenteils auf HandelSangelegen- heiten. Die Expedition einer Depesche mit Benutzung deS unterseeischen Telegraphen erfordert drei bis vier Stunden Zeit.

Wie der Wanderer meldet, ist das Londoner BlattDaily NewS" für ganz Oesterreich verboten worden; dasselbe darf fortan weder durch die Post bestellt, noch überhaupt den Adressaten verabfolgt werden; selbst der Transit durch Oesterreich in an­dere Länder ist ihm nicht gestattet.

DieWittwe v«S Dr. Prießnitz hat am 12. d. Gräfenberg verlassen, um in Wien dem Kaiser ihr Anliegen in Betreff der Curanstalt vorzutragen. Ihr Schwiegersohn, Hr. V. Ujhazy, hat die Be- willigung, zu prakliciren. noch nicht erhalten.

Der in Wien erscheinendeCarriere italiano" brachte dieser Tage einen bemerkenSwerihen Artikel, worin die gegenwärtigen Zustände Englands mit Scharfsinn nnv Sachkennlniß besprochen werden und auS mehreren Gründen und augenfälligen An­zeichen der Schluß gezogen wird, Englands neuestens unternommene Rüstungen feien nicht sowohl auf Furcht vor einer fremden Invasion dasirt, sondern wesentlich darauf berechnt, dem immer kühner bas Haupt in England selbst emporhebenden Radikalis­mus die Spitze zu bieten.Wer weiß, schließt der Aufsatz, ob wir England nicht bald zu der Alterna, tive gedrängt sehen werden, daö Beispiel von Frank­reich nachzuahmen oder jenen Zuständen zu ver­fallen, welchen eS Europa gern preisgegeben hätte, nämlich der Auflösung und dem Verderben".

Wien, 17. Jan. (A. A. Z.) ES ist der Befehl ertheilt worden, die Armirung unserer Basteien, welche seit den verhângnißvollen Tagen deS JahreS 1848 bestanden hat, wieder zu entfernen, woraus man auf ein nahes Ende unseres Belagerungszu­standes schließen will.

graustes cb.

Paris, 19. Januar. Die Proklamation der Verfassung und der Zusammentritt deS Senats und deS gesetzgebenden Körpers in Paris wird eine große Feierlichkeit bezeichnen. Der Präsident der Republik wird in den Tuilerien einen großen Ball veranstalten. Man bezeichnet als den hierfür be­stimmten Tag den 25. Februar. Die Vorunter­suchungen über die Unruhen im Departement deS Var geht ihrem Ende entgegen. Von 1262 Perso- nen, welche in die Gefängnisse von Draguignan ge­bracht wurden, sind 1239 von den JnstructionSrich- tern verhört worden; 245 wurden in Folge der Voruntersuchung in Freiheit gesetzt; 599 , welche dem Arrondissement von Draguignan und BrignolleS angehören, wurden nach Toulon gebracht, so daß in diesem Augenblicke sich nur noch 419 Gefangene in Draguignan befinden, darunter 23 Frauen. Alle diese Individuen sollen in wenigen Tagen nach Toulon gebracht werden. Die erste Lieferung der für die Deportation nach Cayenne bestimmten

Baracken ist bereits fertia. Diese Baracken werden ein G-wicht von 900 Tonnen auSmachen. Die Administration der Marine in Bordeaux hat, um diesen großartigen Transport zu bewerkstelligen, ein Uebereinkommen mit 4 Handelsschiffen treffen müssen. Lebensmittel im Gewichte von 300 Tonnen r Ge­müse, Mehl, Wein und Branntwein werden eben­falls nächstens nach Cayenne abgehen. Dem Abendmoniteur" zufolge ist die Verwundung deS Herrn Alfred von Vieyra in Folge seines Duelles mit Herrn Laury nur unbedeutend. Herr Arsene Houssaye, Direktor -deS Theater fran^aiS, hat im Foyer deS Schauspielhauses ein Verbot jedes poli­tischen Gespräches anschlagen'lassen. Bage, Mit- «Uev des Generalralhs, Mr als Theilnehmer an den Unruhen im Departement GerS von den Gerichten verfolgt wurde, hat sich als Gefangener in Auch gestellt. Noch werden drei Mitglieder des General­ratHS von Auch gerichtlich verfolgt. Die Mitglie­der deS Senats, deS StaatSratheS und deS gesetz­gebenden Körpers sollen die prächtige Uniform deS Kaiserreichs wieder erhalten.

DerConstitutionnel" zeigt an, daß derMo­niteur" noch im Laufe dieser Woche die Namen und Senatoren und Staatâräthe veröffentlichen werde. Die Armee soll darin reichlich vertreten sein; man nennt mehrere der Generale, die bei den letzten Ereignissen thätig waren, und auch einige ehema­lige PairS, z. B. die Herzoge de Mouchy und de Guise.

DaSBulletin de Paris" räth zum Mißtrauen gegen die offenbaren Uebertreibungen, die bezüglich der angeblichen Bestimmungen der zu erwartenden Preß- und Wahlgesetze täglich auSgesprengt wer- den. Man versichert, daß die Schriftstellerin G. Sand im Departement Jnvre-et-Loire, wo sie ihren Wohnsitz hatte, verhaftet worden sei. Wie ver­lautet , sollen die Gehälter der Präsidenten und Räthe des CassationS« und AppeUhofeS um etwa ein Fünftel erhöht werden.

Die Militär-Commission zu LouiS-le-Saulnier hat am 14. und 15, vier der Betheiligung am December-Aufstande Angeklagte zur Deportation auf 5, 6 und 10 Jahre nach Cayenne, dreizehn zur De­portation nach Lambessa (Algerien) auf 5, 7 und 10 Jahre verurtheilt und zehn freigesprochen.

Die Gesandten an den fremden Höfen sind an­gewiesen, den betreffenden Regierungen die Neuwahl deö Präsidenten der Republik rc. anzuzeigen. DaS bei diesem Anlasse an die Gesandten gerichtete Schreiben, welches sie den fremden Höfen zu Kennt- niß bringen werden, soll aufS Bestimmteste die friedlichen Gesinnungen Frankreichs und die Hoff­nung der Fortdauer der allgemeinen Ruhe von Europa aussprechen.

DaS Journalle Slecle" berichtet, daß in Vollzug deS Dekretes vom 10. d. von den 26 Er- Abgeordneten, welche in dem Gefängnisse Sainte- Pelagie in Haft waren, bereits 19, nachdem sie mit Pässen versehen worden, nach dem Auslande abgereist sind. In Sainte-Pelagie befinden sich noch die HH. Duffraisse, Greppo und Richardet, welche nach französisch Guyana deportirt werden sollen, Lafon, der in die Unruhen Lot, Departements ver­wickelt ist, Chaix, Delbetz und Madet, deren Na­men sich nicht in dem VerbannungSdecrete befinden.

ES verbreitet sich das Gerücht, die sterblichen Ueberreste des Herzogs von Reichstädt würden Frankreich zurückgegeben werden; das dießfällige Gesuch deS Prinz Präsidenten LouiS Napoleon sei von dem österreichischen Cadinete günstig ausgenom­men worden. Diese Behauptung scheint noch der Bestätigung zu bedürfen.

Unter den organischen Gesetzen, welche man angekündigt hat, wird eines die Unabsetzbarleit der Richter bestätigen, den Mitgliedern deS CassationS- und AppellatwnShofeS aber, so wie allen Procura« tuten, Substituten, Tribunalrichtern und GreffierS die Verpflichtung auferlegen, in demselben Alter wie die Generale, b. h. mit 60 Jahren, sich pensioniren lassen. Es ist dies eine sehr geschickte Maßregel, welche alle alten Magistratspersonen, die zum größ­ten Theile auS den früheren monarchischen Regierun­gen eine warme Anhänglichkeit an die gestürzten Dynastieen bewahrt haben, von den öffentlichen Aemtern entfernen wird. Hr. Baroche wird nicht zum Präsidenten der gesetzgebenden Versammlung, sondern zum Prä deuten deS StaatSratheS mit 50,000 Fr. Gehalt ernannt werden. Man weiß noch nicht, wen der Präsident zum Leiter der De­batten in dem gesetzgebenden Körper bestimmen wird. Gut unterrichtete Personen versichern, daß Herr Dupin, der eine starke Sehnsucht nach dem schönen Hotel der legislativen Präsidentschaft habe, seine ganze Gewandtheit anstrengt, um dahin zu ge­langen.

Emil de Girardin hat seinen Plan, nach Eng­land zu gehen, aufgegeben; er wird sich in Belgien fixiren, um mit seinen Mitarbeitern an derPresse" in näherer Verbindung zu bleiben. Außerdem be­absichtigt er, die von ihm redigirte Wochenschrift: Le Bienétre universell fortzusetzen, die außer einem kurzen Bulletin nichts Politisches enthalten und nur Literatur, Ackerbau und sociale Oekonomie behandeln soll. Die Herren Victor Hugo, Schöl« cher, de Flotte, Carnot, ESquiroS, Joigneaur, Joret

und Bancel werden daran mitarbeiten. Auf Ver­wendung deS Herrn Thiers hat die belgische Re­gierung den ehemaligen Quästor der Nationalver­sammlung, Herrn Baze, der bekanntlich ganz mittel# loS ist, mit einem bescheidenen Gehalte angestellt.

Die Gerüchte über die bevorstehende Beschlag­nahme der Güter der Familie Orleans erhalten sich noch immer. Nach dem einen soll daS betreffende Decret schon abgefaßt gewesen, aber wieder ver­nichtet worden sein, nach den anderen dessen Er, scheinen nahe bevorstehend sein. Von dem zu er­wartenden Dekret soll nicht allein die Familie Or­leans, sondern auch der Graf von Chambord be­troffen werden, indem man alle Mitglieder der Fa­milien, die über Frankreich regiert, ausfordert, bin­nen Jahresfrist nach Frankreich zurückzukommen, widrigenfalls man sonst ihre Güter mit Beschlag belegen werde. Ein Theil der Umgebung LouiS BonaparteS ist für alleinige Beschlagnahme der Güter der Prinzen von Orleans. Er begründet diese Maßregel auf den Umstand, daß ein Tbeil der Besitzlhümer der Familie Bonaparte im Jahre 1815 an den Herzog von Orleans durch ein De­kret Ludwigs XXIII. übergeben worden fei. Man will daher jetzt daS Capital mit den Zinsen (40 Millionen) zucückverlangcn, und da die Prinzen von Orleans im AuSlav.de nicht verfolgt werden können, deren Güter in Frankreich mit Beschlag belegen. LouiS Bonaparte soll, wie sonst wohlun­terrichtete Personen versichern, bis jetzt noch mit der Erlassung deS oben besprochenen Dekretes zau­dern, weil er sehr ungern gegen den Grafen von Chambord einschreitet. DerMoniteur" wird in Zukunft zwei Berichte der Verhandlungen deS ge­setzgebenden Körpers veröffentlichen; der eine wird von dem Präsidenten redigirt werden und der an­dere, etwas ausführlicher gehalten, von der Redac­tion deSMoniteur" selbst. Dieselbe schmeichelt sich, die Ermächtigung zur Veröffentlichung der De­batten deS StaatSratheS zu erhalten. Unter dem Kaiserreich hatte derMoniteur" dasselbe Recht.

Seit einigen Tagen circulirt die Abschrift eines Briefes von Ludwig Bonaparte an Chambolle, den Dieser von Jenem nach der Expedition von Bou- logne erhalten hatte. Der Präsident bedankt sich in diesem Schreiben bei Chambolle, dem damaligen Redacteur deS Siècle, für die zarte Rücksicht, mit welcher er ausnahmsweise und dem Beispiele der gesammten Presse zuwider, seine Person und sein verunglücktes Unternehmen beurtheilt. In dem Briefe wird auch eines Ringes Erwähnung gethan, welchen Ludwig Napoleon dem Journalisten zum Andenken überschickte mit der Versicherung, daß, wenn er je zur Gewalt zu gelangen so glücklich wäre, Chambolle dieses Souvenir nur vorzuzeigen brauchte, um der Gewährung jeder Bitte gewiß zu sein. Chambolle soll diesen Ring mehreren seiner Freunde, die er auf ein AbfchievSmahl zu sich qe# laden habe, gezeigt, aber auch zugleich geäußert haben, daß er sich durch nichts bewegen lassen würde, die verbriefte Dankbarkeit des Präsidenten in Anspruch zu nehmen.

Paris, 20. Januar. (Tel. Dep. d. Köln. Z.) In der heutigen Nummer deSMoniteure" veröf­fentlicht der Minister des Innern ein Wahlrund­schreiben, worin auseinandergesetzt ist, die StaatS- verfassung verbiete die Veröffentlichung von Reden. In den Kammersitzungen sei daS Theatralische zu beseitigen und den Verhandlungen derselben mehr Ernst und praktischer Nutzen zu geben. Die Be­amten werden als nicht wählbar erklärt und Wahl- comile'S verboten. Die Präfecten sollen verdienst­volle Männer bezeichnen, wonach die Regierung nicht anstehen werde, solche dem Lande als Candi­daten zur Wahl offen anzuempfehlen.

Spanien.

Madrid, 14. Jan. DaS neue Preßgesetz ist erschienen. ES hat im Ganzen wenig überrascht, weil die wesentlichsten Puncte desselben bereits be­kannt waren. Diese sind eigenthümlicher Art, so z. B. r Wird eine Zeitschrift von der Behörde con# fiScirt wegen irgend eines den Machthabern anstö­ßigen Artikels, so muß sich der Verleger derselben oder der verantwortliche Redacteur binnen zwölf Stunden nach dem Censor verfügen und eine quasi Abbitte thun. Unterläßt er dies, so wird Klage gegen daS Blatt geführt. Zu den verbotenen Auf­sätzen gehören 1) Herabwürdigung der Person deS Königs oder irgend eines Gliedes der königlichen Familie. 2) Angriffe gegen die Religion oder ge­gen den geheiligten Charakter ihrer Diener. 3) Alles, waS gegen die Moral und die guten Sitten anstößt. 4) Alle Veröffentlichungen und Angriffe gegen Privatpersonen, die nicht von allgemeinem Interesse sind, und 5) ist eine Zeitschrift drei Mal confiscirt und bestraft worden, so hängt eS vom Ministerrathe ab, deren Weitererscheinen zu verbie­ten. Den CorteS aber muß ein solches Verbot gleich mitgelheilt werden. Auch in Valencia hat ein Soldatenaufstand stattgefunden, der aber anderer Art als der von Madrid war. Der Wein hatte