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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^L 17.

Mittwoch den 21 Januar

ISO.

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PrLnumerationSvreiS für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisfchen Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Poftaufschlages nur 8 fl., mit bem Bringerlohn nur ® fl. fr., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland nur S fl. »t kr. Jnsera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ellenber g' schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Neueste Verhältnisse der evangelischen Kirche in Nassau.

Deutschland. Wi eSbad en (Geschwornenliste. Borsäure im Kochbrnnnent. Von der Lahn (Armenpflege). Frankfurt Personalien). München (Die München- Salzburger Eisenbahn. Die armen Schulschwestern).

Hannover (Der Septembervertrag. Vermischtes). Osnabrück (Vcrurtheilung). Köln (Gemeinderath Schemmer freigesprochen). Berlin (Beseler's Antrag über die Verhältnisse Preußens zum Bundestag verworfen. Baron Budberg. Die Kaiserin von Rußland erwartet). - Bremen (Versammlung der Bürgerschaft). Neu­strelitz (Die Wiener Zollconserenzen). Kiel (Die Uebereinkunft. Lesser in Freiheit). Wien (Die Zoll- conferenzen. Erzherzog Johann. Brentano. AuS Mon­tenegro).

Belgien. Brüssel (Ausweisungen).

Frankreich. Paris (Der Vorfitz im Senat. Eugen Sue. Die Verfassung. Vermischtes).

Spanien. Madrid (Mililäremeute. Hinrichtungen).

Großbritannien. London (Vertrag mit Brasilien und Montevideo).

Italien. Turin (Note des Lord Granville. Aus der Kammer. Vermischtes).

America. New-Bork (Koffuth)

Neueste Nachrichten.

f Neueste Verhältnisse der evange­lischen Kirche in Nassau.

(Fortsetzung.)

Wenden wir uns nunmehr in der Hoffnung, daß der erweiterte Kirchensenat immer mehr als eine kirchlich berechtigte, mit selbstständiger Wirksamkeit auf kirchlichem Boden sich bewegende und von dem Geiste dkS Herrn erfüllte Behörde sich erweisen werde, von den mehr äußerlichen Gesichts­punkten noch zu einigen Hauptfragen der inne, ren Seite: so wird eS eine vornehmliche Aufgabe in nächster Zukunft bilden, die Schwankungen in ver unirten Kirche sorglich ins Auge zu fassen, dem sich regenden Verlangen nach erneuer­ter Pflege des konfessionell Eigenthümlichen, sei von früherer lutherischer, fei eS von alt re, formirter Seite, in liebender Umsicht Rechnung zu tragen, und namentlich auf daS Gewichtige in den Förderungen der Wiedergewâhrung der alten Bekenntniß-Katechismen, des kleinen luthe­rischen, sowie deS Heidelberger, oder doch der Her­beiführung eines genügenden UnionS-Kaie« chiSmuS für den Religionsunterricht in den Schu­len weise Bedacht zu nehmen. Mußte seither hauptsächlich den Anläufen eines falschen Libera­lismus oder AlomiSmuS, welcher zur Befriedigung seines unkirchlichen Verlangens die modernen Re- prâfentationSformen von dem politischen Boden in das Heiligthum deS kirchlichen Lebens zu werfen suchte, widerstanden werden: so dürfte nunmehr als vorzügliche Pflicht erscheinen, dafür Sorge zu tra­gen, daß nicht die kirchenregimentliche Aufrechthal- lung der Union in Nassau zur Hemmung und Un­terdrückung tüchtiger Regungen und gesunder Be­standtheile überlieferter oder neuerwachter confessiv- neller Eigenthümlichkeiten ausgedehnt werde und so statt Leben und Gedeihen Tod und Gleichgiltigkeit zur Folge habe. Die unirte Kirche ist wesent­lich nur die brüderliche Gemeinschaft am Aden dm ah le zwischen Lutherischen und Refor- mirten in der Hoffnung zukünftiger höherer Eini­gung der anderweitigen verschiedenen GlaubenSauf- faffungen. Durch die Union ist darum auch nicht etwa ein spccifilch-neueS Bekenntniß an die Stelle der reformatorischen getreten, vielmehr soll jede unirte Kirche eben zwar vornehmlich in dem Ge­meinsamen, in den Uebereinstimmungspunkten der früher spröde, selbst feindlich von einander getrenn­ten Sonderbekenntnisse der Lutheraner und Refor- mirten ruhen, jedpch zugleich |o umfassender und erhaltender Art sein, daß sich äußernde Regungen und vorhandene Eigenthümlichkeiten früherer konfessionel­ler Lehre und Sitte liebende Schonung und schützende Pflege finden. So wird Venn auch in Nassau die Uni on, welche einst auf der einigenden Grund­

lage der Bibel, apostolischem Glaubens­bekenntnisse, AugSburgischer Confes- f i o N verständigt wurde, freilich mit dem falschen Scheine der Zuerkennung willkürlichen Beliebens einer unklar verstandenen Gewissensfreiheit und ei­ner dem guten Willen überlaff-nen freien Forschung der einzelnen Prediger ins Leben trat, nicht län­ger diesen Schein etwaiger Beseitigung der frühe­ren Bekenntnisse auf sich ruhen lassen dürfen. Sie wird aus einer verwischenden (absorptiva) zu einer erhaltenden Union (conservativa) sich fort« Motn müssen, will sie anders die Vorwürfe nament, lich der engherzigen altlutherischen Seele mit Er­folg entkräflen, »bis Union in Nassau habe dem Unglauben, der Willkür, der Gleichgiltigkeit Vor­schub geleistet". In diesem Bezüge dürfte darum besondere Rücksicht zu nehmen sein, daß in den oberen Behörden auf dem Gebiete der unirten Kirche gegenüber der auffallend großen Zahl dermalen ein» flußreicher Persönlichkeiten, welche bei aller Beto­nung deS Unionsstandpunktes doch mehr oder we­niger reformirlt Vorneigung in Lehre und Leben an sich tragen, auch verhâltnißmäßig solche Män­ner gezogen werden, welche in wissenschaftlicher und kirchlicher Hinsicht mehr die lutherische Eigenthüm­lichkeit verbürgen, nachdem daS Wirken der mehr lutherischen Persönlichkeit deS Bischofs durch Krank­heit und Alter sich nur kürzere Zeit in größerer Kraft hatte bethätigen können. Auf solche Weise dürfte w»hl gehofft werden, manche altlutherische Absonderung zu überwinden und ferneren einseiti­gen Trennungen sowohl von lutherischer als auch von strengresormirter Seite möglichst vorzubeugen, hierdurch aber der unirten Kirche selber manche der edelsten Kräfte zu bewahren.

Eine besondere Erwägung wird der Kirchense­nat dem Hervortreten freier Verein öbest re- bungen, die von christlichem Geiste getragen wer­den, also näher den Unternehmungen der sogenann­ten inneren Mission zu widmen haben, damit auch hier daS rechte Verhältniß zwischen freier Ver- einSlhâligkeil von Geistlichen und Gemeinbeglievern und zwischen der Stellung und Berechtigung der kirchenorvnungSmäßigen Aemter nicht außer Acht gelassen werde und nicht auseinander falle. Darf bei der Wiederkehr festerer Staatsordnung auf Grund deS christlichen Verbandes von Staat und Kirche immer stärkere Gegenwehr gegen die Auswüchse und Angriffe falscher TageSvereine gehofft werden, so wird doch auch in ähnlicher Weise daraus Bedacht zu nehmen sein, daß nicht in wohlgemeintem Eifer der Thätigkeit und Mudelheiligung betreffs der An­gelegenheiten deS Reiches Gottes die Stellung deS geordneten KirchenawleS in Hintergrund gedrängt oder mit dem nachlheiUgen Scheine der Unzuläng- lichkeit bedroht werde. ES ist hier namentlich der evangelische Verein" ins Auge zu fassen, welcher sich seit Jahresfrist zum Schutze der evan­gelischen Kirche in Nassau, zur Mithülfe an der Erneuerung ihres kranken Lebens gebildet und eine Anzahl der achtbarsten Geistlichen deS Landes in sich näher verbunden hat. Bei ihm ist zwar als leitender Grundsatz der Unionsstandpunkt auf dem Boden deS AugSburg'jchen Bekenntnisses ausgespro­chen, doch läßt sich ein gewisses Uebergewichl re« formirter Tendenz nicht verkennen, waS sich auch in der starken Betonung des zur Hebung und zum Schutze der bedürftigen Landeskirche als durch­aus nothwendig erklärten VereinSwesenS nicht un­deutlich ankündigt. Geht nun aber überhaupt mit dem Aufschwungs der inneren Mission eine große Gefahr Hand in Hand, daß daS kirchliche Amt, welches allerdings dermalen gar sehr der Belebung und Stärkung bedarf, indessen gegenüber allen noch so edlen freien Vereinen seine eigene höhere Berech­tigung besitzt, in Schatten gestellt und die Gemeinde zerspalten werde: so wird auch jenerevange- lifche Verein" sich hüten müssen, sich als eineIn- stanz" gegenüber den geordneten Aemtern zu de trachten, als bedürfe die Landeskirche eines derarti­gen unter ihre Arme Greifens, und wird bei allen Schritten sorglich zu prüfen haben, ob er nicht in unweiser oder unbilliger Weise Mißtrauen gegen die berufenen Geistlichen in einzelnen Gemeinden erwecke. Derartige Besorgniß ist nicht völlig ent­kräftet durch die EinlabungSschrift deS Vereins, bei deren Beurtheilung man freilich den Umstand mit erwägen muß, baß dieselbe gerade während der be­

drohlichen Spannung der Gemüther im Herbste 1850, wo über Deutschland die Gefahr deS selbst­zerfleischenden Krieges drohte, erschienen ist. Aller­dings war eS nicht wohlgeihan, zur formellen Recht­fertigung der Begründung deS Vereins sich auf die falschen, nunmehr glücklich beseitigten Frankfurter Grundrechte zu berufen, auch hätte man eine gewinnendere Ansprache statt der grellen Aufdeckung vorliegender Mißstände im Interesse der Sache selbst gerne geseben. Immerhin bleibt jedoch daS Her- nortreten dieser Vereinsbestrebungen ein ermuthigen- deS Lebenszeichen in der vaterländischen Kirche für Alle, welche ihrer besseren Zukunft treue Sorgr widmen. (Schluß folgt.)

Deutschland.

* Wiesbaden, 20 Januar. Bei der am 19, d. M. vorgenommenen Ziehung der Geschwornen für daS erste Quartal der Assisenverhandlungen im Wiesbadener HofgerichlSdezirk traf daS LooS auf folgende

I. Hauptgeschworne: Christian Cron von Wiesbaden, Jacob Nafziger von Eberbach, Bergverwalter Georg von Rückershausen, Jacob Rompel III. von Oberursel, Philipp Wirth von Attenhausen, Wirth Philipp Krieger von Cronberg, Landmesser W a g n e r von Kemel, Wirth Heinrich Barth von Wiesbaden, Johann Heß von RüdeSheim, Wirth Friedrich L u g e n b ü h l von Wiesbaden, Joh. Phil. Rinker II. von Becheln, Cassirer Schwab von Hochheim, Georg See« bold von Kelkheim, Gärtner Ferdinand Fischer von Wiesbaden, Peter Prokasky von OberjoS« buch, Conrad GuckeS von Oberrod, Phil. Peter Ochs von WalSvorf, Oeconom Conrad Schmidt von Hundstadt, Johann Gottf. Wilh. Sommer von Oberbachheim, Peter Ko hl Hof von WürgeS, Feldgeri'chtSfchöffe Phil. Schwank von Schönau, Heinrich Weber von Idstein, Carl August Vie­tor von Oberbachheim, Papierfabricant Balthasar H ohf e ld von Kriftel , Oeconom Wilh. Preiß von Usingen, Gutsbesitzer Friedrich Habel von Schierstein, Valentin Sch oll maye r von Weil­bach, Joseph BleeS von Biebrich, Peter Hart­mann von Flörsheim, CaSp. Meyer von Map­pershain.

II. Ers.aygeschworne; Müller Jacob Stuber, Spengler Christian S ch r e i n e r, Val. Georg Weil, Weinhändler Benedict Rosenstein, Landmann Heinrich Thon, Kaufmann Heinrich Ritzel, Maurer Anton Meckl er, Conditor Adolf Röder, Küfer Johann Lambert, sämmtlich von Wiesbaden.

fit Wiesbaden, 19. Januar. ES ist Herrn Prof. FreseniuS dahier gelungen, im hiesigen Kochbrunnenwasser Borsäure aufzufinden. Diese Säure, welche sich hauptsächlich in den auS dem vulcanischen Boden ToScanaS hervorbrechenden Dampfströmen (suffioni) findet, wurde bis jetzt erst in einem einzigen Mineralwasser , der Salzsoole zu Staßfurth, ausgefunden. Da die Quantität der Borsäure im Kochbrunnenwaffer nur sehr ge­ring ist, so ist ihr Vorkommen darin zur Erklärung von dessen Heilkräften wohl nur von geringem Be­lange, von um so größerer Wichtigkeit ist eS aber in geologischer Beziehung.

Von der Lahn. (Ueber b i e Armen- p f e fl e. IV.) Während die Arbeitshäuser bei guter Einrichtung derselben geeignet find, die arbeits­scheuen Armen zu geregelter Thätigkeit und ordent­licher Lebensweise zu erziehen, so ist damit freilich noch nichts gethan für die Armen, welche gern arbeiten möchten, denen eS aber dazu an Gelegenheit fehlt. Ueber den Mangel an Arbeit ist schon oft in diesen Blättern, namentlich vom Westerwald geklagt worden. In anderen LanbeStheilen ist theils weniger Mangel an Erwerbsquellen, theils zeichnen sich Einzelne da­durch aus, daß sie den Armen reichlich Beschäftigung geben. Namentlich verdient aus der Lahngegenv rühmend erwähnt zu werden, wieviel in dieser Be­ziehung Se. kais. Hoheit der Erzherzog Stephan thut, der in dieser an Verdienst armen Jahreszeit