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terpellatlon an die Ministern deS Innern und der Justiz gestellt hat, ob sie von diesen gesetzwidrigen Borfâllen Kenntniß genommen haben und ob sie dagegen schleunigst einzuschreiten gedenken. Wahr­scheinlich wird aber diele Anfrage dadurch gegen­standslos werden, daß die Polizei die von ihr in rechtswidriger Untersuchungshaft Zurückgeballenen, ehe die Interpellation auf die Tagesordnung ge­bracht wird, wieder freigeben wird. Als Grund der Verhaftungen gibt man an, die Polizei beab­sichtige auf diesem Wege zu erfahren, wo daS V-r- mögen deS aufgelösten WanderunterstützungSvereinS hingekommen sein solle, indem sie die diesem ehe- maligen Vereine angehörigen Verhafteten so lange im G-fängniß zurückzuhallen drohte, bis sie sich hierüber befriedigend erklärt haben würden. Nach bayrischen Gesetzen darf aber die Polizei Nieman­den ohne Unheil festhallen, der sich legitimiren kann; ruht aber auf den Verhafteten der Verdacht, ein Verbrechen oder Vergehen begangen zu haben, so hat sie denselben im Laufe der ersten 24 Stun­den an daS zuständige Gericht abzuliefern. Eine längere Untersuchungshaft durch die Polizei ist et­was Neues, daS erst in diesen Tagen erfunden worden lst.

Gotha, 5. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Gestern hatte eine Anzahl der angesehensten Bürger hiesiger Stadt zu dem Zweck Audienz tri unserm Herzog, um von diesem eine erläuternde Erklärung, hinsichtlich der VereinigungSfrage entgegenzunehmen. Die Besprechung dauerte mehrere Stunden und der Herzog äußerte sich vorzugsweise mit Mißfallen über die Fraktion der Linken unseres Landtags, welche der Realisirung deS Unionsentwurfs entge- gentrete, zugleich stellte er in kurzer Uebersicht die mehrfach, jedoch vergebens gemachten Versuche zu­sammen, welche von ihm zu einer befriedigenden Erledigung dieses Gegenstandes gemacht worden seien, und bezog sich dabei auf eine frühere Con- ferenz mit dem Präsidenten deS Bundestags von Münch-Bkllinghaufen. Auf die von einem Anwe­senden geschehene Frage hinsichtlich deS agnatischen Protestes äußerte sich der Herzog, daß eS nicht in seiner Macht liege, seine Agnaten zur Annahme der durch daS hiesige StaalSgrunbgesetz gemachten Bestimmungen über daS Kammervermögen zu ver­anlassen, übrigens aber auch die Bestellung der Civilliste ihm den möglichen Eventualitäten der Zukunft gegenüber nicht die geringste Garantie ge­währe. Einer hier verbreiteten Nachricht zufolge, wird der Herzog den heute wieder zusammentreten­den Landtag in Person eröffnen.

Dresden, 5. Januar. AuS der Sitzung der ersten Kammer sind folgende Eingänge der Regist- randt zu erwähnen: eine Petition um Herstellung einer Zweigbahn von Chemnitz nach der sächsisch- bayrischen Staa«Seisenbahn, die auf Antrag deS Bürgermeisters Müller an die zweite Kammer ab­gegeben wird; eine Petition um Verschärfung der gesetzlichen Bestimmungen in Betreff der Vergehen wider Zucht und Sille, und eine Petition um Ent­schädigung entzogener JagdgerechlSsame.

In der zweiten Kammer stand auf der Tages­ordnung die Berathung deS Berichts der zweiten Deputation über daS allerhöchste Dekret, den Ent­wurf eines Gesetzes, einige Abänderungen bei der Gewerbe- und Personalsteuer betreffend.

Am Vorabende deS WeihnachtSfesteS wurde der Ehegattin deS in Waldheim detinirten Conrec- torS in Plauen Lindemann die erfreuliche Nach­richt eröffnet, daß St. Maj. der König ihrem Ehe­manne den Rest der langen Strafe in Gnaden nach- julaffen beschlossen habe. Der Begnadigte wird im Februar entlassen werden.

Man erinnert sich noch, daß im April v. I. auf dem FahrgleiS der Sächsisch-Böhmischen Eisen­bahn oberhalb Pirna 5 Sandsteine und ein Holz- pfahl, glücklicherweise noch vor dem Herannahen deS Zuges, von den Bahnwärtern gefunden wur­den. Diese verbrecherische Handlung war von einem 19jährigen, schwachsinnigen Mädchen aus Schöna begangen worden, um, wie sie im Verhör auSgesagt halte, zu sehen, wie der Zug umfallen würde. Sie ist in erster Instanz zu sechsjährigem Zuchthaus ersten Grades, in zweiter zu zweijähriger Zucht­hausstrafe verurtheilt worden. Dem ObergenS- darmen Rödel, der die Thäterin alsbald nach Ver­übung deS Verbrechens ermittelte^ sind 25 Thaler als Gratifikation vom Finanzministerium auSgezahlt worden.

Berlin, 5. Jan. Von dem Ministerpräsiden­ten wurde in der heutigen Sitzung der zweiten Kammer der Haager Vertrag vom 31. December v. I. mit einer denselben begleitenden Denkschrift eingebracht und der Rückirilt deS Kriegsministers angezeigt. Mit großer Bestimmtheit will man ei­nerseits wissen, daß zum Ersatz desselben v. Bonin auSersehen sei. Andere nennen General v. Hahn. Gewiß ist, daß an Elstern dahin zielende Mitthei­lungen gelangt sind, auf welche seinerseits die Er­widerung noch nicht eingelaufen.

Durch telegraphische Depesche ist heute die Nachricht von einem entscheidenden Sieg der russt-

schen Truppen im Kaukasus eingetroffen, in Folge d'ssen sich der bedeutendste und gkfürchleiste An­hänger SchamylS, der Häuptling Haswid Murat, lammt der Festung Wucsapuja aus Gnade und Ungnade ergeben hat.

Man spricht vorüber baldigen Wiederherstellung deS SlaalsratheS. Dadurch dürfte ein bedeutsamer Factor für die Gesetzgebung insofern geschaffen wer­den, alS cS diesem Körper künftig obliegen soll, die der LandeSvertretung vorzulegenden Gesetze zu ent. werfen und in Berathung zu ziehen. Den einzelnen Ministern würde dann nur die Verwaltung, die Theilnahme an der Ausstellung der Gesetze aber nur insoweit bleiben, als sie Mitglieder deS StaatS- raiheS sind. Das Gesetz von 1817, welches den StaaiSrath instiiuirte, legte demselben für die Aus­übung seiner legislatorischen Thätigkeit sehr ausge­dehnte Befugnisse, z. B. die Zuziehung von Sach­verständigen, bei. Bekanntlich ist der StaalSraih nicht förmlich aufgelöst, wenngleich er seit 1848 keine Wirksamkeit auSübte.

Herr v. Manteuffel war heute in Potsdam, um Dem König die ausführlichen Auseinandersetzun­gen in Betreff der Wieberzusawmenberufung deS StaatSratheS zu machen. Der letztere würde durch neue Ernennungen um eine Anzahl Mitglieder ver­mehrt werden.

Im verflossenen Jahre traten in Berlin 59 Protestanten und 1 Jude zur katholischen Kirche über.

Einzelne Abgeordnete beabsichtigen, die Regie­rung darüber zu inlerpeUiren, welche Maßregeln sie bei der zunehmenden Theuerung der nothwen­digsten Lebensmittel ergriffen habe oder noch zu er­greifen gedenke. ES ist kein Zweifel, daß die Regierung daran festhalten wird, durch keine Pro- Hibitiv-Maßregeln den Marklverkehr zu beschränken.

DiePreußische Wehrztg." betreibt eifrig die Furcht vor dem B o n a p a r t i S m u S. Wir glauben nicht, sagt dieKöln. Z.", daß Präsident und Na­tion in Frankreich besonders kriegslustig sind; aber leichtsinnig würde eS sein, nicht anerkennen zu wol­len, daß innere Schwierigkeiten leicht dazu treiben könnten, auswärts Erleichterung zu suchen.Nie­mand", sagt auch dieLiih. Corn",wird den de­monstrativen Charakter deS Aktes verkennen, durch welchen Ludwig Napoleon der französischen! Armee die Napoleonischen Adler wiedergegeben hat, und von keiner Seite wird man sich ernsten Erwägungen verschließen, welche durch diese wie ähnliche De­monstrationen hervorgerufen werden".

Ein gestern abgehallener Ministerrath bezog sich auf die Eventualität eines Nothstandes in Oder- fcblesun, wo die gänzlich mißraihene Kartoffelernte zu großen Befürchtungen Anlaß gibt.

Oberst v. d. Tann, der mit einer reichen Erbin NordbeutfchlandS verlobt ist, besindet sich zur Zeit auf den Gütern feines Schwiegervaters { in Pommern.

Berlin, 6. Jan. Die heftige Polemik, welche über die deutsche Zoll- und Handelseinigung in den österreichischen und diesseitigen Regierungsorganen geführt wurde, soll Anlaß zu Erörterungen der bei­den Kabinette geworben sein, in Folge dessen der Kampf auf diesem Felde vorläufig eingestellt sein dürfte. Da bei dieser Gelegenheit daS Verhallen Preußens zu der Wiener Konferenz als ein fast feindseliges bezeichnet, dagegen von Oesterreich die Versicherung der Aufrichtigkeit feiner Bestrebungen zur Herstellung eines Vertragsverhältnisses mit dem Zollverein wiederholt worden ist, so hat, wie ver­lautet, die preußische Regierung nochmals die be­stimmte Erklärung gegeben, die Wiener Zollconfe, renz nicht eher beschicken zu können, bevor nicht der Zollverein aus'S Neue constituirt und in seinem Bestaube alS gesichert anzusehen sei; wolle Oester­reich bann einen Vertrag mit dem Zollverein , so möge eS bis dahin die Wiener Konferenz vertagen.

Nach derSpen. Ztg." hat Preußen eS als eine AuStriltSerklârung aus dem Zollverein bezeich­net , wenn eine ZollvereinSregierung einem Be­schlusse der Wiener Zollconferenz beitreten würde. Es handelt sich hier natürlich nur um wirklich bin# denbe, der jetzt gültigen ZollvereinSgcfetzgebung widersprechende Beschlüsse, nicht um bloße Verab­redungen für etwaige Eventualitäten. Nach dem juiej genannten Blatte ist die betreffende Circular- bkpesche am 2. Januar expedirt worben.

Ratzeburg, 3. Jan. Schon seit einiger Zeit wurde vom Militär an den Pickelhauben die dänische Cocarde, rolh-weiß-roih, an Mützen aber die lauen- durgiiche, schwarz gelb, getragen. Durch die heute pudliciite Bekanntmachung vom 31. v. MlS. wird hinsichtlich Der Uniform von Beamten auf die Be­kanntmachung vom 3. Dec. 1842 verwiesen, wonach k. Beamten und Ranqepersonen, welche Uniform mit Degen und Civil-Portv'epee tragen dürfen, eine gekältete runde Cocarde, deren Durchmesser 4 Zoll de rägt, mit dänischen Farben zu tragen haben. Dieselbe Bekanntmachung enthält eine Aenderung deS bisherigen TerrüorialwappenS deS HerzogihumS Lauenburg, indem über den feit einigen Jahren emgeführlcn goldenen Pferdekopf in rothem Schilde eine Königskrone angebracht werden soll. DaS

lauenburgische Jäger-Bataillon ist nunmehr unter daS holsteinische Lrigade-Commanvo gestellt worden.

Kiel, 4. Jan. (Börs.-H.) Der dänische Ge­sandte v. Bille ist heute, Nachmittags 3 Uhr, in Begleitung deS landesherrlichen CommissarS, Gra­fen Reventlow-Criminil, auf dem Dampfboote Havfruvkii" nach Kopenhagen zurückgekehrt. Von den Herrn BundeS-Commisfaricn ist biS heute nur noch General v. Thümen wieder hier eingetroffen.

Die Angabe über den Inhalt der in Berlin abgeschlossenen Ucbereiufunft in der bânisch-beutfchen Angelegenheit ist dahin zu ergänzen, daß der Graf Karl v. Moltke, an deS Hrn. v. Barvlfleih Stelle, zum Minister für daS Herzogthum Schleswig, und der jetzige königlich dänische Commissar in Holstein, Graf v. Reventlow-Criminil zum Minister deS HerzogihumS Holstein ernannt werben wird.

Wien, 1. Jan. DerA. A. Z." wird ge­schrieben: WaS auch immer vie englischen Jour­nale sagen mögen, eS ist gewiß, daß Lord Palmer­ston den Vorstellungen der großen Mächte gewichen ist. Eine solche Wahrheit mag für England wider­wärtig sein, aber eS ist so. Eine Note gleichen Inhalts wurde von Oesterreich, Preußen, Rußland und später auch von Frankreich an daS brittische Cabinet geschickt. Sie sagte im wesentlichen Fol­gendes: Es ist unnütz noch einmal auf die Ge­fahren hinzuweisen, welche die Umtriebe der Flücht­linge in London dem Continent bereiten, eS ist eben so unnütz noch einmal den oft ausgesprochenen Wunsch zu wiederholen, die englische Regierung möge diesen Umtrieben ihren Schutz nicht mehr ge­währen, man begnüge sich daher dem Staatssekre­tär der auswärtigen Angelegenheiten anzuzeigen r daß man fest entschlossen sei, gegen die auf dem Festland« sich befindenden Engländer nach den Grundsätzen vorzugehen, welche Lord Palmerston selbst im Jahre 1848 bei Gelegenheit der Ver­haftung zweier Amerikaner in Irland der amerika­nischen Regierung gegenüber, entwickelt hatte. Lord Palmerston hatte damals diese Verhaftung nicht nur gerechtfertigt, sondern auch als Maxime aus­gesprochen , daß jede Regierung in ihrem Lande Herr fei , daß eS ihr folglich freistehen müsse, alle Individuen zu entfernen, welche der Störung der öffentlichen Ruhe verdächtig sind. Eine Abschrift dieser Note Palmerstons war den Noten der Mächte beigelegt, und der englische Minister befand sich wohl in der vollständigsten Unmöglichkeit etwas zu , erwiedern. Er hatte sich begnügt anzuzeigen, er werde die Einsendung dem Ministerrath vorlegen, aber eS scheint, daß er in der Gewißheit vorseinen Coliegen zu unterliegen, nicht mehr in den âaâ kam und feine Einlassung gab. Der neue Minister Lord Granville hat noch nicht geantwortet, aber man wird ihm gegenüber dieselben Ansichten vertre­ten wie gegen seinen Vorgänger.

DieNeue Preußische Zeitung" kann auS Wien zur Zollconferenz vorläufig alS zuverlässig mittheilen, daß diekitzeligen" Anträge nicht von Oesterreich, sondern von Sachsen und Heffen-Kasse- auSgehen würden, und zwar infolge eineS Ueberl einkommens des Fürsten Schwarzenberg, Hrn. v. Beust und Hrn. Hassenpflug.

Wien, 2. Jan. (A. Z.) Unsere Regierung wird bei dem am 5. d. beginnenden Zollcongreß in diplomatischer Beziehung durch den Ministerialrath im Ministerium deS Aeußern, v. Liehmann-Palm- rode und für die handelspolitischen Interessen durch Ministerialrath Hock vertreten sein. Die Bank- actiendividenbe soll, wie ich heute höre, auf 35 fl. pr. Aktie festgesetzt werden.

Frankreich.

Paris, 4. Jan. Der Feierlichkeit vom 1. Ja­nuar hat keiner der männlichen Verwandt n deS Präsidenten, mit Ausnahme drS Herrn Murat/ beigewohnt, wiewohl eS Thatsache ist, baß sämmt­liche Vettern sich mit ihm auSgesöhnt haben. Man­cherlei Gründe werben über diese auffallende Ab- wesenhet, besonders deS ehemaligen Königs von Westfalen, angeführt. Derselbe soll am Tage der Verkündigung des Votums über daS Plebiscit zum Präsidenten gesagt haben:AIS Sie in Gefahr waren, glaubte ich dieselbe theilen zu müssen und erschien am 2. D.cember an Ihrer Se>te. Nach­dem aber die Gefahr vorüber ist, nachdem Sie die Gewalt, die Sie verlangt, erhalten haben, würde meine und meiner anderen Neffen Gegenwart bei der Feier Ihrer Gewalt den Schein einer dynastischen Umgebung haben, den Sie und den wir im Inte­resse der Republik vermeiden müssen". Personen, welche den Marschall Hieronimus genau kennen, versichern, daß eS mit seiner republikanischen Ge« sinnungStllchtigkeit nicht weit her sei, und daß er cs bloß mit feiner verschwundenen KönigSwürde für unverträglich hält, bei irgend einer Feierlichkeit anwesend zu sein, anstatt selber gefeiert zu werben. AuS diesem Grunde hat er von jeher verweigert, seinen Pflichten alS Statthalter der Jnvaliven bei