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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M L.

Dienstag den 6. Januar

1852.

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PränumecationSpreiS für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisfchen Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Postaufschlages nur Ä fL, mit d e m Bringerlohn nur S fl. 18 kr., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland nur 8 fl. 84 kr. Jnfera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

SW Bestellungen auf die Nass. Allgem. Zeitung für das erste Quartal 1852 wolle man baldigst machen.

Uebersicht.

Dio Proelamation des Stimmenergebnisses in Frankreich.

Deutschland. Wiesbaden (Brand). Dillenburg (Geschwornenliste). Frankfurt (Die Abstimmung über die deutsche Flotte und über die Handelsfrage). Aus dem Hinterlande (Der Menschenhandel). Aus dem Großherzogthum Baden (Bücherverbote). Kassel (v. Meyer nach Wien. Trabert und Hornseck).

AuS Thüringen (Verständigung). Von der Ruhr (Die holländische Eisenbahn). Berlin (Die Wiener Zollconferenz. Die neue PairSkammer. Zur Zoll­frage, Der Rücktritt des Ministerpräsidenten. Der Han­dels- und Schifffahrtsvertrag mit Belgien. Vermischtes). Hamburg (Die Zollfrage). Kiel (Graf MenS- dorff-Pouilly). Wien (Note Louis Napoleons. Die schwebenden Fragen. Die Zollconierenz. Der Finanz- minister. Brandschadenversicherung Die neue Verfassung). Frankreich. $eat is (Verhandlungen mit Belgien. Die Tuilerien bezogen. Vermischtes). Großbritaunien. London (Die französische Politik). Italien. Turin (Der Handelsvertrag mit Oesterreich. Vermischtes). Chambery (Verhaftungen). Parm« (Decrete). Florenz (v. Reumont. Verbot).

Neueste Nachrichten.

Die Proklamation des Stimmergeb- niifes in Frankreich.

* Pari-, 1. Jan, Bei der gestern stattgehab­ten proelamation deS StimmergebnisseS nach welchem von 8,116,773 Stimmenden 7,439,216 mit Ja, 640,737 mit Nein gestimmt, 36,820 ungil- tige Stimmzettel abgegeben hatten *), hielt Hr. Barsche im Namen der coiisultativen Commission die folgende Anrede an Louiö Napoleon:

Herr Präsident l Indem Sie durch Ihre Pro­klamation vom 2. December einen Aufruf an das französische Volk erließen, sagten Sie:Ich will nicht länger eine Gewalt, welche das Gute zu thun machtlos ist und welche mich an das Steuerruder fesselt, während ich das Schiff dem Abgrunde zu­treiben sehe. Wenn Ihr Vertrauen auf mich setzt, so gebt mir die Mittel, die große Sendung, die ich von Euch habe, zu vollführen". Auf diesen biederen Ausruf an ihr Gewissen und an ihre Souverainetât hat die Nation durch einen unermeßlichen Beifalls­ruf, durch mehr als sieben Millionen vierhundert und fünfzig tausend Stimmen geantwortet. Ja, Prinz, Frankreich setzt Vertrauen auf Sie! Es setzt Vertrauen auf Ihren Much, auf Ihre hohe Ein. sicht, auf Ihre Liebe zu ihm! Und das Zeugniß, das es Ihnen davon gibt, ist um so rühmlicher, da eS nach drei Jahren einer Regierung gegeben wird, deren Weisheit und Vaterlandsliebe eS auf diese Weise bestätigt. Hat sich der Erwählte deS 10. December 1848 deS Mandats würdig bewiesen, welches das Volk ihm übertragen hatte? Hatte er die Sendung, welche er empfangen hatte, recht auf. gefaßt? Man frage dies die sieben Millionen Glim­men, welche jenes Mandat bestätigt haben, indem sie eine sowohl erhabenere alö schönere Sendung hinzufügen'. Nie, in keinem Lande, hat sich der Nationalwillt so feierlich kunvgegeben! nie empfing eine Regierung eine ähnliche Zustimmung ! nie hatte sie eine breitere Grundlage, einen legitimeren und der Achtung der Völker würdigeren Ursprung! (BeifallS- gemurmel.) Nehmen Sie Besitz, Prinz, von dieser Gewalt, welche Ihnen so ruhmvoll übertragen ist. Gebrauchen Sie dieselbe, um durch weise Einrichtungen die Hauptgrundlagen zu entwickeln, Welche das Volk selbst durch seine Stimmen gut« geheißen hat. Stellen Sie in Frankreich den seit sechSzig Jahren durch unsere fortwährenden Auf­regungen zu sehr erschütterten Grundsatz der Auto­rität wieder her. Bekämpfen Sie ohne Unterlaß

) Die Abstimmnngsprotocollè aus dem Niederalpendcpar- tement, aus einigen Gemeinden zweier anderer Departe­ments und aus einem Theile Algeriens waren noch nicht eingetroffen,

jene anarchischen Leidenschaften, welche die Gesell- | schaft bis in ihre Grundlagen angreifen. Es find nicht mehr bloß gehässige Theorien, die Sie zu ver- folgen und zu unterdrücken haben, sie haben sich in I Thaten, in schreckliche Attentate übertragen. Möge ! Frankreich endlich von diesen, stets zu Mord und Plünderung bereiten Menschen befreit werden! von diesen Menschen, welche, im neunzehnten Jahrhun­dert, die Civilisation schaudern machen und uns, indem sie die traurigsten Erinnerungen wiederer­wecken, um 500 Jahre zurück zu versetzen scheinen. (Lebhafte Zustimmung ) Prinz, am 2. December haben Sie zum Symbol genommen daS durch die Revolution von 1789 wiederge- borne und durch den Kaiser organisirte Frankreich, d. h. eine weise und wohlgeregelte Freiheit, eine starke und von Allen geachtete Auio- ritât. Mögen Ihre Weisheit und Ihre Vaterlands­liebe diesen edlen Gedanken verwirklichen! Geben Sie diesem so reichen, so lebens- und zukunftsvollen Lande die größten aller Güter zurück: die Ord­nung, die Stabilität und das Vertrauen. Erdrücken Sie mit Energie den Geist der Anarchie und der Empörung. Sie werden dadurch Frankreich gerettet, ganz Europa vor einer unermeßlichen Gefahr be­wahrt, und dem Ruhme Ihres Namens einen neuen und unvergänglichen Ruhm hinzugefügt haben.

Der Präsident L. Napoleon entgegnete auf diese mit allgemeinem Beifalls aufgenommene Rede:

Meine Herren !Frankreich hat auf den-loyalen Aufruf geantwortet, den ich an dasselbe gerichtet hatte. ES hat begriffen, daß. ich aus der Gesetz­lichkeit nur herausgetreten war, um in das Recht zurückzukehren. Mehr als sieben Millionen Stim­men Haden mich freigesprochen, indem sie eine Hand­lung rechtfertigen, die keinen anderen Zweck hatte, als Frankreich und vielleicht Europa Jahre der Un­ruhen und der Leiden zu ersparen. (Lebhafte Zei­chen von Zustimmung.) Ich danke Ihnen, daß Sie amtlich festgesteUt haben, wie sehr diese Kund­gebung national und freiwillig war. Wenn ich mir zu dieser ungeheuren Zustimmung Glück wünsche, so geschieht eS nicht aus Stolz, sondern weil sie mir die Kraft gibt, so zu reden und zu handeln, wie eS dem Oberhaupte einer großen Nation, wie die unsrige, geziemt. (Wiederholte Bravo'S.) Ich begreife die ganze Größe meiner neuen Senkung, ich tâujche mich nicht über ihre bedenklichen Schwierig­keiten. Aber mit geradem Herzen, mit dem Bei­stände aller rechtlichen Männer, die, wie Sie, mich mit ihren Einsichten erleuchten und mich mit ihrer Vaterlandsliebe unterstützen werden, mit der er­probten Ergebenheit unserer tapferen Armee, end­lich mit jenem Schutze, den mir auch ferner zu bewilligen ich morgen den Himmel feierlich bitten werde (tiefer Eindruck), hoffe ich mich deS Ver­trauens würdig zu machen, welches daS Volk in mich zu setzen fortfährt. (Lebhafter Beifall.) Ich hoffe die Geschicke Frankreichs durch Gründung von Einrichtungen zu sichern, welche zugleich den demo­kratischen Instinkten der Nation und dem allgemein auSgedrücklen Wunsche entsprechen, fortan eine starke und geachtete Regierung zu haben. (Warme Zustimmung.) In der That, den Erfordernissen deS Augenblickes durch Schaffung eines Systems genug thun, welches die Autorität herstellt, ohne die Gleichheit zu verletzen, ohne irgend einen Weg zum Bessern zu versperren: dies heißt die wahrhaf­ten Grundmauern zu dem Gebäude legen, welches allein fähig ist, später eine weise und wohlthätige Freiheit zu ertragen.

Nach dieser Rede erschollen die Rufe:ES lèbe Napoleon 1 ES lebe der Präsident*! Die Mitglie­der der Commission drängten sich glückwünschend um L. Napoleon , der sich mit mehreren derselben unterhielt. Etwa zwanzig Minuten später wurde daS diplomatische CorpS druch den päpstlichen Nuntius vorgestellt, wobei keine Rede gehalten wurde. Sodann empfing der Präsident der Republik den Erzbischof, daS Domcapitel und die Geistlichkeit von Paris.

Der Erzbischof drückte sich nach derPatrie" folgendermaßen auS:Herr Präsident! Wir kom­men. Jbnen unsere Glückwünltbe »nd 9RnnfA» h«r.

zubringen. Was wir morgen thun werden, daS werden wir alle Tage des beginnenden Jahres thun. Wir werden Gott mit Inbrunst um den Erfolg der hohen Sendung bitten, welche ihnen anvertraut ist, um den Frieden und die Wohlfahrt der Republik, um die Einigkeit und Eintracht aller Bürger. Da­mit sie aber alle gute Bürger seien, bitten wir Gott, gute Christen aus ihnen zu machen.

L. Napoleon dankte dem Erzbischöfe mit Herz­lichkeit dafür, daß er die Handlungen, welche ihm durch dieselben Gesinnungen eingeflößt worben seien, die ihm die Worte:die Guten mögen sich beruhi­gen und die Bösen zittern" eingegeben hätten, unter den göttlichen Schutz gestellt habe. DaS älteste Mitglied der Pariser Geistlichkeit, der 87 Jahre alte Geistliche von Saint NicolaS, näherte sich hierauf dem Präsidenten und sagte zu ihm in munterem Tone:Ich bin glücklich, Ew. Hoheit mit dem Propheten sagen zu können: daS Werk des Herrn wird gelingen trotz Allem". Diese Worte erregten in der ganzen Versammlung die theilnahmvollste Heiterkeit. Zuletzt hatten noch die Konsistorien der reformirten Kirche und der Augsburger Konfession, so wie daS israelitische Central-Consistorium Zutritt, um dem Präsidenten der Republik ihre Huldigungen darzubringen.

Deutschland.

8 Wiesbaden, 5. Dec. Gestern Abend nach 7 Uhr brach in der Scheune der Wittwe Erkel Feuer aus. Die Scheune brannte nieder, eS ge­lang jedoch, trotz dem heftig wehenden Winde, daS Weitergreifen deS FeuerS zu verhindern

* Dillenburg s 2. Jan. Bei der am hiesigen Hofgericht für daS erste Assisenquartal 1852 vor« genommenen Ziehung der Geschwornen traf daS LooS auf folgende A. Hau p tg e s chw o re ne: Christian Moser, FeldgerichlSchsöffe von Weilburg; Wilhelm V. Reichenau, Hauptmann von Weilburg ; Phi­lipp Wiegand, Gutsbesitzer von Kirberg; Peter Böckling, Wirth und Landmann von Sessenhau­sen; Wilhelm Hepp, Landmann von Heckholzhau­sen ; Wilhelm Heep junior, Landmann von Frick­hofen ; Johann Bâpp l er âlt. , Müller von Lan­gendernbach; Peter Llumenröther, Bäcker und Wirth von Baumbach; Wilhelm Berger II., Bäcker von Grenzbausen ; Georg U s en er, Hofraih von Weilburg; Philipp I ü n g st, Bäcker von Burg ; Johailn Bellinger II., Gemeinberaih von Nie­derzeuzheim ; Johann Peter Koch, Landmann von Niederscheld; Christian Schreiner, Bäcker von Herborn; Jacob Dörr, Bader von Dillenburg; Michael Braß, Müller von Ellar; Anton Schnei­der, Landmann von Elz; Wilhelm Hannappel, Landmann von Oberhaid; Heinrich Orth, Land­mann und Gastwirih von Obertiefenbach; Friedrich BuderuS, Hütlcnbesitzer von der Audenschmiede; Christian Zeuner, Förster von Kirburg; Johann Bo de, Landmann von Dernbach; Daniel Baum, Schuhmacher von Dillenburg; Peter Hartmann, Landmann von Eibach ; Carl F i s ch e r^ Kaufmann von Dillenburg; Wilhelm (Brost), Steiger von Roßbach; Jacob Rohm, Landmann von Simmern; Johann Wagenbach, Landmann und Mehlhänd- ler von Langendernbach; Peter Diebel, Bürger­meister von Sebendach; Johann Scheid, Land­mann von Schönbach. B. Ersatzgeschworene: Ludwig Meyer, Kaufmann von Dillenburg ; Ober­förster K. v. Reichenau von Dillenburg; Johan­nes Peter Haas II., Landmann von SechShelven; Friedrich Stoll, Feldgerichtsschöffe von SechShel« den; Jacob Leng, Bader von Haiger; Ludwig Mohr, Landmann von Eibach ; ,Carl Reh, Kauf­mann von Haiger; Peter Deüsing, Landmann von Burg; Wilhelm.Henz, Landmann von Her- bornsrelbach.

Frankfurt, 1. Januar. Die in der gestrigen vierstündigen Sitzung der Bundesversammlung end- lish ftnHnofinkt* <SrI»hizi<tna 6«r $1«H<m.$rAA# fnnnft