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Nassauische AllMeine Zeitung.

^C S» Sonntag den L. Januar 1832.

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Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumeeationshreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Postaufschlages nur 2 fl., mit d e m Bringerlohn nur 2 fl. 1» fr., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland nur 2 fl. «4 kr. Inserate werden Vie dreispaltige Petl theile oder deren Raum mit 3 ft. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auSwört» bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

W Bestellungen auf die Nass. Allgem. Zeitung für das erste Quartal 1852 wolle man baldigst machen.

Uebersicht.

Zur Zollfrage.

Deutschland. Wiesbaden (Der Verein nassauischer Aerzte). AuS der Mitte deS HerzogthumS (Der Besuch des Herzoglichen Hofs in Oranienstein). Frankfurt (Die deutsche Flotte). Kassel Eine neue Verfassung erwartet. Untersuchung gegen den Stadtrath)

Dresden (Flucht). Hannover (v. Bothmers Ersatzmann). Von der Mosel (Herabsetzung der Grundsteuer). Berlin (Antrag die Rechtsbeständigkeit bei Bundestags betreffend. Unterhandlungen mit Dänemark. Die kirchl. Organisation). Hamburg (Ruschack). Altona (Die schleswig-bolsteinischen Ofstciere). Wien (Aufhebung der Mârzverfaffung. v. Krauß).

Frankreich. P ar iS (Circular an die Bischöfe. DieLyonr Avignoner Eisenbahn. Perstgnys Mission. Die Munici- palitätScommissivn. Die Verfassung. Vermischtes).

Neueste Nachrichten.

Zur Zoll frage.

Die offtcieQe Preußische Zeitung bringt folgen- den das österreichischeZoll-undHandelS- e i n i g u n g S pro j e c t besprechenden Artikel: ES war seit Bestehen deS Deutschen Bundes der aus­gesprochene Entschluß deutscher Regierungen und daS Bestreben der preußischen, die politische Grenze deS Bundes auch zu der eines deutschen HandelS- gkbielS zu erheben. Verhältnißmäßig glücklich war dieses Bestreben diesseits der österreichischen Gren­zen. Jenseits derselben hatte eS keinen Erfolg. Zwar hat Preußen bei allen HandelSeinignngen niemals die Einigung deS ganzen Deutschland au­ßer Augen gelaffen. Bei allen Verbindungen, die eS einging, von dem ersten Vertrag mit Hessen bis zu dem neuesten mit Hannover hat eS einen Vor­behalt gemacht, welcher der deutschen Zolleinigung den Weg offen ließ. Oesterreich konnte bisher diese Vorbehalte aber nicht benutzen. Die Centralisa­tion der österreichischen Monarchie blieb, selbst nach­dem sie dem größten, erleuchtetsten Monarchen Oesterreichs miSlungen, doch stets der lebhafte Wunsch der österreichischen Regierung. Diese Cen­tralisation sollte eine österreichische Nation schaffen und mit diesem Plane war eS unvereinbar, die Maßregeln der österreichischen Regierung nach dem Bedürfnisse einer deutschen Nation zu eonstruiren. Die Ereignisse der letzten Jahre haben den Plan der Centralisation zur Ausführung gebracht: früher durch die historischen Verfassungen der einzelnen Kronlânder verhindert, folgt die Centralisation jetzt alS Strafe der Revolution. Ehe biefe Strafe voll­zogen, ehe diese Centralisation organisirt ist, eilt jedoch daS österreichische Ministerium zu einem neuen Projekte. ES scheint sich nämlich in Wien die Ansicht geltend gemacht zu haben, daß man sich dem allgemeinen Wunsche der Zolleinigung Deut ch- landS auf die Länge nicht werde entziehen können, und daß durch diese deutsche Centralisation , welche eine Zolllinie zwischen den verschiedenen Ländern Oesterreichs wieder herstellen müßte, die österreichische gestört würde. Vielleicht macht die große Geldver­legenheit eS dem Wiener Cabinete wünschenSwerth, daß für daS österreichische Papiergeld durch Ver­mehrung deS Verkehrs mit Deutschland ein neuer Markt gesunden werde. Es mag dort auch noth- wendig erscheinen, eine engere Verbindung der In- tercffen Oesterreichs und Deutschlands herbeizufüh- ren, ohne dem Deutschen Bunde eine Organisation und Bedeutung zu geben, welche den österreichischen Staat auch politisch in einem höhern Maße tren­nen würde. Diese Ansichten, welche in der officiel- len Presse Oesterreichs und in verschiedenen Maß­regeln seiner Regierung klaren Ausdruck gefunden haben, wurden der Anlaß, daß der österreichischen Centralisation von welcher wir oben gesagt, daß sie verhindere, die österreichischen RegierungS- maßregeln nach dem Bedürfnisse der deutschen Ra­tion zu eonstruiren der Versuch folgte, Deutsch­land nach den Bedürfnissen der neu geschaffenen österreichischen Nation zu eonstruiren. DaS ist der

Gegenstand, mit welchem sich der gegenwärtig in s Wien befindliche Congreß einiger deutschen Regie- i rungen beschäftigt. Die Absicht einer Zolleinigung Deutschlands, der Vorbehalt, welcher zu ihren i Gunsten von Preußen und seinen VertragSgenosseu stets aufrecht erhalten worden ist, wurde in diesem Sinne als eine Zolleinigung mit österreichisch Ita­lien, österreichisch Polen, Ungarn und Kroatien ausgelegt, in zahlreichen Denkschriften diese Aus­legung befürwortet, anfänglich eine den Erfahrun­gen und Wünschen Deutschlands zusagende freist iu nige Handelspolitik in Aussicht gestellt, shließlich aber, und zwar in der osficiellen Einladung zu dem Wiener Congreffe, die Handelsbeschränkung, welche daS österreichische Ministerium für Oesterreich alS Vortheilhaft betrachtet, zum Princip deS ProjectS erhoben. DaS Streben, Deutschland in die öster­reichische Centralisation einzuschließen, trat im Laufe der Verhandlungen immer entschiedener hervor, die deutsche Centralisation wurde dagegen von dem österreichischen so sehr als Nebensache betrachtet, daß eS bereits dahin gelangt ist, die österreichische Zolleinigung auf Gefahr der deutschen zu betreiben, die Fortdauer deS von Preußen mühsam und mit großen Opfern zusammengehaltenen Zollvereins in Frage zu stellen und den Chimären einer süddeutsch- österreichischen Zolleinigung Vorschub zu geben. Wenn auch gesagt werden mag, daß dieS nicht die Absicht, sondern die Folge deS EiserS für eine bessere Abstcht sei, so kann doch eine Regierung, welche ihr Schwergewicht nicht in der österreichi­schen Centralisation zu suchen gezwungen ist oder eine Regierung, welche vor allem der deutschen Einigung und dem, in den BundeSacten selbst vorgezeichneten Plane derselben, Rücksichten schul­dig zu sein glaubt, die Folgen jenes Eifers, sie kann überhaupt RichrS unterstützen, was gegen jene Rücksichten verstößt. Vielleicht erklärt sich auch hieraus, daß die preußische Regierung abgelehnt hat, an der österreichischen Zolleinigung mitzu- wirken, so lange die deutsche nicht gesichert ist.

Deutschland.

Wiesbaden. 3. Jan. Der Verein nassaui­scher Aerzte hat sich nunmehr definitiv und zwar mit Ablehnung deS beantragten Anschlusses an den naturhistorischen Verein alS selbstständiger ärzt­licher Verein constituirt. Derselbe zählt 52 Mit­glieder. Die erste Anregung zur Gründung deSsel, den ging, wie bekannt, von dem Hofrath Dr. Spengler in Herborn auS.

Die erste zu diesem Zweck im Mai deS v. I. zu Limburg veranstaltete Versammlung war nur von einer sehr geringen Zahl nassauischer Aerzte besucht worden. Ungleich größer war die Bethei­ligung bei der am 15. Oct. v. J. zu Limburg ab» gehaltenen ersten Generalversammlung und konnte die Frage ob die Zahl der erschienenen Aerzte (45) zur definitiven Constituirung hinreichend halte, ein­stimmig bejaht werden.

ES wurde hierauf zur Revision der Statuten geschritten, wobei die in einer Vorverfammlunq der Rheingauer Aerzte für wünschenSwerth erklärten, Aenderungen der Verhandlung zu Grunde gelegt wurden.

Der Verein zerfällt in sieben Sectionen, die jedes Jahr in der Generalversammlung nach dem Bedürfniß neu gebildet werden.

BiS zur vollständigen Organisation der Sectio­nen ist der provisorische Vorstand (Hofrath Dr. Vogler von Diez, Vorsitzender; Dr. Spengler von Herborn, Secrelär; Medicinal-Assistent Dr. Gräser von Montabaur, Cassirer) mit fernerer Leitung der Geschäfte beauftragt und ihm nament­lich eine Eingabe an daS Herzog!. Ministerium mit eer Bitte um Bestätigung der Statuten und Enhei- lung von CorporationSrechten aufgegeben. Nach erlangter Genehmigung durch die Behörden sollen die revidirten Statuten gedruckt und »ertheilt werden.

Der Zweck dieses Vereines ist, wie bekannt, Ideenaustausch, Mittheilung von Beobachtungen

und Erfahrungen, Erhaltung und Beförderung der Collegialität, der Würde des ärztlichen Standes, Pflege und Fortbildung deS Sanitätö wesens.

A Aus der Mitte des HerzogthumS, Ende December. ES bat einen liefen Eindruck in hiesiger Gegend hinterlassen, daß unsere verehrte junge Lan- deSmutter sich so freundlich und günstig über ihren Aufenthalt in Oranienstein ausgesprochen hat. Man knüpft vielfach hieran die Hoffnung, daß der Hof unseres Landes in Zukunft häufiger, als dies bis­her der Fall war, in der Mitte unseres Landes sich aufhallen werde, waS in jeder Hinsicht von sehr großem Nutzen für daS ganze Innere deS Herzog- thumS sein würde. Wir denken dabei nicht allein an den materiellen Nutzen, sondern noch mehr an die moralischen Vortheile und die gegenseitigen Be­ziehungen zwischen Volk und Fürst, welche sich hier­durch immer inniger gestalten müßten. Erlauchte Verwandte unseres Herzoglichen Herrscherhauses haben lange und gern in dem freundlichen Orauien, stein gewohnt und noch denkt die Umgegend gern an die glänzenden Zeiten der holländischen Hofhal­tung. Wir verhehlen unS nicht, daß abgesehen von dem Mangel der großartigeren Rheinnatur auch Manches sich bei unS findet, waS keinen einladen­den Eindruck machen kann. ES regt zu traurigen Betrachtungen an, die auf dem stolzen Porphyr­felsen gelegene Burg der einst so reichen uno le­benslustigen Grafen von Diez, welche eine so her­vorragende Stellung im Lahnihale einnahmen und um deren Hofhaltung sich soviele andere glänzende Geschlechter deS LahngâueS sammelten und ebenfalls hier ihre Burgen^auten, nun"in eine so schmer­zensreiche Anstalt verwandelt zu sehen. Eine Aen­derung ist nun in diesen Zeitläufien natürlich über­aus schwierig, so sehr wir sie auch besonders wegen unserer verehrten Landesfürstin wünschten. Uebri- genS bleibt die Lage von Oranienstein doch unter allen herzoglichen Schlössern einzig in ihrer Art. Die centrale Stellung wiegt vieles Andere auf und die nächste Umgebung heißt mit Recht diegoldene Au-. Die herrlichsten Waizenfelder wogen um daS Schloß; Wälder, Wiesen, Fluß, Parkanlagen, rei­zende Aussichten fehlen nicht. Außerdem laufen von dieser Centralgegend unseres Landes Thäler und Straßen wie Radien nach allen Gegenden des Lan, deS. Wir hoffen, daß daS lanbesfürstltche Paar das Herz des Landes recht häufig und auf lange Zeil besuchen werde.

Frankfurt, 31. Dec. (Fr. I ) Preußische mi­nisterielle Blätter bringen gegenwärtig Mittheilungen über die deutsche Flotte, namentlich über ihre finan­ziellen Verhältnisse, die zwar theilweise Bekanntes enthalten, indeß doch geeignet sind, über die Stel­lung Preußens zur Flottenfrage mehr Licht zu ver, breiten. AnderntheilS erkennt man freilich, wie ein Institut, dessen Schöpfung einst, wie nicht zu be­zweifeln, allgemein beabsichtigt war, vorzugsweise durch materielle Ungunst zu keinem rechten Gedeihen gelangen konnte und in diesem Augenblicke noch von einem keineswegs günstigen Schicksale bedroht er­scheint. Von den materiellen Leistungen für die Flotte find gerade ein Theil der größeren S'aalen noch im Rückstände; Oesterreich, Baiern, Kurhcffen, Sachsen, Lurcmburg mit 2,420,251 fl. von der ersten Marineumlage; mit einem gleichen Aniheil von der zweiten, welcher Rückstand dann durch daS Hinzu- kommen anderer säumigen Staaten auf 4,450,701 fl. steigt; so daß von eer Uesammtumlage jener von der Nationalversammlung beschlossenen 6 Mill. Thlr. (10.5000,000 fl) noch ein Gesammirückstand von 6,870,952 fl. bestrht von dem nur ein kleiner wirk­lich unlerveß für die Flotte eingezahlter Betrag ab­geht. Vollständig haben beide Umlagen nur vier, zehn Regierungen eingezahlt. Oesterreich hatte sich von allem Anfänge an gegen jede Theilnahme an dieser Flottenschöpfung verwahrt, nebst anderen Gründen feine eigene Flotte, deren Kosten und der Schutz gleichfalls deutscher Küsten durch sie geltend gemacht. Preußen enthielt sich nach Einzahlung seiner ersten Rate (1,580,686 fl.) unter ähnlichen Gründen. Die Beobachtung einer gänzlich fehlen-