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Nassauische Allgemeine Zeitung.

xM 2. Samstag den 3. Januar 1832

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme de« Sonntags. Der vierteljährige Prânum--ationSvrei« für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisichen BerwaltungSgedieteS mit Inbegriff des Postnufschlages tiut Ä ff, mit dem Bringerlohn nur ® fl. 1'4 kc., für die übrigen Länder des deutsch-ollerreichischen Postverein«, wie für das Ausland nur £ fl. «4 fr. Znsera te werden die dreispaltige PentzeUe oder oe-en Naum mit 3 fr. berechnet. Beilegungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'ichen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

M^ Bestellungen auf die Nass. Allgem. Zeitung für das erste Quartal 1852 wolle man baldigst machen.

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U e b e r s t ch t.

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Deutschland. Wiesbaden (Entgegnung). Mainz (Unterdrückung der Mainzer Abendpost >. Frankfurt (General Schreckenstein. Die NeujaKrSnacht. Note an das britische Cabinet). Kassel (Beaufsichtigung). Weimar (Verfügung). B er l i n (».Stockhausen. Ver­mischte«).- Oldenburg (Verfaffungsreviston).? Ham­burg (Verhaftungen) Kiel (Armeebefehl). Wien (Das Finanzministerium. Louis Napoleon. Selbstmord. Vermischtes).

Frankreich Pari« (Die Abstimmung, Auflösung der Handelskammer in Havre. Decrete. Vermischtes).

Großbritannien. London (Lord Palmerston. Koffuth. Das Parlam nt der jonischen Inseln).

America. New-York (Koffuth. Di« Prâstdentschast«- Caudidaten).

Neueste Nachrichten.

18 5 1.

DaS Jahr, auf welches wir zurückblicken, war weniger reich an Ereignissen und doch wird eS sei, neu hervorragenden Play in der Geschichte einneh men. Wir möchten eS daS Jahr der Restau­ration nennen. Neberall s-hen wir die Rückkehr zu den früheren Zuständen, überall begegnen wir den Nutzanwendungen der in den letzten Jahren erhaltenen Lehren, überall dem Bestreben, die Wie­derkehr einer den StaatenorganlSwuS gesährrenden Bewegung zu verhüten und berechtigte Anftrebun- gen in ihrem gesetzlich zulässigen Maße zu erhalten.

AlS wir an der Schwelle dieses JahreS stan­den und einen forichenden Blick in die Zukunft warfen, hatten eben die D re S d «ner Con fer e n- zen begonnen.

Sie haben zu keinem Ergebniß geführt. DaS einzige AuSkunfismitttl, ein leitendes Organ für den Bund zu erlangen, war die Rückkehr zu dem Bundestage.

Die schon in Dresden aufgetauchten wider­streitenden Bestrebungen zwischen den beiden Haupt­mächten Deutschlands haben in Frankfurt nur einen neuen Kampfplatz, aber kein Ende gefunden. Einer Einigung zwilchen diesen, einer Einigung überhaupt stehen die Bestimmungen der Bundesverfassung selbst im Wege. DaS Ersordcrniß der Stimmeneinhellig­keit gewährt den Sonderinleressen der einzelnen Re­gierungen zu viel Anhaltspunkte und die Möglich- seit einer ertolgreichen negativen Thätigkeit. Eine baldige Lösung der die Neugestaltung b eS Bundes berührenden Fragen ist nicht zu erwarten.

In erster Linie steh, die Frage über Oester- reichS Gesammtrintritl.

Die von den Garanten der Wiener Verträge eingelegten Proteste sind zwar von Seite der Bun­desversammlung zurückgewiesen und ist ihr die auio« nomtfche Entscheidung dieser Frage als einer die in« litte Gestaltung deS Bundes betreffenden vindieirt worden; diese Entscheidung dürfte aber nicht so bald erfolgen. Sie ist gleichbedeutend mit der über die Suprematie in Deutschland.

Wenn mit dem beabsichtigten Gesammteintritt nur daS iledergewicht in Deutschland erlangt wer­den soll, dann hat die österreichische Regierung bei den factilchen Verhältnissen, wie sie sich jetzt ge, stallet haben, wahrlich keine Veranlassung mehr, auf die Entscheidung dieser Frage zu dringen Und werden die Besorgnisse, als würde durch den Ge sammteinkritt Oesterreichs die einheitliche Kräftigung der deutschen Nation gefährdet, auch ferner blöd den Gegenstand theorellicher Erörterungen bilden.

Die Fragen über die Constituirung Deutsch­lands liegen unS vermalen übrigens nicht so nahe. Die bei dem Fortbestehen der alten Elemente mög. liche Neugestaltung deS Bundes kann, nach der Natur der Sache, eine solche nicht sein, welche den Einheitsbestrebungen der Nation zusagt. WaS einen einzelnen auS homogenen nationalen Theilen bestehenden Staat groß und mächtig Macht, daS NationalttätSgefühl das würde zwar die Gesammt­

heit der Bestandtheile eines Bundes kräftigen, ge­fährdet aber leicht den Bestand der einzelnen Tarile. Die nächste Aufgabe eines SlaatenbundeS ist die Erhaltung deS Status quo, die deS deutschen Bun­des jetzt die des Status quo ante , während die Wünsche der Nation aus eine organische Entwick­lung und Fortbildung gerichtet ftnb.

Von ungleich größerem Interesse sind zwei Er­eignisse, die zwar nicht außer dem Zusammenhänge der Bewegung der Jetztzeit stehen, aber dennoch ihrer unberechenbaren Folgen und ihres beinahe uleichzeitigen Eintretens wegen die politische Welt überrascht haben: der kühne Wurf, den LouiS Na­poleon gethan und Lord Palmerstons Rück, tritt.

Wo daS GesammtSbewußtskin der Nation keine Nahrung findet, da entbehrt auch die politisch Thä­tigkeit nach Außen hin der AnknüpfungSpuncte ; dort richtet sich unwillkürlich die Aufmerksamkeit mehr auf die socialen Zustände, aufdie Gestaltung deS concreten bürgerlichen Lebens, auf die Grundbedingun­gen der Erhaltung eines gesicherten RechtSzustandeS, des wiederkehrenden Vertrauens, deS neu aufleben- den Verkehrs. - s ...

In dieser Beziehung sind diese Ereignisse von der größten Wichtigkeit.

Die Zustände Frankreichs waren in einer Art zerrüttet, daß ein energischer Entschluß Noth that, dem zum Verderben deS StaateS führenden Partei, getriebe, sei eS auch durch eine formelle Ungesetzlich­keit ein End« zu machen.

Die Gefahren, welche durch die allzudeutlich hcrvorireiende» B«.str«h»t»gen deS Socialismus bro - ten, hätten den Bestand deS StaateS, die Erhal­tung der Civilisation gefährdet. LouiS Napoleon, den wir übrigens von persönlichem Ehrgeiz nicht ganz freisprechen wollen, hat nur daS Recht der Nothwehr geübt, indem er die Hydra der bürger­lichen Gesellschaft mit ihren eigenen Waffen bekämpfte und die ganze große Masse deS BölkcS, welche bei der Wiederherstellung und Erhaltung der Ord­nung detheiligt ist, hat feiner rettenden That durch ein mlllionenftiMmigtS Ja vollständige Billigung ertheilt.

Wenn Frankreich von jeher der Ausgangs­punkt aller revolutionären Bewegungen war, so fanden dagegen, durch eine beklagenSwerthe Politck Englands begünstigt, anarchische Tendenzen und Bestrebungen ihren Rückhalt. Die Lehre deS Com, muniSmuS, die von Frankreich auS ihre Propa- ganda machte, war den einzelnen Staaten am Ende weniger gefährlich alS diese rücksichtSlo»«, schwer mit dem Völkerrecht in Einklang zu brin­gende Sonderstellung, welche das foreigne office deS britischen CabinetS ihnen gegenüber einnahm^

Durch die neue Ordnung der Dinge in Frank, reich ist nun dem Uebelstande, daß sich unter dem Deckmantel der Republik die tollsten Ansichten über die Stellung der Staatsbürger und das Wesen des StaateS breit machen durften, nunmehr ein Eiid« gemacht und ebenso durch den Wechsel, der in Englands auswärtiger Politik zu Gunsten der Coniinentalmächte eingetreikn ist, die Möglichkeit beseitigt, daß eine Handvoll auS allen Wcltge- gendtn zufammengewürselter Menschen, gestützt auf daS ihnen gewährte Asylrecht, Comploie gegen den Bestand anderer Regierungen schmiede.

In diesem neuen und nachhaltigen Sieg über die revolutionären Elemente der jetzigen politischen Welt müssen wir die Garantie für Herbeiführung besserer socialer Zu stände erblicken. Die nächste Folge wird die Hebung deS materiellen WohleS sein. Die Börse hat ihr Urtheil darüber bereits geiprochen.

ES drängt sich unS nun die Frage auf, welche Stellung wir den politiscken Erscheinungen gegen­über einzunehmen haben.

ES ist nicht zu leugnen, daß eS mit dem Con- stitutionaliSmuS hier und da nicht allzu genau genommen werde, daß viele Hoffnungen und Er­wartungen für immer viell icht zu Grabe getragen sind, und daß manche Bestrebungen, die noch vor Kurzem ihre volle Berechtigung hatten, zu idealen unpraktischen Träumereien geworden find.

Wir werden unS die Freiheit unseres Urtheiles nicht verkümmern lassen, wir müssen aber einen prakmchen Anhaltspunkt suchen, auf den gestützt wir Ersprießliches zu wirken im Stande sind, und diesen finden wir in dem materiellen Wohl, in der Sorge für die Hebung deS Wohlstandes, teren ein erschöpftes, von politischen Wirren mehr als billig in seiner Erwerbfähigkeit zurückgesetzieS Volk mehr als je bedarf.

Die Möglichkeit diese Ausgabe zu lösen, kann nur bei einem wohlgeordneten , gesicherten RechlS- zustande gegeben sein, uno damit ist unS die Grenz, linie unserer Thätigkeit , daS Substrat für unsere Beurtheilungen gegeben.

Die Erfahrungen der letzten Zeit 'haben und die Ueberzeugung von der Richtigkeit dieses SatzeS anfgedrungkn.

Am allerwenigsten aber wird die Lehre für unS verloren sein, daß nur eine kräftige Re­gierung zum Besten deS StaateS zu wirken im Stande sei, und daß Energie und eine selbstbewußte consequente Leitung der Geschäfte mehr Vertrauen erwecken, alS ein unsichtreS Schwanken und Rech- nungtragen nach allen Seiten hin.

Uu|er stetes Bemühen war dahin gerichtet, dar- zuihun, von welch hoher Bedeutung eS sei, wenn ein entschiedenes offenes Verfahren Der Regierung ihren unteren Organen die Richtschnur ihrer Hand­lungsweise gibt.

Wir haben keinen Beruf, RegierungSmaßregelN lediglich alS solche zu loben, wir werden aber eben, sowenig wegen eines Schrittes ein ganzes Sy­stem fabeln, weil wir wohl wissen, daß die Thätig­keit einer Regierung nur im Ganzen und in ihrem Zusammenhänge und nicht nach vereinzelten Maß. regeln beurtheilt werden muß.

Wir stehen der Anwendung dieses SatzeS feit Kurzem näher.

Auch in unserem Herzogthum hat sich die Re­gierung veranlaßt gesehen, in den Gang der Ereig­nisse einzugreifen.

ES mag dahin gestellt bleiben, ob der «inge- schlagene Weg der richtige war, ob eS nicht vorzu- ziehen gewesen wäre, vor Erlassung deS Wahlge­setzes nach dem Vorgänge vom Jahr 1816 eine den jetzigen Verhältnissen entsprechendere Organisa­tion deS HerzogthumeS mit Benutzung der neue­sten Erfahrungen im Wege der provisorischen Ge- setzgebung einjuführen.

Auch hier wollen wir unseren oben ausge­sprochenen Ansichten gemäß verfahren und durch eine unprak.ische Kritik die Stellung der Regierung nicht erschweren.

Zwei weitere Fragen sind eS, die handels­politische und die religiösd, welche die In­teressen der Bewohner unseres HerzoglhumS bejon- bers anregen. Wir benutzen diese Gelegenheit, um uns auch darüber einmal umfassend auSzusprechen.

Die handelspolitische Welt wird nun durch zwei Gegensätze in Bewegung gesetzt: Frei, handel und Schutzzoll. KrinèS der beiden Systeme läßt sich überall und unbedingt auf Grund blos theoretischer Auseinandersetzungen zur Anwen­dung anempfchlen.

ES wird immer auf die geographischen Ver­hältnisse, auf die Beschaffenheit der Industrie «ineS Landes «»kommen. Wenn wir auch nicht verkennen, daß einzelne Theile unserer Industrie eines beson, deren Schutzes bevürfen, so haben wir auch den Einfluß deS Freihandels auf den Weltmarkt im Auge und werden daher die handelspolitische Frage nach wie vor als eine offene behandeln.

Wir gehen von dem Grundsätze auS, daß man das Gut« dort nehmen müsse, wo man es findet, ohne Vorurtheilen oder Lieblingsideen zu huldigen. AuS diesem Grunde haben wir unS auch bei der für unser Land so wichtigen, für unsere Industrie so einflußreichen E i s e n b a h n f r a g e weder für die eine noch für die andere der projectirten Linien entschieden und Artikel, welche die eine oder die andere befürworteten, mit AuSs bluß der bloß Pole­mik bezweckenden oder Persönlichkeiten rnthiilienea ausgenommen.