MsMschc Mgemcine Zeitung
^N L. Donnerstag den 1. Januar I8Ä2
Wegen des Neujahrstages erscheint morgen keine Zeitung.
Die Naff. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntag». — Der vierteliährige Prünum rattonsyrei# für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für b e n ganzen Umfang be» Thurn- und Tarisich»» VerwaltuiigSgedieteS mit Inbegriff des PostaufsUrlages nur t g , mit dem BriNgerlvhN nur « fl. It fr., für ine übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postvereius, wie für das Ausland nur ♦ fl. «4 fr. — jnfera te werden Die dreispaltige Petitprtt» »der ocen Raum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenderg'ichen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen
W Bestellungen auf die Nass. Allgem. Zeitung für das erste Quartal 1852 wolle man baldigst machen.
u e b e r s t ch t.
Nassau und die Industrie.
Deutschland. Aus dem Dillthal lReligiöse Entwickelung). — Vo m Main (DaS Miiitäriliafgesetzduch für daS BundeScorp«). — Mainz (Die oberrheinische Kirchen- Provinz).- M ü n ch en (Verordnung. Die kurhesilsche Er- pedition. Tie Königin von Griechenland. — Berlin (Die deutsche Flotte. Die Zollfrage Frankreichs Eutschä- digungSforderung an Belgien Der Herzog von August n- burg) — Kiel (Leff-r). — L i n z (Organisation). - Wien (Aenderung deS MunzsystemS). — Triest (UebungSge- schwader).
Frankreich. Pari« (Decrete. Abstimmung. Die Generale in Ham. Baze. Schreiben auS Rom an den Gra en Montalembert. Dupin. Vermischtest.
Großbritannien. London (Palmerstons Rücktritt).
Italien. Turin (Das Preßgesetz. Beschleunigung der Kammerarbeiten. Telegraphenverbindung)
America. New-York (Koffuth'S offfcieller Empfang beschlossen)
Neueste Nachrichten.
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Nassau und die Industrie.
(Schluß.)
om Lande. Um Die Frage an einem Beisplele zu erläutern , will ich annehmen, ein. Landwirlh berechnete alle Mühe und Arbeit, die er und die Reinigen auf Darstellung der Leinwand verwenden, nur mich müßigen Taglöhnsay,n, so wird er mit Herrn v. Bülow-Cum merow bald Rn* ‘ Den, daß er seinen Bedarf an Leinwand viel wohlfeiler taufen kann; aber eine so kluge Frau, wie Frau v. Bülow-Cummerow, Deren wir zum Glück in Deutschland noch recht viele haben, wird in Ertragung ziehen, daß Diese Zeit wenig oder gar nicht onzuschlagen ist, da daS Gesinde Die Arbeit nur in Nebenstundcn verrichtet und außerdem die selbst* gemachte Leinwand viel biffer ist, wie Die wo hl feil gekaufte. Diese kluge Frau hatte Die Freude, ihr Geld zu behalten und Diese schöne bauet hafte Leinwand zu erlangen; während ihr schrifisteUernber Gemahl ein wohlmeinender Ideolog war, der — indem er sein gmeS Geld für schlechte Leinwand hingegen und sein Gesinde müßig gehen lassen weilte — seinen Vortheil schlecht begriff.
Wie in einem einzelnen HauShalte, jo ist eS auch im Staatshaushalt, Denn bei Der VolkSwirthschaft kommt eS nicht darauf an, Den Handel oder daS Tauschgeschäft, Die nur untergeordneter Natur sind, inS Auge zu fassen, sondern die Hauptsache, Die Production aller Gegenstânoe , Die Die Nation für Reb und zum Austausch gegen ihre auswärtigen Bcdüifnisse nöthig hat, und deren Darstellung nicht ihren natürlichen Anlagen wivelfpricht. In Nassau find wir auf diesen Standpunkt angewiesen, da wir viele überflüssige Arbeitskraft haben und nicht über- flüssige Piobucie genug, um untere auswärtigen Bedürfnisse damit zu kaufen. Wir müssen alio un« fere Arbeitskraft productiv zu machen suchen und daâ können wir nur, oa Re in Der zersplitterten Landwirthschaft nicht verwendet werden kann, in der Industrie. Da wir aber alS Jnvustneffaat nicht auf eigenen Füßen stehen können und uniere Jndustrieprovucle vorläufig noch nicht ohne Schutz mit Dem AuSlandt concurriren können, so müssen wie unS einer Zolleinigung anschließen, Die unS diesen gewahrt.
Wenn eine gründliche VolkSwirthschaft so leicht wäre, wie sie untere Freihändler machen wollen, in- dem sie eine hochtönende Formel, Die so viel heißt alS Alles gehen zu lassen, wle'S Gott gefällt, als den Inbegriff aller StaatSweisheit barzusteüen suchen , Der freilich nach dem Geschmack deS großen HaufenS ist, da er ihn über alles Nachdenken hin- wegietzt, so wäre Den Gebrechen der menschlichen Geseütchaft bald abgeholfen und wir brauchten keine Staatsmänner und keinen Menschen mehr, dessen
Amt eS wäre, über daS öffentliche Wohl zu wachen. So lange die Menschen aber noch Menschen bleiben und so lange eS mithin noch entgegengesetzte Interessen unter denselben gibt, die vermittelt werden müssen, ist mit einerso einfachen Formel nicht geholten.
Um speciell aus Nassau zu kommen, kann eS Niemand, der sich um unsere Zustande bekümmert hat, ein Geheimniß geblieben sein, daß unser frühe, rer, wenn auch bescheidener Wohlstand jeden Tag mehr in Verfall gerâth , und daß sowohl der Gc- werbstanb in den Städten, wie der Bauernstand durch die Zersplitterung der NahrungSgneUen einem unvermeidlichen Ruin entgegen aehen, wenn eS nicht gelingen sollte, Die überflüssige Arbeitskraft,
welche beide Etâ» zweigen oder Dur zu beschäftigen; leuchten, dass unser fetöne' hast verließ wenn nid*
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barbieten, in neuen GewerbS- ?g der alten nutzbringend ,t jedem Verständigen ein* /en vorhandenen Umständen - Tag mehr an Steuer-
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mnen wir natürlich wir müssen aber sie daS thut, waS ß sie vor Allem in Wirnissen sich nach Zedürfnissen alS Der Lruuosätzcn einer ge- at, wenn auch dadurch .-er gebrochen werden, gierung auch erwarten,
daß sie den gewerblichen Bedürfnissen Nassaus alle Aufmerksamkeit widmet und daß Re aufmtin» urnD und unterstützend einwirke — wie nicht minder , daß sie, auS dem Kreis enger VerwaliungS- formen herauStretend, durch Männer, Die die Verhältnisse des Landes kennen und technische Thatkraft mit ernstlichem Willen besitzen, sich an die Spitze einer industriellen Bewegung stelle, die in unserem Lande die reichsten natülichen Quellen zu großartiger Entwicklung finden wird, Der die glückliche Lage Nassaus zum Weltverkehr den größten Vorschub zu leisten im Stande ist.
Aber auch die Industriellen und alle Bewohner unseres Landes müssen üch aufraffen und die vorhandenen noch zum The. verborgenen Quellen zu öffnen und zu fassen suchen, Die eine reiche Gew erb, ihâtigkeit beleben und erhalten können und deren es nicht wenige und sehr mannigfaltige in unserem Lande gibt. Bedeutende Gebiete eignen sich zur Seidencultur, zum TadakSbau und andern noch wenig versuchten aber einträglichen landwirthschaft- litten Gewerben. Die reichen Thonlager der Aem ter Montabaur und SelterS können einer auSge- dehnten einträglichen Industrie zum Stützpunct dienen. Die unetfdH-pl lieben Eisensteine und Braunkohlen, verbunden mit dem Ertrag der Wälder, sind wohl geeignet, eine großartige Gewerdihätigleit, die viele Tausende zu ernähren vermag, hervorzu- rufen — und unsere Gebirge enthalten außerdem eine Menge nutzbarer GesteinSarten und M> cralien, die einträglichen GewerbSziveigen zur Grundlage Dienen können. Kurz, wir brauchen nur ernstlich zu wollen und unsere Kräfte nur tüchtig zu gebrau chen, so wird eS unS gelingen müssen, eine bessere Zukunft, in der wir selbst den Freihandel bald nicht mehr zu fürchten haben werden, zu erringen.
= Aus dem Dillthal , Ende Decbr.
ES ist
schon von beulschen Cutiurhistorikern in älterer und neuester ßeü hervorgehoben werden, daß daS Nassauer Land zu verschiedenen Malen der Sitz und AuS- gangSpunkl tieferer religiöser Richtungen , die man gewöhnlich als PieliSmuS bezeichnet, gewesen und daß diese GeisteSrichtUng daselbst eigentlich nie auSgestorben sei, daß sie sich sowohl der Herrschaft deS strengen Dogmatismus alS der Mode der
Aufklärung gegenüber siegreich gehalten habe. Unsere Gegend kann alS ein vorznasweiser Sitz Dieses inneren warmen religiösen LebenS angesehen wer« de", wozu die nahen Beziehungen tu dem westphâ- lischen Volke mit seinem tief innerlichen Gemüthe mitgewirkl haben mögen. AuS unserer Gegend ging im vorigen Jahrhundert Jung StiUing auS, den man einen modernen Propheien genanni hat und der trotz mancher Auswüchse seines Geistes und durch die Macht seiner Persöirlichkeit für Viele seiner Zeitgenossen ein Born religiöser Gedanken und Erfahrungen geworden ist und ohne eine Secie stiften zu wollen, doch für Unzählige Der Vermittler einer tieferen und lebendigeren religiösen LebenS« ansicht wurde. Auch in neuester Zeit macht sich ein solches wärmere religiöse Streben wieder in unserem Thale geltend, in welchem in Dieser Hinsicht die praktische BildungSstâite der künftigen protestantischen Gtistllben nicht mit Unrecht unserer einst glorreichen Universität gefolgt ist. Wie DaS sich auSbreitenoe Christenthum einst im Gemüth Der Frauen einen vorzugsweise empfänglichen und treuen Boden fand, so sind eS auch heute wied-r Frauen und Jungfrauen, welche sich Dem neuen Aufschwung DeS religiösen LebenS besonders geneigt und sich in mehreren Orten unseres Tha auSzeichnen. Dieses neue Leben ist bei i einige strebende Geistliche angeregt Mrvez bei unS alS natürlicher Gegensatz zu einig ren verflachenden politischen Znstaiiven treten, von denen wir nur die Einwirkr französischen Fremdherrschaft nennen wolle allerdings Den Blick für Die materiellen L ___ des LebenS in unserem Thale schärfte. In unserem Peedigerseminar bricht sich ein immer tieferes und frischeres Leben Bahn. Die jungen Leute kommen mit einem reicheren Schatz religiöser Anschauungen und wenigstens äußerer Erfahrungen von den Universitäten zurück, Die sich in Der Stille unseres Thales auch immer mehr zu inneren Erfahrungen um- wandeln können. Es ist ein großes Glück für die gesammte organische Entwicklung unseres Volkes, daß eS unserer Jugend endlich zum Bewußtsein gekommen ist, wie dem deutschen Geiste nicht bloß ein wissenschaftlicher und philosophischer, nicht bloß ein aiheisch praktischer, sondern wesentlich auch ein religiöser Berus inwohne. Diese Erkenntniß wird um so nachhaltiger fein, als Die Wissenschaft von Der Literatur, Der Philosophie und Politik durch gediegene Werke und hohe Gesichtspunkte den Bestrebungen der Theologie zu Hülfe kommen. Auf diesem Wege werden auch allein die sogenannten Gebildeten wieder mehr dem religiösen und kirchlichen Leben gewonnen werden können. Der Geistlichkeit erwächst allerdings hirrmit ein schwerer Beruf. Aber eS ist schön, sich an Großem zu versuchen. Wie die übrigen Völker Europas bereits unsere Theologie studiren, so müssen wir ihnen auch ein Vorbild deS religiösen Lebens selbst aufsteUen. Je mehr wir in unS selber Glauben und Liebe erzeugen, desto besser wird eS auch in staatlichen Dingen werden.
Vom Main, 29. Dec. (Fr. I.) Bei dem nun bevorlhh-nfun Erlaß eines Strafgesetzbuches für daS BundeSarmcecorpS dürfte eS nicht ohne Interesse sei, an die früheren in der BundeSkriegSver- fassung enthaltenen Bestimmungen in tiefem Be treff zu erinnern, Da sie im Wef.mlichen auch auf jenes Corps Anwendung finken dürften. Wir begnügen unS jedoch damit, folgende Punkte hervor* zuheben: Die GerichiSdarkeil steht in Der Regel den Befehlshabern der CorpS, Divisionen, Brigade» und Regimentern zu. Der Oderfclkherr hat aber daS Recht, alle Befehlshaber DeS HeereS zu suSpendiren, jeden Untergebenen verhaften zu lassen und gerichtliche Untersuchung über sie bei ihren Behörden zu veranlassen; auch in solchen Fällen, wo Gefahr mit dem Verzug verbunden wäre, ein fummariiWeS Verhör Derselben anjuordnen. Gegen DaS Verbrechen DeS Meineides , DeS Ver« raches, der Fcldflüchtigkeit und der Jnsubor«