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Beilage zur Nassauischen Allgemeinen Zeilung.

M 303 Freitag den 28 December 183L

Uebersicht.

Deutschland. Frankfurt (Das Bundespreßgesetz). Sondershausen (Die Landtagswahlen). Mei­ningen (Die Werraeisenbahn). Nürnberg (Die freie Gemeinde). Hannover (Frau Grote. Lippe- Detmold). Osnabrück (Anschluß an den Zollverein).

Berlin (DaS Bundespreßgesetz, v. Reumont. Der Kriegsminister. Vermischtes). Oldenburg (Der Landtag). Wien (Staatsfinanzausweis. Hawliczek.

Fürst Windischgrätz. Koffuth's Mutter). Frankreich. P ar i« (Die Abstimmung. Die Deportation. Schreiben des Papstes. Vermischtes). Straßburg (Abstimmung).

Portugal. Lissabon (Finauzoperation).

Italien. Rom (Concilium. LouiS Bonaparte).

America. Neu-Bork (Lola Montez).

Neueste Nachrichten.

Deutschland.

Frankfurt, 24. Dec. (Fr. I.) Die Fachmän­ner deS PreßauSschusseS haben ihre Mission nun so gut wie beendet. Oesterreich hat bei dieser Gele­genheit beantragt, daß die Bücherverbote gemein­schaftlich seien, so daß, wenn ein Buch verboten würde, es im ganzen deutschen Bund verboten sei. Vor Neujahr dürfte wohl noch eine Bundes- tagSsitzung gehalten werden.

Sondershausen, 22. Dec. Wie dem Fr. I. geschrieben wird, fielen die neuen Landtagswahlen, bis auf vier, auf lauter Beamte; ja in einem Bezirke wählte man fast das ganze Land- rathSamt, den Hrn. Landrath sammt seinem Secre« târ k. Und doch sind die Wahlen nach dem demo­kratischen Wahlgesetze von 1848 vorgenommen worden.

Meiningen, 19. Dec. (Dorfz.) ES wurde heute abermals eine Conferenz wegen der Werra, ei send ahn hier abgehalten und daS Resultat war ein sehr günstiges. Weimar soll nachgegeden haben, daß die Bahn in Eisenach münden soll und so wären alle Differenzen ausgeglichen. ES soll nun rasch Hand anS Werk gelegt werden, daß der Bau schon im nächsten Frühjahr begonnen wer- den kann. .

Weimar, 19. Decdr. (Fr. I.) Der Landtag dürfte hier schon den 19. Januar eröffnet werden; er wird aber voraussichtlich ein kurzer sein, da die Regierungsvorlagen sich auf den Entwurf eines neuen Wahlgesetzes und die Revision der Gemeinde« ordnung beschränken werden.

Nürnberg, 19. Dec. Sämmtliche Mitglieder der aufgelösten freien Gemeinde, welche dieser Tage auf die Polizei gerufen wurden, um sich über die zu treffende Wahl hinsichtlich des (protestantischen oder katholischen) Religionsunterrichts ihrer Kinder zu entscheiden, haben erklärt, daß sie ihre Kinder selbst unterrichten würden, und zwar nach dem Katechismus von Heribert Rau, und daß sie jeden Zwang in dieser Hinsicht für eine Verletzung der Verfassung halten und demgemäß sich beim Landtag, beschweren würden.

Hannover. (Wes. - Z.) Frau v. Grote wird ihren Schwiegersohn, den früheren Ministerpräsident v. Münchhausen, nicht nach Nizza begleiten, son-- dern, wiewohl die Königin persönlich auf deren Dienste verzichtet haben soll, als StaatSdame ferner activ bleiben.

Anch Lippe«Detmold hat eS abgelehnt, einen Bevollmächtigten zu dem Zollcongreß nach Wien zu senden; als Grund dafür werden beson- dere VeriragSverhältnisse zu Preußen angegeben.

Osnabrück, 21. December. (Hann. Ztg.) In dem hiesigen HandelSverein ist gestern Abend eine Petition für ven Anschluß an den Zollverein be­schlossen worden.

Berlin, 23. December. Die mehrfach bespro­chene Angelegenheit der Veröffentlichung von Bun- besprotokollauSzügen ist noch keineswegs erledigt. Die Epen. Ztg. berichtet über weitere Schritte, die die preußische Regierung, falls ihre Reclamativnen gegen die einseitige und parteiische Veröffentlichung keinen Erfolg hatten, zu thun beabsichtige; nöihi« genfallS würde man preußischerseitS ohne alle Ruck sicht und auf eigene Rechnung hin die unverkürzten Protokolle bekannt machen lassen, wie dies schon

mit dem revidirten Entwurf über Erleichterung der Handelsverhältnisse geschehen sei. Die Voss. Z. will wissen, daß in gut unterrichteten Kreisen der würtembergische BunvestagSgesandte als Verfasser jener tendentiösen Auszüge genannt werde.

Wie man der Schics. Ztg. auS Mitteldeutsch­land schreibt, liegt den gegenwärtigen Preßbera- thungen beim Bundestag, nicht wie mehrfach berichtet worden, daS bermalige preußische Preßgesetz, son­dern ein von Preußen bereits in der 18. BunveS- sitzung vom 13, März 1848 (!) vorgelegter und jetzt reaclivirter, revidirter Beschluß-Entwurfzu einem BundeSpreßgesetz zu Grunde. Die Idee eines die Preßangelegenheiten überwachenden Ausschusses sei nichts anderes, als waS Preußen ebenfalls in jenem Entwürfe proponiric, nhmlich die Einsetzung eines BundeSsynvicalS, dem besonders obliegen sollte,auf die einheitliche Behandlung der Preß- Angelegenheiten in allen BundeS-Staaten hinzu­wirken".

Die von mehreren Blättern mitgetheilte Nach­richt, daß der LegationSrath von Reumont als dies­seitiger Gesandter nach Florenz gehen werde, bestä­tigt sich keineswegs. Der GejanvtschaftSposten am toskanischen Hofe ist eingezogen worden und eS sind keine Fonds mehr dafür auSgesetzt. Herr v. Reu­mont bleibt LegationSsecretär in Rom, geht aber für den Sommer auf Diäten nach Florenz, um bei dem regeren politischen Leben, welches sich alsdann dort zu entwickeln pflegt, als Repräsentant Preußens anwesend zu fein".

Nach dem Antrag der StaatSregierung sollen die Geistlichen, Kirchendiener und Lehrer im König­reich Preußen von allen directen Gemeindeabgaben und persönlichen Gemeindediensten, wie daS in früherer Zeit der Fall war, wieder befreit werden. Die erste Kammer der Ständeversammlung hat den Antrag bereits angenommen.

Berlin, 23. Dec. Als Nachfolger deS Kriegs­ministers Hrn. V. Stockhausen, dessen Ausscheiden, wie die L. C. berichtet, wegen fortdauernder Kränk­lichkeit nunmehr als bestimmt anzusehen ist, wird der Generallieutenant Roth von Schreckenstein ge­nannt. Bekanntlich war Hr. V. Schreckenstein schon im Jahr 1848 KriegöMlu^M und. wurde vor Kur­zem zum Commandeur der bei Frankfurt zusammen- zuziehenden BunbeSiruppcn ernannt Die N. Pr. Z. dagegen schreibt: Die meisten der hiesigen Zeitun­gen berichten, daß der König ein Entlassungsgesuch des Kriegsministers v. Stockhausen angenommen hätte. Wir dürfen dem aufS bestimmteste wider sprechen und sind noch heute zu der Hoffnung be­rechtigt, eS werde dieser eben so tapfere alö loyale Offizier und schöpferische Staatsmann dem Mini­sterium erhalten bleiben. Daß Hr. v. Stockhausen seine Entlassung zum Oefteren nachgesucht hat, ist richtig, der wahre Grund dieser Nachsuchung aber weniger bekannt: Hr. v. Stockhausen glaubt, und wir meinen mit Recht, daß eine Behandlung der einzelnen Details des Militäretats Seitens der Kammern, wie sie im vorigen Jahre stattgefunden, der Armee Schaden bringt.

Auch die Mittheilungen verschiedener Blätter, eS habe Oesterreich dem von ihm aufgestellten Plane in Betreff der Flotte Geltung verschafft, sind nach derNeuen Preuß. Ztg." vollständig unbegründet: die ganze Angelegenheit ist ihrem Abschlusse noch fern, und die diesseitige Regierung wird ihre Zustim­mung zu dem von Oesterreich vorgeschlagen (Drei- Flotten-Abtheilungen«) System nicht ertheilen.

lieber den Beitritt Oldenburgs zum Vertrage vom 7. September sind in Hannover zwischen Com- miffarien von Preußen, Geheimer Finanzrath Dach, Hannover, General-Steuer-Director Klenze und Ol­denburg, Kammer-Director Jansen und Steuer- Director Meyer, gestern die Verhandlungen eröffnet worden.

Der Fürst Thurn und Taris hat gleichfalls die auf ihn in den hohenzollern'schen Landen gefal­lene Wahl zur ersten Kammer abgelehnt.

Nachrichten auS Neuyork theilen mit, daß die Bemühungen Kinkels, für demokratische Zwecke in Nordamerica Geld zu sammeln, durch die Be­mühungen einer Gegenpartei, an bereit Spitze Karl Heinzen steht, auf Hindernisse stoßen und eS sind Kinkel deshalb auch zu Boston 600 Dollars, die ihm eingehändigt werden sollten, vorenihalten worden.

Ueber die Zoll- und Handelsverhältnisse spricht sich heute die Pr. Z. in einem Leitartikel auS, der indessen seinem wesentlichen Inhalt nach wenig mehr zu sagen scheint, alS daß die Regierung zunächst den Septembervertrag auf feste Füße zu stellen wünscht, ehe sie sich auf weitere Combinationen

einlâßt, und daß man den Beitritt der Zollvereins« staaten hofft, ohne sicher darauf rechnen zu können.

Oldenburg, 19. Dec. In der heutigen Sitz­ung deS Landtags waren drei Interpellationen ein» gegangen, wegen Ausscheidung deS Krongutes und wegen Regelung deS GrundsteucrwefenS und in Betreff der Schwurgerichte ; sie sollen morgen be­gründet werden. Eine ausführliche Debatte erhob sich abermals über die Revisionsfrage, für welche drei Anträge vorliegen. Die von der Regierung eingebrachle Vorlage will die Revision durch den im Jahre 1852 einzuberufenden allgemeinen Land­tag im einfachen Wege der Gesetzgebung vorgenom« men wissen; die Majorität der Commission ist hier­mit einverstanden, jedoch nur insoweit alS der 5. (jetzige) allgemeine Landtag cS zu den einzelnen Artikeln deS StaatSgrundgesetzeS mit absoluter Stimmenmehrheit speciell beschlossen hat. Die Mi­norität will mit einfacher Majorität schon jetzt re- vidiren. Die Regierung blieb bei ihrer Vorlage stehen. Morgen soll abgestimmt werden.

Wien, 20. Dec. Im k. k. Münzamte sind jetzt alle Prägemaschinen mit Erzeugung von Kupfer- Scheidemünzen beschäftigt, und eS sind bedeutende Quantitäten derselben nach allen Kronlândern ab­gesendet worden, um den Bedarf an Scheidemünze zu genügen und dem Zertheilen der Münzscheine (also nicht den Münzscheinen selbst), ein Ende ge- macht ,

Der Fürst Windischgrâz, den man biefer Tage aus Ungarn zurück erwartete, hat sich von dort be­reits direct auf seine böhmischen Herrschaften bege­ben, wo gegenwärtig große Jagden statlfinven, und wird erst später hier eintreffen.

Aus Pesth widerruft der Correspondent deS konstitutionellen Blattes auS Böhmen seine Nach­richt vom Tode der Mutter Koffuth'S.

Wien, 21. Dec. (D. A. Z.) Der StaatS- sinanzausweiS für die Monate Mai, Juni und Juli zeugt von einer Verbesserung unserer Finanzen. Die Erträgnisse auS Salz-, Stempel- und Postge- fäüen sind gestiegen, die Verzehrungssteuer hat jugenon men, die Rubrik Ausgaben weist wesent­liche Ersparnisse auf, so daß sich daS Deficit um beiläufig 6 Mill. Fl. verringert hat. Der bekannte Schriftsteller und gewesene ReichStagSdcputirte Karl Hawlitschek, der mit seinen Ansichten in der Bewegung deS JahrcS 1848 fest wurzelt und diese in Schrift und Wort so weit als möglich an den Tag bringen wollte, ist nun, obgleich Böhmen seine ihm zuständige Heimalh ist, wegen seines auf die untern Volksklassen in czechischer Zunge geüb­ten EinwirkenS aus Böhmen ausgewiesen und nach Briren in Tyrol verwiesen worden, wo er bleibend zu verweilen hat und wo man ihm, wie es heißt, 2 Fl. C-M. für seinen täglichen Lebens­unterhalt auswerfen wird, um diesen nicht weiter von feinem früheren Wirken abhängig zu machen.

Frankreich.

Paris, 22. Dcc. Vor Beginn der Börse war bereits daS Ergebniß der Volksabstimmung von einer großen Anzahl von Orten bekannt; und da dasselbe eine enorme Majorität zu Gunsten deS Präsidenten LouiS Napoleon nachweist und die biS jetzt bekannt gewordenen Abstimmungen der eec» tionen von Paris auch hier eine über alleS Erwar­ten große Majorität für den Präsidenten in sichere Aussicht stellen, so sah man einem abermaligen bedeutenden Aufschwungs der Renten mit Bestimmt­heit entgegen. Wie man vernimmt, ist sogar in denjenigen Arrondissements von Paris, deren Bevöl­kerung seither alS durchaus demokratisch galt, nicht eine einzige Section, wo die Majorität verneinend gestimmt hätte. Es wurden in den französischen Renten sowohl, wie in allen übrigen Effecten an­sehnliche Käufe bewerkstelligt. Der anhaltende rasche Aufjchwung der Notirungen steigert indeß von Tag zu Tag die Besorgnisse der Wechselagenten; eS heißt, daß die Differenzen, welche die seitdem Beginne deS gegenwärtigen Monates abgeschlosse, nen Geschäfte ergeben, sich auf eine fast unglaub­lich große Summe belaufen. Die monalliche Ab­rechnung dürfte deßhalb für nicht wenige Specu- lanten sehr bedenklich ausfallen.

DiePresse" kann über den AuSgang deS 2. Dec. am wenigsten sich freuen; für sie steht ein Gesetz in Aussicht, daS gleich streng in vorbeugen­den und bestrafenden Bestimmungen fein wird. Die