RasMschc Allgemeine Zeitung.
JI£ 27L» Freitag den 21 November ISSL
Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal tâgl i ch mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgraffchasl Heffèn-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des ürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes S fl. IO kr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man n Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Das Civilhospital in Wiesbaden.
Deutschland. Wiesbaden lAssssen. Brand). — Au S der Mitte des Rheingaus (Die Weinlese). — Von der Lahn (Erzherzog Stephan und Schloß Schaumburg).
— Grenzhausen (Entgegnung). — Mainz (Archäologischer Fund. Die deutsch-kathol. Gemeinde). — K a sse l (d'Orville). — Stuttgart (Kammerverhandlung). — Dresden (Der Kindergarten der Frau Herz). — Hannover (Tod des Königs). — Greiz (Aufhebung der Grundrechte). — Berlin (Die Centralvolizei. v. Thü- men. Vermischtes).— Altona (König Ludwig). — Kiel (Das Contingent), — Wien (Die Zustände in der Schweiz. Die Armeereduction. Das Lotto. Graf Trapani. Meuterei üsterr. Schiffsmannsschaft in englischen Häfen. Vermischtes). — Triest (Eine neue levantische Post). Frankreich. Paris (Die Erpedition nach Marocco. Die Goldbarrenlotterie. Der Quästorenantrag verworfen. Das Communalgesetz. Vermischtes).
Spanien. Madrid (Die Königin. Narvaez). Italien. Turin (Suspensionen. Neue Journale).
Neueste Nachrichten.
t £ as Civilhospital in Wiesbaden.
In dem Augenblicke, wo vielfach die Rede davon ist, daß die Staatsbehörde in den Fall kommen könne, ein größeres Etablissement in eigene Benutzung übernehmen zu müssen, ist ein altes Projekt wieder aufgetaucht, welches man im Anfänge deS JabreS 1848 schon als abgeschlossene Sache betrachtet hatte.
Es ist dieß der Plan, daS Civilhospital in daS BadhauS zum Schützenhof zu verlegen, ein Projekt, wofür sich zu dieser Zeit auch Se. Hoheit der Herzog lebhaft interessirte.
AlS im Jahre 1847 der Spielpacht mit Chabert erneuert wurde, zahlte dieser 200,000 Gulden zur Erbauung einer großartigen Trinkhalle an der Stelle deS CivilhoSpitaleS. Für 80,000 Gulden von diesem Gelde wurde sodann der Schützenhof angekauft, nachdem vorher die HoSpitalcommisston mit dem Tausche der Realitäten sich einverstanden erstatt und eine eigenvS hierzu gebildete ärztliche Commission die Zweckmäßigkeit deS Vorschlages anerkannt hatte.'
Doch machte sich auch Widerspruch besonders von den umwohnenden Bürgern, zum Theil aber auch von Anderen aus minder egoistischen Gründen geltend und Lust in einigen Bejchwerdeschriften. DaS Hauptsächliche der Borwürfe drehte sich um die tiefe Lage mitten in der Stadt, die für Kranke und benachbarte Einwohner gleich ungesund und gefahrbringend wäre.
Obwohl wir diesen Vorwurf durchaus nicht verkennen und gerne zugeben, daß für ein HoSpital bie Lage an einem freien luftigen Ort zweckmäßiger ist als in der Stadt von Häusern umgeben, so muß man aber die Verhältnisse nehmen wie sie hier sind, und eS sei unS erlaubt kurz zu zeigen, welchen großen Vortheil diese Verlegung haben würde und wie die gefürchteten Nachtheile durch zweckmäßige Einrichtung beinahe ganz vermieden werden können.
DaS Hospital, seit Anfang deS 17. Jahrhunderts bestehend, mußte natürlich mit der Vergrößerung der Stadt und den Fortschritten solcher pbilantropischer Institute eine andere Gestalt annehmen.
Im Jahre 1820 betrug die Anzahl der aufgenommenen Kranken 294, im Jahre 1850 723, und durch die Bemühungen der daran beschäftigten Männer und besonders durch die Thätigkeit der jetzigen Direktion und Verwaltung steht die Anstalt auch nach dem AuSspruche sachkundiger Fachmänner auf dem Standpuncte, die Menschenliebe uno Wissenschaft fordern.
Von dem Publikum wird dieses auch anerkannt. Während in früherer Zeit nur Menschen, die sonst nirgends Unterkommen konnten, nur gezwungen IN die Anstalt kamen, ist dieses bei der jetzigen Einrichtung lächerliche Vorurtheil sehr geschwunden, und wenn sich hier und da auS falschem Ehrbegriffe noch Antipathien finden, so steht doch die Thatsache fest, daß alle, die einmal die Vortheile der Anstalt ge»
nossen, sie dankbar verließen und gern in ähnlichen Fällen wieder aufsuchten.
Bei dieser gesteigerten Frequenz und verallgemeinerten Theilnahme an dem Institute können nur 140 gleichzeitig bei den beschränkten Räumlichkeiten ausgenommen und müssen in jedem Sommer und manchmal auch im Winter Hilfesuchende ab# gewiesen werden. Das Gebäude ist so eng , daß man nicht einmal einem Assistenzärzte ein Zimmer zur Wohnung einräumen kann, daß eS nicht möglich ist, einen gänzlich vom Haupthause abgeschlossenen Raum für ansteckende Kranke zu gewinnen oder die Geschlechter so zu trennen, wie eS wünschend werth wäre. Hiezu kommt das Ungeeignete mancher Räume, besonders im dritten Stocke und die tiefe Lage des ganzen HauseS und Gartens.
Daß letzterer von allen Seiten frei liegt und so den Blicken deS KurpublikumS, das hier in der Regel auf - und abzugehen pflegt, ausgesetzt ist, verdient bei den mit jedem Jahre gesteigerten Ansprüchen , die jenes macht und da wir ja doch zuletzt nur ihm die 200,000 Gulden verdanken, auch einige Berücksichtigung.
Sehen wir nun, wie diese Nachtheile im her- gerichteten Schützenhofe würben vermieden werden.
Nach dem Plane, der bereits über die Einrich- tung gemacht war, konnten 350 Kranke ganz bequem zu gleicher Zeit untergebracht werden, alle Fieberkranke sollten in die Hintergebäude gelegt und zwar sollte ein Bau für hitzige Krankheiten, ein anderer für acute und chronische AuSschlagSformen, ein dritter für Syphilis u. f. w. benutzt werden.
Im Vorderhause war der untere Stock für die Wohnung deS Verwalters, vaS Bureau, Küche, Magazine und die Bäder, die Hälfte beS zweiten für Aerzte und Hospital komMission , daS Uebrige und der Dritte Stock für Pfründner und Badegäste, Wartpersonal, alles nach den Geschlechtern streng getrennt, in Aussicht genommen.
Zur Beruhigung der Umwohnenden können wir noch hinzufügen, daß der Plan weiter vorgesehen hatte, daß die zwei unteren Scheiden deS Fensters deS Vorderhauses BlendglaS hätten, so daß man wohl hinaus« aber nicht hineinsehen könne, daß die Stubenlust durch eigene VentilalionS-Apparate am Kamine gereinigt , die Fenster nicht willkührlich von den Kranken geöffnet werden sollten. Der hinter dem Hause sehr erhöht liegende Garten sollte in zwei Abtheilungen für Männer und Weiber zu zweckmäßigen Promenaden angelegt, und hinten ein zweiter Einund Ausgang in die Anstalt eröffnet werden.
Soweit war man in der Sache gekommen, als der März des JahreS 1848 zuerst daS SicherheitS- comite, danach daS Hofgericht, die Afstsen und zuletzt noch daS Polizeicommiffariat in den Schützenhof verlegte und somit die Ausführung deö Projekts wieder in weite Ferne schob.
So oft sich dasselbe auch wieder Bahn zu brechen versuchte, stellte sich ihm immer die Benutzung der Räume für die Behörden, die anders nicht unterzubringen waren, als unübersteiglicheS Hinderniß entgegen.
Endlich scheint sich in oben erwähntem Etalis- sement eine neue Aussicht zu eröffnen. Dasselbe bietet nach der Aussage von Sachverständigen schon jetzt oder mit kleinen Aenderungen hinreichend Raum für alle diese Anstalten, und da der Staat mit einer sehr bedeutenden Summe daran betheitigt ist, von der er dem Vernehmen nach schon länger als ein Jahr keine Zinsen mehr bekommt, so wäre die eigene Benutzung desselben resp, die Verwendung zu obigem Zwecke gewiß auch materiell gerechtfertigt. ___________________
Deutschland.
• Wiesbaden, 20. Nov. Die heutige Assisen- verhanblung betrifft die Anklage gegen Caöpar B e ck, 28 Jahre alt, Taglöhner von Schwanheim wegen Tödtung.)
Caspar Beck war am 13. Juli L I., einem Sonntag, um 10 Uhr AbendS in die Wirthschaft des Peter Ant. Helfenbein gekommen. Aus irgend einer Veranlassung gingen viele der im Wirchs- Hause anwesenden Personen in den Hof und CaSp. B e ck folgte ihnen in einer geraumen Weile. Dort angekommen wurde CaSp. Beck von Jean Fay gefragt, waS er wolle, er solle sich packen, wurde
außerdem mit der Hand ins Gesicht geschlagen und zu Boden geworfen.
Auf der Erve liegend soll Beck wie Jean Fay den Anwesenden sofort laut mitcheilte, sein Messer auS der Tasche gezogen und geöffnet haben. Es wurden jevoch weitere Thätlichkeiten durch die Einmischung mehrerer Personen verhinvert, welche der Rauferei durch Wegreißen deS Jean Fay von Caspar Beck ein Ende machten.
Kaum war dieser Streit beendigt, so trug Anton Neubecker II. von Schwanheim, ein jünger kräftiger Mann, den Anton Meckel, der sich deS CaSp. Beck angenommen hatte, auf die Seite mit den Worten: „dir geschieht nichts, aber der Beck muß seine richtigen Schläge haben." Anton Neubecker warf den weit schwächer« CaSp. Beck zu Boven, wobei er äußerte: „daß du eS weißt, daß war ich."
Nachdem sich B e ck erhoben hatte, ging er zum Thore hinaus, wo er die Richtung nach seiner Wohnung einschlug. Neubecker, der mittlerweile von den Uebrigen zurückgehalten und in einem sehr aufgeregten Zustande war, eilte, sobald er sich selbst überlassen wurde, Dem Beck auf die Straße nach, fragte, wo der Hund sei, warf ihn, alS er ihn ereilt hatte, abermals zu Boden, und mißhandelte ihn. Beck wehrte sich so gut er konnte, kam auch wieder auf die Füße zu stehen, als Neubecker plötzlich von ihm abließ und erklärte, er fei in den Leib gestochen. Beck wurde hierauf von Den Herbei- eilenden Freunden deS Neubecker arg mißhandelt. Neubecker wurde zu Bette gebracht, und starb 9 Stunden darauf an der erhaltenen Bauchwunde.
Wie aus Den Erhebungen hervorgeht, scheint Beck damals nicht betrunken, aber durch die er# littenen Mißhandlungen in einen Zustand von Wuth und Aufregung versetzt gewesen zu sein. Die Anklage gründet sich daher auf Art. 257. pos. 1 deS Strafgesetzbuches.
Die Verhandlung leitet Assisen-Vicepräsident Jeckeln; als Staatsanwalt fungirt Staalöprocut rator-Substitul Flach, als Vertheidiger des Angeklagten Procurator v. Eck.
* Wiesbaden, 20. November. Der gestern in Biebrich ausgebrochene Brand war nicht bedeutend und bald gelöscht. Dagegen war gestern Abend unsere Stadt durch einen Branv, der bei weniger rascher und energischer Hilfe sehr gefährlich werden konnte, abermals in Bestürzung versetzt. DaS Feuer war um 9 Uhr PbendS auf dem Dachspeicher deS der Wittwe Beck gehörigen HauseS in der un# teren Webergaffe auSgebrochen. ES gelang, daS Feuer auch bald zu dämpfen, so daß nur ein Theil deS DachstuhleS von den Fammen verzehrt wurde. Der Muth und die Aufopferungsfähigkeit einiger Männer, welche sich bis auf daS brennende Dach gewagt, und dort mit Todesverachtung den Flammen Einhalt zu thun bemüht waren, verdient all« Anerkennung und Bewunderung.
— Aus der Mitte des RheingauS, 19. Nov. Seit der Mitte Der vorigen Woche ist die Weinlese in unserm Gau in vollem Gang; die Krühtrauben wie Oesterretcher, Rottland u. s. w. sind bereits größtentheilS eingeherbstet, und auch in den Doma- nial-Weinbergen hat die Traubenlese gestern begonnen. Wenn wir auch über den 1851er jetzt noch kein Urtheil fällen können und wollen, so ist doch so viel gewiß, daß der Feuer zu erzielende Wein dem vorigjährigen in Hinsicht der Qualität und Quantität wenigstens gleichkommen wird.
Dies ist freilich für den Rheingauer Winzer ein schlechter Trost, dann wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als seinen Wein entweder um wenige Gulden zu verkaufen oder, wie dieses in den letzten Jahren größtentheilS geschehen ist, ihn selbst zu trinken. Bei dieser Gelegenheit wollte ich die Aufmerksamkeit Der geehrten Leser auf ein Projekt leiten, welches seit einiger Zeit in einem unserer Localblätter angeregt und vielfach besprochen worden ist; ich meine daS Projekt durch Einführung neuer GewerbSzweige Dem Elende und Der Verarmung, der der Rheingau mehr und mehr entgegen geht, einen Damm zu sepen. ES ist in dieser Beziehung hauptsächlich auf die Einführung deS TabakSbaueS und Die Anlegung von Runkelrüdenpflanzungen hingewiesen worden und dürfte die angeregte Frage der allgemeinen Beachtung wohl zu empfehlen sein.