zuwiderlauke. Daran zweifelt Niemand; indessen Hal eS doch Aufsehen erregt, daß das Obertribunal in dictatorischer Weise dem Gange deS Rechts durch Parolebefehl entgegentritt.
AuS Ratibor vom 9. November schreibt die Breslauer Zeitung: Schon vor mehreren Wochen hat sich ein Sträfling in der hiesigen neuen Straf, anstatt erhängt, und vor kurzem war ein zweiter noch zur rechten Zeit abgeschnitten und durch Bür, sten und andere Mittel ins Leben zurückgebracht worden. Gestern hat sich nun wieder ein ©trâf# ling, der zu lebenSwieriger Haft verurtheilt war, erhängt. Durch diese drei Fälle kommt man auf die Vermuthung , daß bei der humansten Behandlung und Pflege das Getrenntsein von Anderen und besonders daS Schweigenmüffen — Mancher spricht den ganzen Tag nicht ein Wort — den Lebensüberdruß rasch erzeugt.
Das C.-B. theilt mit, daß die preußischerseits mit Dänemark betriebenen Verhandlungen über den Sundzoll abgebrochen sind, ohne zu einem Resultat geführt zu haben. Daß die Regierung der vereinigten Staaten in der Sundzoll - Angelegenheit eine drohende Haltung gegen das Kopenhagener Cabinet einzunehmen beabsichtige, wie von einigen Zeitnngen berichtet wurde, hält vaS C.-B. für unbegründet.
Der Zimmergesell Sydow, eines der verhafteten Mitglieder des Büchsen-VereinS, ist vorgestern seiner Haft entlassen worden, so daß in dieser Sache jetzt nur noch zwei Personen verhaftet sind.
Oldenburg, 12. November. (Wes.-Ztg.) Die gestern vollzogenen Abgeordneten-Wahlen im Her- zogthum sind dem größten Theile nach hier bereits bekannt und, wie dies auch allgemein vermuthet wurde, überwiegend konservativ und anti-demokratisch ausgefallen.
Hamburg, 12. Nov. Der von Seiten des österreichischen Generalcommando'S gegen die „Hamb. Nachrichten" und den „Freischützen" (ein hier fast ebenso viel gelesenes Lokalblatt als die Nachrichten) anhängig gemachte Preßprozeß kam heute zur Verhandlung und bot Momente dar, die, durch die Presse veröffentlicht, noch zu weit größeren Preß- prozeffen führen würden. Die Vertheidiger beider Blätter, die HH. DDr. Knauth und Albrecht (ersterer ein Erzconservativer) erachteten eS vor Allem für nothwendig, daß die vom österreichischen Kriegsgerichte geführten UnterfuchungSacten in der bewußten Diebstahlsangelegenheit erst vorgelegt werden müßten, ehe die Constatirung eines Preßver- brechcnS ausgesprochen werden könne. In dem bestehenden Preßgesetze und namentlich in den von der Staatsanwaltschaft «»gezogenen Artikeln desselben wollten sie durchaus keinen Grund zur Berurlhei- lung finden, und hat namentlich Hr. Dr. Knauth die Ansicht des Staatsanwalts, daß hier die österreichische Auffassungsweise maßgebend sein solle, entschieden zurückgewiesen, indem er zugleich die Bemerkung hinzufügte, „daß eS keiner hamburgischen Staatsbehörde anstehe, sich von fremdem Einfluß beherrschen zu lassen". — Ein Schreiben des Generals v. Thümen langte, gleich nachdem der incri- minirte, der „Schlef. Ztg." entnommene Artikel in den „Hamb. Nachrichten" erschienen war, bei der Redaction des letztern Blattes an und erkundigte sich, welche Motive die gedachte Redaction bei der Aufnahme dieses Artikels hatte, welcher Zeitung derselbe entnommen und ob er wörtlich abgedruckt sei. DaS Erkenntniß gegen beide ist bis zum nächsten Montag ausgesetzt, und würde man hier sich sehr getäuscht fühlen, sollte dasselbe ein verurthei- lendeS sein.
Prag, 13. Nov. Eine Kundmachung der k. k. Stadthauptmannschaft macht neuerdings auf die Verordnung vom 23. Juni 1787 aufmerksam, durch welche daS Billardspielen an Sonn- und Feiertagen Vyr 4 Uhr Nachmittags untersagt wird.
Wien, 12. Nov. Die „O. R.-Z." äußert sich bei Gelegenheit einer Besprechung deS neuen österreichischen Zolltarifs folgendermaßen: „Der neue österreichische Zolltarif hat die allerhöchste Sanction erhalten; die wichtigste der schwebenden materiellen Fragen ist entschieden. Die Bestimmung der Zeit und Art der Einführung ist dem Hrn. Ministerpräsidenten und dem Hrn. Handelsminister übertragen. Wir haben Grund, zu glauben, daß dies auf ein schleuniges JnSlebenrufen der Zollreform hinweist; denn sowohl der Fürst Schwarzenberg als Hr. von Baumgartner waren stets die entschiedensten Für- sprecher für die ungesäumte Durchführung einer Reform, welche den handelspolitischen Verhandlungen mit Deutschland und Italien eine sichere Basis gewinne. Mehr als jemals müssen wir jetzt einen entschiedenen Fortschritt im politischen EntwicklungS- gange (und ein solcher ist die Annäherung an daS mitteleuropäische Zollsystem und die Anbahnung eines gewaltigen Zollbundes mit Deutschland und Italien) freudig begrüßen, mehr als je das Her- auSirrten aus der Jsolirtheit wünschen. Eine An- nâherung der materiellen Beziehungen wird einen Theil des Mißbehagens zerstören, welches heute unleugbar auf Deutschland lastet, wir» nicht wenig
zur Herstellung solcher Zustände beitragen, wie sie die Gewerbthätigkeit vor Allem zu ihrem Gedeihen brauchtj, Befriedigung der Gemüther und Ausbreitung deS Gefühls der Sicherheit und deS Vertrauens^ in^'den Bestand derHDinge., herbeiführen helfen".
Zwischen Montenegrinern und Dalmatinern hat am 21. ein blutiger Zusammenstoß stattgesunden. Ein Hirte auS Braik (auf österreichischemsGebiet) war von den Montegrinern bei einem Streite über eine Weide verwundet worden. Die Braikaner zogen über die Grenze und trafen einige hundert Montenegriner. ES entstand ein Kamps, der mit Gewehrfeuer ein paar Stunden dauerte. Beide Parteien hatten Verwundete und zogen sich erst zurück, als die Nacht hereinbrach. Die Behörde hat beim Vladika pro- testirt und Bestrafung der Urheber der Verwundung des Dalmatiner Hirten, verkam folgenden Tag starb, sowie Herstellung der Ruhe gefordert.
Der zehnjährige Sohn deS Sultans, Ahdul- Hamid.Effendi, trifft auf einer Reife durch Europa nächstens hier ein. Der Zweck feiner-Reise ist, sich in dem europäischen Militärwesen auszubilden — Der F.Z.M. Freiherr v. Haynau, welcher im höchst leidenden Zustande in Gräfenberg angekommen war, hat sich durch Prießnitz Behandlung wieder so erholt, daß die völlige Genesung bald zu hoffen ist.
Der Großfürst Constantin wird ge-egentlich seiner Rückreise auS Italien wieder Wien berühren und einige Wochen hier verweilen.
Der k. sardinische CabinetScourier, Naretto, ist auS Turin hier eingetroffen. Die L. Z. C. hört, derselbe sei Ueberbringer einer Depesche, welche die Eisenbahn-Anschluß-Angeleqenheit zum Gegenstände hat, da der dießsällige Vertrag zugleich mit dem geschlossenen Handelsverträge den Kammern vorgelegt werden soll.
Nächsten Mittwoch findet in Florenz eine außerordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Florenz Livorno-Eisenbahn statt. ES handelt sich um Deckung eineS BauschillingSresteS von einer Million Gulden und Rückzahlung deS AnlehenS von 1,200,000 fl.
DaS „C. Bl. a. B." meldet: In Betreff des vielbesprochenen Deöaveu deS „Globe", wonach keine Entschuldigungönote wegen deS KossuthschwindelS hierhergekommen wäre, circuliren jetzt hier folgende Versionen: eS handle sich um eine Verbalnote, d. h. eine solche, die bloß vorgelesen und nicht in Abschrift zurückgelaffen wird, allenfalls auch um eine von Lord Westmoreland ertheilte mündliche Zusicherung. Selbst letztere setzt eine Autorisation vom Foreign Office voraus, und dies ist in der fraglichen Angelegenheit die Hauptsache, alles Andere bloß Nebensache und Förmlichkeit. Unumstößlich bleibt bie Thatsache, daß beruhigende Zusicherungen von Seiten deS Repräsentanten Englands, gleichviel in welcher Weise, dem Wiener Cabinet zuge- gekommen sind.
Wie die Triester Zeitung meldet, ist die in Venedig herauSgegebene „Lombardo Veneto" verboten worden, und zwar infolge einer Beschwerde deS russischen ConsulS in Venedig, da sich daS Journal einige mißliebige Aeußerungen über die Reise deS Herzogs von Leuchtenberg nach Sicilien erlaubt hatte.
Der Kaiser hat dem wegen deS Verbrechens der Theilnahme am bewaffneten Aufruhre als erster Vicegrspan deS Gömörer ComitateS zu vierjähriger Festungsstrafe verurtheilten Anton v. Szent-Miklossy den Rest seiner Strafe nachgesehen.
Bonder russisch-polnischen Gränze wird den „H. N." mitgetheilt, daß russische Offiziere sie versichert hätten, wie mit dem 1. Nov., also nach unserem Styl mit dem 13. d. M. die ganze jenseitige Armee sich auf Kriegsfuß befinden solle, und zwar im vollsten Sinne deS Worts. Zwar sind keine neuen Fouragebestellungen gemacht, aber die Lieferung derselben ist schon dermaßen etwas Gewöhnliches, daß man glauben könnte, eS werde fortwährend Krieg geführt.
Schweiz.
Bafel, 13. Nov. Nachträglich wurden in den Nationalraih noch gewählt: in Schaffhausen Herr Fuog, im Aargau die Herren Oberrichter Schmid und Landammann Schwarz, in Thurgau Herr Be. zirksstatthalter Sulzberger, in Tessin die Herren Oberst Demarchi, Advocat Soldini, Oberst Luvini, Großrath Bonzanigo Riggo, StaatSschreiber Pioda und Bundeörath Stephan FranScini.
Belgien.
Brüssel, 13. Nov. Der König hat heute Mittags die mit Neberreichung der Antwort-Adresse des Senats beauftragte große Commission empfangen. Die Antwort deS Königs wird dem Senate in fei# ner nächsten Sitzung milgeiheilt werden. Morgen Mittags empfängt der König die große Deputation der Repläsentanten-Kammer.
Dänemark.
Kopenhagen, IO. Novbr. Das Ministerium findet sich in großer Bedrângniß. Mit Hartnäckigkeit machen die östlichen Mächte ihre Forderungen geltend und England schien der einzige Trost. An EuglandS Schutz für die freisinnige Verfassung zu appelliren, das bot noch gestern einige Aussicht auf Hülfe. Auch diese Aussicht, wie eS scheint, will jetzt schwinden. „AuS den Aufklärungen", sagt „Flyveposten" in einem Berichte über die letzte geheime Sitzung deS LandSthingS, „welche der Minister deS Auswärtigen gab, scheint leider hervorzugehen, daß England nicht sonderlich besser als Oesterreich, Preußen und Rußland gestimmt ist, und daß dies namentlich aus einer in den letzten Tagen hier angelangten Note hervorleuchten soll. Zu diesen Verlegenheiten kommt eine neue, über die man der „Berlingischen Zeitung" dahin berichtet, daß der nordamericanische StaatS-Secrerär deS Aeußern in neuester Zeit mit Entschiedenheit darauf dringe, daß den Mißbräuchen des wider alles Recht und alle Verträge in seiner gegenwärtigen Höhe aufrecht erhaltenen Sundzolles endlich abgrholfen werde.
Frankreich
Paris, 13. November. Die Aufforderung deS „Moniteur parisien", sich bei der bevorstehenden Wahl eines Abgeordneten für Paris der Abstim, mung zu enthalten, ist von der Exekutivgewalt deSavouirt worden und einer der Minister tritt sogar als Canbidat auf. Die Blätter sind deßhalb int Unrecht, welche die Partei der Regierung für jene Aufforderung deS „Moniteur parisien" verantwortlich erklärt haben. Letzteres Blatt hat übrigens schon gestern Abend selbst erklärt, daß in jenem Artikel nur einer persönlichen Meinung, mit welcher die Erecutivgewalt nichts in thun habe, Ausdruck gegeben sei. Damit zerfallen denn auch die Angriffe auf die Regierung zu den heutigen Blättern der legitimistischen Partei in nichts. — Dem „Siecle" zufolge wären gestern fünf Mitglieder des frühern Ministeriums, und zwar die Herren Foucher, Baroche, Foulv, Rouher und Magne in einem Bureau der gesetzgebenden Versammlung beisammen gewesen und fei der Wiedereintritt derselben in das Cabinet, mit Ausnahme deS Herrn Faucher, keine Unmöglichkeit.
Wie es heißt, bereitet das WiderstandScomite ein 13. Bulletin vor, daS an Heftigkeit die bis jetzt veröffentlichten um Vieles Übertreffen soll. BiS jetzt weiß man bekanntlich immer noch nicht, ob ein WiderstandScomite wirklich besteht. — Der Repräsentant Wolowöky erklärt heute in öffentlichen Blättern, daß der Kaiser von Rußland nicht ihm, sondern seiner Schwester, der Gemahlin Leon Faucher'S, daS im Jahre 1832 confiScirle Vermögen zurückerstattet habe. — Leo de Labborve hat einen Antrag auf das Bureau der Nationalversammlung nieder- gelegt, der die Modifikation des Gesetzes vom 31. Mai bezweckt. In diesem Anträge wird die Dauer deS DomicilS auf ein Jahr reducirt. — Heute hat die Eröffnung des unterseeischen Telegraphen zwischen Dover und Calais Stall gefunden. Der vollständige Erfolg scheint dem Uniernehmen gesichert.
Nach Berichten auS Toulon werden zwei Fregatten und eine Corvette unter dem Wke. Admiral Dubourdieu nach der Küste von Marocco abgehen. Diese Expedition ist bestimmt, von der Regierung deS Kaisers Genugthuung für die Plünderung eines Schiffes, daS dort Schiffbruch erlitt, zu erhalten.
Zur heutigen Sitzung der Nationalversammlung hatte ein außerordentlicher Zudrang statt. In den CouloirS liefen Gerüchte um, um 4 Uhr würden aufständische Haufen aus den Vorstädten nach dem Palaste der'Nationalversammlung ziehen; sie erwiesen sich als völlig grundlos; wie wir vernehmen, herrscht in allen Theilen der Hauptstadt vollkommene Ruhe und keine Anzeichen, baß ein Sturm drohe, macht sich irgendwo bemerklich. Um 2Va Uhr wurde die Sitzung eröffnet.
Es ist die Rede von einem Antrag mehrerer Mitglieder der Mehrheit der gesetzgebenden Versammlung , die ZeitungScautionen wieder auf den alten Fuß zu setzen. — Der Minister . des Innern, Herr v. Thorigny, steht bei einem Theil der Freunde deS Elysee nicht in Gunst, und eine Jnirigue, ihn auS dem Cabinet zu entfernen, soll eingeleitet sein. Diese Intrigue soll besonders von Herrn Fialin v. Persigny geleitet werden. Auch bei den ComiteS der Union electorale scheint Herr v. Thorigny mit der Kandidatur für die hiesige Abgeordnetenstelle kein Glück zu haben; in einem derselben ist seine Bewerbung einstimmig verworfen worden.
Paris, 14. Nov. Gestern AbendS waren allerhand Gerüchte von einem bevorstehenden Staatsstreiche gegen die Nationalversamluiig u. dergl. ver» breitet. Es hieß, die Versammlung sei für die Nacht jufammenberufen worden, waS sich jedoch als falsch ergab. Dagegen wird vom „Siecle" veruchert, daß viele Repräsentanten sich noch spät im Salon der Quästoren versammelten und daß ThirrS, Chan«