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Jo 268»

Freitag den 14L November

1851t

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumedationspreis ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfürflenthumS Hessen, der Landgrafschast Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fl., in den übrigen Ländern de» fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 1O ft. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Eine Rede Ludwig Napoleon's.

Deutschland. Dotzheim (EinUnglücksfall). Idstein (Begehung der Robert Blum - Feier). Vom Lande (Das Uebel der Jetztzeit). Vom der Elb (Graf Lei- ningen). Frankfurt (Graf Thun. BlitterSdorf. Die deutsche HandclSfrage). Kassel (DieConst. Ztg." verboten). Dresden (Blumfeier. Verlegung deSBun- deStagS). Braunschweig (Blumfeier. Die Abge­ordnetenversammlung). Hannover (Die Bürgerwehr­angelegenheit). Berlin (Die Dienstzeit des Militärs. Aeußerung des Prinzen von Preußen. Leihbibliotheken. Ver­wendung für Corvin. Kündigung des Zollvereins. Die deutsche Flotte). Bremen (Dulon). Hamburg (Berichtigung). Kiel (Abreise der dänischen Offiziere).

Wien (Der Zolltarif Der Vladica von Montenegro. Börsenordnung. Erbschaft der Frau von Pulszky).

Schweiz. Bern (Die Versammlung der Radikalen).

Belgien. Brüssel (Der Conflict. Die Herzogin von Orleans).

Frankreich. Paris (MaupaS. Das Wahlgesetz. Der Quästorenantrag. Interpellationen. General Cavagnac. Vermischtes).

Spanien. Madrid (Eröffnung der Cortes. Gemeinde­rathswahlen. Lola Montez).

Neueste Nachrichten.

Eine Rede Ludwig Napoleons

* Wir brachten vorgestern die Nachricht, daß die Osficiere der kürzlich in Paris angekommenen Regimenter vom General Magnan vorgesteUt dem Präsidenten der französischen Republik ihre Auf­wartung machten. Die Rede, welche LouiS Napo­leon an dieselben hielt, kann als Antwort auf den Antrag der Quästoren gelten, sowie dieser die Ant­wort auf die Botschaft deS Präsidenten war. Ent­hielt diese daS Programm des Elysee, so scheint die Rede anzudeuten, auf welche Art man dieselbe in Anwendung bringen will. Die tiefe Bedeutung die­ser Rede ist nicht zu verkennen. Die Tagesbefehle deS Generals Arnaud werden in derselben gebilligt und nicht undeutlich gesagt, daß LouiS Bonaparte sich nicht wie Carl X. von einer meuterischen Kammer bezwingen lassen werde.

Die Rede lautet:Meine Herren! Beim Empfange der Officiere der verschiedenen Regimen­ter der Armee, welche nach und nach in Garnison in Paris waren, wünschte ich mir Glück, sie von dem militärischen Geiste beseelt zu sehen, welcher unseren Ruhm begründete und heute unsere Sicher­heit ist. Ich werde Ihnen daher weder von ihren Pflichten, noch von Ihrer Disciplin sprechen. Sie haben Ihre Pflichten immer, sei eS auf africani« schem oder französischem Boden, mit Ehre erfüllt, und Sie haben die Disciplin bei den schwierigsten Prüfungen unverdrossen aufrecht erhalten. Ich hoffe, daß diese Prüfungen sich nicht erneuern wer­den ; wenn jedoch die ernste Lage der Dinge sie zu- rückführte, und mich zwänge, an Ihre Ergebenheit einen Appell zu machen, so würde mir dieselbe nicht fehlen, dessen bin ich sicher, da, Sie wissen eS, ich nichts von Ihnen verlangen werde, was nicht mit meinem Rechte, mit der militâri. fchcn Ehre, mit den Interessen deS Va­terlandes übereinstimmt; da ich Männer an Ihre Spitze gestellt habe, welche mein gan­zes Vertrauen besitzen und das Ihrige verbiet nen; da, wenn der Tag der Gefahr naht, ich nicht handeln werde wie die Regierungen, die vor mir dagewesen ^ind , und ich Ihnen nicht sagen werde: Ma r sch iren S i e, ich we r d e I h n en fol­gen! sondern ich Ihnen sagen werde: Ich mar* schire, folgen Sie mir"!

Die Offiziere begrüßten diese ganz im kaiser­lichen Style gehaltene Rede mit einem begeisterten Vive lEmpereur! und eS fehlte nicht viel, so hätten sie seinen Befehlen sofort entgegengehan« bell und ihn im Triumphe nach dem Elysee ge­tragen (?).

Die Rede bildet daS Tagesgespräch. Der Sturm, den dieselbe bei der Ordnungspartei her­vorgerufen, ist fürchterlich, zumal, da man weiß, daß die Rede deSMoniteur du foir" die wirkliche, und die derPatrie" nur die durch die Worte

reconnu par la Constitution verbesserte Aus­gabe ist Wie einst Leon Faucher die Rede von Dijon modificirte, so war dieses Mal Thorigny die Veranlassung, daß man den kaiserlichen Styl etwas milderte. Sobaid er von der famosen Rede des Präsidenten Kenntniß hatte, eilte er mit mehreren seiner Collegen nach dem Elysee, um Louis Bona­parte Vorstellungen zu machen. Zu gleicher Zeit schickte er einen Boten nach derPatrie", die das besondere Organ deS MinisteriuS ist, um den Druck suSpendiren zu lassen. Bei LouiS Bonaparte trafen die Minister ihren Collegen St. Arnaud. Der General, dessen letzte Tagesbefehle in der Rede voll­kommen gebilligt werden, übernahm die Vertheidigung des Präsidenten und protestirte sehr energisch gegen die mindeste Abänderung. LouiS Bonaparte, von seinem Kriegsminister unterstützt, weicherte sich deß­halb im Anfänge, auch nur ein Wort zu ändern. Erst als jThorigny und zwei feiner Collegen zu verstehen gaben, daß sie ihre Entlassung unter diesen Umständen geben müßten, erklärte sich der Präsident bereit, die oben angeführten mildernden Worte hinzufügen zu lassen. Nach Erlangung die­ses Resultates wurden Generalstabâofsiciere nach derPatrie", dem Moniteur du soir" und dem Bulletin de Paris" geschickt, um die Rede, die bereits den drei genannten Journalen milgetheilt worden war, ändern zu lassen. Die beiden letzteren Journale waren schon unter der Presse und zum Theil gedruckt, und nur diePatrie", die schon vor­her Nachricht empfangen hatte, brachte die Rede, wie sie nicht gehalten worden ist. Im Elysee selbst ist man sehr zufrieden, daß die Rede, so wie sie ge­halten , unter daS Publicum gekommen ist; die Sanguiniker jubeln und freuen sich über die ener­gische Haltung ihres Prinz-Präsiventen. In den halbossiciellen Organen, welche in ihrer wahren Form gebracht, wird man sich natürlich stellen, als habe LouiS Bonaparte unterseinem Rechte" nur daS ihm von der Verfassung gegebene verstanden. Der Präsident der Republik soll beim Lesen seiner Rede sehr aufgeregt gewesen sein; er hielt ein Pa­pier in der Hand, von welchem er sie ablaS. Die Worte:mein Recht", und besonders den Schluß der Rede soll er sehr scharf betont und überhaupt mit ungewöhnlich lauter Stimme gesprochen haben. Von den Ministern war nur St. Arnaud anwesend.

DieKöln. Ztg." widmet diesen ein ernstes Drama vorbereitenden Vorgängen in Frankreich einige Betrachtungen. Sie fragt zuvörderst, ob denn der von den Quästoren gestellte Antrag durch die Umstände gerechtfertigt fei. Die Botschaft des Präsidenten war in einem sehr gemäßigten und für die Mehrheit der Versammlung sehr versöhnlichen Ton gehalten. Die Nationalversammlung mag noch so aufgebracht sein über den in der Botschaft ent­haltenen Vorschlag, daS Gesetz vom 31. Mai wie­der abzuschaffen , so wird sie doch eingestehen müs- sen, daß der Präsident dadurch feine gesetzlichen Befugnisse nicht überschreitet. Wenn die Versamm­lung dennoch vor Staatsstreichen des Präsidenten bangt und für ihre Sicherheit fürchtet, so würde sie, wenn sie dem Vorschläge ihrer Quästoren zu­stimmte, ihrerseits über alle Schranken hinaus» gehen; die Arznei würde gefährlicher sein, als daS Uebel. Die Vermischung der Gewalten muß von jedem, der über daS Wesen deS Staates nachge­dacht hat, als daS größte Uebel betrachtet werden. Hier will nun eine der Staatsgewalten dadurch für ihre Sicherheit sorgen, daß sie die andere be­schränkt, oder vielmehr nicht blos beschränkt, son­dern geradezu aufhebt. Denn wenn die gesetzge­bende Versammlung daS Recht hat, allen Cwil- und Militärbeamten zu befehlen, also den ganzen Staal zu regieren, so bleibt gar keine andere Re­gierung übrig. Das gesetzliche Staatsoberhaupt stände völlig verlassen da, Louis Napoleon wäre nur noch eine Null. Doch seine zahlreichen Feinde' behaupten ja ohnedies, daß er eine reine Null sei, daß der Neffe Napoleons weder Entschlossenheit noch Muth besitze.

Nach der obigen Rede scheint eS indeß, als ob er von Hrn. Baze keineswegs in Schrecken gesetzt sei. ES wird sich zeigen, ob der Präsident so gut ist, wie sein Wort. Man thut überhaupt wohl, bei seiner Beurtheilung sich an die Thatsachen zu halten. DaS Urtheil über ihn kann noch nicht ab­geschlossen werden; jwelchen Platz er künftig in der

Geschichte einnehmen wird, hängt hauptsächlich da­von ab, wie er im entscheidenden Augenblicke han, delt. So viel ist dem Unbefangenen jedenfalls klar, daß man ihn mit Unrecht der Unselbstständigkeit beschuldigt. Es ist gerade seine -Selbstständigkeit daß er sich nicht von Leuten wie ThierS und Ge­nossen zu fremden Zwecken leiten läßt, durch die er sich deren unversöhnlichen Haß zugezvgen hat. Ueb« rigenS lehrt ein Blick auf daS politische Schachbrett in Frankreich, daß die Partie deS Präsidenten ga- nicht übel steht. In dem Kampfe über daS Wahl­gesetz wird er den Sieg davon tragen. Die Bu­reaux der Nationalversammlung haben zwar den von ihm eingereichten Vorschlag zur Abänderung deS Gesetzes vom 31. Mai mit großer Mehrheit verworfen; aber das ist nur ein leeres Poffenspiel. Die Versammlung wird eS nicht wagen, daS Gesetz vom 31. Mai unverändert fortbestehenZ'zu lassen. Sie wird sich eben so wohl weislich bedenken, ehe sie den Vorschlag deS Hrn. Baze genehmigt und sich in einen Convent verwandelt, der sich sicherlich weder zu der Blutgröße, noch zur Thatenhöhe des alten ConventS erheben würde. Die Versammlung würde damit einen Staatsstreich begehen, welchen der Präsident so pariren könnte, daß Hrn. Chan« garnier der Degen auS der Hand geschleudert würde. ES ist unsere, wie wir glauben,^unparteiische Mei­nung, daß nach einem solchen Beschlusse der Präsi­dent in seinem Rechte sein würde, wenn er die Ver­sammlung sofort militärisch schlösse und eine neue, unter Anwendung deS allgemeinen Stimmrechts, einberief. Die Versammlung wird sich aber vorher wohl noch besinnen.

Das Wichtigste bei den Vorgängen in Frank­reich muß für unS immer deren Rückwirkung auf Deutschland sein. Und hier ist eS eine merkwür­dige Erscheinung, daß sich unter den verschiedenen deutschen Parteien der Beurtheilung der französischen Angelegenheiten eine große Einmütigkeit zeigt. Daß man sich in den innern Angelegenheiten Frankreichs nicht mischen dürfe, und daß man selbst den Schein einer solchen Einmischung vermeiden müsse, darüber herrscht nur Eine Stimme. Eben so wünscht selbst die äußerste Rechte nicht minder als wir die Ver­längerung der Gewalten deö Präsidenten. Sie bil­ligt gleich den Regierungen, die ja keineswegs mit ihr indentificirt sein wollen, als Mittel dazu die Wiedereinführung des allgemeinen Stimmrechts. Ja, noch mehr, die conservativsten Journale sind mit uns völlig einverstanden in der Mißbilligung der Uebergriffe unv deS ganzen Treibens der gesetz­gebenden Versammlung. Die Ursache, welche dieser Erscheinung zum Grunde liegt, ist leicht abzusehen. Die Verlängerung der Vollmacht deS Präsidenten ist unter den gegenwärtigen Umständen die beste Bürgschaft gegen eine gewaltsame Erschütterung in Frankreich, die sich möglicher Weise nach Deutsch, land fortpflanzen könnte. Alle diejenigen, die kein Heil erwarten von einem gewaltsamen Umschwünge in Deutschland, sondern eine friedliche Entwicklung, sei sie auch noch so langsam, für besser halten, müssen also in ihren Wünschen zusammentreffen.

Deutschland.

X Dotzheim, 11. Novbr. Heult ereignete sich hier der schreckliche Fall, daß ein vierjähriges Kind, während seine Eltern, um ihrer Arbeit nach, zugehen, sich entfernt hatten, in der Wohnstube ver­brannte. Wahrscheinlich hatte eS sich vor daS Ofen- thürchen gesetzt und war von der herausschlagenden Flamme ergriffen worden. Als der Vater 'zurück­kehrte, standen die Kleider deS Kindes bereits in vollen Flammen und war der Körper bereits io schrecklich verletzt, daß es trotz aller angewandten Mittel nach fünf Stunden unter den gräßlichsten Schmerzen starb.

Abermals eine sehr ernste Mahnung für die Eltern, ihre Kinder auf daS Sorgfältigste zu be­aufsichtigen.

4- Idstein , 10. Nov. Gestern Abend wurde von dem hiesigen Demokratenverein in seinem ge­wöhnlichen VersammlungS-Locale bei Bierbrauer Baumann von einer zahlreichen Versammlung, wobei sich auch daS weibliche Geschlecht zahlreich betheiligt hatte, Robert Blum'S Todtenfeier bk;