wieder übernehmen werde und daß auch der Wieder« eintritt von Rauher und Baroche ins Cabinet nahe fei. — Gestern Abends ward bei Changarnier eine Berathung gehalten, welcher die drei Quästoren beiwohnten. Die Wahlgesetz-Commission hat Mole zum Prâstdenten und Daru zum Berichterstatter ernannt.
Die Initiative.Commisston hat schon heute die Berathung deS Quâstoren-AnirageS begonnen, vorläufig aber blos beschlossen, den Minister deS Innern vorzuladen. Alle Mitglieder haben sich daS Ehrenwort gegeben, Niemanden etwas über Berathungen mitzucheilen. General Fabvier hat als Antwort auf den Gesetzvorschlag der Quästoren folgenden Gegenvorschlag eingereicht: „Art. 1. Die durch ihre Majestät mächtige Nationalversammlung entsagt jeder bewaffneten Macht zu ihrer Bewachung. Art. 2. Die in den Höfen ausgestellten Geschütze werden dem Kriegsminister zur Verfügung gestellt". — DaS Majoritätsmitglied Rauvot hat einen Vor« schlag eingereicht, der einen Mittelweg zwischen dem Maigesetze und der Herstellung deS allgemeinen Stimmrechts bezweckt.
Wegen der bekannten Anschuldigung gegen Carlier wurden heute der Gerant der „Revolution" und der Verfasser deS betreffenden Artikels vom Afsisen« Hofe der Seine jeder zu neun Monaten Gefängniß und 1500 FrS. Geldstrafe verurtheilt.
Die gestrigen Debatten in den Bureau'S haben bekanntlich eine Majorität von etwa 100 Stimmen gegen daS Wahlgesetzproject der Regierung herauS- gellt. Man will dasselbe wegen seiner politischen Absicht rundweg abweisen und dann daS Gesetz vom 31. Mai selbstständig modificiren. Die reinen Ely- seer, von denen übrigens viele fehlten, stimmten mit den^MontagnardS, dagegen die Mitglieder des Pyramidenvereins oder gemäßigten Bonapartisten mit den Legitimisten und Orleauisten. Unter den Majoritätsmitgliedern herrschte die Ansicht vor, daß eS sich weniger um ein Wahlgesetz, als um die per« fönlichen Tendenzen LouiS Napoleons und um die Würde der Nationalversammlung handle, waS im Berichte der Commission auseinander gesetzt werden soll. Die beiden Burggrafen Montalembert und Broglie ließen wichtige Worte fallen. Montalembert erklärte, er bedauere die neue Politik deS Elysee; er habe eS unterstützt, und zwar selbst gegen die Majorität, so lange er geglaubt, daß eS eine wahrhaft konservative Politik verfolge; jetzt aber, wo eS der demokratischen Partei offenbare Anerbietungen mache, ziehe er sich vom Präsidenten zurück. Broglie, der vor den Vakanzen zum Elysee gehörte, sprach sich ebenso feindlich auS. Er meinte, eS sei endlich Zeit, den Concessionen, welche die Majorität mehrere Male der vollziehenden Gewalt im Interesse deS Friedens und der Eintracht gemacht, ein. Ziel zu setzen. Wenn man anders handele, so könnte das Land glauben, man brauche nur der konservativen Partei drohen, um sie zur Capitulation zu zwingen. — DaS Decret, welches Behufs der Wahl eines Repräsentanten an Magnan'S Stelle die Wähler deS Seine-DepartementS auf den 30. Nvv. zusammenberuft, ist erschienen!; eS heißt, daß de Thorigny als Candidat der Regierung auftreten wird.
Paris, 9. Novbr. Es soll ein Credit zu einer KriegSrüstung gegen Marokko verlangt werden, weil letzteres Seeräubereien habe zu Schulden kommen lassen. — Heute Vormittag 11 Uhr versammelten sich 1500 bis 2000 Cavallerie- und Infanterie-Offiziere in venTuilerien, bildeten sich in Colonne und marschirten, den General Magnau und 8 andere Generale an der Spitze, nach dem Elysee. Sie statteten dem Präsidenten einen Besuch ab, welcher sie, umgeben von mehreren Ministern, worunter der des Kriegs, empfing. Diese Offiziere schienen von der größten Begeisterung für den Präsidenten beseelt. Der Polizei-Präfekt macht allnächtlich Runden zu Pferde in Paris, um sich von den Posten und der öffentlichen Stimmung in der Stadt Kenntniß zu verschaffen.
In den hiesigen legitimistischen Kreisen heißt eS, daß der Tod der Herzogin von Angouleme wahrscheinlich eine Annährung zwischen den beiden bour, konischen Linien herbeiführen werde, indem sie in einem nicht veröffentlichten Artikel ihres Testaments dieselbe dringend anempfohlen habe.
ES heißt, daß eine Deputation deS HandelS und Gewerbestandes die Minister deS Innern und deS Handels ersuchen solle, die bevorstehende hiesige Repräsentantenwahl bis nach dem 1. Januar zu verschieben, da die Geschäfte ohnehin in Folge der jetzigen Wirren schon arg darnieder lägen.
Der Kriegsminister hat Befehl ertheilt, daß ihm die Quantität ic. der Lebensmittel und der Kriegs, Munition , welche sich in den Magazinen und den Depots der Armee von Paris befinden, genau angegeben werben soll.
Ein Theil der Bonapartisten, von der Farbe Abbatucci'ö, ist mit der Politik des Elysee gar nicht zufrieden. Abbatucci zürnt dem Präsidenten und ist nicht mehr in dem Elysee gewesen, seit man die Bildung eines republikanischen Ministeriums verworfen hat.
Bei den bevorstehenden Wahlen in Paris werden Carlier und Dr. Veron als Candidaten auf
treten. Der Eigenthümer des Constitutionnel" läßt in diesem Augenblick daâ Terrain sondiren. Er glaubt sich seiner Sache ganz gewiß, da er alS Vertheidiger deS allgeinen Stimmrechts aufttreten und seine Meinung in Bezug auf die Oclroi'S geltend machen will. Wir werden ein komisches Schauspiel haben: die beiden OrdnungSmänner werden von zwei ganz verschiedenen Standpunkten aus sich ihren Wählern anpreisen; Carlier wird alS Vertheidiger des Gesetzes vom 31. Mai gegen Veron, den Partisan deS allgemeinen Stimmrechts auftreten. Verons Can« didatur hat natürlich große Heiterkeit hervorgerufen, und wird nicht verfehlendem „Charivari" reichlichen Stoff zu liefern. — Morgen findet eine große Versammlung der Redacteure aller OrdnungS-Journale bei Dr. Veron statt. Man will sowohl über die bevorstehende Ersatzwahl, als über andere wickliöe Fragen Rücksprache nehmen. Veron soll diese Versammlung veranlaßt haben.
Der Kaiser von Rußland hat in Anerkennung der Dienste, welche Hr. Leon Faucher der Sache der Ordnung geleistet hat, wie die „H. N." melden, befohlen, daß dessen Schwiegersohn, dem Hrn. Deputirten WolowSki, die Summe nebst Procenten ausgezahlt werde, welche sich vom Verkaufe der Güter der Familie WolowSki in Polen herschreiben. Diese Neuigkeit bringt der heutige „CzaS". Nach derselben, wie nach dem Orden, den Hr. Carlier erhalten, und endlich nach den 200,000 Francs., welche Hr. Demidow auf Veranlassung von oben herab dem Hrn. Hieronymus Bonaparte geben mußte, läßt sich nicht zweifeln, daß man an der Newa mit einigen Persönlichkeiten in Paris zufrieden ist.
Paris, 10. November. (Telgr. Dep. der Köln. Zeitung.) Die Commission in Betreff deS Wahlgesetzes hat den Bericht genehmigt, welcher die Verwerfung dieses Gesetzes beantragt, und beschlossen , denselben morgen der Nationalversammlung vorzulegen.
Spanien.
Madrid, 2. Nov. Aus Melilla kommen immer sehr traurige Nachrichten. Die Mauren wären beinahe Herren dieser Festung geworden, hätte nicht der Muth dieser Leute an dem thatkräftigen Gouverneur, Hrn. Obersten Picon, sich gehorchen. In der Nacht vom 20.—21, Oct. hatten sich mehr alS 1000 Beduinen der Festung genaht, um sie zu überrumpeln. ES wäre ihnen auch beinahe damit gelungen, denn mehrere auS dieser Horde hatten die FestungSmauer schon erstiegen, al6 sie mit einer Patrouille ins Handgemenge geriethen. Der dadurch entstandene Lärm weckte die Bewohner und die Garnison auS dem Schlafs auf. Die Allen drohende Gefahr gab Allen Muth. Jung und Alt, Alles stürzte auf die Mauren, um Leben und Freiheit zu vertheidigen. Der Oberst Picon aber rückte während dessen mit einem Bataillone aus der Puerta bei Soccovdo hinaus und siel beim Fort Isabella II. dem Feinde in den Rücken, der in der größten Unordnung sich schleunigst zurückzog. Am anderen Tage zählte man 251 fesneliche Leichen, die den Kampfplatz bedeckten. — Es ist gar keine Rede mehr von der Rückkehr deS Generals Narvaez. Auch scheint eS, daS Ministerium werde vorerst nicht weichen. Lersundy, der Kriegsminister, hat sich in Allem gefügt und geht Hand in Hand mit Murillo. Ob aber die verschiedenartigen Elemente, woraus das Ministerium besteht, noch lange har« moniren werden, das ist eine große Frage, Allgemein glaubt man, mit der Niederkunft der Königin gehe daS Leben der Minister zu Ende. Isabelle hat sich vom Herzog von RwaS ein Amnestiedecret auf- setzen lassen. Es soll dies ein Meisterstück der Re, dekunst sein, und die Königin hat eS, als der Herzog eS ihr überreichte, gleich vollzogen. DaS Datum braucht nur noch auSgefüllt zu werden und die Minister eS gegenzuzeichnen. Murillo und Lersundy kämpfen noch immer dagegen und werden sich wohl schwerlich dazu bequemen. Auch die Mutter der Königin ist jetzt dagegen und theilt hierüber die Ansicht deS Ministerpräsidenten. Die übrigen Minister sind für die Amnestie, womit die Königin daS Land in derselben Stunde zu beglücken wünscht, wenn sie die Mutterfreuden kostet.
Die neuesten Berichte auS Lissabon sprechen sich über die günstige Stimmung auS, mit welcher das letzte königliche Decret, wonach die royalistischen Offiziere wieder zu ihren Chargen zugelaffen werden, ausgenommen wurde. — Eine englische Brigg wurde in den portugiesischen Gewässern von See. räubern gekapert. Der JanuS wurde am 17. Oct. zu deren Verfolgung von Gibraltar abgeschickl und traf am 20. Oct. mit mehreren der Raudschiffe zusammen. Einige der Boote wurden in den Grund geschossen, der Lieutenant deS JanuS und sieben von dessen Mannschaft wurden bei dem Kampfe schwer verwundet.
Großbritannien.
London, 8. Novbr. Unter den Deputationen, welche Koffuth Adressen überreicht haben, befand sich auch eine französische, an deren Spitze die Herren LouiS Blanc, Barthelemy, Robillard, Babut (ouv- rier) und Charles, „Juni-Kämpfer deS Jahreö 1832", standen. Wie die Adresse selbst besagt, waren ihre Urheber „Republikaner, Revolutionäre und Socialisten", Männer, „die folglich weder durch den Glanz Ihres Titels, noch durch den Ruhm Ihres NamenS zu Ihnen hingezogen werden". Die Adresse beglückwünscht Kossuth vor Allem wegen seines Mar, seiller Briefes. In seiner von „Daily NewS" mitgetheilten Antwort gesteht Kossuth, daß er gern durch Frankreich gereist wäre, und fährt dann fort: „Aber Louis Napoleon hat eS zu Stande gebracht, daß die französische Republik, welche ihre Gründer geächtet hat, den Republikanern anderer Länder kein Asyl, ja nicht einmal einen Zufluchtsort bietet. Meine Anrede in der Stadt Marseille hat kund gethan , daß ich in meinem Herzen nicht Frankreich für die Ungastlichkeit LouiS Napoleons verantwortlich mache". Ferner äußert er, „er sei überzeugt, daß in Europa Hinfort nichts Anderes möglich sei, alS die auf das allgemeine Stimmrecht gegründete Republik mit dem Prinzip der Solidarität der Völker und der Unabhängigkeit der Nationen". Außerdem erklärt er: „Wenn ich in England nicht den in Marseille geäußerten Gedanken ausgesprochen habe, so liegt der Grund darin, daß ich mich nicht gern in die Angelegenheiten eines Landes mische, welches mir Gastfreundschaft gewährt hat und dessen Unterstützung ich für die Zukunft Ungarns wünsche, wo ich, wie ich wiederhole, die auf bad allgemeine Stimmrecht gegründete Republik sehen möchte. Sie sprechen von Versuchungen und von meiner wartenden Huldigungen, durch die man mich von der Sache der Democratie abtrünnig machen wolle. Ich muß Ihnen sagen, daß ich von diesen Huldigungen nichts gesehen habe, und daß, wenn man versuchen sollte, mich von der Sache deS Volkes zu trennen, diese Versuche, deren Vorhandensein mir übrigens noch Nichts angedeutet hat, scheitern würden". Die besagte Adresse war schon am 21. Sept. unterzeichnet und ist Kossuth am 31. Oct. in London überreicht worden.
Die englische Gesellschaft der Freunde Italiens überreichte gestern Kossuth eine Adresse. Wir müssen darauf verzichten, diese und die AntwortSrede Kos- suth'S wiederzugeben. Der Hauptinhalt der Letztern ist: Er (Kossuth) sei überzeugt, daß Marzini Das für Italien, waS er für Ungarn sei. Ein gemeinschaftliches Handeln sei nothwendig. In die zukünftige innere Gestaltung der beiden Länder dürfe sich kein Fremder mischen, ebenso werde Ungarn in keiner Weise auf die innern Verhältnisse Italiens wirken et vice versa. Die Sympathien Englands dürfe man nicht überschätzen, England habe keinen Einfluß, so lange es daS Princip der Nichtinterventionen festhalte, b. h. den Zuschauer abgebe. Vom CommuniSmuS und Socialismus verstehe er und Ungarn nichts. Die Regierungöform Ungarns könne, wie die Sachen jetzt stehen, feiner Meinung nach nur eine republicanische sein. In Ungarn, als einem ausgedehnten Agricuiturstaate, sei die Parcellirung der Staatsländereien daS beste Mittel zur Consolidirung der ungarischen Finanzen. Eng- land könne durch eine unvorhergesehene Veranlassung zum Kriege gezwungen werden rc.
Auf die Weigerung deS MayorS von Birmingham und Manchester hin, Kossuth im Namen der Stadtcorporationen zu begrüßen, erhielt er zum zwei- tenmale eine Einladungsadresse der bedeutendsten Persönlichkeiten aus den Fabrikdistrielen, die er auch annahm. Die Demonstration in Manchester soll großartiger als die von London werden. Die Karten zum Bankett sind heute schon vergriffen. Die ganze Anticornlawleague wird sich mit dem magyarischen Flüchtling zu Tische setzen, und daS Manchesterblatt sagt, daß unter den 400 vorgemerkten Gästen die Hälfte sehr leicht je 10 000 Pf. St. zum KossuthfondS beisteuern könnten (!), ohne ihren Kassen weh zu thun.
Die Times bringt folgende „Einsendung" gegen Kossuth: „Siri Erlauben Sie wohl einem edeln Verstorbenen, durch die Vermittelung Ihrer Spalten eine Frage an Herrn Kossuth zu richten? Sie ist ganz kurz. Was ist aus meiner Krone geworden? Als man sie zuletzt sah, befand sie sich in seinem Besitze, und ich wünsche zu wissen, wo sie jetzt ist. waS nützt eine Krone dem Manne, der mit Marseiller Socialisten fraternisirt? Einem so feurigen Bewunderer der Republik kann an einer Krone wenig gelegen sein, außer wenn er daran denkt, sie auf sein eigenes Haupt zu setzen, nachdem er mit Hülfe seiner Brüder, Socialisten und Demokraten, die Oesterreicher auS Ungarn vertrieben haben wird. Noch eine Frage. Meine Krone, als man sie zum letzten Male sah, hatte wcrthvvlle Juwelen; befinden sich die Edelsteine noch an ihrem Orte? Der Ihrige, Stephan, Heiliger und König".
Unterm gestrigen Dalum hat Prinz Albert, als Präsident der JndustueauSstellungScemmiision, einen Bericht an die Königin unterzeichnet, in welchem am Schluß des Unternehmens über die sinan«