RWMM Mgmcine Zeitung.
M 2S8
Sonntag den 2. November
1851.
Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige PränumecationspreiS ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und KurfürstenthumS Hessen, der Landgraffchait Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes S fl. IO kr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raunt mit 3 kr. ber-chnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Amtlicher Theil. Dienstnachrichten.
Nichtamtlicher Theil.
Das Bremer Nachweisungsbureau für Auswanderer.
Deutschland. Aus dem Rheing an (Auswanderung).
— Frankfurt (Die Bundescentralbehörde. Eingabe an den Bundestag. Haussuchung). — Darmstadt (Verordnung). — Heidelberg (Die Schloßruine). — Karlsruhe (Schriftenwechsel). — Kassel (Dr. Hildebrand entlassen. Ein Character). — M ü n chen (Kleinschrodt). — Aus der Oberpfalz (Uebertritt zum Katholicismus). Berlin (Die Colonisation in Mittelamerica. Die deutsche Frage. DaS Ministerium in Braunschweig. Die ^w^^^ truppen in Holstein. Die Mobilmachung. Der Zollverein).
— Lübeck (Die Eisenbahn. Dänische Postbeamte). — Wien (Ein neues Manöver Palmerstons. Das Salzkammergut. Einquartierungskosten. Die Reduction der Armee. Vermischtes).
Schweiz. Bern (Die Wahlen).
Frankreich. Paris (Verons Artikel dementirt. Fould. Rouher. Thorigny. Dupin. Temple. Vermischtes). — Straßburg (Militärische Dispositionen).
Großbritannien. London (Koffuth).
Italien. Turin (Die neuen Steuern. Vermischtes). Neueste Nachrichten.
Amtlicher Theil.
Dem provisorischen Lehrvicar Pehl zu Mam, molshain ist die dasige Lehrvicarstelle definitiv übertragen worden.
Nichtamtlicher Theil.
DaS Bremer Nachweifungsbureau für Auswanderer.
* Im Februar dieses JahreS meldete die „Weser- Zeitung" die Schöpfung eines neuen auf den Vortheil der Auswanderer berechneten Instituts, deS öffentlichen N a ch w r i fu n g S-B u- reau'S; schon jetzt, nach einer achtmonatlichen Wirksamkeit liegen die erfreulichsten Thatsachen , welche die Nützlichkeit dieser Anstalt bekunden, vor. Nicht unmittelbar geht die Begründung dieser Anstalt vom Staate, sondern von der Handelskammer aus, sie steht unter einer besonderen von Kaufleuten gebildeten Direction, aber sie ist unter die Aufsicht einer SenatSesmmission gestellt und vereint alle Vorzüge einer öffentlichen und einer Privatinstitution, Frei von allem bureaukratischen Formwesen und Pe- dantenihum, bietet sie gleichwohl diejenigen Garantien, die einer Staatsbehörde eigen sind. Ihre vornehmste Charaktereigenthümlichkeit ist die volIst â w dige Unentgeltlichkeit ihres Wirkens; der Auswanderer, der sich an sie wendet, um Rath und Auskunft zu erhalten, hat nicht einen Heller zu bezahlen. ES ist dringend zu wünschen, daß sammt, liche öffentliche Blätter, Behörden, Pfarrer, und wer sonst zur Verbreitung nützlicher Kunde bei« tragen kann, in ihren Umgebungen auf dieses Institut aufmerksam machen, welche seine Bureaux im Bremer Bahnhöfe, am Marktplätze und an der Landungsstelle der oberländischen Dampfböte hört.
Um den Charakter der Anstalt kennen zu lernen , sollten alle, welche die Interessen der Auswanderer zu fördern wünschen, den so eben ausge- gebenen, uns von Seile deS NachweifungSbureau'S zugegangenen ersten Bericht der Direktion des Nach- weifungSbureau'ö durchlesen; da derselbe indcß schwerlich die erwünschte Verbreitung findet, so wollen wir aus demselben die Hauptpunkte hervor« heben.
. Die Beamten deS NachweifungSbureau'S sind öffentliche, besoldete und vereidete Angestellte; sie stehen in keiner Verbindung mit EchiffSerpedienten, Schiffsmaklern, Gastwirthen und Kleinhändlern, und dürfen weder mittelbar noch unmittelbar eine Ver- gutung für ihre Mühwaltung annehmen. Sie sind
sachkundige, zuverlässige und achtbare Männer, und lassen, wie alle Stimmen darüber einig sind, in Betreff der Freundlichkeit, Geduld und Dienstwillig- kcit nichts zu wünschen übrig. Diese Beamten ertheilen nicht allein jede erwünschte mündliche Auskunft , sondern sie behändigen auch den Auswanderern die gedruckten Adressen der hiesigen Expedienten und Schiffsmakler, eine Aufgabe der Preise, zu denen sie hier Decken, Matratzen, Geschirre und sonstige Bedürfnisse einkaufen können, Verhaltungsmaßregeln für ihren Aufenthalt in Bremen und Bremerhaven so wie an Bord, endlich guten Rath für die Ankunst in America.
Wichtiger noch als dies ist das Verhältniß des Nachweisungsbureaus zu den Gastwirlhen, welche Auswanderer beherbigen. Es hat mit einer großen Anzahl derselben die Preise für Kost, Wohnung, Gepäckbeförderung festgestellt, und nur die Adressen solcher Gastwirthe, welche diesen Tarif angenommen haben, werden den Auswanderern behändigt. Die Beamten deS Bureaus haben das Recht und die die Pflicht die Gastwirthe fortwährend zu contro- liren; sie nehmen jeder Zeit etwaige Beschwerden der Auswanderer entgegen, versuchen zunächst eine gütliche Ausgleichung, und verweisen, wenn letztere mißlingt, die Klage sofort an die kompetente Be. Hörde, sei eS die Polizeidirection, die Inspektion deS Auswanderung-- und Mäklerwesens oder eins der Gerichte.
DaS Nachweisungsbureau hat vom 1. März bis zum 30. September 12,084 Auswanderern Rath und Auskunft ertheilt; während dieser Zeit nahm eS 155 Beschwerden entgegen, von denen eS selbst sofort 101 erledigte, 47 den hiesigen und 7 auS. wärligen Behörden überwies. Die Direktion hielt in den sieben Monaten 45 Versammlung n.
Der Gedanke, welcher diese Anstalt inS Leben gerufen hat, ist ein ebenso praktisch-kaufmännischer alS humaner: Es ist nicht Edelmuth und Philan. tropir, eS ist ganz einfach nüchterne Berechnung waS die große und lebhafte Fürsorge der Bremer Behörden für das Wohl der Auswanderer veranlaßt; eS ist mit einem Worte die Erkenntniß deS alten Satzes, daß Ehrlichkeit die beste Politik ist.
Die AuSwanderungSlustigen von dem Bestehen solcher und ähnlicher Einrichtungen in Kenntniß zu setzen, thut um so dringender Noth, je zahlreicher und listiger die oft unglaublichen Verführungskünste sind, durch die gewissenlose Agenten fremder Seelenverkäufer den unkundigen und arglosen deutschen Landmann in das Garn der Prellerei und Aussaugung zu locken wissen. Nur die officiellen Nach« weisungsbureaur in den deutschen Seestädten und die Agenten der deutschen Gesellschaften in Newyork, Baltimore und New-OrleanS sind die wahren und uneigennützigen Freunde der Auswanderer, — das kann ihnen nicht nachdrücklich genug eingeschärft werden. (S. den unten stehenden Artikel aus dem Rheingau.)
Deutschland.
△ Aus dem Rheingau, Ende Oktober. AuS verschiedenen Orten deS Rheingaus wandern dieser Tage ganze Familien auS, um in einem fernen Welttheile das zu suchen, was sie hier nicht mehr fanden, nämlich einen dauernden Lebensunterhalt; vielleicht am meisten trägt zur Steigerung der AuS- wanderungSlust bei den Rheingauern die auch die- feS Jahr mehr als je eingetretene totale Mißernte deS WeinstockeS bei, denn allenthalben sind die Trauben noch so weit zurück, daß sie die Kosten der Ein« Herbstung nicht werth sind, und daher den Vögeln zur Winternahrung überlassen werden; daS traurigste dabei ist noch, baß die Weinstöcke recht voll hängen und so dem Winzer eine erfreuliche Aussicht boten, bis natürlich die feuchlkalle Witterung jede Hoffnung benahm. — Auf die Auswanderer der hiesigen Gegend zurücklommend, haben diese uns abermals recht traurige Beispiele hinterlassen, wie vorsichtig man in dem Abschluß der Reiseverträge mit verschiedenen Agenten sein muß und wie eS deren so viele gibt, welche Unberathene prellen und arme Leute um ihre Habe bringen. — Einige jener Auswanderer hatten nämlich Verträge bereits mit dem Agenten Greve aus Coblenz abgeschlossen, als ihnen von anderer Seite (wie eS heißt von dem
Agenten G...... . .) billigere und anscheinend vortheilhaftere Bedingungen angeboren wurden, die sie denn auch auf die Vorspiegelung hin, alS sei der erste Vertrag nicht bindend, eingingen. — Sie sahen aber leider zu spät, wie sie betrogen waren, da daS Gericht nach Recht sie zur Zahlung deS mit dem Erstern eingegangenen Betrages veruriheilte; einzelne vorloren so an ihren um ein Billiges ioS- geschlagenen Habseligkeiten noch jene Summe und andere ruinirte dieser Vertrag total.
Der Oeffentlichkeit glaube ich diese Thatsache alS Warnung nicht vorenthalten zu dürfen.
=□= AuS der Mitte des Rheingaus, 31. Oct. Die Auswanderungen auS Nassau und hauptsächlich auS dem Rheingau sind in diesem Herbste wieder sehr bedeutend. So sahen wir gestern eine Anzahl Familien auS den benachbarten Gemeinden, Eltville, Neudorf, Erbach und Hattenheim dem Vaterhaus Lebewohl sagen, um über dem Meere in den Goldgruben Australiens sich eine neueHeimath zu gründen. Wie man hört, sollen noch in diesem Winter nahe an 100 Haushaltungen auS unserm Gaue theils nach TexaS, theils nach Neu Süd-WaleS auSwandern; daß hierzu die mißliche Lage deS Rheingau'S hauptsächlich Veranlassung gibt, braucht kaum bemerkt zu werden.
Frankfurt, 25. Oct. Nach dem K. v. u. f. D. wird der Ausschuß, welchen die Bundesversammlung mit der Prüfung deS Antrages Oesterreichs und Preußens auf Errichtung einer BundeScentral- potizeibehörde beauftragt hat, feinen Bericht schon in der nächsten Zeit vorlegen. Die von den genannten Großmächten alS Hauptgrund für diese Maßnahme hervorgehobene Nothwendigkeit „einer steten und sorgsamen centralen Ueberwachung der unausgesetzten revolutionären Umtriebe der Propaganda und der mit ihr in Verbindung stehenden Genossenschaften" soll von dem Ausschüsse vollkommen anerkannt sein und demzufolge die Annahme und sofortige Verwirklichung deS Antrages anempfohlen werden.
Vor einigen Tagen wurde, wie man versichert, von mehreren hiesigen Bürgern eine Petition beim Bundestage eingereicht, dahin gehend, unsere Verfassung von 1816 aufrecht zu erhalten, resp, in allen ihren Theilen wieder herzustellen. Der sog. „Reformverein" beabsichtigt gleiche Schritte vorläufig beim Senate zu thun.
Bei der ersten Gastvorstellung der Frau Henriette Sonntag im hiesigen Theater betrug die Bruttoeinnahme 2202 fl., bei der zweiten 2175 fl.
Gestern ward, auf Requisition des Polizeipräsidiums in Berlin, hier eine Haussuchung bei dem, hier seinen philosophischen Studien ausschließlich lebenden, auch im Gebiete der Dichtung wohlbekannten, Dr. German Mäurer vorgenommen., dieselbe führte zu keinerlei Erfolg.
Darmstadt, 29. Octbr. (Darmst. Z.) DaS Ministerium hat, wie bekannt, ein Verbot deS Ankaufs von Kartoffeln zum Branntweinbrennen und überhaupt durch Branntweinbrenner erlassen. Ein neuerer Erlaß deS großherzogl. Ministeriums des Innern an sämmtliche großherz. RegierungScommis, stonen ergänzt und erklärt, daß dieses Verbot deS Ankaufs von Kartoffeln zum Branntweinbrennen und überhaupt durch Branntweinbrenner sich auch auf die Fälle bezieht, in welchen für auswärtige Branntweinbrenner Kartoffeln in dem Großherzog- thum gekauft werden sollen, und daß daher, sobald alS Verdacht vorliegt, daß die auszuführenden Kartoffeln zum Branntweinbrennen im Ausland bestimmt sind, oder für ausländische Branntweinbrenner angekauft werden sollen, die Ausfuhr derselben so lange nicht zu gestatten ist, bis eine Bescheinigung der betreffenden ausländischen Polizeibehörde, daß die Kartoffeln weder für Branntweinbrenner, noch zum Branntweinbrennen angekauft seien, bei# gebracht ist.
Heidelberg , 28. Oct. Sicherem Vernehmen nach werden von Seiten unserer Regierung mehrere wichtige Verbesserungen in Beziehung auf Die hiesige Schloßruine und den Schloßgarleu vorbereitet. Der Schloßgarten stand bis jetzt unter der Verwaltung der Universität. Um nun eine mehr einheitliche