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richtS die italienische mit unserer deutschen Seiden­zucht, so finden wir, daß die Vorzüge dort, nachdem Alter der vorgefundenen Maulbeerbäume zu urthei­len, nur darin bestehen, daß man dort schon vor hundert Jahren Seidenzucht betrieben und in Deutsch­land erst jetzt damit einen ernsten Anfang gemacht hat, daß aber im Weiteren Italien zum Betrieb Der Seidencullur gar keine Vorzüge darbietet. In Italien nimmt die Seidenzucht schon Ende April ihren Anfang, weil bis zum Eintritt der großen Hitze die Seidenzucht beendigt sein muß. Diesen Nachtheil hat man in Deutschland nicht; da fängt man erst Ende Mai mit der Seidenzucht an, und man bedarf daher nicht wie in Italien der künstlichen Wärme. Im Sommer deS Jahres 1846 gelangten zu Wiesbaden die Seidenwürmer ohne künstliche Wärme schon am 24. Tag zur Entwicke­lung. Selbst bei künstlicher Wärme können die Seidenwürmer erst am 21. Tag zur Entwickelung gebracht werden. So war es in der Magnanerie deS letzten Königs von Frankreich im Garten von Neully. WaS die Qualität der Seide anbelangt, so ist dieses von den Italienern selbst zugegeben, daß die deutsche Seide besser ist, als die Italienische. Auch die Reichhaltigkeit der deutschen Cocons steht denen in Italien nicht nach. Schon im Jahr 1849 wurden in der Filanda Cocons gehaspelt, welche auf dem EllcnhaSpel eine Fadenlänge von 2000 Ellen nachgewiesen haben.Der Domainenpachter Toussaint auf dem Büdigheimer Hof bei Hanau hatte sie gezogen. Auch schönere Cocons findet man nicht in Italien wie sie die Bewohner deS Dorfes St. Ilgen bei Heidelberg, Hr. Karl Netz in Darmstadt, Hr. Johann Noe Gogel zu Frank­furt rc. ziehen. Die Wilhelmine Ott zu Höchst zog in diesem Jahr 24 Pfund Cocons. Die daraus gehaspelte Seide verkaufte sie an die Filanda zu Wiesbaden für 27 fl.; sie nährte auch während den 35 Tagen als sie sich mit der Seidenzucht beschäf. tigte, sechs Hemden, wofür sie an Näherlohn er­hielt 6 fl., und wenn sie, wozu sie Hoffnung hat den Preis für die fadenreichsten ConconS mit 10 fl. erhält, so hat sie in den 35 Tagen, wäh­rend sie Seidenzucht betrieb, verdient 43 fl., gewiß­lich ein schöner Verdienst ohne einen Pfennig Aus­lage für eine weibliche Person.Dabei sagte aber noch die Wilhelmine Ott:künftiges Jahr will ich noch mehr Seide ziehen, damit ich noch mehr Geld verdiene". Wir dürfen also im Interesse unseres Nassauischen Volkes nur wünschen, daß recht bald noch recht viele Mädchen im Lande diesem schönen Beispiele der Wilhelmine Ott zu Höchst folgen. Sache der Männer ist eS aber dabei, daß sie alle Sorge dafür tragen, daß immer mehr Maulbeerbäume angepflanzt werden. Man sehe doch die schon vorhandenen schönen Maulbeerplan­tagen, die sich schon im Lande befinden, die da, wo sie mit Sorgfalt angepflanzt wurden, so schön und üppig grünen. Auch im verflossenen Frühjahre wurden wieder 9000 Stück Maulbeerbäume im Lande angepflanzt und zur Herbstpflanzung sind wieder 11,000 Stück angefordert. Die Zahl der Nassauischen Seidenzüchter mehrt sich zwar mit jedem Jahr; aber nur zu langsam. In andern deutschen Ländern und besonders in Preußen geht dieses weit schneller. Im Großherzogthum Baden war es die Staatsbehörde, welche für die Anpflanzung von mehreren Millionen Maulbeerbäumen Sorge trug. Auch im Königreich Würtemberg werben jedes Jahr mehrere Tausend Maulbeerbäume auf Staatskosten angepflanzt.

WaS endlich das in Italien vorgefundene hohe Alter von Maulbeerbäumen anbelangt, so können wir in Deutschland doch noch ältere Exemplare nach­weisen. Im Garten der Abtei zu Brauweiler bei Köln steht heute noch ein Maulbeerbaum, welcher im Jahre 988 gepflanzt wurde, mithin 863 Jahre alt ist. In dem Dorfe Seddin, zwei Meilen von Potsdam, befindet sich noch ein Maulbeerbaum, wel­cher über 200 Jahre alt ist, und dessen Stamm sie­ben Fuß im Umfang hat.

Die Nassauischen Forstleute könnten die An­pflanzungen von Maulbeerbäumen auf den Wald­flächen, welche den Städten und Dörfern zunächst liegen, leicht veranlassen. Sie wurden auch durch die Gefälligkeit deS Herrn Oberjägermeisterö, Frei­herrn v. Gilsa, dazu aufgefordert; die Meisten haben eS aber blos bei Versprechungen, für die Sache etwas zu thun, bewenden lassen. Nur der Herr Oberforstrath Dern zu Wiesbaden und Herr Oberförster Scheuch zu Ems haben sich darin ver­dient gemacht. Letzterer hat Hoffnung, dieses Jahr den höchsten Preis für Maulbeerpflanzungen zu er, halten.

8 Wiesbaden, 25. October. Bei der in hie­siger Stadt auf erfreuliche Weise fortschreitenden, im übrigen Herzogthum erst nach dem nahen Refor- mationSfeste beginnenden Jahressammlung für den evangelischen Verein derGustav-Adolf« Stiftung dürfte eS für die zahlreichen Freunde desselben und seine gute Sache von Interesse sein, zuverlässige Nachricht über seine jüngste Wirksam- feit zu erhalten. Wir freuen unS, aus bester Quelle in dieser Beziehung folgendes berichten zu können: Auch im Rechnungsjahre 1849/50 hat der Verein,

wie früher, nicht nur im deutschen Vaterlande manche Gemeinden unterstützt, sondern auch in Frankreich, Ungarn, Polen, Portugal, Italien rc., ja, selbst über'm Meere, in Afrika und Amerika, den bedräng- ten Glaubensgenossen seine helfende Hand gereicht. Wir geben hier zur besseren Einsichtnahme eine Hauptübersicht der Gemeinden, welche mit mehr oder weniger reichen Gaben bedacht worden sind, nach den Ländern, denen sie angehören. Gegeben wurden

Thlr.Ngr. Pf. nach Algerien an 1 Gemeinde. . 236 8 nach Belgien an 8 Gemeinden . 775 nach Amerika an 1 Gemeinde (Bue-

noS-AvreS) ....... 874 16 nach Deutschland an 122 Gemeinden 22079 29 6 nach den Donauprovinzen (Bukarest) 800 nach Frankreich an 6 Gemeinden

(Bordeaux, Boulay, Marseille,

Toulon, Paris, Saargemund und

Zabern)........ 2237 27 5 nach Böhmen an 9 Gemeinden . 1454 12 4 nach Kärnihen, Oberösterreich und

Steyermark an 5 Gemeinden . 10986 28 2 nach Mähren und Schlesien an 3

Gemeinden..... . 261 14 nach Ungarn an 8 Gemeinden . . 2004 20 nach preuß. Polen an 13 Gemeinden 1416 22 5 nach Portugal (Lissabon) . . . 700 nach Sardinien (Waldenser) . . 301

im Ganzen an 17 9 Gemeinden 44,128 28 2

Auch unser nassauisches Ländchen ist von den auswärtigen Vereinen nicht vergessen worden. Die Gemeinde Hochheim hat 1800 fl., ein derselben früher verabreichtes, verzinsliches Darlehen, zum Geschenk erhalten. Der jungen Gemeinde zu O ber- ursel hat zum Bau ihrer Kirche die dasige Stadt- gemeinde was a s Werk unbefangener Christen­liebe besonderer Erwähnung werth ist den Platz, der Verein zu Frankfurt a. M. 200fl. und der­jenige zu Homburg 150 fl. geschenkt. UeberdieS find der Kirche zuWilmenrode von dem Haupt­vereine in Hessen-Darmstadt 150fl. verwilligt worden.

Die vor Kurzem in Hamburg abgehaltene Generalversammlung sämmtlicher Hauptvereine der Gustav-Adolf-Stiftung war zahlreich, lebendig, ein­trächtig, von dem Gefühle durchdrungen, daß unsere Kirche durch Eintracht sich kräftigen müsse. Baiern, diesseits deS Rheins, ist daselbst in den Verein aus­genommen und eine gemeinsame Liebesgabe der Hauptverein der Gemeinde zu Laibach in Illy­rien mit 5600 fl. zugewendet worden.

Die nächste Generalversammlung der Haupt­vereine soll in Wie Sbad en 1852 stattfinden Möchte eS sich alSdann zeigen, daß auch im Nassauer Lande noch ein Volk lebet, das auf dem FelSgrunde deS evangelisch-protestantischen Glaubens, der in der Liebe thätig ist, unerschütterlich feststeht und den Wahlspruch deS Vereins:Lasset uns Gutes thun an Jedermann, allermeist aber an den Glaubens- Genossen" (Gal. 6, 10) sich zur Nachachtung vor­gesetzt hat.

* Wiesbaden, 29. Octbr. Verzeichmß der Ge­schwornen für die Assisen deS IV. Quartals deS Jahres 1851:

I. Hauptgeschworne: Mathias B e» sirr von Värstadt, Gemeinberath Christian Ge­org von Schierstein, Oeconom Johann Fisch­bach I. von Eschborn, Landoberschultheiß Dom- boiS von Braubach, Kaufmann I. J. Möhler von Wiesbaden, Heinrich Hückmann von Wals­dorf, Lehrer Jungmann von Griesheim, Oeco­nom Philipp Schmidt von Wiesbaden, Fabrikant Christoph Erker von Pfaffenwiesbach, Heinrich Joseph Fach von Hofheim, Wendel D e cius von Eibingen, Philipp Jacob Neumann von Flörs­heim, Anton Douque II. von Niederlahnstein, Kaufmann Carl Huth von Nassau, Jacob Kern von Eisighofen, Müller Wendel DeuSner von Dausenau, Feldgerichtschöffe Peter Fischbach von Osterfpai, Wirth Daniel Kimmel von Wiesba­den, Wilhelm Reber von Eschbach, Gemeinde- rath Johann Schäfer von Biebrich, Oeconom Georg Mollath von Münster, Peier Mau­rer II. von Niederseelbach, Peter Seibel von Hilgenroth, Adolph Michel von Vockenhausen, Gutsbesitzer Joseph Schmidt von Seelbach, Hein­rich Bonn von Hemmighofen, Johann Philipp Usinger II. von OberemS, Mathias RooS von Wiesbaden, Feldgerichtschöffe Jacob B e l z von Dotz. heim, Wilhelm Seyberth von Esch.

II. ErgänzungSgeschworne: Werk­meister Christian Seyberth, Carl Schwärzel, Philipp Kimmel, Philipp Hofmann (Häfncr- gasse), Graveur Christian Zollmann, Gerber KäSberger, Müller Fach, Wilhelm Freins­heim, Georg Schmidt, sämmtlich von Wies­baden.

Frankfurt, 25. Oct. Großes Aufsehen erregt die heute bekannt gewordene Thatsache , daß gegen siebenzehn hiesige Bürger von Seiten der badischen Behörde ein förmliches Verbot, das dortige Gebiet zu betreten, erlassen und im badischen Fahndungs­blatte ausgeschrieben worden ist. Die Betheiligten

sind theils Mitglieder der ehemaligen Constituante, theils frühere Vorstandsmitglieder desMontags, Kränzchens"; einige von ihnen waren auch bei den Geldsammlungen für die Flüchtlinge thätig. Ueber das eigentliche Motiv jener Maßregel ist eben fo wenig etwas Näheres bekannt, als darüber, ob dasselbe aus früherer oder neuester Zeit herstammt. Die Betheiligten selbst und das Publikum gelang­ten zur Kenntniß derselben erst jetzt durch den zu­fälligen Umstand, daß einer von ihnen einen Poß nach dem Badischen nehmen wollte, der ihm jedoch von der hiesigen Polizei unter Mittheilung jenes AuSschreibenS verweigert wurde.

Frhr. v. BlilterSdorf ist von seiner Reise nach Wien und München an den letzten Tagen hier wieder eingetroffen.

Der Berliner Correspondent deS Magdeburger Correspondenten schreibt: Der preuß. Bevollmäch­tigte bei dem handelspolitischen Congreß in Frank­furt habe in seinen betreffenden Erklärungen nament, lich hervorgehoben : daß eS nicht thunlich erscheine, eine permanente Commission zur Wahrnehmung ge­meinschaftlicher Interessen niederzusetzen, bevor diese gemeinsamen Interessen selbst vorhanden seien. Preußen werde sich den österreichischen Bestrebungen gegenüber negirend verhalten und lediglich die Vor­legung deS neuen österreichischen Tarifs verlangen. Derselbe Correspondent vernimmtauS bester Quelle", daß eS Preußens fester Entschluß sei, den Zollver« einSvertrag vor dem 1. Jan. zu kündigen.

Frankfurt, 28. Oct. Heute Mittag 12 Uhr fand nach vorhergegangenem Civilacte die Trauung deS Grafen von Hohenthal Knauihayn, königl. säch­sischen bevollmächtigten Ministers bei der französi­schen Republik, mit Gräfin Caroline von Bergen, Wittwe deS Kurfürsten von Hessen, statt. Die Neu­vermählten haben eine mehrmonatliche Reise nach Italien angetreten.

Darmstadt, 25. Oct. Man erinnert sich des Antrages, den der Abg. Reh vor mehreren Wochen in unserer zweiten Kammer wegen deS BundeS- beschlusses vom 23. August dS. Js. gestellt hatte. Heute erinnerte er die Berichterstattung darüber. Der Präsident und selbstbestellte Referent deS ge­wählten Ausschusses, Breidenbach, gab zur Ant­wort: Der Bericht sei fertig, doch habe Müller- MelchiorS nebst Mohr, Mitglied der Minorität, sich vorbehalten, ein Separat-Gutachten zum Bericht zu fertigen, woran er bis jetzt verhindert gewesen sei. Mohr: Nächste Woche werde er fertig werden. (AuS diesem Vorspiele ergibt sich, daß die Regie­rung fast mit Bestimmtheit auf die Majorität in der Kammer hierbei zählen kann.)

In unserer zweiten Kammer befindet sich jetzt heiter und gesund ein neulich zum Tode Verurtheilter, nämlich der GerichtSaccessist Schmitz auS Mainz, der von wenigen Wochen von einem rheinpfâlzischcn Gerichtshöfe in contumatiam wegen politischer Ver- gehen zum Tpde verurtheilt ward. DaS Verhältniß läßt sich erklären, ist aber gewiß sonderbar. Die ihm zuerkannte Todesstrafe erilirt Herrn Schmitz vorläufig nur aus Baiern, wenn er dem Spruche der dortigen Assisen, wozu er geladen war, sich nicht stellen will.

Kassel, 27. Oct. Vorgestern wurde wiederein kriegsgerichtliches Urtheil verkündigt, nämlich dem Advocaten Heifen von Sontra; derselbe ist wegen Verbreitung von aufrührerischen Schriften zu 2'/» jähriger Festungsstrafe verurtheilt worden. Helfen ist im Publikum wenig bekannt; er war Mitglied der letzten Ständeversammlung. Die Untersuchungs­haft deS Verurtheilten dauert schon länger als 6 Monate. Es befinden sich nun nur noch die Mit­glieder deS permanenten StändeauöschusieS, incl. deS Dr. Kellner in kriegsgerichtlicher Untersuchung; gegen Bürgermeister Henkel und Polizei-Commiffâr Hornstein sowie gegen Trabert und Hornfeck liegen die Acten dem Generalaubitoriat in zweiter Instanz zum Spruch vor.

Luxemburg, 25. Oct. Nachdem unsere Depu- tirtenkammer in den letzten Sitzungen das Budget der Generalverwaltung deS Innern geprüft, debat- tirt und festgestellt, hat sie sich heute bis zu dem 11. November vertagt. Bei ihrem Zusammentritt wird sie dann die Budgets der öffentlichen Bauten, deS Auswärtigen und der Militärangelegenheiten und folgende Hauptgegenstände erledigen: Errich­tung der landwirthfch ftlichen Creditanstalt, neue- Reglement für die Rechnungskammer, Errichtung einer Feuerversicherung durch den Staat, welche all- mälig die Agenturen der ausländischen Versicherungs­gesellschaften auö dem Lande verdrängen soll, ein neues Pensionsreglement, Einführung einer luxem­burgischen Kupfermünze und von durch die Credit­anstalt hypolekarisch garantirtem Papiergeld.

Wittenberge, 25. Oct. (B. H.) Die Elb- brücke ist heute Vormittags von der betreffenden Behörde besichtigt und wird in wenigen Tagen dem Verkehr übergeben werden, wodurch die Magdeburg- Wittenberger Bahn jetzt in ihrer ganzen Länge be­fahren werden kann.