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Mittwoch den 29. October

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Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PränumecationSpreiS ist in WieSbadeu für den Umfang des HerzoathumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrasschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fL, in den übrigen Ländern be8 fürstlich Tchurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes S fl. IO fr. Jnsera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe ma" in Wiesbaden in der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Louis Blanc, der Practiker.

Deutschland. Wiesbaden (Comite für die Versammlung des Gustav-Adolph-Vereins. Gesellen und Dienstboten­wesen). Vom Westerwald (Die Stockbücher). Frankfurt (DaS Inhibitorium in der hannoverschen Sache). Stuttgart (Die Kammern). Hannover (Die Eingabe der Ritterschaft. Beitritt zum Telegraphen­verein).- Braunschweig (Ministerkrisis). Berlin (Nordischer Bund. Bethmann-Hollweg. Bundestägliches.

Die ElbschifffahrtScommisfion. Vermischtes). Ham­burg (Bille-Brahe. Franke. Frequenz auf der Lübecker Bahn). Wien (Lackenbacher. Militär-Reduction).

Dänemark. Kopenhagen (Das Cabinet. Gerüchte über Abdankung des Königs. Gräfin Danner). Frankreich. PjariS (Rouher contrafignirt. Bou-Maza.

Die Rheinzollfrage).

Großbritannien. London (Koffuth). ' Türkei. Konstantinopel (Die ägyptische Frage), Neueste Nachrichten.

Louis Blanc, der Practiker.

(Schluß).

Wir gehen zu dem dritten Abschnitte über. Hier erklärte LouiS Blanc geradezu, daßRegierung deS Volkes durch sich selbst" in dem Sinne, wie es die Herren Ledru-Rollin, Considerant und Rittinghausen nehmen, so viel heißt, wiegar keine Regierung"; ehe aber daS möglich sei, müsse die Polizei über, flüssig sein, weil eS keine Verbrecher mehr gebe und überhaupt keine Gelegenheit mehr zu Diebstahl ober Mord; die Richter überflüssig, weil eS keine Pro, cesse, überhaupt keine streitenden Interessen; die Gesetze überflüssig, weil der Grundsatz der brüder­lichen Gleichheit die Menschen zu einem und dem­selben Willen und demselben Glauben geführt habe; die berathenden Versammlungen überflüssig, weil alle Fragen gelöst seien. DaS sei daS Ideal, nach dem die wahren Socialisten strebten ja wohl, ein Ideal! und wenn die Menschen Götter wären, um Rousseaus Ausdruck zu wiederholen. Da aber die Erfüllung dieser Bedingungen für jetzt in daS Reich der Unmöglichkeiten gehöre (denn er glaubt an die einstige Möglichkeit!), so führe Ledru-RollinS System geradeswegs zur Regierung der Mehrheit, nicht deS ganzen Volkes, und von da sei nur ein Schritt zur Unterdrückung der Minderheit, zu der Tyrannei. Allerdings, aber ist es denn etwa anders in seiner Versammlung der Vertreter des souveränen Volkes? Ist überhaupt eine Regierung von Verlre, tern möglich, ohne daß eS eine Mehrheit oder eine Minderheit gibt? DaS gibt er zu, nimmt aber einzelne Sätze heraus, die er über die Rechte der Majorität stellt, z. B. daS Vereinigungörecht, daS Recht der Verbreitung deS Gedankens durch die Schrift; ja, er erklärt geradezu, daß die Majorität der Bürger eines Landes nicht das Recht habe, die Monarchie auf den Trümmern der Republik zu er­richten , er sieht nicht, daß er damit ebenfalls zur Tyrannei, zum Despotismus zurückkehrt.Wendet euch", sagt er,an den ersten besten Bauer, er wird euch auSeinandersetzen, daß Alles im Dorfe schlecht gehen würbe, wenn Jeder daS, was er am Besten versteht, liegen ließe und sich mit dem be. schäftigte, wovon er am wenigsten versteht; wenn der Landmann sich daran gäbe, aufs Gcrathewohl hin Pflüge zu verfertigen; und der Stellmacher, daS Land zu bauen; wenn die Aerzte vor die Schranken des Gerichts gingen und den Advocaten die Besor­gung der Kranken überließen. Man behauptet unS gegenüber, daß Keiner sein Nebel besser kenne, als der Kranke; sein Nebel vielleicht, aber daS Mittel dagegen? Hier ist ein Unglücklicher, der sich auf feinem Schmerzenslager hin und her windet; wird eS etwa seiner Genesung hinreichen; wenn er sage: Besser alS irgend Jemand weiß ich, wie sehr ich leide""! Aber trotzdem wirft er sich zum Verthei- diger deS allgemeinen Stimmrechts auf nein, da lobe ich mir doch die Consequenz seiner Gegner, die jeden Bauersmann qua Staatsbürger auch für ei­nen Staatsmann erklären. Auch folgt auf jene Stelle gleich wieder eine jener gewöhnlichen Tirar- den, daß das Verständniß der Politik eben so gut

für den möglich sei, der Tag für Tag die Mauer­kelle führt, als für den, der mit Actenstößen han- thirt und daß eS eine der großen Errungen­schaften (?) der Februar-Revolution sei, daß sie be­scheidenen Arbeitern die Pforte der Versammlung erschlossen habe. Wir lesen die Reden jener sog. Arbeiter", und fragen cui hono? Wir sehen, wie er sich selber inS Gesicht schlägt dennich kann nicht oft genug darauf aufmerksam machen, daß der Landmann an den Pflug, der Arbeiter in feine Werkstatt gehört u. s. w."

Nun kann eS unS auch nicht Wunder nehmen, wenn er von dem allgemeinen Stimmrechte die Er­füllung des höchsten Ideals der Menschheit erwar­tet, wenn er auöruft:Ich bin der Schanzgräber auf der Straße, die zu deiner Welt führt, wo man nicht wissen wird, was befehlen und gehorchen ist! Die Lehre von der brüderlichen Gleichheit läßt die Verschiedenheit der Verrichtungen zu, welche auf der der Fähigkeiten begründet ist, aber nach dieser Lehre unsterblichen Inhalts sind alle Menschen Könige, alle Menschen Priester!" Tace, jam satis! Am Ende dieses Abschnittes führt er aus der Geschichte der französischen Revolution im Jahre 1793 den Beweis, daß nur eine Versammlung, nicht 10,000, wie Rittinghausen, oder 37,000, wie Considerant will, im Stande war, den damals über die junge Republik hereinbrechenden Gefahren, die Spitze zu , bieten , und heute lägen die Verhältnisse gar nicht anders.

Der vierte Abschnitt setzt den historischen Be­weis für seine Ansicht fort mit der Erinnerung an die Verdienste der verfassunggebenden Versammlung vou 1789, hinter der freiwillig fortwährend das Volk von Paris gestanden habe,um sie zu treiben, sie zu ermuihigen durch Geberden und Worte, ihr einen edlen Eifer einzuftüßen." Wirklich diese Fran­zosen besitzen eine erstaunliche Gewandtheit, wenn es darauf ankommt, schaudererregende Thatsachen mit blendenden Worten zu verhüllen. Fortwäh­rend werde daS Volk wachsam gehalten in Bezug auf seine Interessen, fortwährend mögen die Thüren der ClubS weit offen stehen, vor Allem aber werde Paris, dieser Brennpunkte, wohin jedes Volk, daS danach trachtet, Herr über sich selbst zu werden, sein Gesicht gerichtet hat", seine politische Bedeutung für ganz Frankreich erhalten, denneS gibt nicht eine Seite in der Geschichte der streitenden Freiheit, welche nicht in Flammenzügen daS WortParis" aufwiest u. s. w." Deßhalb auchAbstimmung am Hauptorte des Departements, nicht in der Gemeinde, wie die Royalisten und Contre-Revolutionâren woll­ten", Alles natürlich im Interesse der Freiheit! Und damit halte man die oben angeführte Stelle zusam­men, wo er von dem gesunden Sinne der Bauern spricht, denen er freilich einige Seiteu weiter ihr hartnäckiges Festhalten an tausend Vorurtheilen vorwirft,die leider auf dem Lande so verbreitet seien, wie z. B. der ausschließliche und auf den Einzelnen beschränkte Besitz deö Bodens, ein Vor- urtheil, von dem der Bauer nicht lassen wolle.

In dem letzten Abschnitt endlich vertheidigt er sich gegen den Vorwurf deS Strebens nach einer Dictatur, indem er seine Verdienste um die Grün­dung der wahren Freiheit (?) aufzählt und zugleich seine Ideen über daS zu erreichende Ziel aller poli­tischen Institutionen refumirt, nämlich die Herbei­führung eines gesellschaftlichen Zustandes,wo man von Jedem nur fordern wird, was er kann, indem man ihm gibt, waS er braucht, wo endlich das be­rühmte Wort Rabelat'S Fleisch und Bein gewinnen wird: Thu, was du willst". Er schließt damit, daß er seinen Gegnern die Anklage der Reaction deS alten Liberalismus an den Kopf wirft,denn sie gehen darauf auS, die französische Rednerbühne, diese erhabene Bühne, von welcher herab der So­cialismus daS Wort deS Heils verkünden soll, das da klingen wird bis an die äußersten Grenzen der Erde, umzustürzen".

Wir sehen, was eS mit LouiS Blanc, dem Practlker", auf sich hat, wir sehen, wie er noch himmelweit davon entfernt ist, die selbstgemachten Götzenbilder der sogenanntenreformatorischen Ideen der Menschheit" umzustürzen, wie er ihnen noch fast auf jeder Seite mittönenden Worten" Weihrauch streut. Wer aber weiß, wie wenig die Franzosen bei ihrer durch und durch rhetorischen Bildung im Stande sind, den vielleicht tauben und wurmstichigen Kern

hinter der glänzenden Schale auszusuchen, der wird sich nicht wundern, wenn diese Lehren noch eine breite Stätte in dem heutigen Frankreich finden, dem lei­der der Sinn für alles, was einen sittlichen Grund und Boden hat, daS Verständniß für Gesetz und Recht abhanden gekommen zu sein scheint. Der Grund der politisch und moralisch verwilderten Zu­stände liegt nur zum Theil in der gegenwärtigen Verfassungsform, in der Republik, er liegt viel tie­fer, und eS würde unS hier zu weit führen, darauf ein­zugehen ; eine nicht geringere Schuld trägt aber sicher­lich die Art und Weise der Bildung des französischen Volkes.

Deutschland.

* Wiesbaden, 27. October. Auf die Anzeige deS Hrn. KirchenrathS Schultz, NamenS deS Vor­standes deS Nassauischen HauptvereinS der Gustav- Adolph-Stiftung , wonach die Hauptversammlung des evangelischen Vereines der.Gustav-Adolph-Stif- tung im nächsten Jahre gegen Ende August dahier statlfinden soll, hat der hiesige Gemeinderath zur Besorgung der äußeren Anordnungen drei Mitglieder auS dem Gemeinderath (Schellenberg, Weil und Dögen) einstimmig gewählt.

DaS hiesige Polizeicommissariat hat sich durch zwei Erlässe ein unbestreitbares Verdienst um Ver« bcsserung des Gesellen- und Dienstbotenwesens er­worben. Nach denselben sollen Gesellen, welche von dreien Meistern und Dienstboten, welche innerhalb Jahresfrist auS eigenem Verschulden mehr alS zwei­mal ihres Dienstes entlassen worden sind, ferner hier nicht mehr eingeschrieben, und wenn sie hier keine HeimathSrechte besitzen, auS der Stadt entfernt werden.

0 Vom Westerwald, 24 Oct. Wir haben unS bisher noch Nicht davon überzeugen können, daß daS Gesetz über die Errichtung der Stockbücher die gedeihlichen Folgen nach sich ziehen wird, welche man sich vielfältig davon verspricht, so lange nicht die Güterconsolidation in allen Gemarkungen durch­geführt ist.

Will man aber auch darin, daß eine allge­meine Vermessung bei uns noch nicht stattgefunden hat, ein Hinderniß an der Durchführung des Ge­setzes nicht erblicken und würden auch ohne Conso- lidation diewohlthätigen" Wirkungen des Gesetzes denkbar sein, so dürfte eS doch zweckmäßiger er­scheinen , die Bestimmungen desselben vorerst nicht in Kraft treten zu lassen, da eine neue Regulirung der Grundsteuer nicht mehr lange hinaus zu schie­ben sein wird, welche, da die Stockbücher gleich, zeitig daS Steuerkataster abgeben sollen, mit der Errichtung der Ersteren im Zusammenhänge steht. Denn, werden die, dermalen auf den Grundstücken haftenden Steuerbeträge in die Stockbücher einge­tragen , so wird, vielleicht in kurzer Zeit, eine Re­vision und Berichtigung dieser bezüglich der Steuern erforderlich sein, was nicht nur wiederholte Kosten verursachen, sondern auch daS Ansehen der Bücher durch die eimretenden Correcturen schmälern wird.

Doch davon abgesehen und wie man auch der Anlegung der Stockbücher vielfach daS Wort reden mag, wir halten dafür, daß die jetzige Zeit überhaupt nicht mehr dazu geeignet ist, so kostspie­lige Einrichtungen in'S Leben zu rufen; denn sowohl der Bürger- wie der Bauernstand, beide haben noch allzusehr mit den Nachwehen der Märzerrun- genschaflen zu kämpfen, der ungünstigen dies­jährigen Erndle gar nicht zu gedenken, welche eine Verminderung der AuS - und Abgaben so wünschens­wert!) erscheinen läßt.

Wer, wie Einsender dieses, Gelegenheit hatte, die Mißstimmung der Gütcrbcsitzer hinsichtlich der Einführung deS in Rede stehenden Gesetzes, eine Folge der mitunter gedrückten pecuniären Verhält­nisse , kennen zu lernen, der wird mit ihm dersel­ben Ansicht sein.

Frankfurt, 24. Oct. (A. A. Z.) Die Nach­richt der Bremer Zeitung, daß sechs Regierungen (Dänemark, Holland, Hansestädte, Hannover, säch­sische Herzogtümer, Braunschweig und Nassau) gegen daS Inhibitorium in der hannoverischen ritter- schaftlichen Beschwervesache gestimmt hätten, ist da«