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ihre Beute zu holen, wurden sie von genannter Wache angegriffen, einer von ihnen in die Flucht geschlagen und der Andere zum Gefangenen gemacht. Der Letztere wollte diese Schmach nicht ertragen und faßte den kühnen Entschluß, seinen Kopf wie den der ermordeten Schafe vom Rumpfe zu trennen. Er nahm dazu, gleich dem edlen Falschmünzer von Urdorf, sein Taschenmesser, allein da eS wehthat, entschloß er sich, Inhaber seines irdischen Daseins zu bleiben. Er heißt Philipp Fink und ist von Kaltenholzhausen; bis dahin war er als ein braver Mann bekannt und soll angeben, sein Consorte, Wilhelm Anton Dörner, hätte ihn zum Diebstahl verführt und die Ermordung der beiden unschuldi­gen Schafe allein vollbracht. Herzogliches Justiz- amt dahier hat beide gefänglich eingezogen.

^ (Singen, 19, Oct. (Rheing. Anz.) Gestern landeten Schiffer am hiesigen Ufer den Leichnam eines jungen Menschen von ungefähr 18 Jahren. Er erregte durch seine Schönheit und seine Jugend das Mitgefühl Aller, die ihn sahen, um so mehr, da an seinem Kopfe die Spuren eines gewaltsamen Mordes durch 'blaue geschwollene Striemen sichtbar wurden. Seine beiden Hände waren wie zum Ge­bete gefakten, in welcher Stellung er vielleicht zu seinen Mördern gefleht und im selben Augenblick den Todesstreich erhalten haben mochte. Die gerichtliche Untersuchung der Leiche dauerte lange Zeit.

Frankfurt, 22. Oct. Bekanntlich wurde erst vor Kurzem eine Commission nach Bremerhafen gesandt, mit der Aufgabe, das Marine-RechnungSwesen einer ausführlichen Controlle zu unterziehen. Diese Com­mission, auS zwei BundeSbeamten und zwei Com- miffâren auS Hannover und Oldenburg bestehend, hat sich ihrer Aufgabe entledigt und weilt schon seit mehreren Wochen wieder in Frankfurt. Neuerdings wurde in den Zeitungen von einer neuen Commis­sion erzählt, welche im Begriffe stehe, nach Bremer­hafen abzugehen, um den Zustand der Flotte neuer- dingS zu prüfen. Diese Angabe findet von unter­richteter Seite keine Bestätigung. Bekanntlich ver­weilt der Contre-Admiral der deutschen Flotte, Hr. Brommy, selbst in Frankfurt, wohin er als Sach­verständiger in den Beirath deS MarineauSschusseS geladen wurde. Es genügt wohl von dieser That­sache Kenntniß zu haben, um die Absendung einer neuen PrüfungScommission auch ohne eine weitere thatsächliche Begründung sehr unwahrscheinlich zu finden.

Wir erinnern daran, daß vor noch nicht gar langer Zeit Contre-Admiral Brommy über den Zustand der deutschen Flotte eine Denkschrift ein­reichte, worin er sich unter Ander« ganz offen da­hin auSsprach, daß die Flotte ihrem Ruin entgegen gehen müsse, wenn sie noch lange in dem Zustande der Untätigkeit verharren sollte. Derselbe glaubt in dem Vorschläge, die Flotte eineweite UebungS- reise" antreten zu lassen, ein Mittel zur Abwehr der unausbleiblichen Nachtheile anbieten zu können. Man ging aber auS wohlerwogenen finanziellen Gründen nicht darauf ein. ES wird nicht erwartet, daß sich die Flottenfrage in das neue Jahr hinüber spinne; allein eS ist unter Umständen doch möglich, wie vieles Andere.

Schon seit mehreren Tagen verlautet, nach An­gabe desFr. I.", von einem Schritte, zu welchem ein kleiner Theil unserer Bürgerschaft (der sogenannte Reformverein") sich durch die fortwährende Schwebe unserer PerfassungSangelegenheit, welchem daS lei­dige Parteiwtsen kein befriedigendes Ende in Aus­sicht stelle, bei der deutschen Bundesversammlung werde bewegen lassen, und zu welchem die Vorbe­reitungen bereits eingeleitet seien. Man beabsich­tigt nämlich, sich mit dem Gesuche an die Bundes, Versammlung zu wenden,eS möge dieselbe kraft der ihr nach Art. 46 der Wiener Congreßacte zu- stehenden besonderen Competenz in VerfaffungSange« legenheiten der freien Stadt Frankfurt denselben ihre Aufmerksamkeit zuwenden und bewirken, daß, um einen festen rechtlichen Ausgangspunkt zu der Re­form der alten rechtlichen Zustande Frankfurts wieder zu gewinnen, der frühere, durch die am 19. Juli 1816 publicirte ConstitutionSergänzungSacte bedingte RechtSzustand wieder hergestellt würde".

Nach den Andeutungen inspirirter Kreise scheint, wie demF. I." auS Mitteldeutschland berichtet wird, die Nachricht,daß die österreichische Gesammtein- trittSfrage noch suSpendirt sei", sich zu bestätigen. Der Grund hiervon sei lediglich darin zu suchen, daß zuvor die VersaffungSverhältnisse des Kaiser- staateS wegen ihrer Rückwirkung auf den Bund und umgekehrt dieser auf jene, definitiv geordnet sein müßten. Ja, dieser Umstand sei von um so größem Gewicht , als Alles darauf hindeutet, daß eine Conforwität ber BersaffungSzustänve beider Lander von den Regierungen derselben so weit als möglich erstrebt wird, und diese dann wieder in einer bedeutenden Wechselwirkung zu der des deutschen überhaupt stehen wird.

DemMainzer Journal" wird auS ganz zu« verlässiger Quelle die Mittheilung gemacht, daß ein Berliner wohlbekanntes Bankhaus kürzlich von Oe­sterreich ermächtigt und beauftragt worden ist, einen

Betrag von mehr als 130,000 fl. zum Unterhalte der Flotte an die BundeSkasse zu verabfolgen.

Gießen, 22. Oct. Wie wir aus guter Quelle vernehmen, ist gegründete Hoffnung vorhanden, daß, wie schon vor längerer Zeit in derO.P.A.Z." mit genauer Angabe der noch auSzuhedenden Erb­massen, berichtet wurde, der Durchstich in der Linde­ner Mark im Frühjahr 1852 beendigt, und somit daS noch fehlende Stück der Main-Weser-Cisenbahn in Mitte deS nächsten Sommers ganz vollendet fein wird. Auch die hiesigen Bahnhofsgebäude sind sehr weit vorgeschritten: die Hallen für die Locomotiven, sowie die ArbeitSgebâude (Gießen wird die Haupt­werkstätten für die Bahn zwischen Kassel und Frank­furt erhalten) mit ddn Maschinensälen, den Werk­stätten, den großen, hoch aufstrebenden Zugöfen, den Wohnungen für daS Beamtenpersonal, die Güterschoppen rc. sind theilweise schon beendigt. Seit dem 1. Sept, werden sämmtliche Güler auf dem hiesigen Bahnhof verladen, respective für den Transport nach Langgöns umgeladen, und hat sich namentlich der Güterverkehr seit einiger Zeit auf dieser Bahn sehr gehoben. ES macht einen erfreu­lichen Eindruck, die vielen Güterwagen zu sehen, die von Magdeburg oder Leipzig (nach Frankfurt und weiter bestimmt) ohne Umladung bis hierher gelangen, nach Vollendung der Bahnen aber direkt bis Bafel, Mainz rc. werden fahren können.

Karlsruhe, 21. Oct. Ein Correspondent der Köln. Z." meldet, daß der über Baden verhängte Kriegszustand nach Ablauf der jetzigen Frist, also in ungefähr fünf Wochen, nicht mehr erneuert wird. Darüber jedoch, wie die Rückkehr zu dem regelmä­ßigen Zusianbe erfolgen soll, sind, wie eS scheint, die Meinungen im Schooße deS StaatSministeriumS noch getheilt. Als die Maßregel der Aufhebung im verflossenen Frühjahre vollzogen werden sollte, war die StaatSregierung darüber einig, daß die den Militärbehörden zustehende außerordentliche Gewalt provisorisch auf die Police! übergehen und zugleich die Entwaffnung einstweilen noch beibehalten wer­den solle. Jetzt dagegen besteht, wie man vernimmt, die Ansicht, daß lediglich auf dem Wege der Ver­ordnung , und zwar definitiv , der Policeibehörde höhere Befugnisse eingeräumt werden möchten, daß namentlich ihre Competenz in Bezug auf Freiheits­strafen bis zu zwei Monaten Gefängniß erweitert werde. Diese Bekugniß stand früher nicht einmal dem Einzelrichter zu, fie wurde ihm erst in neuester Zeit durch Zustimmung der Kammern verliehen. Ob nun ohne die Stände eine solch wichtige Verânde, rung vollbracht werden wird, dürfte noch sehr in Frage stehen. Jedenfalls wäre eS tief zu beklagen, wenn gerade über einen solchen Punct eine Mei­nungsverschiedenheit zwischen der Regierung und der zweiten Kammer sich ergeben würde, nachdem durch ihre Uebereinstimmung auf dem letzten Land­tage wirklich segensreiche Resultate für unseren Staat gewonnen worden sind.

Bekanntlich wurden beim Ausbruch unserer Revolution im Mai 1849 sämmtliche Mobilien im Hause deS Obersten Holz dahier zerstört oder ent­wendet. Für den sehr beträchtlichen Schaden for­dert der Beschädigte von der hiesigen Gemeinde Er­satz, nun haben alle Instanzen für den Antrag deS Klägers erkannt, und eS würde daher nichts An- deres übrig bleiben, als daß die hiesige Stadt Zahlung leiste. Allein die Härte und Unbilligkeit in dem betreffenden Falle hat unsere Regierung ein­gesehen, da eS der Bürgerschaft nicht möglich war, die durch ein Regiment Soldaten verübte Plünderung und Zerstörung zu verhüten. ES soll daher den Kammern nach Angabe derselben Quelle eine Vor­lage gemacht werben, wonach die Staatscasse den fraglichen Schaden zu übernehmen hat.

Zu den Austrittsanzeigen aus der zweiten Kammer ist nun auch eine solche des früheren Slaatö, Ministers v. Dusch gekommen; als Bekk's College hat er auch mit dessen neustem Schritte seine Ueber­einstimmung gezeigt.

Zweibrücken, 20. Oct. (Pf. 3 ) Am 16. d., einem FruchtmarktStage, ist daS Urtheil deS Assisen- gerichteS gegen die flüchtigen Angeklagten im Hoch- verrathsprocesse durch den Nachrichter an einem Pfahl auf dem Marktplatze angeheftet worden und wird, da daS Urtheil eS verordnet, auch noch in Landau, Frankenthal und Kaiserslautern in gleicher Weise angeheftet werden. Wiederum haben sich drei weitere politisch Angeklagte zur Aburteilung gestellt, nämlich: Georg Fuhrmann von Pirma­sens, der als Major und Militärcommissär fungirt hat; Friedrich Voltz, Kaufmann von Landau, und Karl Schmitt von Germersheim. Die strengen Maß­regeln , die in Frankreich gegen die politischen Flücht­linge aller Länder seither ergriffen worden, dürften vielleicht noch manchen der Pfalz Angehörigen zur Heimkehr bestimmen, wenn ihn auch außer der Stellung vor die Asstsen noch zuchtpolizeiliche Stra­fen bedrohen.

München, 21. Ort. In Bezug auf die gellern der Pfälzer Zeitung über Hrn. v. Kleinfchrod entnommene Nachricht wird der A. A. Z. gemeldet,

daß derselbe schon in wenigen Tagen hier zurück­erwartet wird. Hr. v. Kleinschrod hat, nachdem er von Rom auS Neapel besucht, sich dort nach Mar­seille eingeschifft, und wollte in diesen Tagen bereits auf dem Wege auS dem südlichen Frankreich über Lyon und Basel in Aschaffenburg eintreffen, von da auS aber nach kurzem Aufenthalt sich zur Ueber­nahme seines Portefeuille hieher begeben. Heute Vormittags war unter dem Präsidium des Prinzen Luitpold StaatSrathSsitzung, in welcher mehrere Ge­setzesvorlagen berathen wurden.

Aus Thüringen, 18. Oct. DieVoss. Ztg." schreibt: Der BundeStagSgesandte für die großh. und Herzog!, sächsischen Häuser ist sicherem Vernetz, man nach dahin instruirl, in der Zoll- und Han- delSfrage sich durchaus den preußischen Vorschlägen anzuschließen, namentlich aber nicht eher auf die von Oesterreich projectirte deutsch-österreichische Zoll- und HandelSeinigung einzugehen, als bis bestimmte, zlare Vorlagen hierüber gemacht werden, da sonst, wenn eine solcheallgemeine Entscheidung" früher ausgesprochen, nach Art. 14 der Schlußacte die sämmtlichen weiteren Verhandlungen im engeren Rathe durch bloße Stimmenmehrheit entschieden werden können, wozu es eben Oesterreich so gern bringen möchte.

Weimar, 22. Oct. Die hiesige Zeitung bringt unter der RubrikAmtliche Nachrichten" heute auch die Anstellung des Dr. Mommsen auS OldeSloe in Holstein als Professor an dem Realgymnasium in Eisenach.

Leipzig, 21. Octbr. Wie man erzählt sollen Heubner, Röckel und Heinzen, denen nach den bisher bekannt gewordenen Erzählungen die Be- freiungSversuche aus dem Waldheimer Zuchthaus gegolten hätten, nach der Festung Königstein gebracht worden sein.

Einem von dem Leipziger vereinigten Criminal« amt hinter dem sehr bekannt gewordenen General Plantagenet-Harrison erlassenen Steckbriefe entneh­men wir folgende interessante Schilderung dieser Persönlichkeit:George Henry de Strabolgin Ne­ville Plantagenet-Harrison ist in Aorkshire in Eng­land geboren, evangelischer Religion, 33 Jahre alt und 6 Fuß 6 Zoll hoch. Er spricht englisch und spanisch. Als besondere Kennzeichen werden angeführt eine Narbe am rechten Knie und eine Narbe am obern Schädel. Die Bekleidung bestand in blauer Uniform mit rothem Kragen, der Kragen mit Gold gestickt, die Ausjchläge ebenfalls von ro­them Tuch mit Gold gestickt; eine Hose von rothem Tuch mit goldenen Tressen an den Seiten. Er trägt einen großen Orden, angeblich den englischen St. GeorgSorden.

Hannover, 19. Oct. Ueber das Befinden des Königs waren gestern srüh besorgliche Gerüchte ver­breitet ; gegen Abend ater erfuhr man, daß Sr. Maj. besser gehe.

Ueber die sechs Stimmen, welche gegen das Inhibitorium in der ritterschaftlichen Beschwerde­sache gestimmt haben, kann dieN. Br. Z." die Mittheilung machen, daß dieselben folgenden deut­schen Regierungen angehören 1) Dänemark, 2) Hol­land, 3) Hansestädte, 4) Hannover, 5) sächsische Her- zogthümer, 6) Braunschweig und Nassau.

Aus der Provinz Sachsen, 20. Oct. (Fr. I.) Die Theuerung der Lebensmittel fängt bereits an, wieder nachzulassen. Ist auch die Getraiveernte nicht sehr günstig ausgefallen, so kann man in Rück­sicht auf die auS früheren Jahren noch vorhandenen Vorräthe und in Rücksicht auf die ausgedehnten Transportmittel wohl mit Sicherheit annehmen, daß wir bei einem nur mittelmäßigen Ernteertrage eine anhaltende Steigerung der LebenSmittelpreise nicht zu erwarten haben. Auch daS gegenwärtige Steigen der Getraidepreife kann nur als eine durch Speculanien herbeigeführte künstliche Theuerung be, trachtet werden. Die Märkte werden jetzt mit Kör­nerfrüchten aus den Ostseestädten so reichlich über­fahren , daß die Preise eben so schnell wieder her­untergehen, als sie vor einigen Wochen aufgestiegen waren.

Trier, 21. Oct. Der frühere Mitarbeiter der Trier'schen Zeitung", sel. Andenkens, Hr. Wilhelm Seelhoff, der in Folge bei ihm gehaltener Haus­suchung und besonders wegen der ihm zur Last ge­legten Autorschaft der FlugschriftOsterweck" ge­richtlich verfolgt wird, war nach Arlon geflohen. Dort wollte ihn das Gouvernement der Provinz nicht dulden ; die ersten Bürger Arlon'S verwandten sich für ihn und wollten die Bürgschaft übernehmen. Auf ein drittes Gesuch ist aber jetzt wieder ein ab­schlägiger Bescheid vom Ministerium erfolgt. Seel­hoff wird nun (ein anderer AuSweg bleibt ihm nicht) wieder nach Trier zurückkehren und sich den Gerich­ten stellen. Sein Schicksal ist dann nicht zweifel­haft. Der Redacteur derTrier'schen Zeitung" ist, nachdem ihm längst die Concession vollständig entzogen war, nachträglich gerichtlich wegen Preß- vergehenS zu 50 Thalern Geldbuße verurtheilt worben.