Erlangen, 18. Oct. (N. C.) Se. Maj. der König bat genehmigt, daß von den vertriebenen protestantischen Geistlichen Schleswigs eine dem Bedürfnisse entfprechendcZahl Tadelloser und Wohl- befähigter zur Verleihung deS Jndig'enatS und zur Anstellung im Dienste der vereinigten protestantischen Kirche in der Pfalz vorgeschlagen werden dürfe: ein mit freudigem Danke zu begrüßender neuer Be, weis, daß in dem Fürstenhause BaiernS deutsches Recht und deutscher Sinn unter allen Umständen Schutz und Vertretung findet.
Coburg, 16. Octbr. Unserem neuen StaatS- grundgesetze, welches als bemerkenSwertheste Bestimmung die Aufhebung deS suspensiven Veto enthält, ist der Entwurf eines provisorischen Gesetzes über die PensionSverhâltniffe der Offiziere beigefügt. Zufolge desselben ssollen die auf die Pensionirung der Civil-StaatSdiener bezüglichen Bestimmungen bis auf Weiteres auch auf die Offiziere unseres ContingenteS mit dem Zusatze Anwendung finden, daß jedes Dienstjahr, in welchem der Offizier einem Feldzuge beiwohnt, hinsichtlich der Pensionsbestimmung für zwei gerechnet werden soll. — DaS StaatS- ministerium hat den hier anwesenden gothaischen Commissarien insdiesen Tagen eine Vorlage zugehen lassen, nach welcher dem regierenden Herzoge und und dem Prinzen Albert zur Befriedigung ihrer Ansprüche auf die in öffentlichen Blättern schon früher besprochene Allodialrente drei gothaische Forst- districte, Tabarz, Frievrichrode und Winterstein, eigenthümlich" überwiesen werden sollen.
Leipzig, 18. Oct. (D. A. Z.) Gestern Abend wurde der hiesige Buchhändler H. MattheS verhaft tet. Die Ursache soll ein an ihn von einem Geschäftsfreunde B. aus Dresden gerichteter Brief fein, worin Hr.'MattheS ersucht wird, Ueberbringer des Briefes, Dr. med. Schneider aus Dresden, ein abgesondertes Zimmer seines GeschäftSlecalS einzuräumen, um einen Patienten ungestört untersuchen zu können, was aber Hr. MattheS wegen Mangel eines solchen LocalS auSgeschlagen habe. Durch die Untersuchung der waldheimer Fluchtversuche soll sich herausgestellt haben, daß jener angebliche Patient der Schütze Heber gewesen ist, der, wegen der waldheimer Fluchtversuche am meisten compromittirt, im Schlosse Pleißenburg sitzt. Durch amtliche Nach- suchung fand sich obiger Brief in dem Geschäft deS Hrn. MattheS, und da sich aus demselben nicht herausstellte, daß Hr. MattheS bei dieser Sache compromittirt sei, so glaubt man, daß er seiner Haft bald wieder entlassen werden wird. — Der in der Nähe von Bautzen wohnende RiltergutSbe- fitzer Philipp Knoch ist wegen politischer Untersuchung verhaftet worden.
Coblenz, 14. October. Der „Cöltt. Ztg." geht folgende Berichtigung zu; „Die von der „Coblenzer Zeitung" unlängst veröffentlichte und seither in mehrere andere Blätter übergegangene Nachricht, daß unser Gremium ein Verbot der Ausfuhr von Hülsenfrüchten und Getreide für die nächste Zeit beantragt habe, muß dahin berichtigt werden, daß lediglich der zollfreie Eingang genannter Gegenstände bis zur künftigen Aernte in einer Eingabe an das königliche Oberpräfidium der Rheinprovinz beantragt worden ist. Coblenz, 14. Oktober 1851. — Die Handelskammer".
Aachen, 18. Oct. Gestern ist der HandelSmi- nister, Hr. v. d. Heydt, von London zurückkommend, hier durchgereist.
Magdeburg» 17. Oct. Am 1. November wird die große Eisenbahnbrücke der Magdeburg -Witten- berge'schen Eisenbahn unweit deS preußischen Gränz- städtchenS Wittenberge dem öffentlichen Verkehre übergeben werden. Sie ist nicht nur eins der großartigsten, sondern auch der wichtigsten Eisenbahnbauwerke Norddeutschlands, ein Werk deS Regie- rungSbaurathS von Unruh, großartig wegen ihrer Länge und Breite und ihrer kühnen Bauausführung, und wichtig, weil sie die direkte Schienenverbindung zwischen der Nordsee und Italien und der Schweiz vermittelt, indem jetzt Reisende und Waaren von Hamburg bis in die Nähe deS Bodensees unmittelbar auf der Eisenbahn gefördert werden können. Welche Wichtigkeit für die VerkehrSver« hâltnisse eine solche direkte Verbindung, bei der alle Umladungen, Ramponagen u. s. w. vermieden werden , und dabei die möglichste Schnelligkeit deS Transports erreicht wird, herbeisühren muß, bedarf keiner Erörterung. Außerdem soll binnen Kurzem zwischen den wichtigsten Plätzen dieser Eisenbahnverbindung direkte Expedition mit bestimmten Lieferzeiten und höchst mäßigen Frachtsätzen eingeführt werden.
Am 19. d. MtS. wird der König mit einem großen Gefolge unsere Stadt passiren, um sich nach dem nahen königlichen Jagdschlösse Letzlingen zu begeben, wo in den angränzenden wildreichen Forsten vier Tage lang große Jagden abgehalten werden sollen.
Berlin, 17. Oct. Ueber die Zeit der Kammereinberufung ist noch kein definitiver Beschluß ge
faßt r eS scheint, daß man in derselben mehr Opposition erwartet, als in der letzten Session. Hr. v. Bodelschwing hat nicht mehr den Einfluß wie früher. Die conservatipe Partei ist zerrissen und zwar, waS merkwürdig genannt werden darf, gerade die Mitglieder der ersten Kammer sind mit der jetzigenWo- litik nach Außen nicht einverstanden. Die innere Politik wird wieder anders betrachtet, so daß z. B. die Frage über die Einberufung der Provinzialstände neue Spaltungen hervorgerufen hat. Viele sind damit einverstanden, schon weil die Verfassung darunter leidet und Vorrechte dabei ermöglicht werden; Andere halten sie für mindestens unbesonnen, und noch Andere eifern dawider, wie Bethmann-Hollweg in seiner neulich erschienen Flugschrift, die eine unbeschreibliche Sensation gemacht hat. Die hiesigen Blätter haben das Büchlein gar nicht nach Gebühr gewürdigt, weil der Verfasser nicht in das liberale Horn bläst, sondern sonst streng nach der ständischen Gliederung hinblickt, wie denn überhaupt die wirklichen Stimmungen fast gar nicht in der Presse zu finden sind. In den geselligen Kreisen lernt man sie kennen und einen sehr großen Theil solcher Kreise betritt die Journalistik niemals. Indeß nun in den inneren Fragen die Ansichten sehr auseinandergehen, herrscht bei der deutschen Politik mehr Zusammenhalten und die erste Kammer wird stark opponiren, wie auch in der zweiten viele Stimmen sich erheben werden. DaS wird sehr geringen Einfluß haben: die erste Kammer wird ohnedieß bald neu gestaltet, die zweite neu gewählt. — Der Vertrag vom 7. September mit Hannover bietet übrigens Stoff genug für das Ministerium, alle Conflicte zu überwinden. Es ist möglich, daß dieser Vertrag ganz unberechenbare Vortheile bringt, denn die übrigen Zollvereinsregierungen können sich nicht absondern. Die Unzufriedenheit der absolutistischen Organe einiger Länder rührt nicht von Opposition gegen den Vertrag her, sondern nur von alter antipreußischer Gesinnung, die dort nach gerade so wie vor 1848 obenauf schwimmt. Denn eS gibt gewisse Dinge, die scheinbar nicht vorhanden sind, die aber unzweifelhaft wieder anS Tageslicht kommen. Nicht umsonst ist jetzt daS Motto: „Vom Fels zum Meere" hervorgetreten.
Berlin, 18. Oct. Der Congreß der Zollvereinsregierungen wird der N. Pr. Z. nach muthmaß- lich schon im December stattfinden, iudem die meisten Regierungen, Baiern insbesondere, den Congreß so früh alS möglich anberaumt wünschen.
Dasselbe Blatt enthält folgende Mittheilung: „Ueber daS Schicksal der deutschen Flotte circuliren immer noch die widersprechendsten Gerüchte.j So weit wir diese Angelegenheit kennen, stellt Oesterreich immer noch den Plan einet Aufstellung von drei großen Flottenabtheilungen hin, von denen die eine die österreichische im adriatischen Meere, die zweite die preußische in der Ostsee und die dritte die sogenannte „Deutsche" Flotte in der Nordsee sein soll, mit der Maßnahme, daß die letztere ebenso der Bundesaufsicht untergeben sein soll, wie die Landheere. Die preußische Regierung und mit ihr die meisten der Bundesregierungen streben immer noch die Theilung der „Deutschen Flotte"an, nach Maßgabe des Eingezahlten, nicht, als ob dieselben keine Schiffe haben wollten; dieselben lassen vielmehr in ihrem eifrigen Bestreben, Schiffe zu haben, nicht nach, nur wollen sie keine in der deutschen ReichS- verfassung wurzelnde Flotte".
Gegenüber der von hier den „Hamb. Nachr." gemeldeten Rachricht, daß der Graf Thun beim Bundestage einen Antrag gestellt habe, nach welchem eS zur Aufnahme neuer BundeSmitglieder nur einer Majorität von % der Stimmen bedürfe, schreibt die „N. Pr. Z.": Graf Thun habe einen solchen oder ähnlichen Antrag nicht eingebracht. UebrigenS Hal schon Hr. v. d. Pforvten, wie ein Blatt richtig bemerkt hat, für nöthig gehalten, officiell zu erklären, daß der bisherige Stimmmodus für die Abänderung organischer Bestimmungen der Bundesgesetze beibehalten werden soll.
Mecklenburg-Schwerin, 11. Oct. (Wes.-Ztg.) Noch immer beschäftigt die durch den beabsichtigten Anschluß Hannovers an den Zollverein wieder in den Vordergrund getretene Frage, ob Mecklenburg sich ebenfalls bald dem Vereine anschließen werde und müsse, hier einen Theil unserer Presse. Die Ansichten hierüber sind nach dem verschiedenen Standpunct, den unsere größeren Blätter nehmen, ziemlich von einander abweichend. Am heftigsten gegen einen Anschluß Mecklenburgs an den Verein decla- mirt der „Norddeutsche Correspondent", das auf Actien gegründete Organ unserer Junkerpartet. Die Gründe, welche denselben gegen den Beitritt zum Verein bestimmen, sind zwar weniger aus der Nationalökonomie geschöpft, als aus politischen oder egoistischen Rücksichten stammend. Unsere Landjunker haben daS instinctmäßige Gefühl, daß ein Anschluß Mecklenburgs an das übrige Deutschland dem mittel- alterischen Feudalunwesen , was sie mit allen Kräften bei unS zu erhalten, oder wo eS 1848 auSge- rottet wurde, wieder einzuführen bestrebt sind, ein fast unbesiegbares Hemmniß sein wird. Sie möchten das Land lieber wo möglich durch eine chinesische
Mauer von allen anderen deutschen Staaten, in denen auch nur die mindeste freie Luft noch weht, absperren, als eS durch einen so wichtigen Verein näher mit demselben verbinden. So wie Mecklenburg aber dem Zollvereine beitritt, ist die Regierung in finanzieller Hinsicht weit unabhängiger als jetzt, braucht nicht das Wohl und Wehe aller übrigen Bewohner deS Landes der Willkür einiger hundert Gutsbesitzer aufzuopfern, die unbedingt zu jeder Reform, die auch nur im Mindesten ihre wahren oder eingebildeten Interessen zu nahe treten könnten, daS nöthige Geld verweigern. Ein zweiter Grund deS Widerwillens unserer Edelleute gegen den Zollverein ist, daß jetzt die Ritterschaft und in Rostock, daS eine besondere Steuerverfassung besitzt, jeder Adelige Befreiung von allem Zoll und indirecten Steuerabgaben noch besitzen. An der Binnenzoll- stätte, wo der arme wandernde Hecheltrâger hohen Zoll für seinen Tragepacken bezahlen muß, fährt der vierspännige Wagen deS reichen Gutsbesitzers, mit den theuersten LuruSwaareu beladen, ganz zollfrei vorbei; daS kleine Packet, das eine kümmerliche Wittwe in Rostock von ihrem Sohne in Schwerin oder einer anderen Stadt zum Geschenk erhält, muß Accise und Zulage entrichten, während der dort wohnende Adelige, so wie nur das Wörtlein „von" vor seinem Namen steht, sich viele Kisten von Champagner direct auS Epernay kommen lassen kann, ohne daß der Staalscaffe auch nur ein Schilling an Abgabe irgend einer Art dafür zuflöffe. Solches Privilegium der Zoll- und Steuerfreiheit, was ihren Beuteln trefflich nützt, möchten aber unsere Landjunker nicht gern aufgeben, wie eS beim Eintritt in den Zollverein geschehen müßte.
Dies sind die wahren Ursachen, welche daS in Mecklenburg jetzt wieder mächtige Junkerthum gegen gen Verein, der in finanzieller Hinsicht wenigstens keinen Unterschied der Stände kennt, so sehr einnehmen, und eS sowohl öffentlich wie im Geheimen gegen denselben auf alle mögliche Weise zu wirken bewegen.
Wien, 16. Oct. Der Aufstellung eines Ob- servationScorpS an der türkischen Grenze wird wiederholt widersprochen. Der Moment zu einem Einschreiten in Bosnien ist nicht vorhanden, und waS die montenegrinische Angelegenheit anlangt, so scheint sie keinen ernstern Befürchtungen Raum zu geben. Der Vladika von Montenegro war vor einigen Wochen in Wien und eS ist nicht erörtert, ob er Oesterreich das Protektorat über jenen kleinen, gleichwohl wichtigen District angetragen habe, wie eS bei feinem Vorgänger der Fall war. So viel scheint indeß gewiß, daß sich die Regierung bei allen Vorgängen an jener Pforte deS osmanischen Reiches alS Zuschauer verhalten werde. In Zukunft wird vielleicht daS österreichische Interesse mehr gewahrt und ver Lage der geknechteten Christen in den nördlicheii EjalatS der Türkei einige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Unruhen, welche seit langer Zeit die Türkei unterwühlen, ließen unsere Staaten unberührt. Die österreichische Regierung fand eS süd klug, sich neutral zu verhalten, weil eS keines Einschreitens gegen die Türkei bedarf, wo ein anber* weitiger Einfluß dfe Grundfesten deS Islam erschüttert. Jemehr die Reform das lin der Türkei überwiegende Princip wird, desto schneller eilt sie ihrem Verhângniß entgegen. Jedenfalls wird eS jedoch Oesterreich als seine Pflicht, als ein Gebot der Nothwendigkeit betrachten müssen, eine vorsehende Stellung der Türkei gegenüber einzunehmen, und überhaupt stets in seinem StaatSintereffe zu handeln, wenn es die Zeit erfordert, da die Pforte nicht mehr wie sonst den Ansichten der konservativen Mächte zu huldigen scheint.
Leider scheint daS fürchterliche Ereigniß der Explosion deS Pulverthurms bei Krems durch ein Verbrechen verursacht. Der Inspektor deS Pul- verchurmS war einer Defraudation beschuldigt, unb soll namentlich im Jahre 1848 ansehnliche Vorräche von Schießpulver entwendet und verkauft haben. Eine commissionelle Untersuchung ward deßhalb angeordnet, deren Mitglieder, ein Major, ein StabS- Auditor und ein Artillerielieutenant, kaum mit dem Angeschuldigten in die Magazine getreten waren, alS die schreckliche Explosion erfolgte, und weithin die umliegenden Felder und Weingärten verwüstete, so daß selbst die näher gelegenen Häuser von KremS und Stein erbebten. Die Leichen der genannten drei Mitglieder der Commission und einiger Wachtposten sind aufgefunden worden. Der Kutscher der Equipage, welche sie zum Pulverthurm fuhr, und vor diesem stehen blieb, wurde schwer verwundet, die Pferde kamen unbeschädigt davon. Der Pulvervorrath bestand in 120 Gentnern, und daS Unglück würde ungleich größer gewesen sein, wenn nicht vor wenigen Tagen erst 800 Centner nach Wien abgeliefert worden wären. — Telegraphische Nachrichten melden die erfolgte Ankunft deS Kaisers in Tarnow, wo er, wie überall in Galizien, mit lautem Jubel empfangen.
Die Verwarnung, welche den Lloyd vorgestern betroffen, ist nicht von dem Ministerium deS Innern, sondern von der obersten Militärbehörde auSgegan- gen, deren Strenge Hr. Warrens, wie er in seiner Polemik gegen die „Presse" sagte, verfallen zu müfe