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NMmschc Allgemeine Zeitung.

Dienstag den 21. Oktober

mi.

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PränumecutionSpreiS ist in Wiesbaden für den Umfang des Herzo^thums Nassau, des GroßherzogthumS und KurfürssenthumS Hessen, der Landgrafschan öessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. IO fr. Inserate werden die dreisvaltige Pentzeile oder ve-en Raum mit ,t fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Paüämlern <u machen

Uebersicht.

Deutschland. Aus der Mitte de« Rheingaues (Se. Hoheit der Herzog). Vom Main (Zur Handels- frage) Limbnrg (Verein nass. Aerzte). Dillen­burg (Asstfenfâlle). Vom hohen Westerwald (Das Feld der politischen Thätigkeit). Frankfurt (Bremen. Der technische Beirath. AuSträgalinstanz). Stuttgart (Die Eisenbahnbrücke über die Donau. Der Proceß Becher). München (Die Interpellationen). Leipzig (DaS Institut der Geschwornen). Hannover (DielSituation).>Bernburg (Der Landtag). DuiS- burg (Auerswald und Fritjch). Berlin (Gen. Bonin. Militärisches, Die Kammern. Neues Wahlgesetz. Die Postconferenz. Der hohenzollernsche HauSorden. Die niedcr- schlestsch - märkische Eisenbahn). «Königsberg (Die freie Gemeinde). Wien (Reise des Kaisers. Die Ver­fassung. Die dänische Note. Erzherzog Leopold. Post­vertrag mit Amerika. Telegraphentarif. Vermischtes).

Frankreich. Pari« (Die Ministerkristâ. Girardi». Die Union". Erklärung de«Constitutionnel". Unruhen. Ver­mischte«).

Neueste Nachrichten.

Deutschland.

-r? AuS der Mitte des Rheingaus, 19. Oct. Gestern Nachmittag beehrten Seine Hoheit der Her- zog, Ihre Hoheit die Frau Herzogin und Ihre Mutter und Schwestern daS alte Kloster Eberdach mit Ihrem Besuche. Nach Besichtigung der Kloster- kirche begaben sich die Hohen Herrschaften auf den Äoß, um von dort die herrliche Aussicht auf das schöne Rheinthal zu genießen. Nachdem die Hohen Gäste noch die Heil- und Pflegeanstall Eichberg be- sucht hatten, kehrten sie gegen 4 Uhr wieder nach Biebrich zurück.

II Dom Main, 18. October. Die hiesige OberpostamtSzeitung nimmt auch in der HandelS- frage immer mehr einen entschieden österreichischen Standpunkt an und hat dies feit Kurzem durch zwei Leitartikel bethätigt, die wirklich viel Ueber- raschenveS bieten, von denen aber mit Sicherheit anzunehmen ist, daß sie den Zweck, der ihnen au­genscheinlich unterlag, gänzlich verfehlen werden. Nach diesen beiden Artikeln zu urtheilen, von denen der eine in Nr. 242, der andere in Nr. 247 der OberpostamtSzeitung vom 10. und 16. d. enthalten ist, wäre für die Deutschen durchaus kein Heil mehr bei ihrem Zollverein und würde ihnen ein solches im Handel erst dann wahrhaft erwachsen, wenn sie sich unter die Fittige und Leitung Oesterreichs be­geben. Als besonders bezeichnend in dieser Hinsicht ist eine Stelle des letzteren Artikels zu erachten, welche besagt, daßdie österrekchische Handelspoli­tik bestrebt ist, den Handel und die Gewerbthätig- keit Mitteleuropas vor dem verderblichen Einflüsse Englands, ja vor dem Untergange durch dasselbe zu schirmen". Bekanntlich wurde Napoleon bei der von ihm ungeordneten Continentalsperre von gleichen Ideen geleitet. Auch er wollte Mitteleu­ropas Handel und Gewerbthätigkeil vor den an geblichverderblichen" Einflüssen Englands, ja vor dem Untergange durch dasselbe schirmen , und eben zu diesem Zweck versperrte er dem Handel die na türlichen Bahnen, auf die er angewiesen ist, Nur ein Gleiches würde übrig bleiben, um das wirksam zur Geltung zu bringen, waS dieösterreichische Handelspolitik" angeblich in'S Auge gefaßt hat, und kaum zu begreifen ist, wie ein solches napo­leonisches nationalwirthschaftlicheS Recept noch jetzt den Völkern im Ernst empfohlen werden kann!

Jedenfalls sind dieS sehr nahe liegende Betrach­tungen, die aber bei den ultra-österreichisch gesinnten Referenten der Oberp. Z., in Folge des gewaltigen EiferS, den sie für ihre Sachen tragen, gleich an­deren, eben so nahe liegenden, gar nicht haben auf­kommen können. So wird auch von ihnen ganz übersehen, indem sie den Deutschen anrathen, sich unter den Schirm der österreichischen Handelspolitik zu begeben, daß wenigstens die bisherige durchaus keine praktischen Erfolge, die für jene als anlockend zu bezeichnen sind, aufzuweisen hat. In Vergleich mit dem Zollverein ist in Oesterreich der Belang des Handels und der Industrie, wie der Konsumtion zollpflichtiger, mehr oder minder wirthschaftlich wich­

tiger Waaren und der Zollintraden, um die Hülste bis zwei Drittel zurückgeblieben, und in den nicht zum Zollverein gehörenden Staaten Deutschlands stellen sich m.hrere dieser Positionen noch weit mehr zum Nachtheile Oesterreichs. Dagegen hat f eilich der Schmuggelhandel an den Grenzen Oesterreichs eine weit größere Ausdehnung erlangt, als an denen Deutschlands. Doch ist dieS ein Fortschritt Oester­reichs, dessen Aneignung Deutschland sicherlich am wenigsten empfohlen werden kann.

AuS allem diesem ist übrigens nicht abzuneh men, als wären wir einer HandelS- und Zollunion zwischen Deuttchland und Oesterreich unter allen Umständen und überhaupt entgegen gesetzt. DaS ist keineSwegeS der Fall und nur gegen die Han, delSpolttischen Ideen, welche die Referenten der Obberp. Z. dafür aufstellen, müssen wir unS deS Ällerentfchiedensten erklären. Auch treten dabei in Wahrheit sehr arge innere Widersprüche hervor. Man sucht von jener Seite zu demonstriren, daß eS im gemeinsamen Interesse Deutschlands und Oester­reichs liege, ihre beiderseitigen Märkte zusammen zu werfen, jeden derselben um daS neue ®ibiet zu er­weitern, und daraus folgt von selbst, daß, je weiter ein HandelSgebiet, desto besser, nicht aber, daß um­gekehrt eine Absperrung desselben nach anderen Sei­ten hin, wie gleichzeitig beantragt wird, etwas Nützliches und Wohlthätiges sei. Als vollends un- mottvirt erscheinen die speciell gegen England ge­richteten AdsperrungSdeclamaNonen. In Wirklich­keit sind diejenigen Staaten Deutschlands, welche dem englischen Handel am mehrsten offen bis jetzt sind, im materiellen Wohlstände verhältnißmäßig weiter vorgeschritten, als die deS Zollvereins, noch viel weiter aber als Oesterreich , und das er klärt sich auch, wie wir nicht erst zu erörtern brau­chen sehr leicht. Der gewaltige Haß gegen England, welche die Referenten der OberpostamtSzeitung zur Schau tragen, mag politische Uriachen haben. Wir wollen dieS hier nicht erst untersuchen. Denselben aber auf daS Handelpolitische und den Handel zu übertragen, zeugt von keiner Besonnenheit. Handel und materielle Verhältnisse der Völker haben eS nur mit Realitäten zu thun und können eben so wenig durch Declamationen, als durch politische Antipa- thieen oder Sympathieen befriedigt werden.

Wäre man aber auch über die handelSpoliti- schen Basen einer HandelSunion zwischen Deutsch­land und Oesterreich völlig einig, so treten doch ge- gen dieselbe für Deutschland augenblicklich noch an­dere gewichtige Bedenken auf. Wir meinen damit vor Allem die Geld- und Valutaverhältnisse Oester­reichs und sind der Ansicht, daß, so lange diese in kein wesentlich befriedigenderes Stadium getreten sind, Deutschland an eine solche Association durch­aus nicht denken kann und darf. Deutschland würde anderenfalls in die Nachtheile jener unver­meidlich milverflochten werden, und eS liegt kein Grund vor, dies Deutschland anzusinncn.

Limburg, 16. October. Gestern wurde die erste Generalver>ammlnng deS Vereins Nassauischer Aerzte dahier abgehalten. Die Versammlung war ziemlich zahlreich von nah und fern besucht. Der Verein wurde defini iv als ein rein wissenschaftlicher constituirt; die Zahl der Theilnehmer beträgt 46. Eine gründliche Revision der Statuten nahm »alle Zeit in Anspruch. Bei dem darauf folgenden hei­teren Mahle wurde der erste Toast Sr. Hoheit dem Herzog gebracht, und der zweite auf daS Gedeihen deS Vereins, worauf sich die Gesellschaft trennte.

-s- Dillenburg, 17. Octbr. (Privat Mit­theilung.) Bei den As Ilsen deS HolgerichtSbe- zirks Dillenburg für daS IV Quartal 1851 wer­ben die folgenden Anklagesachen zur Verhandlung kommen:

Am 20. October gegen Herrmann Lei end e- cker von Mudenbach, JustizamtS Hachenburg, we­gen ausgezeichneter Diebstähle.

Am 21. Ocrober gegen Jacob Fuchs von Ransbach, JustizamtS Seilers, wegen Körperver­letzung.

Am 22. Oktober gegen Joh. Christian Friedrich Häuser von Goßwitz, königl. preuß. Kreises Er­furt, wegen Schriftfälschung.

Am 23. Oktober gegen Henoch Mannhei­mer von Schenkelberg, JustizamtS SelterS, wegen

Verausgabung wissentlich erworbener falscher tön. Preuß. Darleh-nScassenicheine.

Am 24. Oktober gegen Jacob Leicher von Stockum, JustizamtS Marienberg und Johannes Schmidt von HeUenhahn, JustizamtS Rennerod, wegen Verausgabung falscher fürstl. schwarzburg', scher Caffen - BillelS im Einverständniß mit deren Verfertiger, dessen Gehülsen oder Begünstiger.

Am 25. Ociober gegen Ludwig Wolf von Tiubenbaeb, JustizamtS Hachenburg wegen Wald- brandstlftunq.

Am 27. Oktober gegen Wilhelm Weber von Lützendorf, JusttzamiS Weilburg, wegen Meineids und ausgezeichneten Diebstahls.

Am 28. Oktober gegen Johann Pötz von Dielkirchen, JustizamtS Limburg, wegen Schriftfâl, fchuirg und Betrugs.

Am 29 Ociober Bernhard Rosenthal von Gemünden, JustizamtS Rennerod, wegen Schrift­fälschung.

Am 30. Oktober gegen Martin Reh von Waigandshain, JustizamtS Rennerod, wegen Ver­ausgabung wissentlich erworbener falscher k. preuß. DarlehenScaffenscheine.

Am 31. Oktober gegen Chauffeewärter Phi­lipp Gottlieb von Hachenburg wegen Dienst­vergehen.

Am 1. November gegen Jost Henrich Treu- b el von Oberroßbach, Justizamt Dillenburg, wegen ausgezeichneten Diebstahls.

Am 3. November gegen Christian Georg und I dessen Ehefrau Anna Maria, geb. Wolf, von El- gendvrs, JustizamtS Montabaur wegen KinveSauS« setzung.

Am 4 November gegen Martin Henrich von DreiSbach uno Simon Kögter von Püzche», I»- stizamtS Marienberg, wegen Meineids, und Joh. Peter Steinebach von Linden, JustizamtS Sel­terS, wegen Anstiftung zum Meineid.

Am 5. November gegen Georg Schuster von Montabaur wegen Schriftfälschung, Betrugs, Un­terschlagung und Diebstähle.

Am 6. und 7 Novbr. gegen Johannes Kolb von Driedorf, Justizamts Herborn, wegen Veraus­gabung wissentlich erworbener falscher k. preußischer DarlehenScaffenscheine.

Am 8. November gegen Joh. Jost Wilhelm Stahl von Driedorf, JustizamtS Herborn, wegen Verausgabung wissentlich erworbener falscher kön. preuß. DarlehenScaffenscheine.

Am 10. November gegen Schullehrer Johannes Heer von Hangenmeilingen, JustizamtS Hadamar, wegen Ableistung eines falschen Handgelöbniffes an EidcSstatt.

Gegen Ferdinand und Christian HaaS von Emmrlchenhain, JustizamtS Rennerod, wegen Ver­ausgabung wissentlich erworbener falscher k. preuß. DarlehenScaffenscheine.

x Vom hohen Westerwald, Mitte October. In einem vom Westerwalbe valirten Artikel, der auch inzwischen Erklärungen hervorgerufen hat, laS ich neulich Angaben über wahrnehmbare politische Thätigkeit derLinken" verbunden mit der Frage: waS von der Rechten " dagegen gethan werde?

Ich will die Richtigkeit deS thätlichen Inhalts jenes Artikels dahingestellt sein lassen und nur die gestellte Frage .aus vollster Ueberzeugung beant­worten mit:NichlS", durchaus Nichts"! und befürchte bei diesem kathegorischen AuSspruch auch nicht den leisesten Widerspruch von irgend ei­ner Seite.

Diese angebliche Rührigkeit derLinken" und und der in der aufgeworfenen Frage für die Rech­ten liegende Vorwurf der Unthäligkeit soll sich, so viel ich auS dem Artikel habe herauslesen können, doch wohl nur aus die Wahlen zur Abgeordneten­kammer für deren bevorstebenden oder vermutheten Zuiammentrikt beziehen. Dieß vorausgesetzt, weiß ich auf die gestellte Antwort keine andere Antwort, alS drei Fragen:

1) Glaubt im Ernst irgend Jemand im Lande an die innere und äußere Möglichkeit deS Zu- I sammenlrelenS einer nassauischen Kammer hervor- j gegangen auS dem allgemeinen Stimmrechte?

I 2) Erwartet i in Ernst i.rgend Jemand im i Lande von einer solchen Kammer deren Zustande-