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Rassamschc Allgcmeine Zeitung.

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Dienstag den 14. Oktober

1851.

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumecationspreis ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaii Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Ä fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes Ä fl. IW rr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Der Septembervertrag und der Zollverein. Deutschland. Diez (Hohe Gäste auf Schaumburg). Fra.nkfurt (Gladstone's Schreiben. Die Beschwerde des Herzogs von Augustenburg. Die anhalt- kothensche Virilstimme). Wetzlar (Erzherzogin Marie), Aus dem Großherzogthum Baden (Die schleswigschen Geistlichen). Kassel (v. Motz). Stuttgart Der Kronprinz. Prof. Zimmermann). Tübingen (StiftS- Verein). Dresden (Die Finanzoperation). Leipzig (Der Fluchtversuch in Waldheim). Köln (Untersuchung gegen die Gemeinderäthe). Luremburg (Eröffnung der Deputirtenkammcr). Berlin (Der Bundesbeschluß vom 3. October. Der Thomakscheckssche Betrug).Bremen (Aeußerung der Bürgerschaft). Hamburg (Verhaf­tungen). Wien (Fürst Metternich. Ersparungen. Graf Rothschild. Palmerston'sche Note. Vermischtes).

Dänemark. Kopenhagen (Der Volksthing. Einkom­mensteuer. Ministerkrisis. Noten). Frankreich. Paris (Die Fremdenlegion. Dr. Veron. Demokratische Subscription. Die Allianz. Ministerkrisis, v. Fallour. Lamartine. Vermischtes).

Spanien. Madrid (Veräußerung Cnba's. Die Königin Mutter. Vermischtes).

Neueste Nachrichten.

Der Septembervertrag und der Zollverein.

DieZeitung für Norddeutschland" enthielt vor einigen Tagen eine Corresponvenz aus Lüneburg, welche auf daS Detail hannoverischer Gewerböver hâltniffe und deren Verhältniß jum ZoUvereinötarif eingehl. DaS genannte Blatt macht auf die gegen den Beitrag vom 7. Sept, zulässigen ökonomischen Bedenken aufmerksam. Wir lassen seine beachtungs- werthen Bemerkungen hier ausführlich folgen:

Obgleich wir die bedeutende Erhöhung der Eingangsabgaben auf die wichtigsten Confumtions- artikel, welche unserer Rechnung' nach viel bedeu­tender ist, wie sie in der preußischen Denkschrift an­gegeben wird, als den Grundsätzen einer richtigen Finanzwirthschaft widersprechend sehr beklagen, so ist dieselbe doch unserer Ansicht nach nicht so be­denklich, weil dafür unsere Staatskasse durch das Prâcipuum entschädigt wird und jene Mehrausgabe hauptsächlich diejenigen Steuerpflichtigen trifft, welche sie am leichtesten tragen können.

Einige der Schutzzölle werden uns aber schwere Nachtheile zufügen. Von Viesen wollen wir für heute nur den Eisen, und den Tw ist zoll her­vorheben.

Das Baumwollengarn hat in der neuesten Zeit für unsere Industrie, nicht sowohl für die der Fabriken alS für die viel wichtigere Handarbeit, eine große Bedeutung erlangt.

Wer weiß, welch große Verluste einem nicht geringen Theile unserer Bevölkerung dadurch er­wachsen sind, daß die als Nebenbeschäftigung be­triebene Spinnerei und Weberei viel Jahre hin­durch eigentlich gar keinen Gewinn abgeworfen hat, der wird nicht verkennen, was eS heißt, wenn eine so allgemeine gewerbliche Thätigkeit gestört wird.

Eine solche Störung droht |nun, wie wir glauben, unsern erst in den letzten Jahren wieder aufgeblühten Handwebereien durch den Twistzoll. Unsere s. g. Leineweber ein in fast allen Städ­ten des Landes, namentlich den kleineren, sehr stark vertretenes Gewerbe waren vor etwa zehn bis zwanzig Jahren fast sämmtlich verarmt. Seitdem sie auf verbesserten Stühlen angefangen haben Baum­wollengarn mit leinenem zusammen oder auch erste­res allein zu verweben, sind sie zum Theil trotz der Concurrenz mit den Fabrikprovucten empor gekom­men. Ob sie diese Concurrenz bei dem bedeutenden Schutzzölle auf Twist bestehen können, ob die, welche auf dem Lande in der Jahrszeit, in welcher ihnen andere lohnende Arbeit fehlt die Weberei als Ne­benbeschäftigung treiben und solche in der neuesten Zeit durch die Mitbenutzung von Baumwollengar, nen sich wieder einträglich gemacht haben nach' der . Bertheuerung dieses GarnS durch den Zoll noch Gewinn haben werden, scheint uns sehr zweifelhaft und daher der Twistzoll, welcher unS droht, höchst

gefährlich, wenn wir auch nicht im Stande sind, die Nachtheile in Zahlen auszudrücken.

DaS würde unS, wenn wir wollten, bei dem noch bedenklicheren Eisenzolle annäherungsweise mög­lich sein. ES gibt fast keinen Schutzzoll der tadelnS- weriher wäre alS der auf Eisen gelegte, da es sich hier um ein Product handelt, dessen Preis durch die Concurrenz innerhalb der Zollschranken nicht er­heblich herabgedrückt werben kann. Sein Werth ist gegen die Transportkosten zu gering, als daß es dem Consumenten an der Nord- und Ostsee EtwaS nützen könnte, wenn in Schlesien, Westphalen u. s. w. die Eisenproduction sich vermehrt. Er muß trotz deS Schutzzolls englisches Elsen, dessen Transport zu ihm billiger ist, kaufen und wird daher zum Vor­theile Anderer ganz unverhältnismäßig besteuert. Dazu kommt, daß Deutschland und insbesondere der Zollverein gar nicht im Stande ist seinen Bedarf an Eisen selbst zu produciren, daß selbst, wenn dies möglich wäre, jede Aussicht daS Eisen je so billig herzustellen, wie eS in England wegen natürlicher, nicht zu besiegender Vortheile (z. B. des nahen Zu­sammenliegens großer Eisenstein- und Kohlenlager) möglich ist.

Unter solchen Umständen ist der Schutzzoll schon nach seinem Zwecke gerichtet. Daneben hat der in Rede stehende aber alle diejenigen Nachtheile, welche von allen Schutzzöllen unzertrennlich sind, im höchsten Maße. Er vertheuerl ein Product, welches für jede andere großartige Industrie unentbehrlich ist; er verhindert und erschwert die Vermehrung der Arbeitskräfte, die wahre Quelle der Vermehrung des NationalreichthumS, mittelst der Anwendung von Maschinen u. |. w.

Wenn unsere Regierung in den bevorstehenden Verhandlungen über den Zolltarif nicht dahin strebt, Daß der EisenzoU wenigstens für unsere Küüenge. genden und nicht bloß zum Nutzen deS Schiffbaues aufgehoben unv resp, herabgesetzt wird, so würde sie sich eines großen Fehlers schuldig machen.

Daß diese Bestrebungen Erfolg haben werden, hoffen wir um so mehr, alS ein großer Theil der preußischen Monarchie dasselbe Jntereffe mit uns hat und nach der Zollvereinögesetzgebung aus­nahmsweise die Erlassung oder Herabsetzung der Eingangsabgaben für einzelne Distrikte des Vereins zulässig ist.

Nicht wenige Sätze deö ZollvereinötarifS wer- deu in unserem Interesse einer Herabsetzung be­dürfen , keiner aber.ist uns-reS Erachtens in dieser Rücksicht mit so guten Gründen anzufechten wie der Eisenzoll.

Haben wir auch in unserm früheren Artikel den Abschluß deS ZollveriragS aus allgemeinen Rücksichten mit Freuden begrüßt, so sind wir doch keineswegs gegen dessen Nachtheile blind und nur um deswillen damit^ einverstanden, weil wir hoffen, daß die neuerdings hervorgeirelcne Neigung des Zollvereins sich immer tiefer in das fast unzerreiß­bare Netz deS Schutzzollsystems zu verstricken, durch unsern Anschluß einen Stoß erleiden wird.

Sollten wir unS hierin irren, so würden wir auS einem Freunde des Vertrags ein Gegner des­selben werden müssen, obgleich wir auch selbst auf diesem Gebiete zu einem Vergleiche geneigt sind und anerkennen, daß wir den enlgegenstehenden An­sichten einige Concessionen machen müssen. Leider ist eS gerade die Ausführung, welche daS Schutz­zollsystem so verderblich macht. Könnte man sich auch mit einigen Sätzen der Theorie, als z. B. dem der dadurch, wenn auch künstlich herbeigeführ­ten Vermehrung der nationalen Arbeitskräfte, be­freunden , so bleibt eS doch immer unmöglich die Ausführung auf.diesen Zweck zu beschränken. Fängt man ein Mal an zu schützen, so kann man nirgenS aufhören.

Unserer Meinung nach müssen wir unS aber auch hier von der leidigen deutschen Gewohnheit über grundsätzlich und daher unvereinbare Theorieen nutzlos zu streiten, loSjumachen und den Streit praclisch zu vermitteln suchen. Das wird hoffent­lich gelingen und in Folge^vavon der größte Theil Deutschlands endlich als eine wenigstens commer- cielle Einheit dastehen."

Diesem Artikel, den wir nicht alS einen,Beleg unserer etwas differireuven Ansicht über den Sep- i tember-Vertrag, sondern zur näheren Beleuchtung deS Gegenstandes angeführt haben, lassen wir ei- 1

nen derAugöb. Abendztg." entnommenen Aus­zug deS von der Augsburger Handelskammer auf die ihr vorgelegte Frage in Betreff der Fortdauer deS Zollvereines abgegebenen bei Erörterung der Zollfrage füglich nicht zu übersehenden Gutach­tens folgen.

Die Ergebnisse desselben sind, kurz zusammen­gefaßt: Eine Sprengung deS Zollvereins wäre, von wo sie auch auSgehen möchte, das unglücklichste Ereigniß, daS für Handel und Industrie wie für die Gestaltung des deutschen Vaterlandes im Allge­meinen eintreten könnte. Indessen wolle man dieser Besorgniß nicht Raum geben, da bei Erhaltung deS Vereins die norddeutschen Interessen zum Mindesten eben so beteiligt seien, wie die süddeutschen. Zwi­schen beiden müsse ein billiges Gleichgewicht erhalten werdene

Zur Erhaltung dieses Gleichgewichts wäre eS wünschenSwerth, daß die bayerische Regierung mit allen süd- ung mitteldeutschen VereinSregierungen noch vor Eröffnung der nächsten Zollconferenz in Unterhaltung träte, um für ihr Auftreten einen solidarischen Verband zu gründen, in ähnlicher Weise, wie'dieser Verband zwischen den Regierungen von Preußen, Hanuover, Oldenburg und Braunschweig bestehen wird.

Der Grundsatz der Einstimmigkeit, um eine Ab­änderung durchzusetzen, wird in seiner lähmenden Wirkung anerkannt; eS wird aber auch ausmerksam gemacht, zu wie trüglichen und nachtheiligen Resul­taten führte wenn man unter Staaten von sehr verschiedener Größe einen AbstimmungSmoduS nach einfacher Mehrheit festsetzen wollte. Es möchte, meint die Handelskammer unmaßgeblich, ein Abstim- MungSmodus nach ZweidrütelS-Majorität zu wäh­len, bei Principfragen sogar noch eine größere Ma­jorität zu wünschen fein. Dann wird der alte Wunsch nach Errichtung eines Central-OrganS im Zollverein erneuert und auf'S Neue dcks dringende Bedürfniß eines solchen Organs dargethan.

An oie Beurtheilung der Tariffrage endlich knüpft der Bericht die Bemerkung:Der Augen­blick, wo die wichtigsten Fragen der Fortdauer und der künftigen Organisation des Zollvereins zur Ent­scheidung kommen sollen, möchte kaum der rechte sein, um den alten Streit der handelspolitischen Systeme wieder aufzunehmen. Allerdings laufen die Bedürfnisse des Handels und der Industrie fort und verlangen heute eben so dringend als frü­her Befriedigung; aber die Klugheit gebietet viel­leicht, zu zögern, weil sonst noch Wichtigeres der Zollverein selbst, in Frage kommen könnte. Denn in Erhaltung deS Zollvereins sehen wir daS Erste und Dringendste. Auf dieser Grundlage find Handels- und GewerbSlhâtigkeit, wie sie gegenwär­tig sind, gewachsen, unsere StaatSfinanzen stehen mit ihr im engsten Zusammenhänge, unser gesamm- teS Nationalleben hat sich nach ihr geformt, und an den Zollverein und seinen unverletzten Fortbestand knüpfen sich die Wünsche, welche wir in Bezug auf eine Zollvereinigung mit Oesterreich nähren".

Deutschland.

ff Diez, 9. October. Seit dem verflossenen Sonntag weilte die Erzherzogin Muller und Schwe­ster Sr. faiferL Hoheit deS Erzherzogs Stephan nebst der Fürstin von Waldeck und einem andern Prinzen von Waldeck nebst hohem Gefolge auf dem Schlosse Schaumburg, (f. u. Wetzlar.)

Die Vermuthung, daß in Aull eine Brand- fliftung stattgefunden, soll sich durch die deßhalb ein­geleitete Untersuchung bestätigen.

Da auch in Holzappel im Frühjahre dieses Jahres jenes abscheuliche Verbrechen verübt wurde, so ist die Brandstiftung in Aull die vierte in dem Amte Diez seit dem Frühjahre.

Frankfurt a. M., 5. Oct, In derAllge­meinen Zeilung" ist von hier aus gesagt worden, daß der englische Gesandte Lord Cowley, gleichwie allcrwärtS die diplomatischen Agenten Englands, auch am Bundestage die besäumen gedruckten Aus­zeichnungen deS Hrn. Gladstone über Neapel mit der gehörigen Empfehlung Lord Palmerston'S über, geben habe. Dies hat seine Richtigkeit. Allein eS