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Rassamschc Allgcmcine Zeitung.

^L 239» Samstag den Li Oktober 1851»

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntagâ. Der vierteljährige PrünumecationSpreiS ist in Wiesbaden für den Umfang des Herzogthums Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. IO kr. Inserate werven die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

3V Bestellungen auf die Nass. Allgem. Zeitung für das vierte Quartal d. I. wolle man baldigst machen.

Uebersicht.

Fortsetzung der Londoner Ausstellung in New- York.

Deutschland. Wiesbaden (Graf Leiningen-Westerburg).

Mainz (Der PiuSverein. Unglücksfall). Frank­furt (Der Austritt der preußischen Ostseeproviuzen. Join­ville« (Kandidatur. Die deutsche Flotte). Ka ssel (Dr. Kellner). Gotha (Der agnatische Protest). Dres­den (Heubners Fluchtversuch). Hannover (Denkschrift der Regierung). Berlin (Erhöhung des Generaletats. Die Demokratie in London. Der Handelsvertrag mit Bel­gien. Der sächsische Landtag). Luremburg (Der Reichsadler). Bremen (Die Weser-Zeitung). Wien (Kossuth. L. A. Frankl. Falschmünzer. Erneunungen). Frankreich. Paris (Ministerkrisis. Kossuth. Joinville. Vermischtes).

Spanien. Madrid (Reformen für Cuba. Königin Chri­stine. Belohnungen).

Großbritannien. London (Kossuth. Abd-el-Kader).

Neueste Nachrichten.

Fortsetzung der Londoner Ausstel­lung in New Bork.

Nachdem die Londoner Ausstellung nur sehr unerhebliche Verkäufe zu Wege gebracht hat, weil 1 England eifersüchtig sein Vorurtheil für die eigenen

Produkte , namentlich für Manufacturen, festhält, so wie nicht weniger auch die zu große Anhäufung

deS Materials und die Masse der Besucher einen geschäftlichen Zweck nicht verfolgen ließen: so ist eine Fortsetzung dieser AuSstzllung nach beschränktem Masse proponirt worden, die im nächsten Frühjahre in New-Nork Statt haben soll, wo die Präsidenten- Wahl einen großen Zusammenfluß von Besuchern auS allen Theilen der Vereinigten Staaten veran­lassen wird. ES haben einige der ersten Häuser in New-Nork sich vereinigt, ein großartiges entsprechen­des AuSstellungSgkbäude in der Mitte der Stadt, (wo der Conflur,der Bevölkerung und die Statio­nen der Haupt-Eisenbahnen jdie Lage als geeignet bezeichnen, in Stein aufführen zu lassen und >eS gleich als ein großes Waaren - Magazin einzu- richten.

Als leitender Gedanke ist Folgendes zu Grunde gelegt, was ich hiermit mir erlaube, den Herren Interessenten zur Würdigung vorzulegen.

Die in London ausgestellten Gegenstände, so weit sie nicht bereits verkauft sein möchten, und welche zu dem Zwecke von der Commission als ge­eignet auSgewählt werden, sollen, wenn die Eigen­thümer dazu ihre Einwilligung geben, nachdem die Einpackung besorgt worden ist, zur billigsten Fracht in Schiffen erster Classe nach Amerika, direkt in daS AuSstellungSgkbäude hinübergebracht und kostenfrei ausgestellt werben, wobei nur die See- und Feuer- Versicherung ratificirt von den Betheiligten zu tra­gen ist, während zum Zwecke der Aufstellung der Möbel eine Anzahl Schreiner von hier mitgenom, men werden und ein Bildhauer für die Kunstwerke engagirt ist. ES werden die Gegenstände unter den betreffenden Firmen und mit den Preisen ausgestellt und gegen Baarzahlung verkauft, dabei aber dann L gleich ausgeliefert. Jeder Aussteller ist sodann auf-

gefordert, zu erklären, ob er nachliefern will, und ihm anheim gegeben, auch neue Muster zu senden, um auf diese durch die AuSstellungs-Commission Aufträge entgegen nehmen zu lassen. Um der Sache die Ausdehnung zu verschaffen, die sie wegen ihrer " unbezweifelbaren Wichtigkeit und ihrer voraussicht­lichen Folgen für den europäischen Kontinent hat, ist ein sofortiges oder späteres Umtauschen der hier schon ausgestellt gewesenen Muster-Coupons und Stücke zulässig und auch allen, welche die Londoner Ausstellung nicht beschickten, eine Betheiligung frei­gestellt und angeboten. Gute Oelgemälve sind nicht, wie es hier der Fall war, ausgeschlossen, sondern Vielmehr alle Künstler zu einer Betheiligung auf. gefordert. Wenn die Gegenstände nicht verkauft werden, sollen sie franco aller Spesen zurückgesandt werden. Wenngleich unser erster Zweck ist, die hier

bereits ausgestellt gewesenen Gegenstände bestens und möglichst rasch zu verwerthen, wobei manche nahe liegende Uebelstänve für den Aussteller über- wunben werden, namentlich derjenige, welchen die Resultatlosigkeit in Betreff deS Nichtverkaufs für eine große Anzahl von Ausstellern nach sich zieht, sowohl in Betracht der pecuniäcen Folgen, als der Beurtheilung ihrer Leistungen, so ist ein zweiter Zweck noch weit prominenter, nämlich die Ausdeh­nung der continentalen d i r e c t e n und beständigen Verbindung mit dem enormen , stets wachsenden americanischen Märkte. Dieser Zweck ist deßhalb auch bei dem gegenwärtigen Unternehmen nach allen Seiten im Auge gehalten und wird die Anerken­nung aller denkenden Fabricanten deS Zollvereins sicher finden. Nordamerica hat mit seiner Dampf­boot-Verbindung einen unglaublich leichten Weg nach Europa angebahnt und bietet in diesem neuen Unternehmen ein noch bequemeres Mittel, europär- sche Firmen und Künstlernamen in seinem großen Länder-Complcr mit Nutzen bekannt und geachtet zu machen. Da die Anfangs proponirte öffentliche Ver­steigerung der AuSstellungS - Gegenstände durch die englischen Verhältnisse sich als unausführbar her­ausstellt , so haben bereits Frankreich, Italien und Oesterreich ihre Betheiligung zugesichert, wobei denn auch der Zollverein, bei seinen großen Mitteln, sich schwerlich zurückstellen wird. Die Herren Riddel, Chescommissar für die Vereinigten Staaten, und C. Busch ek, Chescommissar für Oesterreich, haben sich an die Lpitze gestellt und die Leitung deS Un­ternehmens, Letzterer auch die nöthigen Garantien und Verrechnungen, resp. Remittirungen, übernom­men; mir Hal man daS ehrenvolle Anerbieten ge­macht, die Interessen der Aussteller deS Zollvereins dabei wahrzunehmen, da die Sache rein kauf­männisch und für mercantile Zwecke be­trieben werden soll, und ich habe mit Freude dieses Anerbieten angenommen.

Für alle Verkäufe, welche gemacht werden, so­wohl der ausgestellten Gegenstände, als der ferner darauf eingehenden Bestellungen, wofür stets ein bestätigter Credit bei einem anerkannten Hause, oder Baarzahlung gegen Ablieferung verlangt wird, wer- den, wenn es Handels - Artikel sind, von dem Co­mite 5 pCt., bei Kunstgegenständen aber 10 pCt.,' als in Amerika übliche Commission, berechnet; die Remittirungen erfolgen stets sofort..

Ich erlaube mir nun hiermit, zu einer lebhaf­ten Betheiligung aufzufordern und anheim zu stellen, die äußersten Preise für die zu bestimmenden Gegen­stände zu limitiren, da nur dies wirklichen gegensei- Nutzen bringen kann.

Zur Bestimmung deS nöthigen Raumes für die AuSstellungS - Gegenstände ist eine rasche Antwort durchaus nothwendig, und wird zu diesem Zwecke um eine Antwort, resp. Zustimmung, in der kürze­sten Zeit dringend gebeten, die franco an mich , zu Händen der Commission, 43 ClargeS St., Picca­dilly, zu richten ist. Jede fernere Auskunft werde ich auf frankirte Anfragen gern ertheilen.

London, 12 Septbr. 1851.

H. B rour,

Agent der Zollvereins-Commission.

Deutschland.

* Wiesbaden, 10. Octbr. Dem Vernehmen nach ist Seine Erlaucht, Graf Christian Leiningen-Westerburg mit Begleitung und Dienerschaft am 6. d. MtS. in Westerburg ringe* troffen.

Mainz, 8. October. In der besonderen Sitzung der Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands verlas einer der Secretäre daS Pro­tokoll der gestrigen Sitzung, hierauf noch einige An­träge von großer praktischer Bedeutung, die als­bald den betreffenden Ausschüssen überwiesen wur­den ; auch wurden noch die Beschlüsse der vierten Generalversammlung vorgelesen, beziehungsweise den betreffenden Ausschüssen mitgetheilt, um über deren Vollziehung nöthigenfallS neue Anträge zu stellen. Endlich wurde noch ein fünfter Ausschuß für die

Angelegenheiten deS BonifaziuSvereineS gebildet, nachdem der Präsident desselben auf die an ihn er­gangene Anfrage des Präsidenten der Generalver­sammlung dies als zweckmäßig und wünschenSwerth erachtet hatte. Zu diesem Ausschüsse unter dem Vorsitze deS Grafen v. Stollberg sollten denn auch die Ausschußmitglieder deS Diöcesan-Bonifa- ziuSvereineS zugezogen werden,

Nun wurden die eigentlichen ^Arbeiten dieser Sitzung in Angriff genommen, nämlich Beschluß­fassung über die den einzelnen Ausschüssen ange­wiesenen Anträge. Der Vorsitzende deS ersten Aus­schusses über die Formalien deS Vereines legte die Arbeiten seiner Seciion vor und die Debatten wur­den eröffnet. Der erste Antrag, dahin lautend: der Verein wolle für die nächste Generalversammlung eines der vier Bisthümer Münster, Paderborn, Os­nabrück und Hildesheim in Aussicht nehmen, ward von dem Ausschüsse befürwortet und dahin ange­nommen, daß man an erster Stelle Münster wähle. Für den Fall eines dort einlretenden .Hindernisses ward Freiburg im Breisgau bestimmt als der Ort der sechsten Generalversammlung deS katholischen Vereines. Ein Antrag, den Regensburg gestellt hatte, war von dem Ausschüsse in drei Anträge zerlegt und ward ohne Debatte einstimmig ange­nommen, nämlich: die Generalversammlung wolle dafür Sorge tragen, daß durch geeignete AuSschrei- ben deS VororteS die VereinSlhätigkeit, besonders der FMalverein belebt werbe; ferner dafür, daß daS Schutzfest deS Vereines (Rosenkranzfest) mit würdiger Feier begangen werde; endlich, die Gene­ralversammlung wolle daS Gebet für den Verein auf's Neue anempfehlen. Der erste Antrag des vierten Ausschusses betraf eine Anerkennungsadresse an Sc. Eminenz den Hrn. Cardinal Wiseman von Westminster, sowie eine AufmunlcrungSadresse an den Präsidenten deS katholischen VertheidigungSver- eines den Hochwürdigsten PrimaS von Irland Dr. Cullen.

Ein weiterer Antrag lautete auf Unterstützung der in Paris lebenden Deutschen, und zwar eine doppelte, eine großartige einmalige Unterstützung und eine feste, jährlich sich erneuernde. Diese Unter­stützung zeigte sich.besonders dringend wegen der großen Anzahl dieser Armen (60,00080,000), die ohne Schule, ohne Kirche, leiblich und geistig ver­wahrlost, eine Beute von Proselytenmachern', ein Raud der Demokratie würden, die bekanntlich in den armen deutschen Arbeitern eine Hauptstütze hat. Unter den vielen Anträgen und Vorschlägen, die in dieser Beziehung hervortraten, wurden nach lebhaf­ten Verhandlungen, die hinreichend den großen Eifer der ganzen Versammlung für daS Wohl ihrer Brü­der tu Frankreich bekundeten , folgende zum Be­schlusse erhoben: der Verein wolle sich bei dem Lud- wigSvereine um eine jährliche Unterstützungssumme für die in Paris lebenden Deutschen verwenden; ferner Herr Abbe Euny, der sich lebhaft für jene Arbeiter verwendete, möge sich (wenn möglich durch den Herrn Erzbischof von Paris) an die Hochwür­digsten Bischöfe Deutschlands wenden, daß sie Col- lecten in ihren Kirchen zu diesem Zwecke veranstal­teten ; endlich die katholischen Vereine sollen sich für diese Collecten möglichst inleressiren und lebhaft an denselben betheiligen. Alle diese Vorschläge wurden mit großer Stimmenmehrheit angenommen. Nun legte Freiherr v. Andla w den Antrag zur Debatte vor, der Verein wolle die deutsche Bundesregierung in Frankfurt zur Erlassung eines Gesetzes für Hei- lighallung der Sonn- und Festtage bestimmen. Der Antrag ward angenommen und zum Beschluß er­hoben, daß eine Denkschrift über die SonnlagSfeier abgefaßt werden und mit einer eindringlichen Vor­stellung sämmtlichen deutschen Regierungen vom Vororte eingereicht werden solle. Erfreulich waren die während der Verhandlungen hie und da gemach­ten Mittheilungen von den Schritten, die einzelne Regierungen in dieser Beziehung bereits gethan haben oder vorbâeiten, so daß das Gesuch des katholischen Vereines wohl die günstigste Ausnahme und baldige Erfüllung hoffen darf. Noch mehrere andere Anträge in Bezug auf die äußeren Verhält­nisse ließ man alâ unwichtig fallen und eS wurde darüber einfach zur Tagesordnung übergegangen.