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erfüllen, daß dem in Breck-nheim zahlreich vertretenen Arbeiterstände dauernde und lohnende Beschäftigung zu Theil würde.

[| Vom RH in, 23. August. Die Art und Weise, wie sich daS Völkerleben in neuerer Zeit entwickele, bringt eS mit sich, daß besonders, die kleineren Slaaun um sich zu schauen haben, wel­chem größeren Ganzen sie angehören. Nachdem eine Zen lang vom deutschen Bund die Rede gewesen, dann von einem deutschen Reich, hierauf von einem deutschen Bundesstaate, welcher sich hauptsächlich auf die rein deutschen, wenigstens vorherrschend ger« manisirten Gebiete zu beschränken habe, sind wir wieder zum deutschen Bund zurückgekehrt, welchen aber mächtige BundeSglieder in einem andern und zwar erweiterten Sinne verstehen, als eS vor den Bewegungen der letzten Jahre der Fall war. Der Begriff deS deutschen Bundes fällt jetzt vielen mit demjenigen CentraleuropaS zusammen. Diese mittele europäische Idee tönt Manchem fremd und unheim­lich in die Ohren, obgleich sie der Sache nach gar nicht neu ist ; denn, waS man gegenwärtig Central­europa nennt, ist der Hauptsache nach daö alle deutsche Reich nebst seinen Nebenlânbern ; nur daß zu diesem alten deutschen Reich noch einige Gauen gehörten, zu welchen selbst die kühnsten centraleuro- päischen Politiker ihre Augen noch nicht erheben. ES sind dies die an unserer Westgrenze verloren gegangenen Provinzen: Holland , Belgien , die Schweiz st. ES war eine Zeit lang selbst unter deutschen Patrioten Streit darüber, ob wir die Po­len in Posen und Galizien , die Magyaren, Die Lombarden rc. in unsern politischen Verband auf# nehmen sollten, oder ob wir unS vor der Vermi­schung mit den Südslaven z» fürchten halten. Eine hohe Begeisterung für die möglichste Reinheit der germanischen Ra^e, soweit sie sich nicht schon seit Jahrtausenden auf der West-, Süd - und Ostgrenze mit Celten und Slaven gemischt, bewog viele sehr edle Männer für den Ausschluß der sogenannten nicht deutschen Provinzen ihre Stimme zu erheben.

Eine andere Gestaltung mußte diese Lage bei Allem seit der Zeit annehmen , wo England und Frankreich offen und andere Staaten heimlich gegen diese formelle Erweiterung deS deutschen Bundes proiestirten und intriguirten. Mancher fand eine Lehre in dieser kBesorgniß der Fremden um daS deutsche Wohlergehen. Die deuische Nation darf sich unter so manchen Widerwärtigkeiten freuen, daß diese Anmaßung der Fremden von dem Bundestage einstimmig zurückgewiesen worden ist, daß selbst die Bevollmächtigten der deutschen BundeSglieder, welche mit fremden Staaten verbunden sind, sich nicht wi­der den deutschen Willen der übrigen aussprechen. Mit diesem negativen Schritte der bloßen Abwehr ist aber auch wenig geschehen. Die Idee eines in sich wohlvrganisirtcn Centraleuropa, welches befähigt ist, den übrigen Weltreichen ebenbürtig entgegen zu treten, muß allgemein in seiner geographischen Noth­wendigkeit und ethnographischen Möglichkeit und Wohlthätigkeit begriffen werden Mitteleuropa müßte gleich Rußland und Frankreich von den südlichen Meeren, also dem PonluS und dem Mittelmeer, bis nach den nördlichen Seen sich erstrecken, als ein rechtes Rhein-Donau.Gebiet und mit dem doppelten GebirgSkranz von den Ardennen biS zu den Karpa­then. Dahlmann sagt in seiner Politik mit Recht, daß bei fortschreitender Völkeicullur Die etheographi- schen Grenzen bei Staatenbildungen gegen die geo­graphischen Bestimmungen zurücktreten und lobt bei Gelegenheit Englands ethnographische Mischungen, welche die besten StaatSvölker bildeten. So haben wir auch in Mitteleuropa gute Elemente zu einer trefflichen Mischung. Die centraleuropäische Idee ist nun einmal eine europäische Macht geworden, welche täglich deutlicher hervortritt und inS Auge gefaßt werden muß.

Vom Rheine, 21. August. (K. Z ) AuS zu­verlässiger Quelle vernehmen wir, daß die von der französischen General direction der Posten eingezoge- nen Aufschlüffe in Bezug auf die Möglichkeit der Einführung niedriger Portosâtze dem AuSlande und namentlich Deutschland gegenüber der Art sind, daß von Seilen Frankreichs ein Dem deutschen Postver« eine im Allgemeinen gleichkommender Tarif hoffent­lich sehr bald in Anwendung kommen wird.

Kassel, 18. Aug. (K. Z.) Die Anklage gegen den L-r. Kellner soll aus Hochverraih, LandeSverraih und Aufruhr lauten. Wenn man bedenkt, daß der KriegSgerichtSaukileur Dalwig sogar beim Bürger- meister Henkel, der bekanntlich nur zu 13 Monaten Festung verurteilt wurde, auf die Todesstrafe an­gelragen haben soll .ein Antrag, der freilich den gestrengen Herren Kriegsrichtern einige Heiterkeit adnölhtgte so kann man ungefähr ermessen, wel­cher Strafantrag Hrn. Kellner erwartet. Das provisorische Gesetz" über die Zusammensetzung Der Gerichte und daS Gerichtsverfahren ist bis jetzt noch nicht in Kraft gesetzt worden. Die nächste Schwur- gerichtSpcriode scheint noch ungestört nach dem Ge­setze vom 31. Oktober 1848 vor sich gehen zu sol­len; vorgestern wurden die Geschwornen nach Maß­btruhen, gäbe der bisherigen Listen k. bestimmt.

Kassel, 22. August. Se. k. Hoheit der Kur-- fürst hat dem StaatSminister Hasscupflug das Groß­kreuz deS kurfürstlichen HauöordenS vom goldenen Löwen verliehen.

Arolsen, 16. August. (Ztg. f. Nordd.) DaS octroyiite Wahlgesetz gehört ohne Zweifel zu den freisinnigsten, Die Deutschland besitzt. Wahlberech­tigt ist jeder unbescholtene und selbstständige Staats­angehörige , welcher daS Löste Lebensjahr zurückge, legt hat. AlS .selbstständig sollen nicht angesehen werden: Personen, die unter Euratel stehen; Per­sonen , über deren Vermögen ConcurS eröffnet ist, und zwar während Der Dauer des ConcurseS; Personen, welche eine Armenuuterstützung aus öf­fentlichen oder Gemeindemilteln beziehen, oder im letzten Der Wahl vorhergegangenen Jahre bezogen haben. Wählbar zum Abgeordneten ist jeder wahl­berechtigte Staatsangehörige, ohne Unterschied, an welchem Orte deS Landes er wohne, welcher das 25ste Lebensjahr zurückgelegt und seit wenigstens drei Jahren schon dem Staate angehörl hat. Die Wahl ist bittet und erfolgt durch offene Stimm# gebung.

Ludwigsburg, 21. Aug. DaS Urtheil in dem Proceß von Benktic-r ist erst heute gefällt worden, aber, wie nach den letzten beiden Wahrsprüchen der Geschwornen zu erwarten stand, zu Gunsten deS Angeklagten ausgefallen, indem sie zwar Die Denise!« den zur Last gelegten Handlungen als begangen anerkannten, die hochverrälherische Absicht aber ver­neinten. Somit mußte auch Benkiser vom GeiichtS» Hofe freigesprochkn werden. ES ist nun kaum zwei­felhaft, daß morgen auch die beiden Angeklagten in dem letzten Proceß der ersten Abtheilung, der theol. sind. Wilh. Rapp von Trossingen und Der Scribent Friedrich Staulter von Freudenstadt, freigesprochen werden. DaS Geschwornen - Institut hat übrigens durch diese Urtheile in den Augen deS Publikums einen bedeutenden Stoß erlitten. Denn so sehr man es auch von confervativer Seile den einzelnen An- geklagten gönnen mag, baß sie ihre Freiheit wieder erlangten, so findet eben doch Niemand irgend welche Consequenz und demnach wirkliche UrtheilSbcsähi, gulig darin, baß Leute wie die Riedlinger, Buch- aiier ii. f. w. zum Theil streng bestraft wurden, während Andere, die sich weit schwerer und für die SiaatSgesellichaft gefährlicherer Verbrechen schuldig gemacht hatten, ganz freigesprochen werden, bloß weil eine hochverrälherische Absicht, ein rechtswid, rigeS Bewußtsein nicht nachgewicsen sei. Eine Frei­sprechung wegen Unzurechnungsfähigkeit wäre we­nigstens consequent gewesen.

Ludwigsburg, 22. August. (S. M.) Student Rapp und Scribent Sautter sind von der An­klage wegen Hochverrathö freigesprochen, Rapp ent- laffen.

Hechingen, 21. August. Nachts 11 Uhr. Soeben ist Se Maj. der König von Preußen in unsere Stadt Ungezogen, aufs feierlichste und fest­lichste empfangen und von tausendfachem Jubelruf begrüßt.

Aus Thüringen, 20. August. (N. Pr. Z.tg) Die wiederholte Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt unserer Minister wegen ihrer Unlust, auf die von dem Bunde beabsichtigten Modifikationen der Einzelverfassungen einzugehen, ist, wie lch auch sonst auS besseren Quellen erfahren, unbegründet. Unsere Regierungen vielmehr, wie mehrere andere, sind auf daS entschiedenste entschlossen, einer im größeren Style beabsichtigten Einwirkung deS Bun­destages auf die Einzelgesetzgebungen durchaus ihre Zustimmung zu versagen, und ohne dies ist jene, da sie jedenfalls eine authentische Interpretation der betreffenden Bestimmungen in der Bundes- und Schlußakte, und also Stimmeneinhelligkeit erfordert, rechtlich unmöglich.

Vom Niederrhein, 21. August. (Wests. M.) Wie auS guter Quelle verlautet, soll der König daS Dekret unterzeichnet haben, welches ein ehren­des Zeichen der Befriedigung mit dem ihm bereite­ten Empfange, dem Bürgermeister der Stadt Düs­seldorf, Hrn. HammerS, den Titel und Rang eines Oberbürgermeisters verleiht. Außerdem soll ein Mitglied des GcmeinberathS, welches der nach Ber­lin entsandten Deputation angehörie, mit dem ro# then Adlerorden bedacht werden.

Paderborn, 20. August. (D. V.-H.) Als der König am 16. d. M. MorgenS 10 Uhr von Minden auf Dem Bahnhöfe zu Hamm anlangte, gab der evangelische Superintendent aus Hamm , welcher Sr. Majestät vorgefieUt wurde, seinerseits in einer Anrede die Versicherung, daß in den Herzen Der Markau er die größte Treue und Anhänglichkeit an Die Person Sr. Majestät und daS gelammte könig­liche HauS herrsche, und wie von Seiten der Geist­lichkeit stets dahin gestrebt werde, diese Gesinnung zu erhalten und zu pflegen. Se. Majestät erwi derte jedoch mit dem größten Ernste, daß er nicht gekommen sei, den Bewohnern der märkischen Städte

Complimente zu machen, sondern ihnen die Wahre heil zu sagen; daS Landvolk allerdings habe den guten Sinn, von dem Der Superintendent gespro­chen , bewahrt, aber eS fei durchaus nicht wahr, daß derselbe auch in gleicher Weise in den Städten herrsche; vielmehr gebe sich in denselben ein schlech­ter Geist zu erkennen, von dem man sich durchaus lossagen müsse. Wenn Die Geistlichkeit überall ihre Pflicht thue, dann werde eS mit Der Zeit schon bes­ser werden. Auf diese ungnädige Antwort, Die Se. Majestät mit dem größten Ernste und mit lauter Stimme in Gegenwart aller Umstehenden ertheilte, glaubte der Herr Superintendent erwidern zu müs­sen, daß es doch mit der Gesittung in Hamm noch nicht so schlecht stehe, daß die Geistlichkeit ihre Pflicht thue und Die Unlcrthanenpflichlen eifrig Dem Volke predige; allein Se. Majestät wandte ihm ohne ein freundliches Wort den Rücken und ging weg. Der katholische Pfarrer auS Hamm, welcher ihm Darauf vorgestellt wurde, hatte sich einer sehr freundlichen Ausnahme zu erfreuen. Der Herr Superintendent, welcher es noch einmal wagte, Sr. Majestät zu nahen, erhielt von ihm noch einmal dieselbe Ant­wort.

Dagegen bringt die Beilage derK. Z." vom vom 24. b. folgende Erklärung auS Hamm, 22. August: Zur Berichtigung beS in der heutigen zweiten Ausgabe dieser Zeitung auS derD.V.-H." abgebrueften Referats über die Vorgänge auf dem hiesigen Bahnhöfe bei Anwesenheit Sr. Maj. deS Königs sei nur in der Kürze bemerkt, baß Der, nig allervingS, als einer Der hiesigen evangelischen Pfarrer nur vorübergehend deS auch in Der Graf­schaft Mark in der Vergangenheit bei Einzelnen funDgetvorbenen bösen Geistes gebucht , und hinzu­gefügt hatte, daß derselbe hoffentlich für immer ge­bannt sei, sich dahin äußerte: er sei noch nicht ge­bannt, wenigstens in Den Städten nicht; in den Landgemeinden stehe eS gut u. s. f. AlS aber der betreffende Geistliche forlfuhr, von Der guten Gesin­nung der evangelischen Geistlichen Der Mark zu re­den, und wie dieselben durch die Predigt deS Glau­bens die Treue zu wecken und zu nähren beflissen seien, wandten Se. Majestät, sich keineswegs un­willig ab, sondern nahmen diese Erklärung anschei­nend wohlgefällig auf, frugen sodann im Vorüber­gehen auch den hiesigen katholischen Pfarrer : ob er in Hamm stehe, und nahmen schließlich das Zeug­niß des erstgebachten Geistlichen, daß die große Mehrzahl der Einwohner unserer Stadt mit sehr wenigen Ausnahmen stets die Treue gegen Den König und sein HauS bewahrt hätte, mit der huld­vollen Erwiderung aus:ES freut mich, dies zu hören".

Berlin, 20.Aug uff gegen Die Provinziallandlage scheinen der Regierung einigermaßen unbequem zu werden. DiePr. 3 " verhöhnt dieselben zwar als vereinzelte Aeußerungen, meint, daß dieselben nur der Consequenz wegen ab­gegeben werden, und daß bald die Zeit kommen werde, wo der politische Protest überhaupt in die Rumpelkammer gestellt werde. Dennoch fordert daS genannte Regierungsblatt, daß Maßregeln gegen die Möglichkeit deS ProtestirenS getroffen würden, da dasselbe ein dem Siaate und der Gesellschaft feiiib» seeligeS Thun sei. Indem Jemand auf bem Boden der eigentlichen Gesetzlichkeit zu stehen behaupte, benuncire er die Regierung der Ungesetzlichkeit, suche sie dem Haß und der Verachtung Preis zu geben. So werde der Begriff von der Obrigkeit und obrig­keitlichen Gewalt geradezu in Dem Bewußtsein der Menschen vernichtet. DiePr. Z." hat vollkom­men Recht, wenn sie solche Befürchtungen in Bezug auf eine Regierung hegt, welche Willkür, Unrecht und Ungesetzlichkeit zu ihrem Princip gemacht hat. Wenn eS sich aber um eine Regierung handelt, welche im Allgemeinen Recht und Gerechtigkeit übt, und daS Gesetz beobachtet, so werden Proteste in einzelnen Fällen ihr nicht schaden. Denn irren kann ja auch eine Regierung, und daß sie durch einen Protest daran erinnert werde, würde nur ein Un­glück für sie sein, wenn sie sich in den Schein päpst­licher Unfehlbarkeit hüllen wollte.

Berlin, 21. Aug. Von verschiedenen Seiten tritt jetzt Die Nachricht von einer Koalition der west­lichen Mächte EuropaS'S , England und Frankreich an Der Spttze, gegen Die Alliance von Preußen, Oesterreich und Rußland-auf, an welche sich denn natürlich eine Reihe von Combinationen und jeciuren anschließt. Bis jetzt ist über eine Verbin­dung der westeuropäischen Staaten hier nichts be­kannt, und eS dürften Denn vorläufig jene Conjec- tureu mit ihrem ganzen Gewichte so lange auf sich bis positivere Anhaltspunkte gegeben sind.

Hr. v. Rado w i tz ist von feinem seitherigen Sommeraufenihalie, dem gothaischen Schlosse MolS- Dorf, nach Erfurt zurückgekehrt.

Der postalische Gongtest welcher am 15. b. M. hier statifinden sollte, ist bekanntlich auf Ansuchen einzelner Mitglieder deS deutsch österreichischen Post- vereinS auf einige Zeit aufgeschoben worden. ES ist jedoch nunmehr bestimmt, baß Der Congreß am 15. Oct. Hier eröffnet werden wird.