Nassauische Allgmcine Zeitung.
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Freitag den LS August
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Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige PränumerationSpreiS ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Sfl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSfchen Verwaltungsgebietes 2 fl. IO fr. — Jnferate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe mau in Wiesbaden in der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Stimmen Der Presse.
Deutschlands. Wiesbaden (Entgegnung). — Dom Westerwald (Gleichberechtigung der weiblichen Arbeit).
— Worms (H. v. Gagern). — Karlsruhe (Ankunft des Königs von Preußen). — Kassel (Das Kriegsgericht. Beurtheilungen). — Tübingen (v. Wächter). — Hannover (Die Ritterschaft). — Berlin (Hinkeldey. Die Provinjiallandtage. Der Bundestag). — Wien (Der Redakteur der Agramer Zeitung. Das Preßgesetz Die Anleihe. Dahlerup. Frl. Zerr.)
Frankreich. Paris (Leon Faucher. v Hübner. Gladstones Angaben. Brand im Juvalidenhotel. Aus Lissabon).
— Lyon (Der Verschwörungsproceß).
Großbritannien. London (Reise der Königin nach Schottland. Die Pariser Festlichkeiten).
Italien. Neapel (Die Insel Pantellaria. Zustände^. — Rom (Die strategischen Positionen der Franzosen).
Türkei. K onstan ti N op e l (Die Jnternirten).
Neueste Nachrichten.
Stimmen der Presse
Die Würtembergische Zeitung, daS Organ des MârzministerS Römer, weist in einem Artikel: „Vor drei Jahren — und jetzt"! nach, wie unberechtigt , man in Frankfurt fei, jetzt von einer „sogenannten", J d. h. unberechtigten deutschen Nationalversammlung, von „sogenannten" deutschen Grundrechten zu sprechen. „Denn", so sagt die Zeitung, „wer ordnete die Einberufung einer Nationalversammlung an? Der vormärzliche Bundestag. Wer trat die Gewalt stöber .Deutschland an die von der Nationalversammlung eingesetzte Centralgewalt ab? Der vormärzliche Bundestag". Nachdem sie hierauf von den Befürchtungen gesprochen, die daS Verfahren in Hessen erwecke, schließt sie: „Worin besteht der, malen die Stärke deS Bundestags? Einzig und allein in der Gleichgültigkeit der Völker. Und woher rührt diese Gleichgültigkeit? Ihre Quelle ist eineStheilS die Erfolglosigkeit der Märzbestrebungen, anderntheils der Mangel an Vertrauen in die bestehenden Gewalten. Eine Regierung, welche diesen Mangel zu beseitigen versteht, hat gewonnenes Spiel. In Zeiten aber, wo man so gegründete Ursache zur Mäßigung hat, ist für eine Regierung nichts leichter als sich Vertrauen zu erwerben. Ein Beispiel. Einem Lande, wie Würtemberg, wird kein Vernünftiger zumuihen, eine Nationalrepräsentation beim Bunde durchzusrtzen. Wenn aber der würtembergische BnndeStagSgesandle nicht müde wird, seine College« in Frankfurt an Dasjenige zu erinnern, was dem deutschen Volke versprochen worden, wenn er selbst fortfährt, sich bereit zu erklären, zu einer Volksvertretung mttzuwirLen, wenn er eS nicht dabei bewen- den läßt, gegen die versuchte Einmischung in die Verfassungs-Angelegenheiten der einzelnen Staa- ten Verwahrung einzulegen, sondern wenn seine Regierung durch Einführung der zugesicherten Reformen thatsächlich zu erkennen gibt, daß sie ihre Souveränetät nicht für die Dynastie auSzubeuten, sondern im Interesse des Volks zu benutzen die Absicht hege, so werden Gleichgiltigkeit und Mißtrauen rasch verschwinden, und eine solche Regierung wird stark sein, weil ihr, außer dem eigenen Volköstamme, die Sympathieen auch der übrigen Völker zur Seite stehen werden. Unsere Regierung ist gerade jetzt in der Lage, zu zeigen, baß eS ihr um das Vertrauen deS Volks zu thun sei. Die bevorstehende Verfassungsrevision bietet ihr die Mittel dazu dar. Hält sie an dem Satze fest, daß die GeburtSvor- rechte aufgehoben seien, weist sie die Vorrechtsge- lüste der Adelskasten zurück, so wird eS ihr an der Zustimmung deS Volks nicht fehlen, und demokratische Bestrebungen werden nicht im Stande sein, ihrer Stellung m Deutschland Verlegenheiten zu bereiten. Die Kammer der Abgeordneten hat so augenfällige Beweise ihrer Mäßigung abgelegt, daß man ihr den Plan einer Schwächung der verfassungsmäßigen monarchischen Gewalt nicht unterschieben kann. Nimmermehr wird sie sich aber dazu hergcben, dem diScrettonaren Ermessen der SiandcS- Herrn und Ritterschast anheimzustellen, waS von den Grundrechten dem Volke noch übrig gelassen
werden soll. Wir halten es für einen Uebelsiand, wenn eine Abänderung der Verfassung nicht zu Stande kommt. Aber für ein Unglück würden wir eS halten, wenn die Verfassung in einer den Grundrechten nicht entsprechenden Weise abgeändert würde. Sin?> wir dazu bestimmt, unS zur Zeit mit dem Alten begnügen zu müssen, so können wir der Zu- kaust um so zuversichtlicher entgegen sehen. Denn je weniger gerechte und billige Wünsche befriedigt werden, desto rascher reift die Zeit ihrer Entwicke, (unq entgegen".
Bei der Nähe deS über Sein oder Nichtsein deS Zollvereins entscheidenden Termins kommt die A. A. Z. auf diesen wichtigen Lebenspunkt öfter zurück. Sie sagt u. a.: Die Presse hat um so mehr die Pflicht, in dieser Angelegenheit die öffentliche Stim- mung aufzuklären und zu bilden, als das bei der ZollvereinSfrage so mannigfach und innig betheiligte Publikum auf zähem büreaukratischem Wege zu rechter Zeit selten au fait gesetzt zu werben pflegt. Wir haben erst eben wieder an ber die Zurücknahme der Der Schweiz gemachten Concessionen betreffenden Bekanntmachung gesehen, wie wenig man sich hinter dem Canzleitisch beeilt, Beschlüsse der Regierungen, welche daS Publikum doch mehrfach berühren, zur Kenntniß desselben zu bringen. Jene Zollbegünstigungen sind von Seiten Bayerns, WürtcmbergS und Badens vom 1. d. M. an außer Kraft gesetzt; in München erschien die betreffende Bekanntmachung am 1. August, in Stuttgart und Karlsruhe erst am 2. August. In Bezug auf Verlängerung des Zoll- j Vereins sind aller Wahrscheinlichkeit in diesem Augenblick die Regierungen nur in dem einen Punkte einig: daß der Zollverein erhalten werden müsse. DaS Ob wäre also keine Frage, wenn es nicht mit dem Wie zusammenfiele. Ueber daS Wie aber werden sicherlich die Ansichten sehr von einander abweichen. Will man nicht auf eine lange Reihe von Jahren hinaus jeder Reform die Möglichkeit nehmen, so wird eS nöthig sein fürdie an den Zollverein gestellten Forde, rungen bei Zeiten den rechten AuSdruck und bei den Verhandlungen den gehörigen Nachdruck mit Argumenten auS dem Leben zu suchen. Dabei kann eS nicht ausbleiben, daß die Hauptsache zwischen den beiden handelspolitischen Parteien in daS Ge- dränge kommt. Will man dabei die beliebte Princi- plenreiterei treiben, so steht alles auf dem Spiel; anders wäre eS, wenn man sich entschlöße, practisch zu Werke zu gehen. Würde man zunächst die Punkte aufsuchen, in welchen Norden und Süden einer Meinung sind, dann zu denen übergehen, über welche man sich verständigen und einigen kann bei gutem Willen, so würden schließlich noch einzelne, allerdings wichtige, Angelegenheiten übrig bleiben, für die sich aber, nach gewonnener Basis, auch schon die rechte Form der Erledigung finden ließe. Das nächste, waS geschehen sollte, wäre, daß jeder einzelne VereinSstaat sich die Einwirkung deS Zollvereins auf seine Handels - und GewerbSzustânde in einem Bilde klar machte und veranschaulichte, wie eS eben die würtembergische Regierung in sehr lobenswertster Weise durch die königliche Centralstelle in Stuttgart gethan hat. Da kann man sich, schwarz auf weiß, überzeugen, waS der Zollverein für Früchte getragen. Daran sollten sich die Anliegen der Einzelstaaten knüpfen : die Reformwünsche in Betreff der Stimmeneinheit, der UebergangS- steuern, der Salz- und anderer Monopole. Und hoffentlich werden die Regierungen es hier wieder nicht verschmähen, daS Gutachten von Sachverständigen einjuholen. Was die Stimmeneinhelligkeit betrifft, so scheint dies ein Punkt zu sein, auf dessen Abänderung Preußen daS größte Gewicht legen wird; und die jüngste Geschichte der ZolloereinS- verhandlungen hat uns wieder gelehrt, wie wenig Grund die süddeutschen Staaten haben, auf der Stimmeneinhelligkeit zu bestehen.
Die „Neue Zürcher Zeitung." enthält Folgendes: „Der Zollkrieg, der zwischen der Schweiz und Süddeutschland bevorsteht, hat gegenüber dem Krieg mit Pulver und Blei daS Fatale, daß die Kosten deS erster«, nicht wie diejenigen des andern gleichmäßig von Der Nation getragen werden, sondern daß einzelne Theile und Klaffen deS Volkes
zu Guysten der andern hüben und drüben geopfert werden. Der Zollkrieg ist um so ungeselliger und immoralischer, weil er die Interessen im freundlichen und im feindlichen Lager gleich sehr gegen einander hetzt und jeder Schlag gegen den Feind auch von den Freunden gefühlt wird. Unsere Kornbauer werden einen Krieg nur einträglich finden, der möglicherweise die Prohibition der schwäbischen Frucht in Aussicht stellt, dagegen werden die Fabrikarbeiter die Ehre der Schweiz mit theurem Brode zahlen müssen; ebenso werden die Müller und Gerber auf Kosten der Käsefabrikation und die Eisenhütten auf Kosten der mechanischen Gewerbe bessere Geschäfte machen. Aehnliche Beispiele von ungleicher Betheiligung an dem Zollkriege lassen sich auf beiden kriegsführenden Seiten zur Genüge anführen; eS ist also nicht „Auge um Auge", waS gespielt wird, eS ist nicht die Frage, wer eS auf beiden Seiten am längsten aushalten könne, sondern der Krieg ge- stallet sich zu einer sörmlichen Einführung eines Schutzzollsystems, daS als Mittel die gleichen verderblichen Folgen hat, wie wenn eS als Zweck gebraucht werden wollte. Wir ehren die Absicht vollkommen, welche durch Repressalien den Feind zur Vernunft bringen will, aber die Waffen sind ungleich zwischen KabinetSregierungen und einer Volksregierung. Diese Ungleichheit der Waffen liegt in der mehr oder minder selbstständigen Natur der regierten Völker. Wir wünschen den Vorkehrungen unserer BunveSbehörden volles Gedeihen, aber wir können die Bedenken der „BaSl. Z." nicht mit einer allerdings sehr wohlseilen politischen Verdächtigung todtschlagen,
El» Frankfurter Correspondent der „Allg. Ztg." ist sehr ungehalten darüber, daß die Cabinet« die Besorgung der deutschen Angelegenheiten nicht einzig und allein dem Bundestage jüberlaffen, sondern durch allerlei Verhandlungen hinter der Frankfurter Scene ins Handwerk greifen. j„Da berathen sie, ruft er auS, in Dresden über Polizeimaßregeln, in Gotha über HeimathSgesetze, in Nürnberg über Eisenbahnwesen u. s. w. Wozu denn jener Artikel der BunbeSacle, daß die deutschen Regierungen sich über gleichförmige Normen in gemeinnützigen Angelegenheiten vereinbaren wollen, wenn daS nicht in Frankfurt geschehen soll"? Wozu jener Artikel? Seltsame Frage. Er nimmt sich gut auS auf dem Papier. Noch seltsamer aber finden wir, die Verwunderung darüber, daß man über ernstliche Ge- schäfte auf Kongressen neben dem Bundestage verhandelt. Ein Bundestags-Beschluß verlangt thatsächlich unter allen Umständen eine Einstim. migkeit, die natürlich höchstens in Staatöpoli- zeiangelegenheiten zu erreichen ist, auf jenen Con- gressen dagegen ist jede Mehrheit und sogar jede Minderheit im Stande Beschlüsse zu fassen, die unmittelbar ins Leben treten können. Darum haben die formlosen Unterhandlungen neben dem Bundestage wenigstens einige Ergebnisse geliefert, vom Zollver- ein bis zum Postverein, während die Bundesakte und die laut derselben gehaltenen Verhandlungen bis zum letzten Tage so unfruchtbar bleiben müssen und werden, wie sie seit dem ersten Tage gewesen sind.
Deutschland.
* Wiesbaden, 13 August. In Nr. 191 der „Kölnischen Zeitung" erlaubt sich ein K Correspon- dent auS dem Nassauischen — wahrscheinlich zu seige, um seine Ausfälle in näheren Kreisen zu äußern und zu vertreten, und in der Hoffnung, in der Ferne ein gläubigeres Publikum zu finden — gegen Die „Nassauische Allgcm. Zeitung" in einer höchst unwürdigen Weise loszuziehen. Eine längst abgethane Sache dient ihm als Vorwand zu nachfolgendem Artikel.
Er sagt: „Unsere „Nassauische Allg. Zeitung", die nach öfterem Wechsel ihrer politischen und kirchlichen Farbe nunmehr zum Organ der geifernden Reaction binabgesunken ist, lieferte seit Kurzem wiederholte Schmäh-Artikel gegen den bekannten und verdienten Seminar-Director Diesterweg, der darin revolutionärer und irreligiöser Wühlerei beschuldigt wurde mit Hinzufügung der angeblichen