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Ermangelung aller anderen Vermögensstücke genom-- men werden. Sind die Mobilien znr Tilgung der ganzen Forderung nicht hinreichend oder nicht wohl entbehrlich, so sind 4) zur Pfändung geeignete Slctin« forberungen (§. 34) des Schuldners ins Pfand und die hierüber sprechenden Schuld-Urkunden gegen eine dem Beklagten zuzustellende Bescheinigung deS Bür­germeisters von diesem in Verwahrung zu nehmen. 5) Bei Besoldeten und Pensionirten wird in der Regel erst, wenn es an andern PfändungSobjeklen fehlt, wobei jedoch hinsichtlich der Mobilien aus eine ihrem Stande angemessene und zur Versetzung ihres Berufs erforderliche Ausstattung Rücksicht zu nehmen ist, nach Maßgabe deS § 28 ein Drittheil oder ein SechStbeil deS künftigen GehalteS oder der Pension als Pfand zur Befriedigung des Gläubigers be­stimmt. 6) Sind andere Gegenstände in einem die Schuld ganz oder theilweise deckenden Betrage nicht vorhanden, so sind, so weit erforderlich, Immobilien oder zur Veräußerung geeignete Realberechtigungen des Schuldners ins Pfand zu nehmen. In diesem Falle hat der Gerichtsvollzieher dem Bürgermeister unter Beobachtung der Vorschriften in §. 37 um Bewirkung der Ausstellung deS nach §. 13 der Con- tractenordnung erforderlichen feldgerichtlichen Zeug- n sses mit Abschätzung zu ersuchen, welches, nachdem eS dem Schuldner vorgelesen worden, dem Pfän- dungSdecrele anzuheften ist. (Forts, folgt.)

' Dienstnachrichten.

Lehrer Börner zu Oelsberg ist in den Ruhe­stand versetzt, Lehrvicar Flick zu Buch zum Lehrer in Oelsberg ernannt und dem Schulcandidaten Löw von Dorfweil die Lehrvicarstelle in Buch in provisorischer Eigenschaft übertragen worden.

daselbst Versammlungen halten, Gesellschaften grün­den und Gelder sammeln, um die Zwecke der Ver­eine zu fördern. Er selbst (Dr. Scherzer) wolle gleich bei seiner Nachhauiekuust eine Broschüre f treiben. Freilich, so meint verRedner zum Schluffe, scheine eS beinahe absurd, in Oesterreich für die Friedensagitation zu wirken, nachdem Wien seit drei Jahren im Belagerungszustände sei, aber man müsse deshalb nicht an der Zukunft verzweifeln.

Hierauf erklärte die Versammlung noch die große Ausstellung als ein Werk des Friedens. Die betreffende Resolution lautet:

Der Congreß, in der Ueberzeugung, daß alles, waS die Nationen der Erbe in nahen und freund­lichen Verkehr mit einander bringt, durch Beseiti­gung von Irrthümern und Vorurtheilen, so wie durch Einflößung gegenseitiger Achtung, nothwendig den Frieden fördert, begrüßt mit ungemischter Freude die Ausstellung der Industrie aller Nationen alS ein zur Erreichung jenes Zweckes äußerst geeigne­tes Mittel".

Nach der Resolution :Durch die dem gegen­wärtigen und dem vorigen Congreß bezeigte Theil­nahme ermuthigt, beschließen die Friedensfreunde auch im nächsten Jahre einen Congreß zu halten. Ort und Zeit wird daS Bureau bestimmen", und nachdem die Versammlung dem Präsidenten , den Vicepräsidenten und Secretâren ein Dankesvotum gegeben hatte, erklärt der Präsident die Verhaue, lungen deS FriedenöcongresseS für dieses Jahr ge­schlossen.

Nichtamtlicher Theil.

Der Friedenskongreß in London.

Deutschland.

* Wiesbaden, 26. Juli. Der in der Regel zu Frankfurt residirende königl. großbritannische Ge­sandte am Herzoglichen Nassauischen Hofe, Lord Cowley ist auf kurze Zeit in Urlaub nach England abgereist.

* Wiesbaden, 30. Juli. Gestern ist das neue StaatS und Adreßhandbuch deS HerzogthumS Nassau im Druck erschienen.

nr Wicker , 29. Juli. Unser nahes, durch seine berühmten Heilquellen sowohl, alS freundliche Lage und angenehme Umgebung ausgezeichnetes Bad Weilbach, erfreut sich auch in dieser Saison eines befriedigenden BefuchS. Freilich ist die Zahl der Curfremden, wie in unseren meisten Bädern, geringer, als im vermiedenen Jahre, woran die zu spät eingetretene gute und öfters wechselnde Witte­rung die Schuld tragen dürfte. Wir haben öfter das Vergnügen von verehrten Kurgästen deS BadeS Weilbach besucht zu werden. Die schöne Garten- wirthschaft deS GastwirthS Hrn. Jac. A l t e n d ö r f f wird, besonders an jedem Montage in der schönen Jahreszeit, stark besucht. Unser paradiesischer Re, benhügel liefert in guten Weinjahren einen vor­züglichen, uud in minder gesegneten immer einen angenehmen Wein, und scheint auch Heuer unserer nicht vergessen zu wollen. Die Weinstöcke hängen voll Trauben, die sich durch daS herrliche Wetter erfreulich entwickeln und wenn die kommenden Monate woran wir nicht zweifeln sonnig sind, die Bemühungen und Opfer, welche die treffliche Cultur unserer berühmten Weinberge so gerne ge­bracht werden, nicht unbelohnt lassen. Unser Reps ist zu Hause und werden 150 Pfund für 11 fl. verkauft. Das Korn fällt unter der scharfen Sichel, aber eS ist leicht und dürfte daS Fuder im Durch­schnitte nicht drei Malter geben. Hoffentlich werden der Waizen und die Sommerfrucht reichlicher auS- fallen. Die Kartoffeln stehen üppig, sind bis jetzt gesund; auch werden schon viele neue verspeiset. Das Obst Aepfel und Birnen entwickeln sich erfreulich und die von Vielen gefürchtete Son­nenfinsterniß ging gestern ganz friedlich vorüber.

Aus dem Amte Runkel, Ende Juli: Im hiesigen Amte besteht seit längerer Zeit eine Anstalt, welche alle Beachtung verdient. ES ist eine Spar­kasse eigener Art. Von der Erfahrung ausgehend, daß der Dienstbote und Taglöhner, der gering be­güterte Landmann und der wenig beschäftige Ge- werbSmann selten die Summe von einigen Gulden zusammen bekommen, sondern oft nur in der Kreu­zerlinie bleiben, für deren nutzbringende Anlegung die Anstalten fehlen, da unsere bis jetzt bestehenden Sparkassen Einlagen unter fünf Gulden nicht an­nehmen, haben die Begründer der Runkeler Spar­kasse einen andern Weg eingeschlagen. Die Gesell­schaft hat dieses Institut unter sich und für sich ge- gründet. Jedes Mitglied dieser Gesellschaft kann sich bei dieser Vereinssparkasse mit soviel Beitrag beteiligen als es will. Die Beiträge werden, vier­teljährig oder nach Wunsch auch monatlich erhoben und ein Beitrag oder Antheil soll nicht unter drei­ßig Kreuzer also im Jahr nicht unter zwei Gulden betragen. Für die also gesammelten Gelder kauft die Gesellschaft StaatSlotterie-Anlehens-Loose und- theilt die auf diese Loose fallenden Gewinnste im Verhältniß der Einlage unter sich. Bei diesen Loo­sen geht bekanntlich kein Einsatz verloren. Dabei wachsen demselben alljährlich ohngefâhr 2'/, Proc.

Zn der dritten Sitzung des Friedenskon­gresses gab die Resolution, welche die Anleihen zu kriegerischen Zwecken verdamm:, Hrn. Cobden Anlaß zu einigen scharfen Bemerkungen über die österreichische Regierung. ES gehe daS Gerücht äußerte er baß ein Darlehen für eine Regie­rung im Werke sei, die mehr alS irgend eine an­dere die Grundsätze, auf welche der Congreß sich stütze, verletze, indem sie ein so ungeheueres Heer unterhalte, daß sie nothwendig in Folge davon Ban­kerott machen müsse. Dieses Heer diene nicht le­diglich zum Schutze deS österreichischen Gebietes, sondern ziehe sich von Italien bis nach Hamburg hin, wo es die Einwohner insultire. Er hoffe, eS werde Niemand auch nur einen Shilling zu einem solchen Darlehen hergeben, und sollte dasselbe in den Zeitungen angekündigt werden, so würde der Se­kretär des Friedensvereins , Hr. Richards, sofort eine öffentliche Versammlung der Friedensfreunde in der London Tavern zusammenzuberusen haben. In welchem Theile Englands er (Cobden) sich dann auch besinden möge, er werde, wenn seine Gesundheit eS ihm erlaube, jedenfalls nach London eilen, um der Versammlung beizuwohnen und auS einander zu sehen, wie gering sein Vertrauen zu der österreichischen Regierung sowohl in dieser Hin­sicht, wie in anderen Beziehungen sei, und wie je­der, der auf eine solche Anleihe subscribire, dies un­fehlbar zu seinem Verderben thun werbe.

Außer der erwähnten Resolution wurden am dritten Tage noch folgende Resolutionen angenom­men:Der Congreß empfiehlt den Mitgliedern der FriedenSvereine in allen constitutionellen Län­dern , ihren Einfluß zur Wahl von Vertretern im Parlamente aufzubieten , welche Freunde deS Frie­dens und gesonnen sind, durch ihre Abstimmungen Maßregeln zur Verminderung der zu kriegerischen Zwecken verwandten Mannschaften und Gelber zu unterstützen". (Von de Cormenin beantragt.)Der Congreß empfiehlt allen Friedensfreunden, in ihrem Vaterlanbe die öffentliche Meinung zu bearbeiten, im Hinblicke auf ein zu schaffendes maßgebendes Gesetzbuch deS internationalen Rechtes". Diese Re­solution wurde von Elihu Burritt beantragt und befürwortet.

Nachdem Herr Coignet und Hippolyte Peul in ähnlichem Sinne gesprochen, Hr. Bouvet noch we­gen eines Duells, daS er vor zwei Jahren ange­nommen, öffentlich Buße gethan, spricht Dr. Scher- zer aus Wien: Er komme aus einem Lande, wo Friede nach den langen Schrecknissen des Krieges am meisten Noth thäte. Er bedauert, Oesterreich auf dem Congrcsse so schlecht vertreten zu sehen, könne aber die Versicherung geben, daß viele seiner Landsleute für die Principien deS CongresseS thä­tig feien, ja, daß eS in Oesterreich fünfunbbreißig Millionen wahrer Friedensfreunde gebe, unter de­nen nur wenige stolze und ehrgeizige Naturen als Ausnahme daständen. Und eben weil in Oeste- reich der Friede so sehr wünschenswert!) sei, sollte man dort practisch wirken, sollte in jeder Stadt

Zinsen zu und eS gehen im allerschlimmsten Fall an den sonst landesüblichen 5 Proc. Zinsen 272 Proc. verloren. Dagegen ist die Hoffnung auf große Ge­winn sie vorhanden. Der Verein hat sehr ausführ­liche, wohldurchdachte Statuten bekannt gemacht, auf deren Einzelnheiten wir indessen nicht eingehen können. Sicherem Vernehmen nach stehen denselben auch in nächster Zeit einige Verbesserungen bevor. Dieses Institut, in welchem das Lotteriespiel seines gefährlichen, schwindelnden Charakters entkleidet, und sozusagen, in den Dienst einer sittlichen Idee genommen ist, hat sich auch bei den vermögenderen Bewohnern unseres Amtes schon manchen Freund und Theilnehmer erworben. Der Aufruf zur Theil­nahme an dem Sparvereine macht in sehr eindring­licher populärer Weise auf die Wichtigkeit des Spa­rens aufmerksam. Die Sparkassen haben nicht allein die Aufgabe, in Zeiten der Theuerung und Noth die Eristenz deS Arbeiters und die Ruhe des fried­lichen Staatsbürgers zu sichern, sondern sie heben den Armen auch sittlich; sie geben demselben, da er sich mit seinen kleinen Ersparnissen nicht mehr ver­lassen , sondern in eine achtbare Gesellschaft ausge­nommen fühlt, daS so nöthige Selbstvertrauen. Sie schaffen aus dem so lästigen Proletarier ein nütz­liches Mitglied der menschlichen Gesellschaft. Sie sind die Mittel, Tausende von Verbrechen gegen Staat und Eigenthum zu verhindern. Es wäre zu wünschen, daß sich auch anderwärts gleiche oder ähnliche Anstalten bildeten, in denen der Kreuzer des Armen verzinst werden kann. Unser Volk sollte immer mehr bedenken, daß so mancher Roth deS Lebens nur mit vereinten Kräften begegnet werden kann. Das Hauptverdienst bei Begründung dieses Vereins gebührt dem Hrn. Rezeplursekretär Fr a n z zu Runkel, einen Mann, welcher nach allen mög­lichen Seiten hin daö Wohl deS Volkes zu fördern sucht. Niemand kennt aber auch wohl besser daS Elend des Volkes alS der Stand der Rezeptur­beamten.

© t Hachenburg , 27. Juli. Aus einem zwei­ten Schreiben über die Geburtstagsfeier Sr. Hoh. deS Herzogs entnehmen wir noch, baß das hiesige Schützencorps in die Lage kommen wird, seinen seit­herigen Schießplatz aufzugeben, indem der hierzu verwendete Garten von Herrn Apotheker Merffler angekauft worden ist, um daselbst eine chemische Fabrik anzulegen. Dieser Mann zeichnet sich über# Haupt durch Unternehmungsgeist und Gemeinsinn aus, und ist deßhalb seinem Unternehmen ein guter Erfolg zu wünschen.

Frankfurt, 27. Juli. In den hiesigen wie in anderen Blättern haben die Höhe der zur Unter­haltung der deutschen Flotte vom 1. Juli bis 31. December d. J. ausgeschriebenen Mairicular Um- läge, so wie die jetzige Stellung der Marine-Ab­theilung zu berichtigenden.Artikeln Veranlassung ge­geben, die aber wiederum einer Berichtigung bedür­fen. So ist unter Anderem die Marineverwaltung der Militärverwaltung nicht ein-, sondern, nur in so fern angereiht worden, alS beide unter einen Aus­schuß der Bundesversammlung gestellt wurden; die Matricular-Umlage für die deutsche Flotte beträgt aber bekanntlich 538,000 Fl. Der Herzog von Augustenburg wird nach Beendigung seiner Kur in Homburg eine zweite in Wiesbaden nehmen und überhaupt noch längere Zeit in unserer Nähe wei­len. ES unterliegt keiner Frage, daß dieß im Hin­blick auf den von dem Herzoge bei der Bundesver­sammlung gegen die Gewaltthaten der dänischen Regierung eingereichten Protest geschieht. Dem Herzoge von Augustenburg wird aber in Homburg von allen Seiten die größte Aufmerksamkeit und Theilnahme bewiesen, waS sich namentlich bei Ge­legenheit seines neulich Statt gehabten ©eburtöfefted zeigte.

Darmstadt, 25. Juli. (Fr. I.) Gestern wurde der von einer Vergnügungsreise nach London zurück- kommende Dr. jur. A. Büchner von hier auf dem Perron des hiesigen Bahnhofes beim AuSsteigen von einem hiesigen Polizeiwachtmeister ungehalten und demselben eröffnet, daß man ihn nebst Gepäck auf daö Polizeibureau zu bringen habe. Diesem Ver­langen wurde ohne Widerrede entsprochen. Polizei- rath Petsch theilte dort Hrn. Büchner mit, daß im Auftrage der großherrlichen RegierungScommission eine persönliche und Gepäckvisitation zu erfolgen habe. Diese beiderseitige Visitation geschah sofort bis in'S Genaueste, und ein mit Bleistift geschriebenes Blatt, welches einige Reisenotizen enthielt, wurde in poli­zeilichen Beschlag genommen. Ein weiteres Reful- tal hat diese Visitation nicht gehabt, doch steht eS bei der demokratischen Gesinnung deS Visitaicn zu vermuthen, daß die Behörde die allerdings irrige Ansicht hegte, als ob derselbe auS London etwaige Verschwörungsplane, revolutionäre Flugschriften oder anderes, die Eristenz deS Bestehenden in Frage stel­lendes Material in feinen Taschen mitgebracht hätte.

Kassel, 28. Juli. Wiederum ist heute ein pro, visorüches Gesetz, die Waffenscheine betreffend, ver# öffentlich! worben, daS durch Erhöhung der Steuer für daS Waffenführen einer möglichen Gefährdung