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NMuische Allgemeine Zeitung.

M 1418. Freitag den 27. Juni 1851.

. Bestellungen auf das mit dem 1. Juli neu beginnende Quartal derNassauischen Allgem. Zeitung" und ihr Beiblatt derWanderer" werden baldigst erbeten, um die Stärke der Auflage bestimmen zu können.

Die Verhandlungen des AssisenHofes nnd des Landtages werden mit möglichster Schnelligkeit und Ausführlichkeit mitgetheilt, und bei den bis­herigen und neu eingegangenen Verbindungen Korrespondenznachrichten aus allen Theilen des Landes gebracht werden.

Durch denamtlichen Theil" der Zeitung kommen Kundmachungen der Regierung am frühesten zur Kenntniß des Publikums

DieNassauische Allgemeine Zeitung" erfreut sich einer bedeutenden, stets zunehmenden Verbreitung, sie ist daher zur Veröffentlichung-von Anzeigen aller Art besonders geeignet. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet.

Dieselbe erscheint einmal täglich in gegenwärtigem Format, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrasschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fL, in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 2 fL 1O fr. mit Inbegriff des Postaufschlags. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schenHos-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht. |

Hannovers Denkschrift über die deutsche Flotte. j Deutschland. Wi es b ad en (Das Aüg. Nass. Schulblatt I und Dr. Diesterweg. Der Herzog von Augustenburg). Selters (Das landwirthschaftliche Fest). Weilburg (Obduktion). Aus dem Iustizamt Runkel (Stra- ßenwesen). Frankfurt (v. Rochow. Der Bundestag).

Wiesloch (Das Bergwerk). Rastatt (Literarische Gaunerei). Stuttgart (Der Postvertrag). Ka i- serslautern (Eisenbahn). Müncheu (Die Eisenbahn­verbindung mit Oesterreich). Köln (v. d. Heydt). Weimar (Fürst PaSkewitsch). Dessau (Einberufung deS Sonderlandtages). Leipzig (DieNeue Leipziger Zeitung"). Berlin (Die Kreislandtage. Das Friedrichs­monument). Hamburg (Die Oesterreicher). AuS NHo lstein (General Signorini). Kiel (Die schleswig- holsteinische Angelegenheit). Wien (Staatsreorganisation. Wucher an den Grenzstationen. Ein Prophet in Galizien). Frankreich. Paris (Cabet. Die Entwaffnung der Mar­seiller Nationalgarde. Die Reise des Prâfidenten nach Poitiers unterbleibt. De la Pierre. Die Revisionskommis« fion. Vermischtes).

Italien. Rom (Amnestie. Mordversuch. Die Pontinischen Sümpfe).

Neueste Nachrichten.

Hannovers Denkschrift über die deutsche Flotte.

AuS der schon erwähnten Denkschrift der Re­gierung von Hannover über die deutsche Flotte thei­len wir folgenden umfassenden AuSzug mit.

Die Denkschrift nimmt zunächst Beziehung darauf, daß der Bestand der deutschen Kriegsflotte in der Nordsee an Schiffen, Bemannung und Zu­behör; die Einrichtung und die Personenzahl der Marineverwaltung ; die Kampf und Seefähigkeit der Fahrzeuge; die Dienstlüchtigkeit von Offizieren und Mannschaft ; die Umsicht und erprobte Sicherheit der Führung; die geiegelte Ordnung der Verwal­tung den deutschen Bundesregierungen aus den auS- führlichen Mittheilungen bekannt seien, welche die durch die Uebereinkunft vom 30. Sept. 1849 unge­ordnete BundeSzentralkommission ihrer zweiten Dar, stellung der Lage deS FinanzhauShaltS des deutschen Bundes vom 17 April 1850 Hinz »gefügt. Sie er­innert darauf zu einer Vergegenwärtigung deS Zu­standes der Flotte daran, daß die Flotte eilf Kriegs« fahrzeuge umfaßt, von denen neun Dampf- und zwei Segelschiffe sind, unter'denen die Dampffregatte Hansa mit acht Stück 8" und drei Stück 10" Bom­benkanonen , einer Größe von 1800 TonS und 750 Pferdekraft als KriegSdampffchiff ersten Ranges selbst neben der Segelfregatte Gefion-Eckernförde, der schönsten Zierde der deutschen Flotte, eine besondere Erwähnung verdiene, weil die Hansa, ihren Namen ehrend, an Schnelligkeit und Kriegsstärke nur von wenigen Dampfschiffen der englischen und fran^ofb schen Marine erreicht werde. Die betreffende weitere Darstellung lautet sodann, wie folgt:Unter ihren übrigen Fahrzeugen zählt die Flotte zwei Dampffre- gatten (Barbarossa und Erzherzog Johann, jede von 1200 TonS Größe, 440 Pferdekraft und mit neun Stück 68pfündigen Bombenkanonen); eine Dampf­korvette erster Klasse (den König Ernst August von 850 Tons Große, 270 Pferdekraft und mit sechs Stück 68pfündigen Bombenkanonen); fünf andere Dampfkorvetten (Großherzog von Oldenburg, Frank­furt, Lübeck, Hamburg, Bremen, deren erstere beide jede von 612 TonS Größe , 180 Pferdekraft und mit einem Stück 68pfünder; die drei übrigen Kor­vetten jede mit einem Stück 56pfünver und einem Stück 32pfünder), und eine zweite Segelfregatte (Deutschland). Die Fregatte Eckernförde ist bestimmt

48 Kanonen zu tragen, die Fregatte Deutschland führt deren 32. SechSundzwanzig Kanonenböte, jedes mit zwei Geschützen versehen," sind zur un­mittelbaren Vertheidigung der Küsten bestimmt. Einem Oberkommando von bewährtem Verdienste anvertraut, die einzelnen Schiffe gut befehligt, mit tüchtigen Offizieren und mit gehorsamen, willigen und lenksamen Mannschaften versehen, tritt die deutsche Flotte in der Nordsee ihrer adriatischen Schwester nicht unwürdig an die Seite, und zeigt eine VertheibigungSfähigkeit, die von der Flotte einer Seemacht dritten,Ranges kaum noch eine Ueber, legenheit zu gewärtigen haben möchte. Eine feind­selige Behandlung deutscher Küstenplätze und eine Blokade deutscher Häfen wird, dieser Flotte gegen­über, von einer Seemacht dritten Ranges nicht mehr mit Erfolg zu unternehmen, und es würde der vor­handene Kern zu noch größerer VertheidigungSfähig- keit ohne Schwierigkeit zu entwickeln sein. Die ein­gerichtete Verwaltung sorgt für Ordnung im Kassen­wesen , für Aufbewahrung von Vorräthen jeder Art, für Bildungund Unterricht der Seejunker und Schiffsjungen, für Erhaltung des Gesundheitszu­standes, für Pflege und Heilung von Kranken und Verwundeten".

Die Denkschrift geht hiernach zur Entstehung und seeflotte, seefâhig und schlachtsertig wie sie ist, ver­dankt ihre rasche Entstehung einer von regem Eifer und warmer Vaterlandsliebe belebten Thätigkeit. Die ersten Einleitungen zu der Bildung einer deut­schen Kriegsflotte für die Nordsee wurden im Jahr 1848 von der Bundesversammlung getroffen. Dir von dieser beschlossene außerordentliche Bunbcsge- sandtschast nach England ward durch eine in der Sitzung der Bundesversammlung vom 22. April 1848 festgestellte Nebeninstruktion angewiesen, über eingegangene Vorschläge zur Anschaffung von Ver- theibigungSmitteln gegen Störungen deS deutschen Handels und der deutschen Küstenplätze durch feind­liche Kriegsschiffe Gutachten einzuziehen und darü­ber auS dem doppelten Gesichtspunkte eines schnell herbeizuschaffenden VenheivigungSmiltelS und einer dauernden Grundlage der künftigen deutschen Marine zu berichten. (Separatprotokoll der 39. Sitzung der Bundesversammlung vom 22. April 1848.) Ein bestimmter Schritt der Bundesversammlung in die­ser Richtung war die Ueberweisung von 300,000 Thalern auS Bundesmitteln zur Ausrüstung von KriegSdampfschiffen. (Protokoll der Sitzung der Bundesversammlung vom 16. und 17. Juni und Erlaß der Bundesversammlung vom 10. Juli 1848.) Entwickelt bis zu dem jetzigen Zustande wurden jene Anfänge durch die vormalige provisorische Zentral' gewalt mit Hülfe späterer Verwendungen von Bun- beSmitteln, von patriotisch freiwilligen Beiträgen deutscher Staatsangehöriger und von Matrikular- beiträgen, welche auf die von der deutschen Natio­nalversammlung am 14. Juni 1848 zum Zwecke der Begründung eincS Anfangs für die deutsche Marine beschlossenen Umlagen von 6 Millionen Thalern eingezahlt und angenommen wurden. Der ausge­sprochene Zweck erlangte den ungelheilten Beifall von ganz Deutschland. AuS der in derZweiten Darstellung rc." der BundeSzentralkommission vom 17. April 1850 aktenmäßig erzählten ferneren Eni- siehungSgcschichtt der deutschen Marine erhellet, daß mit Ausnahme Oesterreichs, welches Ausgleichung in seiner Mittelmeerflotte anbot; auch nicht von einer einzigen deutschen Bundesregierung gegen die Schaffung der deutschen Nordseeflotte mittelst Um­lagen Einwendungen erhoben, die darauf gerichteten Beschlüsse vielmehr durch volle oder theilweise Bei- tragSleistung anerkannt und nur von wenigen diese Leistung gänzlich aufschiebende Umstände geltend ge­macht waren". Bis zum Eintritt der Wirksamkeit der BundeSzentralkommission wurden auf jene Um- I lagen eingezahlt 3,629,045 fl. 11 kr. Die finge*

gangenen freiwilligen Beiträge beliefen sich auf 190,492 fl. 25 kr. und auS den FestungSfondS mut' den für die Marine-Verwaltung an Vorschüssen ent­nommen 1,502,864 fl. 13 fr. Mit Hülfe dieser Gesammt,Einnahme won 5,322,404 fl. 19 kr. wur­den die obengenannten Kriegsschiffe nebst Material von der provisorischen Zentralgewalt nicht für ein­zelne oder für eine Mehrheit von deutschen Bundes­staaten , sondern dem Beschlusse vom 14. Juni ge­mäß , für ganz Deutschland angekauft. Sie sind hernach von der Bundes - Zentral - Kommission als ein BunbeSeigenthum" in Verwaltung genommen. Die BunbeS-Zentral-Kommission erachtete sich dazu verpflichtet, weil sie nach§. 1 der über ihre Ein­setzung mit Zustimmung aller deutschen Regierungen zwischen Oesterreich und Preußen abgeschlossenen Uebereinkunft vom 30. September 1849 die Aus­übung der Zentralgewalt für den deutschen Bund im Namen sämmtlicher Bundesregierungen zeitlich zu übernehmen hatte".

Deutschland.

Wiesbaden, 25. Juni. In einer Beilage zum diesjährigen Kreisblatte für das KreiSamt Wiesbaden, Nr. 31, hat Hr. Buchhändler Wilhelm Friedrich dahier unter der Überschrift:Dr. Adolph Diesterweg in Berlin und das Allgemeine Nassaui­sche Echulblatt" eine Vertheidigung dieser beiden gegen die Angriffe eines hiesigen Korresponden­ten der Nassauischen Allgemeinen Zeitung versucht, und zugleich eine Einladung DiesterwegS zur Sub­skription auf dessenpädagogisches Jahrbuch für 1852", worin derselbe seine pädagogischen, religiö­sen und politischen Glaubenssätze darlegen will, abdrucken lassen.

Zur Würdigung dieser Vertheidigung sowohl, wie der Beziehungen, in welchen daS Allgemeine Nassauische Schulblatt zu Dr. Diesterweg steht *), und damit der Leser in den Stand gesetzt werden möge, sich im Voraus eine Vorstellung davon zu machen, was sich von Dr. Diesterweg in dem an« gezeigten Jahrbuche für 1852 erwarten läßt, nach­dem derselbe in dem Juli- und Augustheste seiner Rheinischen Blätter für Erziehung und Unterricht vom Jahr 1849 die Frage:Welches ist der all­gemeinste Religionsunterricht"? dahin beantwortet hat:daß derselbe, der eine und gleiche fürs ganze Menschengeschlecht, somit der Inhalt dessen sei, wa S übrig bleibe, wenn die b e s onde rn O ff e n d a ru n g S l e h- ren, deren sich daS eine ober bad an bete Volk rühme, auSge schieben worden, daß er also, wie auch manche darüber den Kopf schütteln und mit den Achseln zucken möchten, nichts mehr und nichts weniger, als Un­terricht der Naturreligion, dem Natu­ralismus, sei, theilen wir einige Stellen aud einer Kritik mit, welche die Diesterweg'sche Beant­wortung der obigen Frage zum Gegenstände hat, und die sich in den Nummern 155, 156, 157 und 158 der zu Darmstadt erscheinenden Allgemeinen Kirchenzeitung (Jahrgang 1850) findet, wo eS Pag. 1291 also heißt:WaS wir von feiner Arbeit an den Lehrern für die Kirche und daS Christemhum zu erwarten haben, bad fällt in die Augen, wenn man bedenkt:

1) Daß er die volle Emanzipation der Schule von der Kirche fordert- Man entbinde die Schullehrer von allen Kirchendiensten; man fetze fest, daß Hinfort kein Geistlicher mehr mit der Aufsicht über sie und ihr Wirken betraut wer­den dürfe, und wäre er auch anerkanntermaßen der tüchtigste Schulmann; man verbanne endlich mit

) Bezeichnend genug nennt dieses Blatt den Hr, D.Dies- der-Weg".