Beilage zur
M ISS
Allgemeinen Zeitung.
Montag den 9. Juni
1831»
Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint Einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränumecationspreis ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großher^ogthumS und KurfurstenthumS Hessen, der Landgrafschast Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern deS fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 10 kr. — Jnfera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit Ä fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ellen berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Der Prozefi Bocarme.
Deutschland. Aus dem Amte Nassau (Brand in , Dessighofen). — Frankfurt (Lord Cowley, v. Tallenay. v. Beust). — Kassel (Prinz Adalbert). — München (Vertagung der Kammern). — Berlin (Europäische Postnorm. Der Kaiser von Rußland. Die heilige Allianz. Die Paßkontrolle). — Wien (Fürstenkongreß. Krönung. Gesammtdeesiit).
Frankreich. Paris (Verlängerung des Clubgesetzes. Die Rede des Präsidenten. Contrerevolution in Portugal).
Spanien. Madrid (Gonzales Bravo. Vermischtes) Großbritannien. London (Die Ausstellung. Die österreichische Verfassung).
Neueste Nachrichten.
Sprechsaal für Stadt nud Land.
Der Prozeß Bocarmv.
Den Bericht über die Sitzung vom 4. Juni leiten die deistischen Blätter mit der Bemerkung ein, daß die Gräfin von Bocarmè nicht mehr in tiefer Trauerkleidung auf der Anklagebank erschienen. Ein Zeichner ist beschäftigt, ihre Züge zu porlraitirrn. Das Zrugenverhör wird fortgesetzt. Der Fleischer Dtfterdecq berichtet, seine Frau sei zehn- bis zwölf, mal gegangen, um von den Angeklagten Zahlung einer Schuld zu erlangen; aber jedesmal, wenn man sie gesehen, sei die Zugbrücke aufgezogen worden. Mehrere ehemalige Mâgde im Schlöffe Biire- mont sagen über die Ausschweifungen des Gra- fen auS; eine davon deponirt, daß er seine Frau mißhandelt habe, während sie guter Hoffnung ge- weseu; Gustav habe (schon 1847 oder 1848) ge. sagt, er fürchte sich im Schlosse, er wolle, seine Schwester kehrte mit ihrem Ktnde nach Hause zurück. Die Gräfin habe ihren Bruder Gustav sehr geliebt. Eines TageS habe die Zeugin die Gräfin im Geschäftszimmer des Grafen um Hilfe ftreten hören, hinzueilend, sei Zeugin vom Grafen zurück- gewiesen worden; dann sei dessen Mutter, Iva von Bocarmè, gekommen und habe ihre Schwiegertochter weinend mit sich in ihre Gemächer geführt. Die Magd, welche die Gräfin Ida herbeigerufen, habe der Graf auS dem Hause gewiesen. Eine dritte ehemalige Magd deS Angeklagten hat die Gräfin: Zu Hilfe! Gnade! schreien hören. Herbeieilend hat He in dem Saale mit den Säulen eie Gräfin an der Erde liegend gefunden, an den Zähnen blu tend, die Haare aufgelöst. Diese Szene hat Statt gefunden, nachv.ni die Gräfin das unehrliche frinb deS Grafen, welches sie im Schlosse hatte aufnehmen müssen, forlgeschickl. — Der Ast Zeuge, eine Madame Eherquefoffe, mit der Gräfin befreundet, hat jene MißhandlungSszene ebenfalls gesehen; herbeige- ritt, hat sie die Gräfin, die guter Hoffnung gewesen, blaß, die Haare aufgelöst, die Kleider in Un* Ordnung gesunden; sie habe sich vor sie gestellt und dem Grafen ^lleS grsagt, was der Zorn ihr ein*
gegeben, auch, daß er, falls er sein Betragen nicht ändere, seine Tage in Kelten oder auf dem Schaf, fot endigen werde. Der Graf sei vollständig ruhig gewesen und habe ganz kaltblütig gesagt: «Ich thue Lydien nichts zu Leibe; eS ist nur zum Scherz"! Die Gräfin habe darauf geantwortet r »Ist da» ein Scherz, wenn man feine Frau erdrosselt und zu Boden wirft" Y En» ander Mal habe der Angeklagte bei einem Epazirgange feine Frau auf den Arm geschlagen und diese» im* nur auf derselben Stelle wiederholt, bi» der Arm
schwarz und geschwollen gewesin. Dir Gräfin habe der Zeugin später mit vieler Resignation gesagt -
»Madame, da» ist imi ihr der Graf die schlar selber g, schiene»; Z u sam. seine Frau habe per Furcht gelebt, der
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cheS eine Zeit lang im Schlosse Bitremont erzogen | wulde; eine hochgewachsene Gestalt, deren ernste 1 Schönheit und brauner Teint an .den spanischen TypuS erinnern. Sie ist ganz ohne Fassung, weint und kann keine Worte finden. Sie bestätigt, daß der Graf ihrem Vater eine Verschreibung über jährliche 500 Fr. Alimente zugestellt, die nicht von ihm unterschrieben gewesen, und daß er 1000 Fr., die sie sich erspart, von ihr genommen, ohne ihr eine Verschreibung darüber geben zu wollen. Er habe sich Anfangs als Generalsekretär der Gräfin Bo- carmè bei ihr eingeführt und sie für den Dienst in seinem Hause zu gewinnen gesucht. — Der Vater der Legrain, der sodann als Zeuge auftritt, ist äußerst empört, als man ihm mittheilt, der Angeklagte habe behauptet, er, Zeuge, habe dem Grafen eine Verschreibung über 500 Fr. vorgelegt, worauf er mit seiner eigenen Hand den Namen deS Grafen gesetzt. ES geht daraus hervor, daß der Graf den Legrain mit einem ganz bedeutungslosen Papier hat hintergehen wollen. Ein ferneres Zeugniß theilt einen charakteristischen Zug vom Angeklagten mit. Er haue einst in Tournay Besuche adzustalten. Vorher begab er sich in einen Hutladen, um einen neuen Hut auSzusuchen, wählte einen, ließ seinen allen Hut da und machte seine Visitenrunde ab. Dann sandte er den neuen dem Hutmacher zurück und begab sich mit seinem alten heim.
Die Sitzung vom 5. Juni beschäftigt sich mit dem Detail deS Ankaufs von giftigen Pflanzen, von chemischen Apparaten u. s. w., durch den Angeklagten. Die zu diesem Ende vernommenen Zeugen, deren eine große Menge ist, deponiren wenig, waS Interesse böte. Der Graf Bocarmè hat, so viel erhelle auS Allem, viel Fleiß und Thätigkeit aufge- wandt; er ist immer heimlich zu Werk gegangen und hat nicht nur seinen Namen beständig geläugnet, sondern auch alle auf diese Sache bezügliche Briefe, zuwellen sogar mit verstellter Schrift, durch seine Frau schreiben lassen. Unter den bereits vernomme, nen Zeugen ist der EheMlst LoppenS auS Gent. Der Angeklagte hat ihm gesagt, er sei auf die Erlraktion von Pflanzen-Essenzen in Indien und Amerika gekommen, wo er gesehen, wie die Wilden Amerika'» sich den Pflanzensaft zu Nutze machten; eS könne das für seine Verwandten nützlich sein; sein Vater l be noch in Amerika. — AlS 63, Zeuge deponirt Maria Rossignol, Haushälterin des Ermordeten, der nach ihrer Aussage gar nicht den Plan niehr gehabt hat, sich zu vermählen; darum habe jedoch von den Angeklagten noch keiner etwas gewußt; er habe sie geflissentlich in dem Glauben an seine Heirath gelassen, um ihnen Angst zu machen, weil sie so ver, schwenderisch gewesen. Gustav, theilt die Zeugin ferner mit, habe nie von den Geschenken genossen, die man ihm vom Schlosse Bitremont auS gesendet halte, weil er gefürchtet, er werde dadurch vergiftet werden; er habe Schweinfleisch, welche» er von dort erhalten, vergraben lassen, damit auch die Thiere nicht davon genbffen. Frau v. Bocarm» habe ihren Bruder oft besucht; dem Grafen habe Gustav Foug- nieS sein HauS verboten gehabt. Fr. t AuS welchem Grunde? Antw.r Ich weiß; wenn der Gras kam und Getränke auf dem Tische stand, so befahl Gustav mir, eS auSzuschütten, weil er Furcht hatte, der Graf habe etwa» hinein gethan. Waren Aaffe» rollen mit Gerichten in der Küche, so verbot mir mein Herr, dies, zu verlassen. Fr. r Wissen Sie noch von andern Thatsachen? Antw.: Herr Fougnir», der Vater, sagte immer vor seinem Tode, der Graf Bocarmè habe ihn vergiftet, und forderte seine Pistolen, um ihn todtjuschießen. Gustav hielt sie verborgen. — Der königl. Prokurator : Hat man Gustav Fougnir» nie etwa» gestohlen im Schlosse? Antw : Ja, ein Pferden«» ist ihm fortgekommen Ek hat el in der Gallerie bei Schlosser wieder ge* funken. — Bon Wichtigkeit ist der Zeugin schließliche Versicherung , der Ermordete habe nie Wein getrunken, er habe ihn nicht vniragen können unb deßhalb nur Wasser mit etwa» Rothwein darin ge» trunken Fe.; Hatte Fov. nie» Kraft in den Armen? Antw.: Ja, viel; ein Wann hätte ihn nicht nieder» werken können, ohne seine Krücke« zu zerbrechen. Fr.: Er hatte den Schenkel amiunre t Antw, k 3a , el war vom Sein fast nicht» übrig geblieben. — Dir I SthnAA wird um 2 Uhr geschlossen.
Deutschland.
O Aus dem Amte Nassau. Am 4. Juni um die Mittagszeit brach in dem kleinen Orte Dessighose u, hiesigen AmleS, Feuer auS, welches durch einen sehr heftigen Wind angefacht, in wenigen Stunden sieben Wohnhäuser und ebensoviele Scheunen und Ställe in Asche legte; auch viele bewegliche Habe, sowie bedeuienve Fruchlvorräthe und einige Stücke Vieh wurden ein Raub der Flammen. Der Werth der in der LandeS-Brandaffekuranz ver# -sicherten Gebäude mag sich gegen 12,000 fl. belaufen ; Mobilien-Versicherungen bestehen nicht in dem Oertchen.
Als EnlstehungSurfache deS Feuers vermuthrt man unvorsichligeS Spielen einiger Kinder mit Streichzünbhöljchen.
Frankfurt, 6. Juni. Nach einer Mittheilung des „Journal ve Franc^ort" haben gestern Vormittag Herr v. Tallenay und Lord Cowley ihre Beglaubigungsschreiben als außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister ihrer refpeftiven Re- gierungen bei Hohem deutschen Bunde in die Hände bei Herrn Grafen von Thun-Hohenstein, a!S Vorsitzendem der Bundesversammlung, nieder» gelegt.
Der k. sächsische StaatSminister Hr, v. Beust ist hier angekommen.
Kassel, 6. Juni. Vorgestern Abend, knrz nach der Abreise deS Kurfürsten, traf der Prinz Adalbert von B »yern hier ein. Der Kurfüist wird spätestens bis zum Sonnabend von Hannover zurückerwartet.
München, 7. Juni. tTrl. Dep. d. Fr. Bl.) Unsere Kammern sind vertagt bis zum 1. Chober b. J.; die GesetzgebungSauSschüsse bleiben jedoch versammelt zur Bkrathung bei Strafgesetzbuches und deS PolizeistrafgefetzeS Die ReichSrâthrkam- mer hat daS NotarlatSgefetz unerledigt gelassen.
Berlin, 5. Juni. (L. C.) Es ist davon die Rede, daß der HandelSminister mit Vorschlägen zur AuSsührung einer allgemeinen europäischen Post- norm besänftigt ist. Wie wir vernehmen, hat Hr. v. V. Heydt die Idee im StaatSministerium angeregt, einen europäischen Postkongreß zu veranlassen. Seitens deS StaalSministeriumS aber sind zur Zeit noch keine Beschlüsse über diesen Vorschlag gefaßt Word««. — Die Reise deS Prinzen von Preußen nach Warschau hat von Neuem der Vermuthung Stoff gegeben , daß ein baldiger Gegenbesuch bei KatfâS von Rußland am hiesigen Hose bevorftche. Es heißt n mlich, daß der Prinz von Prenßen fine Einladung seines königlichen Bruders persönlich überbringe. ES ist eine größere Truppenrevue h der Gegend von Potsdam für die nächste Zeit an* gesetzt, und zu dieser Truppenschau soll der Kaiser von Rußland einlreffen.
Berlin, 6. Juni. (Konst. Ztg.) Ee. Majestät der König wiro heute Nachmittag von Hannover wieder in PotSdam eiiitreffen. Dagegen meldet bk B. Z. daß der Kaisrr und die Stannin von Rußland hier eingeteoffnien Nachrichten zufolge am 10. b. M. von Warschau witder nach Petersburg zurück- reifen. Da» Gerücht, daß in kurzer Zeit eine zweite Zutümmenkunft zwischen dem König» und dem Kaiser statlfinbe» solle, der auch bet Kaiser von Oesterreich beiwohnen würde, scheint hiernach »rr Begründung zu rrmangtln. Dasselbe Blalttt berichtet, daß eS den persönlichen Bemühungen bei Kaiser» van Rußland gelungen sein soll, in Olmütz ble
Hauptschwlerlgkeite» «hier Blun<thd?<n und wahr«»* Einigung zwischen Elften ch nud Preußen liu ten Augenblick gänzlich zu btjtiügr» , bei Wilcher Meldung allerdings ter, sobald von einer wahren unb tuneriich-n E : Igung die Rede ist, sehr tät^iellafu 3uf»| ,târ Hn Augenblick", «uifböe» znuß. Wir dem auch sei, wie Soffhäk Zertung sammt zu bi» Resultat, daß IH Erueukruug der heiligen "O anj in -hrt» Ui^türlglich«« Umfang wvkt u^t «ihr in ^h> iu t -L.» Mn lief«; tut l-l' ^^t Thü«t» .;a» ® :HA4U J. stenkt v- k« umerd- mkN haben, de über t >: r«»t!ch>ra«"chr Fra.,: tnaul» gingen. Mblig«»» btssätig, «I ui ^iebniotj, roß ble ««»richt von der Rufft üev i sn, Br»',-«.
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