Regierungen einen Handels - Traktat abschließen werde, ohne daß die Deutschen in selben sämmtlich mit inbegriffen, oder demselben wenigstens genehmi- beigetreten seien", in Folge deS preußischen Widerspruchs verworfen worden. Zur Wahrung der un- verkümmerlen Freiheit deS Zollvereins hat Herr v. Manteuffel glücklicher Weise mehr Festigkeit gezeigt, als in einigen anderen Richtungen.
Berlin, 21. Mai. (Korr. Bur.) Die That- fache, daß die Zahl der Auswanderer aus Deutschland in diesem Jahre allen zuverlässigen Anzeichen nach die aller früheren Jahrgänge weit übersteigen wird, ist geeignet, die deutschen Regierungen aufs neue auf die Wichtigkeit der Auswandererfrage hinzulenken. Am 15. d. MtS. schifften sich in Ham- bürg 1342 Deutsche nach Amerika ein, eine Anzahl, welche früher .niemals in einer ganzen Woche von Hamburg abgegangen ist. Wir hören, daß den Hamburger und Bremer Rhevern eben so bedeutende Aufträge für andere Monate zugegangen sind. Wenn nun auch nicht zu läugnen ist, daß die poli- tischen Verhältnisse einiger Staaten, wie Hessen, SchleSwig-Holstein k. an diesen Erscheinungen einen Antheil haben, so ist doch auch nicht zu verkennen, daß die AuSwanverungSlust immer mehr um sich greift, insbesondere seitdem die Bestrebungen für innere Kolonisation von den Regierungen unbeachtet und deßhalb ohne Erfolg geblieben sind. ES sind in neuerer Zeit Stimmen laut geworden, welche auf die Nothwendigkeit hinweisen, der Auswanderung Hindernisse entgegenzustellen. Dieses alte Axiom ist längst als ein falsches anerkannt und selbst Herr von Bodelschwingh dachte im Jahre 1847 an eine Organisation der Auswanderung. Aber daS scheint eine wichtige staatSwirlhschaftliche Aufgabe zu fein: daß der Staat den einzig möglichen Vortheil von der Auswanderung ziehe, indem er die Hand zu einer Kolonisation in größerem Maßstabe und nach vernünftigem Plane bietet. Wir wollen damit nicht behaupten, daß der Staat selbst kolonisiren soll; eS genügt vollständig, wenn sich derselbe bei den Kolonisationsunternehmungen solider inländischer Gesellschaften mit einem angemessenen Aktien-Kapital betheiligt. In Preußen wäre eine derartige Betheiligung über dem im Sinne der Zwecke, für welche die Seehanblung einst gegründet wurde.
Auffallend ist gerade jetzt, wo Oesterreich und Preußen sich von Rußland Rath erholen, die in österreichischen und preußischen regierungsfreundlichen Organen wiederholt abgegebene Versicherung, daß Oesterreich und Preußen im Verein mit den übrigen deutschen Regierungen fest entschlossen seien, das Ausland von allen Fragen, welche die inneren Angelegenheiten des deutschen Bundes berühren, fern zu halten. Namentlich gelte dieß in Bezug auf den Eintritt GesammtösterreichS in den Bund.
Berlin, 21. Mai. Der „Augsb. Allg. Z." schreibt man von Frankfurt den 17., Herr Rochow habe vor seiner Abreise nach Warschau die preuß. Stimme auf Herrn v. Thun übertragen, was wahrscheinlich ein Berliner Dementi hervorrufen wird. Die Donnerstagnummer der „Const. Ztg." nennt diese Mittheilung unglaublich.
Berlin, 22. Mai. Bekanntlich meldeten vor einiger Zeit österreichische Blätter, daß in Wien eine Note eingetroffen sei, in welcher das Elysee seinen Protest gegen den Eintritt GesammtösterreichS in den deutschen Bund zurücknehme. Die „V. Z." glaubt heute diese, vornherein sehr unwahrscheinliche Mittheilung auf Grund von Erkundigungen, die sie darüber eingezogen, als vollkommen unbegründet bezeichnen zu müssen; im Gegentheil soll die französische Regierung neuerdings erklärt haben, daß sie auf ihrem Protest bestehen müsse, und es soll im Elysee wegen der mysteriösen Politik Oesterreichs Frankreich gegenüber noch immer eine gereizte Stimmung gegen Oesterreich herrschen.
Hamburg, 20. Mai. Am verflossenen Freitag war eine Senatssitzung, in der ein Antrag des F.M L. v. Legedit sch in Betreff unserer Presse zur Sprache gekommen sein soll.
Kiel, 20. Mai. Dem Vernehmen nach ist von den beiden deutschen Kommissären sofort, nachdem ihnen der k. dän. „Amnestie-Erlaß" amtlich zuge- gegangen, eine Remonstration dagegen nach Kopen- Hagen abgesandt worden. Auch ist der Erlaß von der obersten Zivilbehörde nicht publizirt.
Die Zahl der exorbitanten Verfügungen, die neuerdings im Schleöwig'schen erlassen sind, ist noch durch die Anordnung, daß Landleute sich nicht vor 2 Uhr Morgenö und nicht nach 10 Uhr AbendS auf den Straßen sehen lassen dürfen, vermehrt worden.
Prag, 19. Mai. (C. Bl. a. B.) Se. Majestät der Kaiser Ferdinand ist heute früh nach Krem- sier gereist.
Die Verurtheilung Bakunins wurde alö ein gutes Anzeichen betrachtet, daß der Prozeß der Prager Maigefangenen demnächst beendet werden dürfte.
Man hat sich damit nicht geirrt. Wie aus verläßlicher Quelle verlautet, ist ein Ministerialschreiben an das hiesige Kriegsgericht gelangt, nach welchem sämmtlichen Verhafteten bis zum 15. Juni daS Urtheil gesprochen sein muß.
Wien, 19. Mai. Eine Ueberschwemmung, wie sie seit 1795 nicht stattgefunden hatte, versetzte gestern Wien und die Umgebung in Schrecken. Der Wienfluß, bekanntlich ein Wildbach von sehr rasch wechselndem Wafferstande, schwoll in Folge früherer heftiger Güsse und besonders des letzten 24 Stunden anhaltenden wolkenbruchartigen Regens so rasch und mächtig an, daß ein Ueberfluten in kaum vor, herzusehender Schnelle und Ausdehnung eintrat. Wie nicht weniger bekannt, sind die Ueberschwem- mungen dieser Art von Bächen weit gefährlicherer Natur, alS die der großen Flüsse mit tiefem Bette. Auch boten die in kürzester Zeit eingetretenen Zerstörungen ein wahrhaft schauerliches Bild. Die Ufer wurden an einzelnen Stellen schuhbreit ausgewaschen, Häuser schwer beschädigt, das Pflaster fortgerissen, Hausgeräthe mit fortgeschleppt, sogar Menschenleben gingen dabei zu Grunde. Am sichtlichsten war die plötzliche Zerstörung an den nothwendigsten KommunikationSmitteln, an den vielen Brü- rfen und Stegen, welche die Stadttbeile, durch die der Wienfluß läuft, verbinden. Die Verlegenheiten, welche den Bewohnern der Vorstadt Wieden aus der Unterbrechung der Kommunikation (nur zwei entfernte Brücken blieben) , so wie auS dem Zerspringen der Gasleitungsröhren erflossen, und die fortwährende Besorgniß, daß auch die übrig gebliebenen Brücken Beschädigung erleiden könnten, waren eine Zett lang sehr ernster Art. Den Abend über mußten die Fenster der ersten Stockwerke in dieser Vorstadt erleuchtet werden, um die fehlenden Gasflammen zu ersetzen. Nach 11 Uhr Vormittags hatte sich die Wassermasse großtentheilS verlaufen, und die Gefahr war überstanden. Die größten Verheerungen haben nach eingelaufenen Nachrichten die Orte Margarethen, Magdalenengrund, Lichtenihal und in der nächsten Umgebung HerrnalS, Neulerchenfeld und hauptsächlich Neuwalbegg erfahren.
Dem „N.-B." zufolge soll eine fernere Reduktion im Militärelat durch Auflösung von 48 Bataillonen eintreten.
Im Unterrichtsministerium liegt schon seit längerer Zeit ein Entwurf über die Organisation der Volksschulen vor. Der Minister gedenkt jetzt Vertrauensmänner auS allen Kronländern zur Abgabe ihres Gutachtens einzuberufen und den Entwurf dann dem NeichSraihe zur Berathung vorzulegen.
Gestern trafen zuverlässige Berichte aus Bilog- lia in Albanien vom 6. ein, welche eine gräßliche Mittheilung enthalten. Eine türkische Räuberbande von 2—300 Mann überfiel am Osterfest, nach ülrt deS Paffatore, das kleine christliche Städtchen Be- litza, besetzte die Thüre der Kirche, welche von Andächtigen dicht besucht war, entkleidete buchstäblich die am Festtag mit ihrem Golde geschmückten an- wefenben Frauen und Jungfrauen, beraubte die Priester ihrer Gewänder, und als sich einige Griechen widersetzen wollten, wurden sie in der Kirche ermordet. Frauen und Jungfrauen wurden geschändet und endlich zog die Rotte mit dem Raub und 12 Frauen wieder ins Gebirge ab. An Hülfe war nicht zu denken. Die Schilderung dieser Scene ist herzzerreißend.
B elften*
Brüssel, 21. Mai. Der „Commerce Belge" will auS sicherer Quelle wissen, daß die ministerielle Krisis ihrem Ende nahe sei, und daß sämmtliche Mitglieder deS Kabinets im Amte bleiben würden. DaS Erbschaftsgesetz solle von Neuem auf die Tagesordnung gesetzt, und der Grundsatz der direkten Linie, jedoch bloß in Bezug auf die Immobilien, wieder ausgestellt werden; der Eid dagegen sei desi- nuiv aufgegeben. Der vorgestern Abend zum König beschiedcne Herr Lebeau soll sich entschieden für Herstellung deS "bisherigen Ministeriums ohne alle Veränderung ausgesprochen haben. Der König hat neulich bei einem Hofdiner das Volum vom vori- gen Freitage als ein „Mißverständniß" bezeichnet.
Frankreich»
Paris, 21. Mai In der heutigen Sitzung der gesetzgebenden Versammlung bemerkt der Präsident D pin, bei Gelegenheit mehrerer vorgelegten Bittschriften um Verfassungsrevision : „ Die Versammlung werde entscheiden, ob eine Revision vorzunehmen sei; daS sei die Hauptsache", welche Aeußerung großes Aufsehen erregt. DerAbg. Godelle beantragt, eS sollten die Anträge über die so» melle Behandlung der RevisionSvorschlüge für morgen auf die Tagesordnung gesetzt werden. General Cavaignac bekämpft diesen Antrag, da die Versammlung erst im dritten SitzungSjahre sich mit der Revision beschäftigen könne, weßhalb vor dem 28. Mai keine damit in Verbindung stehende Frage zur
Verhandlung kommen dürfe. Der Abg. Karl Dain bemerkt, man könne nicht über Formalitäten streiten bei Anträgen, die vielleicht gar nicht eingebracht würden, worauf der Abg, Leo v. Laborde sagt: Ich werde einen einbringen. Die Vertagung der Debatte auf Montag wird verworfen, dagegen die Anträge auf die Tagesordnung für morgen zu setzen, mit 323 gegen 212 Stimmen beschlossen. Man erfährt, daß der Abg. v. Laborde am 28. Mai einen Antrag auf Wiederherstellung der erblichen Monarchie einbringen wird.
Durch Dekret deS Präsidenten der Republik ist der Justizminister für die Dauer der Abwesenheit deS Hrn. Fould, welcher sich zum Besuche der Weltindustrieausstellung nach London begeben, und dessen Rückkehr für Ende dieses MonatS erwartet ist, mit dem Portefeuille deS Finanzdepartements beauftragt.
Man versichert, Hr. v. Broglie und seine politischen Freunde, die sich mit ihm dem bonapartisti- schen Abgeordnetenverein angeschloffen, hätten sich für eine sofortige Revision deö Wahlgesetzes vom 31. Mai ausgesprochen.
Die Patrie, in dänischen Angelegenheiten sicher unterrichtet, erklärt sich im Stande, die Nachricht der „Augsb. Allg. Z.", es wolle der König von Dänemark dem Ansinnen Oesterreichs nachgeben und mit allen seinen Staaten in den Bund eintreten, als ganz unbegründet zu bezeichnen.
Nach der Presse sind Barbès und mit ihm 25 politische Gefangene auf Belle-Jsle darum in die unterirdischen Kerker geworfen worden, weil sie sich auS Bretern selbstverfertigte Tische, um besser arbeiten und schreiben zu können, nicht wegnehmen lassen wollten. In den Kèrkern haben sie Wasser und Brod zur Nahrung und ein Bund Stroh zum Lager.
Das französische Gouvernement hat gestern dem General Gemau sehr detaillirte Instruktionen hinsichtlich ter Angriffe, welchen die französischen Soldaten seit einiger Zeit ausgesetzt sind, nach Rom geschickt. ES wird darin vorgeschrieben, daß die Chefs ihren Truppen befehlen sollen, nur immer gruppenweise auSzugehen und jeden Angriff sofort mit blanker Waffe und mit aller Entschiedenheit zu beantworten.
In der Nationalversammlung unterhielt man sich vielfach von einem merkwürdigen Gerüchte. Danach solle der Präsident heute Mittag im Ministerrathe verlangt haben, daß der Gefängniß-Direktor Volet, gegen den gestern die Anklagen gerichtet waren, abgesetzt werde. Sicher ist, daß, als mehrere Repräsentanten darüber während der Sitzung Hrn. Baroche befragten, dieser antwortete: „Nein", und als sie sich daraus an die Herren v. Persigny und Abetucci wandten, diese antworteten: „Ja".
Nach Berichten auS Madrid vom 16. Mai sind die Wahlen beendigt. Das Ergebniß ist dem Ministerium günstig. Die gemäßigte Opposition wird dem Vernehmen nach Hrn. Mon als Kandidaten für die Präsidentschaft der Abgeordnetenkammer aufstellen. Der ministerielle Kandidat wird Hr. MayanS fein.
Nach den letzten Depeschen auS Lissabon sollen die fremden Gesandten, Ferdinand Barros an ihrer Spitze, im letzten Augenblick noch durch ihre Inter- vention die Königin von ihrer Abdankung zurückgehalten haben.
AuS Rom wird berichtet, daß an dem Tage, an welchem General Gemeau die Proklamation wegen Waffenablieferung veröffentlichte, eine Person auf der Via Condotti, ganz in der Nähe der Wohnung deS Generals Gemeau, ermordet wurde.
Paris, 22. Mai. (Tel. Dep. d. Köln. Z,g.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde beschlossen, die Proposition Moulin'S und Morin'S (in Betreff der Ernennung eines besondern Komites für Verfassungsfragen) in Erwägung zu ziehen. Emil de Girardiu griff die Rechte heftig an erklärte den Straßenkampf für unvermeidlich, wenn die Republik gefährdet werde. Die Linke brach dergestalt in Beifalls-Bezeugungen auS, daß der Präsident sich zum Ordnungsruf veranlaßt sah. Es entstand großer Tumult und die Sitzung wurde unterbrochen. — Die Bureaux werden morgen mit der Prüfung der bezeichneten Proposilion befassen. — Die angezeigte Revue wurde heute von dem Präsidenten der Republik auf dem MarSfeldt abgehalten. __
D a l m a t i en
Zara, 10. Mai. Nach einer Korrespondenz deS „OsscrvaioraDalmato" vom 4. d. sind in Mostar der gewesene Capitano von Maydan, Mustay« Bay, und der ehemalige Pascha von Bihac, Me- chemet, beide wegen Verdacht eines geheimen Briefwechsels mit den Insurgenten, verhaftet worden. Wie eS verlautet , sollen die Montenegriner einen Angriff von Seiten deS SeraSkierS Omer Pascha besorgen, und sich zum Widerstände bereiten, indessen aber die Bewohner von Gasko, Neksic, Graho, wo und anderen angrenzenden Ortschaften in ihren Ausfällen unterstützen. Unlängst sind diese unter Anführung eines griechischen Geistlichen in einer Anzahl von 600 Bewaffneten bis Blagai, unweit Mostar und Stolacz, vorgedrungen.