der Union vom 26. Mai lebten sie — dieses ist vorüber — in der beabsichtigten Koalition ertranken sie von selbst. Wäre dem so, dann würden wir das Beispiel der Fürsten von Hohenzollern überallhin empfehlen.
Wohin wir blicken, enthüllt sich die Thatsache, daß Deutschland mit Gesa mintösterreich in sich noch weit mehr Elemente der Auflösung als der Kräftigung gewinnt. Wir wollen keine Revolutionen. Aber Menschen sind wir alle. Die gewaltigen ge- fchichtliche Krisen , die zu Zeiten eintreten, hemmt keine Menschenhand. Sobald eine solche einbricht — ganz ferne ist sie nicht — wird die mitteleuropäische Koalition wie ein Kartenhaus zerfallen. Kinder mögen wir doch auch nicht sein. Deßhalb wollen wir lieber von vornherein daS Kartenhaus gar nicht bauen.
Der deutsche Bund bleibt wenigstens dem Territorium nach, waS er gewesen ist. Konnte man nichts besseres schaffen, waS wir dahin gestellt sein lassen wollen, so ist die Rückkehr zum alten Bundestage richtig. Daß wir durch diesen zu definitiven Zuständen gelangten, bezweifeln wir. Eine neue Zeit bricht herein, alles ist provisorisch, nur ewig fest und dauerhaft, nur unerschütterlich und beharrlich bleibe die Treue deS Glaubens und die Anhänglichkeit an die Zucht I
Deutschland.
* Wiesbaden, 23. Mai. (Assisenverhandlung.) Peter Lenz von Bogel ist auf Grund deS von den Geschwornen gefällten VerdikteS und nach Antrag der Staatsbehörde vom Gerichtshof zu einer I jäh, rigcn KorrcklionShausstrafe und in die NntersuchungS, kosten verurteilt.
Gegenstand der heutigen Assisenverhandlung ist die Anklage gegen Simon Adam Lerch, 20 Jahre alt, Floßknecht von Hochheim und Lorenz Ostheimer, 29 Jahre alt, Taglöhner, von ebenda wegen ausgezeichneten Diebstahls, welchen die beiden da, durch verübt haben, daß sie nach vorgängiger Verabredung in der Nacht vom 31. Dezember 1850 auf den 1. Januar 1851 die äußere Backsteinwand deS von Wilhelm Paul und Andern bewohnten Hauses zu Hochheim , gewaltsam durchbrachen, durch die Oeffnung einstiegen, einen im Hause stehenden Pult gewaltsam eröffneten und von dort die darin aufbewahrte, mindestens 80 fl. betragende Geldsumme ohne Einwilligung deS Eigen- tbümers hinweguahmen. Beide Angeklagte find am Abend und in der Nacht des 31. Dezember 1850 viel in der Nähe deS HauseS deS Wilhelm Paul und nach jenem Tage im Besitz von Geld gesehen worden. Ihren ziemlich bedeutenden Aufwand bestritten sie damals mit Geldstücken, in welchen der Sorte nach die gestohlene Geldsumme bestand. Simon Adam Lerch stammt aus einer Familie, welche schon ein sehr ansehnliches Kontingent in daS Zuchthaus gestellt hat. Er war schonftm Jahre 1843 als Schulknabe wegen eines mit feiner Schwester verübten Einbruchs in Untersuchung und seither wenigstens zwölfmal wegen Diebstahls, Vagabundirens und Bettelns bestraft und nach seiner Heimath auf dem Schub befördert. Lorenz Ostheimer steht gleichzeitig wegen eines BretterdiebstahlS in Untersuchung; im Jahre 1843 war er wegen Mißhandlung und Verwundung zu 1 tägigem Arest verurtheilt.
Die Verhandlung leitet Assiseupräsivent Flach, die Staatsbehörde vertritt StaatSprokuaior-Substitut Moritz und als Verthidiger fungirt Prokurator v. Arnoldi.
O Vom Taunus , 20. Mai. Die von einem mit dem Volksleben wohlbekannten Maune im Main- thale in diesen Blättern mitgetheilten Vorschläge, den Postbotendienst auf dem Lande besser zu orbnen zum Wohl des geistigen wie deS materiellen Lebens hat auch auf unserm Gebirge den verdienten Beifall gefunden. Ohne regeren Verkehr ist keine geistige Entwickelung und damit kein höherer Wohlstand möglich. Wie weit stehen wir Nassauer, waS viel- seiiige Postverbindung anlangt, selbst mit unsern Städten anderer deutschen Gegenden, z. B. den benachbarten darmstädtischen nach! Turn und Tariö hat unS bisher wirklich etwas stark vernachlässigt. Sicherm Vernehmen nach hat eS neuerdings etwas mehr Wohlwollen für unS. Entwickelt zugleich unsere StaatSregierung den nöthigen Eifer , so wird eS wohl voran gehen. Wie groß sind die neueren, von Oesterreich auSgegangenen Postmaßregeln für den Verkehr von ganz Mitteleuropa! Für wenige Kreuzer schreibt man in wenigen Tagen bis an die türkische Gränze und in unserm Ländchen müssen wir oft hohen Botenlohn auSgeben, wenn wir nicht ein paar Tage Zeit haben, um in einem ganz nahe gelegen Orte etwas besorgen zu lassen. Das ist ein arger Mißstand, welcher zunächst von unsern Kreisbehörden, denen hier die Initiative zukommt, in ernstlichste Betrachtung gezogen werden sollte. Auf wohldurchdachte Vorschläge würde die Regierung wohl rasch eingehen.
P Montabaur, 20. Mai. In der letzten Samstag Nacht wurde von den Landjägern der hiesigen
Station in der Gemeinde Holler, hiesigen Amtes, der Ruchlose, welcher — wie auch in diesem Blatte gemeldet war — kürzlich einem l 0jährigen Knaben zu Hirschberg bei Diez den Hals abschneiden wollte, entdeckt und verhaftet. Seine Spur war alsbald nach verübter That von den Landjägern der Station Diez nach Holzappel, Weinähr und Nassau verfolgt worden, von da an aber verschwunden, bis cö dem unablässigen Bemühen der Landjägermannschaft der ganzen Umgegend gelang', denselben, wie bemerkt, zur Haft zu bringen. Derselbe hatte seinen zu Hirschberg noch getragenen Schnurrbart ab, geschnitten, offenbar, um sich unkenntlich zu machen, und soll sich überhaupt durchaus nicht wie ein Wahnsinniger benehmen; er soll auS Probbach Amts Weilburg sein.
â Limburg, 12. Mai. Wer Limburg und sein lebenslustiges Völkchen kennt, wird sicherlich zugeben müssen, daß es im Allgemeinen nie die Neigung zu gelehrten Grübeleien verrieth. Seitdem jedoch mehr Schulleute unter unS wohnen, und selbst die Prüfung junger Geistlichen in unseren Mauern vorgeht, welchem Umstande die neue Bezeichnung: „theologische Geistliche" ihre Entstehung zu verdanken hat, seitdem ferner unsere Jugend beider, lei Geschlechts in Sprachen und sogenannten Rea, lien unterrichtet wird, werden doch häufiger als früher gelehrte Disputationen veranlaßt, welche nicht minder heiß geführt werden, alS in früheren Zeiten politische Ergießungen. So wurde neulich in einem engern Kreise eine Frage aufgeworfen, welche Schreiber dieses einer weiteren Besprechung werth hielte. Von den jungen Theologen wird nämlich die Kenntniß der hebräischen Sprache verlangt; von den anderen fremden Sprachen, deren junge und alte Geistliche an den einflußreichsten Stellen deS Landes sehr häufig benöthigt sind, nimmt man bei der Prüfung keine Notiz, obgleich unter den Prüflingen immer einige sind, welche gerne ihre Tüchtigkeit auch in den lebenden Sprachen nachweisen möchten. Noch mehr als von Geistlichen wird diese Hintansetzung der Lebenssprachen von jungen Medizinern bedauert, indem der Staat gar nicht in Erfahrung bringe, welche Subjekte unter der Menge von Kandidaten zu gewissen Stellen geeignet seien, deren Vergebung wenigstens eine lebende Sprache außer der Muttersprache erheische. Bereits sollen einige Medizinalbeamten dadurch der Gesetzgebung vorgegriffen haben, daß sie den ihnen überwiesenen Prüflinge»» aufgaben, eine Krankenge, schichte in einer fremden Sprache abzufassen, eine Einrichtung, welche Jedermann gewiß als zweckmäßig erkennen wird. Indessen wurde auch dagegen erwiderf? YTe Tebenden Sprachen 'seien von dem frühern Schulreferenten an allen Gelehrtenanstalten so beschränkt worden, daß für die Zukunft eine gerechte Anforderung der Art kaum noch denkbar sei. Waö auch an der Sache sein möge, so scheint doch dieser Gegenstand für den Gelehrtenstand Nassaus nicht ohne Bedeutung.
0 Frankfurt, 21. Mai. Die Frage der Aufhebung oder Erneuerung deS Handelsvertrags mit Belgien'hat bereits viel von sich reden gemacht. Die Schutzzöllner sind begreiflicherweise entschieden für die erstere Alternative, als Mittel, die auS- nahmSweife billigeren Zölle für Eisen, welche von der belgischen Seite bestehen, zu beseitigen, und un- eingedenk deS Nachtheils, welcher in dem Falle für den Zollverein dadurch in Aussicht steht, daß Belgien seinerseits die zugestandenen exceptionellen billigeren Zölle für mehrere deutsche Produkte (Wein, Nürnberger Waaren rc.) aufhebt. Vom Standpunkte deS Freihandels kann man verschieden über den Gegenstand denken. Man kann sagen: der Freihandel bedarf gar keiner Handelsverträge, und darum möge auch der Vertrag mit Belgien schwinden, in welchem Sinne sich namentlich der Berliner FreihandelSverein ausgesprochen hat. Man kann aber ebensowohl sagen: Wenn der Vertrag mit Belgien ausgehoben wird, treten verstärkte Schutzzölle ein , und um dieses Uebel zu beseitigen, muß man einstweilen und biS dahin, daß ein prinzipiell leö Freihandclösystem bet uns zur Geltung gelangt, aus der Noth eine Tugend machen und die Erneuerung deS Vertrags wünschen. Sonderbarerweise aber tritt auch von der Schutzzöttnerischen Seite eine ausnahmsweise Stimme gegen die Aufhebung deS Vertrages auf, und zwar von der bayerischen Regierung, die bisher unter den Stimmen der Zollvereinsstaaten für Schutzzölle stets mit voran stand. Sie wünscht aber die Erneuerung jenes Vertrags. Und aus welchen Gründen? Etwa aus dem, daß andernfalls eine sichere Besteuerung der Nürnberger Waaren in Belgien bevorsteht, oder »auS dem, daß Bayern dann die Schienen für seinen weitern Eisenbahnban höher zu bezahlen genöthigt fein wird? Wir wissen eS nicht, wohl aber, daß Bayern hierbei stark in Widerspruch mit sich selbst tritt und einen genauen Beweis für die alte Erfahrung ablegt, daß die Schutzzöllnerei, wo ihr partikulares Interesse verletzt wird, gar leicht in Versuchung kommt, den Freihandelsprinzipien bei- zutreten. Auch bei der im Jahr 1844 vom Zollverein beschlossenen Erhöhung der Eisenzölle reser-
virte sich Bayern den Transport einer Quantität Eisenbahnschienen zu den bis dahin bestandenen billigeren Zöllen!! Dagegen hat kürzlich der Handklsministcr in Preußen den rheinischen Eisen- fabrikanten die Lieferung der Schienen für eine große Ostbahn zu einem noch höheren Preise zugelchlagen, als sie englische Eisenfabrikanten mit Einschluß des Zolls liefern wollten und bvdurch nicht bloß jenen einen separaten, verstärkten Zollschutz verliehen, sondern auch der Zollvereinskasse eine Einnahme von über % Mill. Thaler entzogen.
Auch solche Vorgänge zeigen sehr deutlich ba# Nachtheilige der Schutzzölle, welche stets nur zu Gunsten Weniger, auf Rechnung des Allgemeinen, in dieser oder jener Art gemißbraucht werden.
Karlsruhe, 21. Mai. DaS heute erschienene großh. Regierungsblatt Nr. 33 enthält folgende- Reskript, die Grundrechte deS deutschen Volkes betreffend : „Leopold, von Gottes Gnaden Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen. In Erwägung, daß über die Gesetzeskraft der deutschen Grundrechte bei Unseren Staatsbehörden verschiedene Ansichten bestehen, und dadurch eine Bestimmung hierüber geboten ist, haben wir nach Anhörung Unseres StaatSministeriumS beschlossen und verordnen, wie folgt: den in Unseren Regierungsblättern Nr. II. und XXIX. vom Jahr 1849 zur Kenntniß gebrachten deutschen Grundrechten ist keine rechtliche Wirksamkeit beizulegen. Gegeben zu Karlsruhe in Unserem StaatSministerium, den 5. Mai 1851. Leopold. Frhr. Rüdt. v. Marschall. Stabel. Auf allerhöchsten Befehl Sr. t Hoheit deS Großherzogs: Schunggart".
Kassel, 21. Mai. Gestern ist der hiesige Brich« Händler Rabe wegen Verlegung und Verbreitung der Flugschrift: „DaS Preußenthum und die hohen- zollern'sche Politik in eine Geldstrafe von 40 RthIr. und in die Kosten verurtheilt worden. — Heute Morgen um 8 Uhr hat daS preußische Bataillon uns verlassen,um nach fünfmonatlichem Aufenthalte in unserer Stadt sich nach seiner neuen Garnison, der Festung Wesel, zu begeben. DaS RegimentS- kommando kcö 13. Regiments verweilt einstweilen noch hier und eS hat dies zu dem Glauben Veranlassung gegeben, als werde daS heute abgezogene erste Bataillon von dem zweiten Bataillon desselben Regiments abgelöst werden; allein eS wird kein anderes preußisches Militär hier einrücken, und die Preußen sind somit alS definitiv abgezogeu zu betrachten. Man trügt sich mit der Hoffnung, daß diesem Abzug auch der der ErckutionStruppen bald Nachfolgen werde. Es bat aber bis jetzt noch keinen Anschein dazu. — DaS vielseitig auSge- sprengte Gerücht in Betreff eines bevorstehenden Ministerwechsels entbehrt zur Zeit einer jeden Bedeutung und Wahrscheinlichkeit.
München, 20. Mai. Man erfährt, daß der Ausschuß der Kammer der ReichSräthe den Gesetzentwurf über die bürgerlichen Rechte der israelitischen Glaubensgenossen, sowie den von dem ReichS- rath Grafen v. Giech mit demselben in Verbindung gebrachten Antrag auf Vorlage eines Gesetzentwurfes wegen Aufhebung der gegen die Juden bestehenden zahlreichen polizeilichen AuSnahmSgesetze an.je' nommen habe.
In der gestern stattgchabten Sitzung deS StaatS- raihs ist dem Vernehmen nach unter andern» ein Gesetzentwurf, „die Zinsengarantic für daS zum Bau der München-Salzburger Eisenbahn nöthige Aktienkapital betreffend", zur Berathung gekommen. Hr. Ministerialrath Weber vom Handelsministerium soll sich übermorgen abermals nach Wien begeben, um die angeknüpften Unterhandlungen bezüglich deS Anschlusses der österreichischen an die bayerischen Eisenbahnen zum, hoffentlich erwünschten, Abschluß zu bringen. Mit dem 1. Juni d. J. wird auch Hannover dem deutsch-österreichischen Postverein bei* treten. — König Ludwig hat, sobald er in Rom den Brand von Traunstein erfuhr, folgendes Handschreiben erlassen : Sehr schmerzlich war mir daS schreckliche Unglück zu vernehmen, mit welchem die Stadt Traunstein heimgesucht worden. Auf dein Throne, wie von demselben He rabgestiegen, nah und fern, ist in Meinem Herzen eingegraben, welche unerschütterliche Anhänglichkeit die Traunsteiner an ihr Königshaus immer hatten, und nie werde Ich vergessen , wie der Bürgermeister mit der Abordnung dieser treuen Stadt, an deren Spitze er kam> sich gegen Mich auSdrückle. Meiner KabinetSkassa er* theilte Ich die Weisung, 3000 fl. alS einen kleinen Beitrag zur Linderung der durch cen Brand entstandenen Noth der Stadt Traunstein zu schicken. Hätte gewünscht, mehr thun zu können, aber Meine Mittel sind gewaltig vermindert und große Ausgaben belasten Meine Kassa. Mit dieser Gesinnung der wohlgewogene Ludwig. Rom, den 9. Mai 1851".
DaS 13. bayerische Infanterieregiment, welche- früher feinen Name»» nach bem voriges Jahr ver, storbenen General Hertling führte, hat nun laut königl. Anordnung den Kaiser von Oesterreich zum Oberst-Inhaber erhalten.