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Kassel, 20. Mai. (Fr. I.) Graf v. Leiningen hat in seinen Berichten an die Bundeskommission nachdrücklich hervorgehoben, daß das fernere Ver­bleiben der ErekutionStruppen in Kurheffen für über­flüssig und zwecklos erscheine; dagegen hat, dem Vernehmen nach, -er Kurfürst bei seiner jüngsten Anwesenheit in Frankfurt gegen diesen Antrag gewirkt.

Hannover, 19. Mai. Nach derZ. für Nord- deutschland" soll der Bau der Südbahn vorläufig sistirt sein, da es sich herausgestellt hat, daß der Bau auf der projektirten Route 2 Mill. Thaler über den bisherigen Anschlag kosten werde. ES handelt sich daher entweder um eine so bedeutende Nachbewilligung, oder, was wahrscheinlicher ist, um daS Einschlagen einer andern Route. ES soll jetzt in Frage stehen, die Bahn bloß von HildeSheim aus über Bockenem u. s. w. nach Göttingen zu führen.

In den letzten ^vertraulichen ständischen Sitz­ungen kam ein Antrag des FinanzauschusseS zur Berathung. Dieser ging dahin, die EingangSab- gabe von dem Rohzucker um ein Erhebliches zu er­höhen. Der Antrag ward angenommen, obgleich Lindemann gegen denselben war. Wie es heißt, wird der Staatskasse durch diese Steuererhöhung ein Gewinn von 100,000 Thaler erwachsen.

Koblenz, 20. Mai. (O.-P.-A.-Z.) Die Her, zogin von Cambridge verweilt seit gestern in unserer Stadt. Bei Gelegenheit der Anwesenheit dieser dem britischen Hofe so nahe stehenden hohen Dame er­fahren wir auS guter Quelle die für den Preuß. Staat interessante Nachricht, daß der gegenwärtige Besuch des Prinzen von Preußen mit seiner Familie am Hose der Königin Victoria mehr als ein ge, wöhnlicher FrcundschastSbesuch sei, und vielleicht auch zarte Familienrücksichten demselben zu Grunde lie­gen könnten, wodurch eine Verbindung zwischen der Familie deS Prinzen, namentlich den muthmaß- lichen zukünftigen Thronfolger und dem Hofe von Sankt JameS binnen einigen Jahren in Aussicht stände.

Berlin, 17. Mai. (Köln. Ztg.) Alle konfis- zirten Nummern derConstituiioneUen Zeitung" sind nun freigegeben worden, bis auf diejenige, welche einen Auszug aus Arnim'S Broschüre enthielt. Mit der heute freigegebenen sind auch die Typen zurück­gestellt worden. Bei der Konfiskation derselben fragte ein Setzer, ob das Holz der Formen auch saifirt werden solle. Die Frage ward verneint. Dar­auf schloß der Setzer auf und die Typen fielen auseinander. Ein Theil derselben ward nun in die­sem formlosen Zustande und in ein Tuch eingewickelt fortgetragen.

Berlin, 19. Mai. Der in Wien erscheinende Neuigkeitsbote" weiß von einem lebhaften Noten­wechsel zwischen dem dänischen, österreichischen und preußischen Kabinet, in Folge einer Klage Däne­marks, daß die BundeSkommissarien der Reorgani­sation der Herzogthümer hindernd im Wege stehen. Eine letzte Erklärung der österreichischen und preußi- schen Regierung an daS Kopenhagener Kabinet be­sage , daß die Reorganisation nur erfolgen könne, wenn 1) die dänische Regierung eine offene Erklä­rung über ihr Verhältniß zu Deutschand überhaupt und ihre Stellung zum Bundestage abgebe. 2) Die deutsche Nationalität durch Belassung der deutschen Sprache in den deutschen Distrikten Schleswigs be­lasse. 3) Durch Abschluß einer Zollvereinbarung der dänischen Monarchie mit Deutschland. 4) Durch unverzügliche Regelung der Erfolge und 5) durch Ertheilung offener Instruktionen an Herrn v. Tillisch.

Nach den nunmehr getroffenen Bestimmungen ist es, wie dieKöln. Ztg." berichtet, höchst wahr­scheinlich, daß der König sich doch nach Olmütz be* gibt. Die Reise der Königin nach Dresden, wo dieselbe mit ihrer Schwester, der Erzherzogin Sophie, Zusammentreffen will, ist nunmehr gewiß. Dieses Zusammentreffen der beiden hohen Schwestern ist ein schon längere Zeit beabsichtigtes; eS hat sich je­doch auS mehrfachen Gründen, namentlich aber auch um deßhalb verschoben, weil der GesundheitS- zustand deS Kaisers von Oesterreich ein sehr Besorg­niß erweckender gewesen ist. Die Brustleiden des Kaisers waren erheblicher, als man im Publikum geglaubt und vielleicht auch glauben sollte. Jetzt erst ist nach dem Urtheile der Aerzte eine bedeutende Besserung in dem Gesundheitszustände des Kaisers eingetreten. Nach Olmütz werden den dort zu­sammentreffenden Souverainen die Herren v.Meyen- dorff, Graf Arnim, v. Prokesch und v. Rochow, wahrscheinlich auch Fürst Schwarzenberg und Hr. v. Manteuffel folgen.

Wie man derBremer Ztg." von der Nieder- elbe schreibt, hat die hannoversche Regierung in Betreff der deutschen Flottenangelegenheit an Olden­burg und die Hansestädte eine Entladung zu einer Versammlung in Hannover ergehen lassen. Wie man hört, ist Hannover von BundeSwegen zur Veranstaltung dieses Kongresses aufgefordert, um in dieser wichtigen Sache die Stimmung Norddeutsch,

lands abzuwägen. WaS man in Frankfurt, Berlin und Wien für oder gegen dieselbe beabsichtigt, wird bestimmt nicht kund, doch aber geht aus einzelnen Anzeichen hervor, daß man sich noch nicht fest ent­schlossen hat, sie ganz fallen zu lassen. Denn der deutsche Admiral Brommy läßt nicht, wie es gehei­ßen, für die österreichische, sondern für die deutsche Kriegsflotte jetzt 60 Seeleute anwerben, nachdem deren Mannschaft sich letzthin auffallend reduzirt; dieselben sind zunächst für die DampffregatieHansa" bestimmt.

Kiel, 18. Mai. (H. N.) Abermals ist die Ehre Deutschlands Dänemark gegenüber auf eine würdige Weise gewahrt worden. Wir vernehmen auS zuverlässiger Quelle, daß am morgenden Tage, sei eS durch daS Generalkommando oder die Civil- behörde, eine Verfügung publizirt werden wird, wonach das Tragen des KreuzeS, daS für die deut­schen Krieger zur Erinnerung an die Feldzüge von 1848 und 1849 gestiftet worden, auf Verlangen Dänemarks im deutschen Bundeslande Holstein un­tersagt ist. Hat denn die Demüthigung Deutsch­lands noch immer nicht ihren Gipfel erreicht.

Gleichzeitig sollen die deutschen und schleSwig- holsteinischen Kokarden von den Pickelhauben und KâppiS des holsteinischen Kontingents verschwinden und durch rothweiße Kokarden ersetzt werden.

DemAlt. Merk." wird geschrieben: Daß daS Amnestieparent hier unangenehm berührt hat, brauche ich nicht zu sagen. Um von den Namen der Ver­bannten zu schweigen, ist die befohlene Form für die von den übrigen Flüchtlingen einzureichenden Gesuche nicht allein kränkend, sondern auch sehr zweideutig gefaßt. Denn die Bedingungen, denen sie sich unterwerfen sollen, sind nicht genannt. Strenge Polizeiaufsicht, d. h. tägliche CivilappellS vor dem Polizeimeister, wie sie Hr. Leisner ehedem in Alsen (1849) einführte und jetzt wieder, wie wir vernehmen, auch in Schleswig, seinem jetzigen Wir­kungskreise, eingeführt hat, werden jedenfalls statt» finden. Aber das Amnestiepatent sagt auch:doch soll eine Anklage wegen der politischen Vergehun­gen und Verbrechen, deren sie sich sollten schuldig gemacht haben, tiefen dieselben offen stehen, insofern sie von jetzt an sich wiederum eines ähnlichen Ver­brechens schuldig machen sollten". Was aber wird man den zurückgekehrten Flüchtlingen als Ver­brechen auölegen? Und sollen sie alles Das büßen, was seit 1848 geschah? Denn diese Auslegung liege sehr nahe! Wie gesagt, es hat tief be­rührt, daß dieser erste Schritt ein so wenig versöh­nender gewesen.

Auch in Angeln, den Dorsschaften Satrup, Esmark, Rude, Mohr-Kirchholz tc., ist das Be­grüßungsplakat angeschlagen. Unter Beamten wer­den Unteroffiziere und selbst Gemeine verstanden und eS sind bereits mehr denn 50 Personen ge­prügelt worden, worunter einige der Art, daß sie sich ärztlicher Behandlung unterwerfen mußten.

Wien, 17. Mai. Die Verhandlungen mit Bayern weoen Herstellung einer freien Schifffahrt auf der Donau sind nun dem Abschlusse nahe. Be, aniragt wurde Aufhebung der Zölle und eine die Handelsinteressen fördernde Regulirung des Flusses und der Schifffahrt durch gemeinschaftliche Maßregeln beider Mächte.

Die Gerüchte über das Zustandekommen eines Fürstenkongresses zu Olmütz gewinnen durch Anga­ben des sonst wohlunterrichtetenCzas" u. derLith. Korr." immer mehr Glaubwürdigkeit.

Die Vermehrung der hiesigen Garnison, von der schon mehrfach die Rede war, wird erst stattfin­den, wenn die Jngenieurakademie ihre Uebersi.belung nach Klosterbruck bei Znaim bewerkstelligt haben wird, und die vor der Belvedere-Linie erbauten neuen Kasernen fertig sein werden. Die solcher Weise ge­wonnenen Lokalitäten werden zur Unterbringung der neu herbeigezogenen Truppen verwendet werden, die sich übrigens nicht auf 10,000 Mann, wie unlängst gemeldet wurde, sondern nur auf 6600 Mann be­laufen werden. Die erwähnten neuen Kasernen vor der Belvedere-Linie wie auch das eben dort erbaute neue Zeughaus sind nahezu vollendet. Der Bau dieser kolossalen Gebäude ist ebenso zweckmäßig als schön, und nach fortifikatorischen Grundsätzen ange­legt.. Im Fall wieder Ereigniffe wie jene der Ok- toberrevolulion eintreten sollten, werden die Truppen der Garnison dort einen vortrefflichen Waffenplatz und Stützpunkt finden. Gegen Handstreiche bewaff­neter Pöbelmassen sind diese ganz im Freien gelege­nen und zur Vertheidigung eingerichteten massiven Gebäude, von welchen aus alle Zugänge mit Ka­nonen und Kleingewchr bestrichen werden können, jedenfalls gesichert.

Wie der AugSb. Mg. Ztg. geschrieben wird, ist die Abreise des Kaisers nach Olmütz auf nächsten Dienstag den 20. d. M. festgesetzt. Vor seiner Ab­reise am Montag wird er eine große Militärparade abhalten, zu welcher auch einige Truppen auS der Umgegend werden zugezogen werden. Die bei DU mütz abzuhaltenden Manövers sollen acht Tage dauern. ES verlautet nichts verläßliches, ob unser Kaiser nach Warschau gehen, und wo, wenn nicht dieß der Fall, daS Zusammentreffen mit den beiden

nordischen Monarchen stattsinden wird. Daß der Kaiser von Olmütz auS Galizien besuchen wird, scheint festzustehen, wenigstens liegen mir Briefe aus Krakau und Lemberg vor, welche von großar­tigen Feierlichkeiten sprechen, die dort zu Ehren deS Kaisers veranstaltet werden sollen. Graf v. West­morland, der neuernannte englische Gesandte am hiesigen Hof, wird erst Ende September hier ein, treffen. Gestern ist wieder eine Rate der sardinischen Kriegsschuld hier eingetroffen. Die nächste Rate wird im Julius folgen. Im ganzen hat Sardinien noch 15 Millionen Franken an dieser Schuld zu zahlen.

In Konstantinopel sind einige ungarische Emi- grirte von den Türken auf Verlangen der österr. Gesandtschaft arretirt worden, weil sie sich bei ei­nem thätigen Angriff auf einen österreichischen Agen­ten betheiligt hatten. Sie sollen auS der Türkei weggeschafft werden. Wahrscheinlich werden sie vor der Hand nach England gehen.

Frankreich.

Paris, 19. Mai. Herr von Montenare, At­tache der französischen Gesandschaft in Berlin, ist in Paris angekommen. Er hat Depeschen deS Hrn. Armand Lefevre überbracht, nach welchen, wie eS heißt, eine vollständige Wiederannäherung zwischen Oesterreich und Preußen stattgefunden hat.

Nach derUnion" hat der legitimistische Abge- ordnetenklubb der Rivolistraße "in seiner gestrigen Sitzung fast einstimmig (gegen 2 Stimmen) den Beschluß gefaßt, zu Gunsten einer Totalrevision der Verfassung, zu voliren. Die Legitimisten werden, worüber man sich ferner vereinbart hat, beider Debatte sich für eine sofortige Wiederherstellung der Monarchie erklären, bei der Abstimmung aber sich den Anträgen anschließen, welche von Seiten der orleanistischen und bonapartistischen Fraktionen für einfache legale Revision der Verfassung gestellt wer­den dürften. Da die republikanischen nunmehr den Beschluß gefaßt haben, die Anträge auf Revision der Verfassung zu bekämpfen, so wird eine verfas­sungsgemäße Majorität von drei Viertheilen der Stimmen nicht zusammenkommen, und demzufolge werden die Revisionsanträge für dießmal ohne Folge bleiben müssen.

Paris, 19. Mai. Der Präsident der Repu­blik wird am 1. Juni der Einweihung der Eisen­bahn von Dijon beiwohnen. Der Plan deS Mi­nisters Leo Faucher, Lyon in polizeilicher Beziehung mit Paris gleich zu stellen, soll schon zwei Jahre alt fein. Er wird zwar bekämpft, aber dennoch an­genommen werden. Bei dem Herzog von Brog- lie war gestern abermals eine Versammlung, um sich über die RevisionSantragsformulirung zu be­sprechen. In Folge der letzten Nachrichten auS Nordamerika ist der Befehlshaber des französischen AntillengeschwaderS beauftragt worden, dem Gene, ralkapitän von Cuba gegen jede amerikanische Er- pedition beizustehen. General Aupick hat sich am 30. April in Konstantinopel nach Frankreich einge- schifft. Der Minister deS Innern hat die Prä­fekten angewiesen, in den Berathungen der Gemeinde- räthe alle Anträge auf Verfassungsrevision, zu denen sie gesetzlich nicht berechtigt find, zu streichen, wenn die Betreffenden sie nicht selbst zurückzichcn.

Paris, 20. Mai. (K. Z.) In der National­versammlung wurde heute wieder eine Petition in Betreff der Verfassungsrevision niedergelegt. Ueber die Behandlung der Gefangenen auf Belle-Jsle fand eine Interpellation Statt. Der Repräsentant ESquiros brachte verschiedene Thalfachen vor, wo­rauf der Minister Faucher energisch antwortete. AlS RaSpail den Gefängnißdirektor heftig angriff, wurde ihm vom Präsidenten daS Wort entzogen, wodurch ein Tumult entstand. Schölcher verlangte eine Un­tersuchung. Mit einer Mehrheit von 210 Stimmen wurde die Tagesordnung angenommen.

Großbritannien.

London, 15. Mai. Die vereinsländische Kom, Mission bei der Londoner Industrieausstellung ver­öffentlicht folgende Bekanntmachung: Zur Wahrung der Interessen der Aussteller'bei der Industrieaus­stellung in London sieht sich die unterzeichnete Kom, Mission zu nachstehender Warnung veranlaßt. ES hat sich leider ergeben, daß mehrere unsolide, deS Vertrauens unwerthe Leute an die auswärtigen Aussteller schön verfaßte und lockend auSgestattete Zirkulare versandt und sich auf diese Weise Agcn« turen verschafft haben. Die Erfahrung hat bereits gelehrt, daß sich Schwindler auf diese Weise nicht allein den Namen von Agenten, sondern in vielen Fällen auch bedeutende Konsignationen zugeführt haben, welche dann sofort zu Gelde gemacht wur, den, ohne die Verkaufsrechnung dem Konsignator zuzustellen. ES ergeht deßhalb an die Aussteller die Warnung: ihr Interesse in London nur zuver­lässigen, durch bekannte Häuser empfohlenen Agen­ten anzuvertrauen und wird das vereinsländische