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StaatSministerium habe deven Auszahlung verfügt und endlich die herzogliche Staatskasse habe die verrechneten und assignirlen 1384 fl. vor einign Tagen an Herrn Baumann auSbezahlt". Herrn Wirth und den sonst betheiligten Personen wird sodann in diesem Artikel zu verstehen gegeben, daß eS Ihnen angenehm sein müsse, Veranlassung zur Aufklärung der Sache nehmen zu können. Zn Nro. 117 Derguten Ztg." vom 18; Mai gibt der be» kannte R Korrespondent die in der That wichtige Berichtigung, daß die fragliche Summe nicht 1384 fl., sondern 1384 fl. 12 fr. betrage und rückt sodann mit grobem Geschütz in die Linie. Seiner Gewohn­heit gemäß schießt er jedoch mit vergifteten Ku­geln blind darauf hinein zweifelsohne in derred, Uchen" Absicht, daß die eine oder die andere diesen oder jenen seiner Gegner vielleicht treffen und ihm wenigstens das tödtende Gift beibringen könne.

Diese beiden Artikel sind offenbar darauf bc- rcchnet, Skandal zu machen; dennSkandal muß fein* und da man solchen nicht mehr in den VolkS- Versammlungen und in den Stândeversammlungen, sondern nur noch im Nerothale machen kann, so muß man ihn nach gewohnter Weise in derFr. Ztg." an den Mann bringen. Wir haben es ge­hofft und wir freuen uns, darin unS nicht gc- täuscht zu haben, daß so wenig die Regierung alS der vormalige Kammerpräsident Wirth sich herablassen würden, auf die Interpellationen der Fr. Ztg." in den beiden gedachten Artikeln einzu- gehen und darauf irgend welche Antwort zu erthei- len. Den Lesern derNass. Allg. Ztg." glauben wir eS aber schuldig zu sein, die Sache nicht un­berührt zu lassen, weil vielleicht durch ein gänzliches Stillschweigen bei dem einen oder bei dem andern der Gedanke Raum finden könnte, daß die ntedri- gen Verdächtigungen derFr. Ztg." in den berühr­ten beiden Artikeln nicht allen gerechten Grundes entbehrten.

Auf die Sache selbst eingehend finden wir solche, wenn sie sich auch bezüglich der aufgestellten Rech­nung und deren Behandlung gerade so verhalten sollte, wie die Delatoren derFreien Zeitung" ange- den, wir aber nicht wissen, in materieller und for­meller Beziehung vollkommen gcrechtfertiget. Daß Herr Wirth in seiner Eigenschaft als Kammer­präsident während der Landtagsperiode außergewöhn­liche Repräsentationskosten hatte, wird zwar von den gedachten Denunzianten offenbar gegen besseres Wissen geläugnet, es ist das aber allgemein und namentlich auch den vielen Nassauischen Staatsan­gehörigen aus allen Theilen des Landes bekannt, welche ihn, namentlich in den ersten zwei Jahren tagtäglich in seiner Wohnung besuchten und mit ihm auf den Landtag Bezug habende Geschäfte er­ledigten oder zu erledigen suchten. Wenn nun die Regierung diese verrechneten Repräsentationskosten zur Auszahlung angewiesen hat; so hat sie sicherlich ebenso gerecht, als anständig der Volksrepräsentation gegenüber gehandelt. Daß diese Repräsentation^ kosten erst jetzt und nicht während der Dauer des Landtages in Anforderung gebracht wurden, hebt der Delator R als besonders relevant hervor. Wer sich aus angeborner Neigung auf daS Spüren ver­legt und wer seiner innersten Natur nach dem be­rüchtigten Axiomqtiilibet malus praesumitur Huldigt, der freilich findet überall etwas und na­mentlich auch darin. Wir finden aber gerade darin, daß diese Repräscntali'onSkosten erst nach dem Schluffe des Landtages in Anforderung gebracht wurden, ein AnstandSgefühl seitens des Herrn Wirth und glauben, daß die Gründe zu einer gleichen Beur, theilung für einen jeden Parteilosen so nahe liegen, daß wir sie nicht einmal näher anzudeulen brauchen. Nur daS sei unS erlaubt zu bemerken, daß keiner der Denunzianten auch nur einem schlichten Mann glauben machen kann, die Regierung habe auf den gewesenen Präsidenten eines geschloßenen Landtags etwa mehr Rücksicht zu nehmen, als auf den Vor. sitzenden einer noch tagenden Kammer, Wie man aber in formeller Beziehung der Regierung irgend einen Vorwurf daraus machen kann, daß sie erst jetzt die fragliche Rechnung affignirt habe, ist mir unbegreiflich; denn man kann denn roch in aller Welt eine Rechnung nicht eher anweisen, als bis sie zur Assignation vorgelegt worden ist.

Die denunzirte Rechnung unterliegt nun nicht nur der Revision der RcchnungSkammcr, wie der gedachte Herr R richtig angeführt, sondern auch verfassungsmäßig der Prüfung der Stänbeversämm- lung, also der vollen Kontrole der Oeffenllichkeit.

Bei jener Behörde und bei Prüfung der Aus­gaben in der Ständekammer wird und muß eS sich entscheiden, ob die fragliche Ausgabe gerechtfertigt erscheint, oder aber nicht. Auf eine nähere Recht- fertigung derselben in der Presse einstigeren, wie die Delatoren sehr schlau verlangen, müßte unseren Erachtens unter aller Würde der Regierung und deS Herrn Wirth sein. Wenn es diesen Denun­zianten dermalen am weiteren Stoffe zum Skandale fehlen sollte; so dürfte ihrer Spürkraft zur nähern Ermittelung zu empfehlen sein:

1) ob eS wahr sei, daß ein gewisses Mitglied der Linken der letzten Ständeversammlung sieben Tage lang mit einer Chaise im Lande, namentlich unter demfrischen" Volke herum gefahren sei und

den Miethepreiß dieses Wagens als Volksvertreter dem Lande verrechnete und bezahlt erhalten habe;

2) ob es, wk verlaute, gegründet sei, daß ein aitdereS Mitglied derselben Linken in einem dem Lande als Lamdstand verrechneten Wagen in feiner Eigenschaft als Anwalt zur Abhaltung eines Ter­mines an ein gewisses Amt gefahren sei, und ob es diesen Wagen auch wiederum seinem Clienten in Anrechnung gebracht habe;

3) ob eS in der That begründet sei, daß das­selbe Mitglied (Nr. 2) von Koblenz nach Wiesba­den auf dem Dampfboot in dem Pavillon, welchen in der Regel nur fürstliche Personen zur Reise be­nutzen, gefahren sei und, waS dieHauptsache" ist, ob dieß verehrliche Mitglied dem Staate den Preis dieses Pavillons verrechnet habe. (Bei dieser Nr. dürfte übrigens vielleicht ein Gutachten darüber, ob ein Demokrat fürstlichen Aufwand machen und dem Staate verrechnen dürfe, überflüssig erscheinen, weil sich daS bei einemvollwüchtigen" Demokraten von selbst versteht?!)

Daß durch Delationen, wie die vorliegende eine ist, die Volksvertretung, welche ohnehin in der letzteren Zeit in ihrem Ansehen sehr gelitten hat, gänzlich herabgewürbigt und damit das ganze In­stitut lächerlich und verächtlich gemacht wird, wer­den uns Freunde und Feinde des konstitutionellen Systems zugestehen müssen und nur diejenigen läug- nen, welche vom staatlichen Leben keine weiteren Begriffe haben, als, daß es nur da zur gedeihlichen Ordnung führen könne, wo man mit oder ohne Skandal alles zusammenreiße. Es sind dieß diesel­ben erbärmlichen Menschen, welche beständig über Reaktion schreien, aber in der That nicht einsehen, daß sie jede freie Verfassung ruiniren und sie nicht vertragen können.

Am Schlüsse seiner Denunziation empfiehlt der Herr R die fragliche Rechnung der Vigilanz der fraglichen Gerichte. Ein größerer Unsinn ist und in langer Zeit nicht vorgekommen, und eS ist unS in der That für den juristischen Verstand deS Herrn DelatorS ganz bange geworden. In dem vorlie­genden Falle dürfte unserer Ansicht nach zwar al­lerdings eine Vigilanz geboten erscheinen, aber nicht seitens der Gerichte, fonbern im Hinblick auf Art. 443 und 444 deS nassauischen Strafgesetzbuches vordersamst von Seiten der einschlagenden Behörden gegen denjenigen pflichtvergessenen Beamten, welcher den Delatoren aus den Dieustakten die denunzirte Mittheilung gemacht hat.

* Wiesbaden, 21. Mai. Nach Angabe deS Nürnb. Korresp." steht der Abschluß eines Han­delsvertrages zwischen Oesterreich und dem Zollverein« ganz in kurzem bevor. Der Vertrag würde im We­sentlichen die Punkte umfassen, welche Oesterreich für die allmâlige Verwirklichung eine Zoll- und Handelsunion zwischen Deutschland und Oesterreich vorgeschlagen. Der Abschluß deS Vertrages soll noch vor Beendigung der hiesigen Zollkonferenz zu erwarten sein. Nach dem Lloid soll dieser Handels­vertrag, der sich vorläufig wohl nur aufVerkehrs, erleichterungenbeschränken wird, einem demnächst zusammentretenden Zoll- und Handelötongreß vorbe­halten sein.

Vom Lande, 2. Mai. Mit innigem Ver­gnügen haben wir sowohl in den Zeitungen gelesen, alS privatim gehört, daß bis zum 1. Juni Nassau dem deutsch - österreichischen Postverein beitreten werde. Wir begrüßen diesen Schritt als einen wah­ren Fortschritt, der allen sozialen Verhältnissen, na­mentlich dem Handel und der Wissenschaft die größ­ten Vortheile bringen muß. Auch die Aerzt« des Landes sind speziell bei dieser Angelegenheit interessirt, indem eS ihnen bis jetzt nicht erlaubt war, die Ver­sendung der Journale ihrer Lesezirkel unter dem Dienstsiegel, alsp postfrei, zu machen. Auf vieles Peritioniren, wobei namentlich daS Postfreithum der Lesezirkel für Schullehrer und Geistliche hervorge­hoben ward, erschien ein Generalreskript, daS noch­mals das Verbot einschärfte, daß ja nicht die Ver­schickung der medizinischen Journale der einzelnen Lesezirkel alS Dienstsache behandelt würde. Daß hierin ein Haupthemmniß der Beförderung der Wissenschaften der Aerzte lag, ist klar. Es wurde deßhalb auch daS Versprechen gegeben, bei Dem neu abzuschließenden Postvertrage solle aufdaS gerechte Verlangen der Aerzie Rücksicht genommen werden, weil bei dem alten Postvcrtrage der Post eine neue Verpflichtung nicht auferlegt werden könne. Wir hoffen daher, daß eS jetzt geschehen ist, und freuen unS, daß durch die Erleichterung des Ver­kehrs unter den Aerzten eS möglich wird, mit den steten und raschen Fortschritten der Medizin gleichen Schritt zu halten.

* * Vom Main, 20. Mai. (Die Li m b ur- ger Chronik.) In Nro. 108 der Nassauischen Allgemeinen Zeitung wird auSLimburg" ein Denkmal für den ersten Verfasser derLimburger Chronik", Johannes GenSbein, angeregt, als Standbild oder als Architektur, und gewünscht, daß der Nassauische Verein für VolSbildung mit dem historischen Vereine zur AuSfüh ung sich verbinden möchte. Aber daS beste Denkmal möchte ein ty­pographisches sein, d. h. eine neue volle, kritisch

berichtigte fund sprachlich undj^ historisch erläuterte neue Ausgabe dieses merkwürdigen Schriftstückes. Ehedem wollte die vom Minister Stein gestiftete großeGesellschaft für ältere deutsche Geschichtö- k-rinde" dasselbe in ihre Sammlung aufnehmen, und unser nass. Historiker v. Arnoldi versprach die Bearbeitung, nahm sein Wort aber wieder zurück; und so hoffte man^auf'den 'durch seine Trevirensila bewährten Gymnastaldirektor Wyttenbach zu Trier, aber auch vergebenS.^Vgl. die Nachrichten darüber in dem Archive der Gesellsch. I, 46. II, 57. 264. III, 334. Inzwischen haben f Monumenta Germaniae historica von Pertz eine etwas kon- zentrirlere Ausführung erhalten, und eS ist zweifel, Haft, ob eine Aufnahme darin noch Statt finden wird. Doch haben wir eine brauchbare neue Ausgabe im Jahre 1826 durch unseren Landestopographen, Herrn Dekan Vogel zu Kirberg. Derselbe hat aber auch die späteren Fortsetzungen noch verspro­chen, wenn Subskribenten sich finden sollten, welche jedoch ausgeblieben zu sein scheinen.

Es wäre wohl der Mühe werth, wenn mehre Forscher deS Landes von verschiedenen Gebieten der Literatur zusammenträten, um recht Vollständiges und Gediegenes zu liefern mit Benutzung aller in­zwischen geschehenen Fortschritte. Der historische Ver­ein hätte hier ebenfalls Gelegenheit, zu zeigen, daß er ein Landesverein sein und kein Fach von sich auSschließen, sondern ebenmäßig seine Thätigkeit ent­falten will, besonders für systematische Herausgabe und Bearbeitung der Quellen und Geschichte deS eigenen Landes. Ob und waS unsere Landes-Archive für die Limburger Chronik thun ober bringen können, hören wir wohl auch gelegentlich.

+ Limburg, 19. Mai. Vielen durch unsere Stadt reisenden Fremden fällt auf unserm jetzigem stattlichen Postplatze ein neues palastartiges Ge­bäude von großer Ausdehnung auf. Auf ihre Fra, gen erfahren sie denn, daß dies Gebäude kurze Zeit der Sitz einer Runkelrübenzuckerfabrik gewesen, welche indessen bald durch die damals noch in der Kindheit begriffene Ausbildung dieser Fabrikation, besondere Mißgeschicke, sowie das Schwanken unseres Zollver- einSlarifS zu Grund gegangen und am Wiederauf- leben verhindert worden sei. Die Limburger waren im Angesicht dieses abschreckenden Beispiels und bei ihrem geringen Vertrauen auf eine konsequente Zoll­vereinspolitik nicht wenig erfreuet in No. 18 u. 19 deS landwirthschaftlichen Wochenblattes einen langen und warmen Artikel für Wiedereinführung der Runkelrübenfabrikation in unser Land zu lefen, dessen Verfasser gleich drei bis vier Fabriken für das Mainthal und wenigstens eine für die Gegend von Limburg und Hadamar vorschlägt. Mancher alte Limburger schüttelte bedenklich den Kopf und meinte, man solle sich hüten, bedeutende Kapitalien in Unternehmungen zu stecken, welche durch eine einzige Zollmaßregel vernichtet werden könnten und besonders trauten sie nicht in dieser Zuckerfragt. Darin sei eS nicht recht geheuer, darin verstehe man den Zollverein Holland gegenüber nicht recht, wel­chem man seine Zucker abnehme, ohne daß dies Lust bezeuge, unsere Jndustrieerzeugnisse dagegen zu neh­men. Doch ward der Artikel deS landwirthschaft, lichen Wochenblattes aufmerksam gelesen und man fand viele gute Ideen und interessante Nachrichten darin. Besonders leuchtete das Beispiel der Pro­vinz Sachsen ein, welche im Sommer beim Rüben, bau 50,000 und im Winter bei der Zuckerfabrika­tion 18,000 Menschen dauernd beschäftigt, sodaß die Fabriken jener Gegend jährlich 1,888,000 fl. an Maschinen- und chemische Fabrikanten und an alle die verschiedenen Handwerker auSbezahlt haben. Der Llrtikel setzt in Uebereinstimmung mit dem sachkun­digen Koppe auseinander, daß trotz des vermehrten Zuckerrübenbau's auch nicht e i n Malter Brodsrucht weniger erzeugt zu werden braucht, da bei der nicht zu umgehenden sorgsälltigen Bodenbearbeitung der Ertrag deS Getreides um '/, erhöht wird. Hiermit sind manche Bedenken der VolkSwirthschaftSpoliiik vor der Hand erledigt, welche nur bei einer weite­ren Entwickelung unserer internationellen Handels­politik, unserer Schifffahrt und dem hervortreten anderer landwirthschaftlichen Zweige wieder auftau­chen werden, die aber, sowie die Sachen jetzt liegen, noch keine Bedeutung haben. Wichtig, besonder- für den kleineren Gutsbesitzer, ist eS, daß die Zucker­rüben keiner frischen Düngung bedarf. Da daS Hacken, überhaupt die sorgfältigste Bodenbearbeitung und Pflege des GewächsesdaS Gold der Rübe" ist, so ist die Anlage solcher Fabriken für starkbe­völkerte Gegenden eine große Wohlthat , denn der Spaten sängt an, den Pflug zu verdrängen. Rhein­land und Westpfahlcii folgen bereits dem Beispiel Sachsens. Auf denGutleulhof" bei Frankfurt blüht auch schon eine solche Fabrik. Und Nassauern fehlt nichts als Unternehmungsgeist. Wir haben geeigneten Boden und Breunmaterial in unsern Bergen und auf unsern Flüssen leicht zu beziehen. Wir hoffen, daß die Erbauer unserer hiesigen Fabrik, denen eS nicht an Unternehmungsgeist und Mitteln fehlt, bei dem jetzt verbesserten Betrieb der Fa­brikation ihre Fabrik wieder in Gang bringen, und damit dem Lande ein gutes Beispiel geben werden.