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tholischen Geistlichen bei gemischten Ehen von Neuem die Reverse über Erziehung der Kinder in der katholischen Religion. Durch einen Ministe- rialerlaß sind nun alle seit 1839 ausgestellten Re­verse für null und nichtig erklärt worden. Eine andere, dem Protestantismus gemachte Konzession ist die Erhebung der bisherigen protestantisch-theolo­gischen Lehranstalt zu Wien zu einerevangelisch- theologischen Fakultät" für die Protestanten der Ge« sammtmonarchie. Zwar ist dadurch diese Lehranstalt dem unmittelbaren Aufsichtsrechte deS Konsistoriums, unter welchem sie bisher stand, entzogen und unter das Ministerium gestellt worden, wie dies ähnlich in Preußen und andern Ländern mit den Universi, täten der Fall ist. Allein dem Konsistorium bleibt immer die Prüfung und Anstellung der von der Fakultät gebildeten Lehrer, folglich ein weitreichen­der Einfluß, Bei dieser neuen Einrichtung ist be­sonders Ungarn mit seiner bekanntlich nicht unbe­deutenden protestantischen Bevölkerung betheiltgt. Bisher vernachlässigte eS die protestantische Lehran­stalt zu Wien alS eine rein deutsche östereichische Stiftung. Jetzt dagegen ist die theologische Fa­kultät für die Protestanten der Gesammtmonarchie bestimmt und wird bei der Besetzung der Professu- ren auf die verschiedenen Nationalitäten Rücksicht genommen werden. DieS ist übrigens ein neues Band, welches die Zentralisation Oesterreichs be­fördert.

DieBreSl. Ztg.,, meldet von der böhmischen Gränze, 2. Mai: Während auf den Wunsch deS Fürsten Schwarzenberg die preußische Armee, treu der Konvention von Olmütz sich zurückgezogen hat und in demobilen Zustand übergegangen ist, ist iu Böhmen keineswegs viel von Demobilisiren zu spü­ren. Allerdings stehen die k. k. Truppen nicht un­mittelbar an der preußischen Gränze, wie im vori­gen Herbste; ihre Stellungen sind aber der Art, daß ein Mensch von vier Meilen sie auf preußisches Ge­biet bringen kann. Wir haben dieser Tage eine kleine Rundreise im nördlichen Böhmen und dabei nach­stehende Beobachtungen gemacht. Das Oberamt Friedland ist völlig frei von österreichischen Truppen. In der Stadt Reichenberg steht daS 10. österrei­chische Jägerbataillon. Aber auf die Elbe zu, hart an der sächsischen Gränze, sind alle Dörfer mit Einquartierung beglückt. Die Ortschaften Aicha, böhmisch Leipa, Kamnitz, böhmisch Zwickau strotzen von Truppen. In böhmisch Leipa steht ein Divi- fionSstab; eS finden sich dort Soldaten aller Waffen­gattungen, Jäger, Infanterie, Artillerie und Kaval­lerie; ähnlich ist eS in böhmisch Zwickau. Von Kamnitz aus bis Numburg (2 Meilen von Zittau, 1V, von Löbau) fanden wir auf allen Dörfern k. k. Militär, dessen Offizierkorps von der Ansicht aus, ging, es werde doch nächstens wirklich mit Preußen loSgehen, mit dessen ungeübten Landwehrmännern sie bald fertig zu werden gedächten. DaS an der sächsischen Gränze stehende k. k. Militär besteht be# sorderS aus galizischen und kroatischen Regimen­tern und ist sehr stark in der Verwechselung fremden Eigenthums.

Auf außerordentlichem Wege erhält dieOesterr, Korresp." vom bosnischen Kriegsschauplätze folgende Nachricht: Am 26. April versetzte eine in Vihatsch angelangte Nachricht, Omer Pascha habe Krupa genommen, die Unna übersetzt, Ale KleditschS Korps gänzlich zersprengt und sei in der Kraina eingebro­chen, die Rebellen in solche Entmuthigung, die durch die erfolgte Bestätigung noch gemehrt wurde, daß sie, SkenderbegS Anträge nützend, am 27. 4 Uhr Nachmittags über Agyalin-Most gegen Turio sich zerstreuten. Um 5 Uhr rückten Arnauten, später 1 Bataillon Nisam in die evacuirte Festung ein. Im Ganzen sind bloß 18 Türken, theilweise Insur­genten, bis jetzt von den k. k. österreichischen Trup­pen übernommen worden. Die Insurrektion scheint geschlossen.

Die Beilage zurAugSb. Allg. Ztg." enthält Sinter ber Ueberschrift: Vorschläge deS Wiener Ka- inetS über die Schließung der Dresdener Kon- erenzen einen Artikel, dem wir das Folgendes ent­nehmen:

. Den Hauptinhalt dieser österreichischen Vor­schläge bilden diejenigen Punkte, über welche nach Lage der Geschäfte noch in Dresden im allgemeinen Interesse eine Vereinbarung zu Stande zu bringen wäre, so daß die Bundesversammlung nur noch die formelle Sanktion zu ertheilen hätte. Wie wir hö­ren bezeichnet daS Wiener Kabinet dafür folgende Gegenstände:

1) Die Vorschläge der zweiten Kommission über die Modalitäten der Abstimmung wobei noch darauf hingewiesen wird, daß in diesen Vorschlägen die Bezeichnung der Fälle, in welchen Einstimmig­keit oder einfache Majorität oder Majorität von zwei Dritteln oder drei Vierteln erforderlich sein solle, zwar unter Anwendung auf die damals pro- ponirten neuen BundeSbehörden geschehen sei, aber leicht auf daS Plenum und den engern Rath der bestehenden Bundesversammlung zu übertragen sein werde.

2) Die Propositionen derselben Kommission über daS Verhältniß der BundeSgewalt zu den einzelnen Staaten, wie diese Propositionen seitdem

nach den Bemerkungen einzelner Regierungen re- vidirt worden.

3) AlS damit in Verbindung stehend die Frage über die Aufrechthaltung der von der Frankfurter Nationalversammlung beschlossenen und von einzel­nen Regierungen angenommenen, von andern zurück- gewiesenen sogenannten Grundrechte.

4) Die Vorschläge der dritten Kommission, in­sofern sie bis zu jenem Termin vervollständigt und von den Regierungen genehmigt werden konnten; sofern dazu eine längere Frist erforderlich , würden die Arbeiten der jetzt der Dresdener Konferenz bei* gegebenen Fachmänner in Frankfurt fortzusetzen sein.

5) Annahme deS von der ersten Kommission proponirten Grundsätze-, daß die Abstimmung und Beschlußfassung in der Regel nicht wegen Mangel an Instruktionen aufgehalten werden dürfe.

6) Bestimmung, daß der deutsche Bund zum Schutze gegen innere und äußere Gefahren jederzeit eine Truppenmacht von 125,000 Mann präsent zu halten habe, wobei der Grundsatz (welcher die Basis dieses Vorschlages bildet, nämlich, daß namentlich die zu diesem Zwecke erforderlichen Leistungen nur von denjenigen Bundesstaaten zu erlangen seien, welche zur schleunigsten Vollziehung der Bundesbe­schlüsse mit bedeutenden Militärkräften mitzuwirken vermöchten) auf die bestehende Kriegsverfassung an­zuwenden, mithin die Truppenstellungen der kleinern Bundesstaaten, namentlich die zur Reserveinfanterie- Division vereinigten Kontingente, blos im Fall eines wirklichen BundeSkriegeS in Anspruch zu nehmen sein würden.

Die Genesung deS Erzherzogs Ferdinand Mar in Triest ist so weit vorgeschritten, daß keine Krank- heitSberichte mehr auSgegeben werden.

Wien, 4. Mai. Unter den bevorstehenden Er­nennungen zu Mitgliedern deS ReichSrathS bezeich­net man die Herren Dr. Pipitz, gegenwärtigen Vankgouverneur, und v. Bedekovich aus Kroatien. Der neue preußische Gesandte, Graf Arnim Heinrichsdorf ist gestern Abend hier eingetroffen.

Die Gratzer Zeitung berichtet von einem Auf­kauf von Arbeitern auf dem Semmering. Zwei auf der Streife begriffene GenSd'armen boten gegen 11 Uhr NachtS in einer Schenke «Feierabend. Die ans getrunkenen Arbeiter aber rotteten sich vor der Schenke zusammen und schleuderten einen Hagel von Steinen auf die GenSd'armen. Diese gaben Feuer, die Arbeiter flohen in den Wald zurück, einer derselben ward jedoch ergriffen und gefesselt. Bei dem Fortführen deS Gefangenen erhielt der eine GenSd'arm von zwei mittlerweile wieder herange­schlichenen Italienern einen Schlag mit der Holzart auf den Kopf, daß er zu Boden stürzte. Der Ka­merad rannte dem Thäter sein Bajonnet in den Rücken. Jetzt aber strömten die Arbeiter von allen Seite« wieder aus dem Walde hervor, und der eine GenSd'arm mußte sich so lange gegen die Ueberzahl vertheidigen, bis ihm böhmische Arbeiter zu Hülfe kamen. Er erhielt dabei zwei Messerstiche in Rücken und Brust. Der mit der Art verwundete Mann, ein Korporal, war unterdessen auch wieder auf die Beine gekommen und die Angreifer, wohl 30 Mann stark, zogen sich in den Wald zurück. Bei der am andern Tage vorgenommenen Untersuchung wurden 10 Arbeiter an den empfangenen Wunden erkannt und verhaftet. Man wird den GenSd'armerieposten auf dem Semmering verstärken.

Wien, 6. Mai. Die heutige Wiener Zeitung bringt die Ernennung deS früheren siebenbürgifchen ZivilkommiffärS Eduard Bach, Bruder des Mini­sters, zum Statthalter von Oberösterreich, an Stelle des dieses Postens enthobenen und dem Ministerio des Innern zur freien Verwendung gestellten Dr. Fischer.

Wien, 7. Mai. Heute Mittag findet Bera­thung mehrerer eingeladenen Bankiers mit Frhrn. v. Kübeck bezüglich der Balutenregulirung nach des Finanzministers Entwurf statt.

Schweiz.

Bern, 6. Mai. Die Werbungen für Neapel werden besonders in der östlichen Schweiz mit sol­chem Erfolg betrieben, daß bis zu Ende dieses Jah­res gegen zehntausend Schweizer in neapolitanischen Diensten stehen werden. Der sardinische Intendant in Pulanza meldet der Tessiner Regierung, daß er eine in jener Stadt am 29. v. MonatS angelangte Abtheilung von 21 Individuen, worunter 19 Walli­ser, die sich für den Dienst Neapels hatten anwer- ben lassen, in Betracht des Verbot- der schweizeri­schen Nationalversammlung gegen Werbungen in fremde Dienste, mit Pässen in den Kanton Walli- zurückgewiesen habe.

Frankreich

PariS, 6. Mai. In der heutigen Sitzung der gesetzgebenden Versammlung legt der StaatSmini- ster Faucher einen Gesetzentwurf vor, die Verlänge­

rung der Amtsgewalt der Gemeinde-, Bezirks- und Generalräthe bis nach Verkündigung deS organi­schen Gesetzes betr. Die verlangte Dringlichkeit wird trotz des Widerspruchs der Linken mit großer Mehrheit zugestanden. Der Abg. Pradie hat zu seinem Anträge hinsichtlich der Verantwortlichkeit deS Präsidenten der Republik und der Minister noch den Zusatz gemacht, daß direkte oder indirekte Mitschuld oder Begünstigung eines verfassungS, widrigen Präsidentschaftskandidaten als Hochverrach zu betrachten fei. Zur Feier deS 4. Mai waren über 80,000 Personen nach Paris gekommen. Die alleinige Stadt Dünkirchen lieferte ein Kontingent von tausend Personen. Der Reihe nach sollen alle Präfekten nach Paris berufen werden, um von dem Minister deS Innern vertrauliche Instruktionen zu empfangen.

Paris ^ 6. Mai. Der heutige Ministerraih hat sich mit der Sache deS WiderstandSauSschusseS beschäftigt und die Ansicht kund gegeben, der Justiz ganz freien Lauf zu lassen. ES fanden ferner Er­klärungen zur gegenseitigen Verständigung zwischen Leon Faucher und Baroche Statt, die vielen Ge­rüchten zufolge nicht in der besten Eintracht leben sollten. Die Abtheilungen der Nationalversamm­lung haben heute die Wahl eines Prüfungsaus­schusses für die von der Regierung ringebrachten Vertrags-Projekte mit Rosas vorgenommen. Sie ist wider Erwarten zu Gunsten der Ratifikation ausgefallen. Wie man versichert, sind neue In­struktionen an den Kommandanten der französischen Station an der spanischen und portugiesischen Küste abgesandt worden, worin demselben befohlen wird, dem Könige und der Königin von Portugal seine Hülfe anzubieten, falls sie persönlich durch den Aufstand Saldanha'S bedroht werden sollten. Außer dem LinienfchiffeHeinrich IV.", daS sich seit einigen Tagen vor Lissabon befindet, sind noch mehrere Schiffe nach Portugal abgesandt worden. Man meldet auS Marseille , daß dort 14 mit einem Dampfbool angekomment Italiener bei ihrer Lan­dung sofort von Polizei-Agenten verhaftet worden sind. Der Grund ihrer Verhaftung war nicht be­kannt.

L'Evenement erzählt, daß am 29. April ein Dezembrist in Belleville eine Petition um Präsi­dentschaft -Verlängerung von HauS zu Hau- trug, ohne jedoch Erfolg zu haben. Zwei Tabaks- Debitanten, die ihre UnterfcfMft verweigerten, wa­ren schon am 1. Mai Morgen- von der Regierung entlassen.

Paris, 7. Mai. (Tel. Dep. der Köln. Ztg.) Herr Fallour hat sich für die Zurückhaltung der Legitimisten in Betreff der Prolongation-frage aus­gesprochen. In der heutigen Sitzung der Natio­nalversammlung wurde die Beantwortung der In­terpellation eines Mitgliedes des BergeS über den Mißbrauch deS Belagerungszustandes von Grenoble auf nächsten Montag vertagt. Eine Proposition Chappot'S aufLegalisirung aller PetitionSunterzeich- ner wurde ebenfalls vertagt. Der Antrag Nadaud'S (vom Berge), welcher die Abschaffung der Sirbeiter* bücher bezweckt, wird wahrscheinlich verworfen. In den Bureaur fanden lebhafte Debatten über die für Montevideo zu gewährenden Subsidien statt. Der JnitiativeauSschuß der Nationalversammlung hat sich gegen die Jnbetrachtnahme deS Miot'schen Antrages für Veranstaltung einer WeltindustrieauS- stellung in Paris ausgesprochen.

Spanien.

Madrid, 1. Mai. Ein außerordentlicher Kon« riet geht heute nach Lissabon ab, um de» spanischen Gesandten daselbst neue Instruktionen zu überbrin­gen. ES heißt, die spanische Regierung biete der Königin Donna Maria eine bewaffnete Cooperation an, für den Fall, wenn der Aufstand einen den Be­stand deS Thrones Ihrer Maj. gefährdende Wen­dung nehmen sollte.

Großbritannien.

London, S. Mai. Die Ausstellung war be­kanntlich gestern nur gegen ein Eintrittsgeld von 1 Pf. St. und für die Besitzer von Seafonkarten zugänglich. Es fanden sich an 1500 Besucher ein (mit Ausschluß der Besitzer von Seafonkarten). Da nach der Bestimmung der königlichen Kommission die Preise an die Artikel nicht geheftet werden dür­fen, hat eine besondere Kompagnie eine supplemen- taire AllerweltSauSstellung eröffnet, in welcher alle jene Gegenstände Platz finden sollen, welche im tydepark keine Unterkunft finden konnten. Das tablissement soll bis Mitternacht offen bleiben, um eS zu gleicher Zeit zu einem Abendspaziergange für Leute zu machen, die an den Tagesstunden an der großen Ausstellung nicht genug hatten. Der Haupt­zweck, wie eS uns scheint, ist, das Ganze nach Art der vielen hier schon bestehenden BazareS rinzurich- ten, da iS in der Anmeldung heißt, daßvorzüg-