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Nassauische Allgemeine Zeitung.

43 109.

Samstag den 10. Mai

1851.

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumecationsvreis ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfürstentbumS Hessen, der Lanvgrafschait Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in Den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisfchen VerwaltungSgebieteS S fl. 1O tr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Der Aufstand in Portugal.

Deutschland. Wiesbaden (Bermählungsfeierlichkeiten),

Limburg (Die nassauischen Spritzenfabrikanten). Stuttgart (Die erste Kammerfitzung. Prof. Reyscher).

München (v.Aretin). Berlin (Die deutsche Frage. Dänische« Memorandum. Der König von Hannover. Vier Monate auswärtiger Politik. Die Urwählerzeitung. Daâ Preßgesetz. Protest der Linken. Zusammenkunft in War­schau. Luthers Schriften). Stettin (Hafenbauten). Oldenburg (Die deutsche Flotte). Altona (Die invaliden Offiziere. General Signorini. Die Marineschule und die schleswig-holsteinische Flottille. Entlassungen). Wien (Gleichstellung der evangelischen Kirche. Die Truppen in Böhmen. Der bosnische Aufstand. Vorschläge über Schließung der Dresdener Konferenzen. Erzherzog Ferdi­nand. Ein Arbeiterauflauf auf dem Semmering. Dr. Ed- Bach. Valutenregulirung).

Schweiz. Bern (Werbungen).

Frankreich. Pari« (Die Nationalversammlung, Der 4. Mai. Die Industrieausstellung in Paris. Der Wider- standSauSschuß. Weisung an die Flotte im Tajo. Ver­mischtes).

Spanien. Madrid (Instruktion für den spanischen Ge­sandten in Lissabon).

Großbritannien. London (Die GewerbeauSstellung). Neueste Nachrichten.

Der Aufstand in Portugal.

Briefe derTimes" auS Lissabon und Oporlo enthalten über den Verlauf des Aufstan­des in Portugal noch folgende Einzelnheiten:

Saldanha hatte sich, den Versicherungen der Regierungsorgane zu Folge, etwa um den 20. April aus der Gegend vom Lamego in der Richtung von Vizeu hin zurückgezogen, und man zog daraus den Schluß, baß er vollkommen umringt fei und ihm nichts übrig bleibe, als in den nächsten Tagen nach Spanien zu fliehen, vorausgesetzt, daß nur ein paar Regimenter der Regierung treu blieben. Es stellte sich aber am Ende heraus, daß der Herzog mit feinen paar Soldaten seine Gegner überlistet hatte, welche ihm in der Richtung von Vizeu nachgezogen waren, allein zu spät erfuhren, daß der Herzog ver­schwunden war. In den ministeriellen Journalen hieß eS, er sei verkleidet nach Spanien entkommen, während er in Wirklichkeit, nur von drei Abjulan- scn begleitet, auf dem Wege nach Oporto war und seinen einzigen Sohn als Geißel bei den sich zu- rückziehenden Truppen gelassen hatte, um denselben eine Bürgschaft für das Festhalten an der einmal ergriffenen Sache zu geben. Die Truppen Saldan- ha'S wußten nichts von seiner Reise nach Oporlo; eS war ihnen vielmehr gesagt worden , der Herzog folge einer Einladung deS Königs zu einer Konfe­renz in Coimbra. Die Freunde des Marschalls in Oporto halten ihn eingeladen, sich, nur von sei­nen Stabsoffizieren begleitet, Oporto zu nähern, da sie die Ueberzeugung hegten, der größere Theil der Besatzung werde zu ihm übergehen, sobald er sich nur zeige. Diesen Verheißungen trauend, machte sich Saldanha am 20. April um 1 Uhr Morgens, in Begleitung zweier Stabsoffiziere von Castro d'Aire, wo er mit seinen Truppen stand, auf, und kam um 9 Uhr Morgens in Duero an. Ein Boot brachte ihn von dort in wenigen Stunden nach dem nahe bei Oporto gelegenen Arnellas. Dort ange­langt, fand der Marschall zu seiner größten Ueber- raschung einen von seinen Freunden abgesandten Boten, der ihm den Ralh ertheilte, sich unter keinen Umständen weiter zu wagen, vielmehr auf seine Sicherheit Acht zu haben, da man sich auf Sobral, den Befehlshaber der Bürgerwehr, und auf verschiedene Andere nicht verlassen könne. Wie Augenzeugen berichten, wurde der Herzog bei dieser Kunde von einer unbeschreiblichen Ueberraschung und einem furchtbaren Zorne ergriffen. Er hatte seine Trup­pen verlassen, und hatte auf gefährlichen und schwie­rigen Pfaden den weiten Weg zurückgelegt auf die bringende Einladung von Leuten hin, die ihn nun aufforderten, seine Sache, seine Ehre und seine Getreuen im Stich zu lassen, bloß weil sie für ihre eigene Sicherheit fürchteten. Da sich der Rückkehr in daS Lager Hindernisse in den Weg stellten und der Herzog in seiner niedergeschlagenen

und unmuthigen Stimmung einer solchen auch ent­schieden abgeneigt war, so blieb nichts Anderes übrig, als fürs Erste einen Zufluchtsort zu suchen. Die beiden Stabsoffiziere fanden ein Unterkommen in dem Hause eines Freundes, welcher in einer der Vorstâdte^wohnte. Der Herzog begab sich, wie man später erfuhr, nach Quinta d'Alpen»urado und von da nach Quinta da Costa. Ob die Nachricht, welche er in Arnellas erhielt, begründet war, ist später be­zweifelt wordene -»Wenigstens stellte. Sobral , der Anführer der Bürgerwehr, feierlich in Abrede, je von seinem Versprechen zurückgewichen zu sein. Diese Versicherung erhielt Wahrscheinlichkeit dadurch, daß, wie man in Oporlo wußte, für den 24. April der AuSbruch einer Revolution vorbereitet war, bei welcher sich die unter Sobral stehenden Truppen zugleich mit einem Bataillon der Besatzung belhei- ligen sollten. Der Gouverneur von Oporto, Graf Casal, bekam jedoch Wind von der Sache und ließ Sobral, sowie mehrere Sergeanten des neunten- gerbataillonS verhaften. Um die Treue feiner Sol­daten zu befestigen, ließ er ihnen am folgenden Tage Sold für zwei Wochen auStheilen. Dieses AuSkunftSmittel hatte jedoch für ihn die unglück­lichsten Folgen. Viele der durch die erwähnten Ver. Haftungen bereits erbitterten Soldaten und Muni- zipalgarvisten wurden durch die Soldvertheilung veranlaßt, sich zu betrinken, waö ihre meuterische Stimmung.natürlich erhöhte. Am 24J um 10 Uhr AbendS kam im 9. Jâger, und 2. Infanterieregi­ment die Empörung zum offenen Ausbruch. Der Oberst deS 2. Regiments, welcher seine Truppen zum Gehorsam zurückzubringenjversuchte, ward von den Soldaten erschossen, jedoch erst, nachd°m der Major der Jäger zwy, derselbenA,Boden geschla- gen hatte. Man glaubt, daß dem letzteren die Schüsse galten, und daß der Oberst Cardozo, ein bei seinen Leuten sehr beliebter Mann, nur aus Versehen um­gekommen ist. Sobald Graf Casal diese Vorgänge erfuhr, eilte er an der Spitze eines Theiles der Truppen nach der Kaserne, wo die Meuterei auS- gebrochen war, und gab bei seiner Ankunft dem Obersten Moniz den Befehl, die Aufrührer anzu« greifen, welche auf dem Platze vor der Kaserne ver, sammelt waren, wo sie Viva'S für Saldanha auS- brachten und ihre Gewehre in die Luft abfeuerten. Oberst Moniz weigerte sich, anzugreifen, indem er die Dunkelheit vorschützte. Casal wandte sich hie­rauf an den Obersten deS 6. Kavallerieregiments und befahl ihm, anzugreisen. Als auch dieser sich weigerte, sah Casal, wie die Sachen standen , gab seinem Pferde die Sporen und sprengte in der Rich­tung von Vianna hinweg. Seitdem hat man nichts von ihm gehört. Oberst Moniz marschirle hierauf in sein Quartier zurück, wo nach einer Viertelstunde auch unter seinen Truppen sich die Viva'S für Sal­danha vernehmen ließen. Er rückte nun wieder mit seinem Regimenle vor, während die Musikbände die Saldanha-Hymne anstimmte. Die verhafteten Df* fiziere wurden befreit, und sämmtliche Truppen schlossen sich dem Aufstande an. Kurz nach 1 Uhr war die Stadt so ruhig, als wäre nichts vorgefal­len , und viele Einwohner wußten am folgenden Morgen durchaus nichts davon, daß sich während der Nacht etwas Besonderes ereignet hatte. Gleich vom AuSbruche der Bewegung an halten sich die beiden Offiziere Saldanhas sehr thätig bewiesen. Es kam nun darauf an, den Herzog selbst zu fin­den, von dem Niemand wußte, wo er verweilte. Nach allen Himmelsgegenden wurden sofort Boten entsandt, um ihn auszusuchen. Am 25. und 26. j-doch waren alle ihre Bemühungen vergeblich; die Truppen begannen zu murren, und die Behörden hatten Mühe, durch erfundene Nachrichten die sich bereits kundgebende Aufregung zu beschwichtigen. Am Abend deS 26. erfuhr man, daß die in Braga stehenden Regimenter sich ebenfalls für die Jnsur, rektion erklärt hatten. Man bildete eine aus fünf Offizieren bestehende interimistische Kommission, welche bis zur Ankunft Saldanhas die Angelegen­heiten leiten sollte. Am 27. April endlich trafen Nachrichten vom Herzoge ein. Die Kunde des Auf­standes in Oporto hatte ihn in Galiciem ereilt. Er war sogleich zu Pferde gestiegen und nach einem LOstündigen Ritt in Braga angekommen. Noch am 27. April hielt Saldanha seinen feierlichen Einzug in Oporto, wo er von der Bevölkerung mit uner­meßlichem Jubel empfangen wurde.

Am 29. April besuchte Saldanha in Oporto daS Theater, welches gedrängt voll war. Als die Vorhänge der königlichen Loge zurückgezogen wur­den, brachte der Herzog ein Hoch auf die Königin aus. Dasselbe ward nur kalt ausgenommen. Als er aber darauf ein Hoch auf diereformirte konsti­tutionelle Charte" ausbrachte, erhob sich ein unbe­schreiblicher Beifallssturm. Natürlich fehlte eS auch nicht an lauten und anhaltenden VivaS für Sal­danha selbst. Von den Truppen, über welche der Marschall am 29. April in Oporto Musterung ab« hielt, sagt derT!meS"-Korreipondent, daß ihr Aus­sehen jedem Lande Ehre machen würde. Am 27. April glaubte man in Oporto, daß sich der Graf von Casal noch verborgen in der Stadt befinde.

Deutschland.

* Wiesbaden, 9. April. Nebst den von unS bereits angegebenen wurden bei dem großen Em­pfang in Biebrich am 2. k. MiS. I. Hoheit der Frau Herzogin von Nassau noch folgende Fremde von Distinktion vorgestellt:

Regierungspräsident Schmidt, Chevalier da Cunha, die Geheimeräthe.v. La ngS d orf, S t ifft, Geh. Hofrath Beil. Generalmajor v. M a i n o n e; die Christen v. Scharfchmidt u. v. O l i v,o; die ObristlieutenantS Heiter, v. Hopfern; die Majors Freiherr La Mar re, Freiherr v. Pro­haska, v. Nowey, Freiherr v. Dumoulin, Hein; Hauptmann Pirner; die Oberlieutenants Freiherr v. Leonhardi und Seewald; Lieute­nant Drahorad; die Rittmeister Freiherr v. Schwarzenau, Freiherr v. G il fa; Hauptmann Frhr. v. Ziegefar.

Die Obristen v. Lign itz, v. Schöler, Witz­leben; Obristlieutenant v. Forstner; die MazorS v. Fall oiS, v. Stößel, v. Friderici, v. Pritt witz,v. Köckritz; Rittmeister v. Krug zu Nidda; Hauptm. v. Gerstenstein-Hohen- ftein; Premierlieutenant Scheffler; Graf zu Elz. -

Vicomte de Po llingto, Herr South­well, Lt. Colonel Hall, Colonel Dickson, Mr. Dickson, Commander Mattbison, Mr. Hudson, Kapt. Hudson, Mr. Bruce, Mr. A neSly, Mr. Wenthworth, Mr. Raby.

-f- Limburg, 5. Mai. Es ist zu erwarten, daß die nassauischen Spritzensabrikanten auf die Aufforderung des Vorstandes deS nassauischen Ver­eins für vaterländische Arbeit und Bildung, sich mit ihren Erzeugnissen an der GewerbeauSstellung deS Oraniensteiner Festes zu betheiligen, daS ge­bührende Gewicht legen und im Herbst mit preis- würdigen Maschinen erscheinen werden. ES wird eine Kommission aus sachkundigen Männern ge­wählt werden, welche daS Vertrauen deS Landes besitzen und welchen die allseitige Prüfung der Spritzen übertragen wird. Der Verein für vater­ländische Arbeit und Bildung wird alle ihm zu Gebot stehenden Mittel anwenden, die preiswürdigen Erzeugnisse allen Gemeinden deS Landes, welche noch keine tüchtigen Spritzen besitzen, auf daS dringendste anzuempfehlen. Die Anwesenheit so vie, ler Gemeindebeamten auS dem ganzen Lande bei dem Feste ist gewiß auch nicht gering anzuschlagen, ebenso, daß dem Festprogramm zu Folge am 2ten Festtage eine eigne Stunde bestimmt ist, in welcher die Spritzen im Angesicht des ganzen Volkes ihre Brauchbarkeit beweisen sollen. Bei dieser Gelegen, Heil können wir den Wunsch nicht unterdrücken, daß in jeder Gemeinde unsers Landes, zumal in den größern eine wohlorganisirte Feuerwehr eingerichtet werden möge und zwar nach dem Beispiel einiger badischen Gemeinden. Wo Turnvereine bestehen, würden diese der Erfahrung nach die Sache am Besten in die Hand nehmen. In einigen Orten unseres Landes ist dieses bereits geschehen und ge­wiß mit gutem Erfolg. Es liegt auch im Interesse der Turnvereine selbst, daß sie zu dem Prinzip ihrer eignen persönlichen Ausbildung noch eine un­mittelbare Beziehung zum nächsten praktischen Leben erhalten. Es befestigt sie in einer gediegenen, ern­sten Haltung und stellt sie zugleich sicher gegen mehr oder weniger unverständige Angriffe. In manchem Orte zwar mag eS dem alten Spritzenpersonal et«