brittanischen „Unterthanen" (die stolzen und freien Söhne AlbionS sind weit davon entfernt, sich durch eine solche Bezeichnung für politisch beeinträchtigt zu halten, während sich einem deutschen Demvkrät- chen derb die Haare sträuben würden) und zwar nicht nur der auf englischem Grund und Boden Wohnenden sondern der auf der ganzen Erde Le, benden statt.
Die Zahl der Engländer im Herzogthum soll sich hierbei auf ungefähr 220, in 54 Familien ver- theilt, wovon 190 in 45 Familien allein in WieS- baden leben, ergeben haben.
§*§ Hochheim, 6. März. Mit Bezugnahme auf die neulich in diesen Blättern enthaltene Schil« derung von Erzeffen, welche österreichische Soldaten theils in Hochheim, theils auf der Straße von diesem Städtchen nach Castel verübt haben sollen, kann die Notiz gegeben werden, daß die betreffenden Nassauischen Behörden deßhalb mit dem Mainzer Fe- stungSgouvernement in Korrespondenz getreten sein sollen, und um Ergreifung ausreichender Maßregeln gegen solche Vorkommnisse nachgesucht haben. Daß hierauf von der genannten Militärbehörde mit Be- reitwilligkeit werde eingegangen werden, steht nicht zu bezweifeln.
△ Idstein, 5. Mai. Gestern Abend fand auch hier zu Ehren der Vermählung Sr. Hoheit deS Herzogs im Gasthause „zum Lamm" ein Festessen Statt. Die Gesellschaft war ziemlich zahlreich. Den bei solchen Veranlassungen gebotenen und willkommenen Toast brachte der Herr Archivdirektor, Ober- schulrath Friedemann aus. Hierauf spielte die Stadtmusik die Volkshymne: „Heil Dir rc." und darauf den Dessauer Marsch. Der ganze Ton der Unterhaltung war ein heiterer, gemüthlicher; er war anders, wie vor nicht langer Zeit; auch die Gesellschaft war theilweise eine andere.
x Schwalbach, im Mai. In unsern Kuranlagen wird rüstig fortgearbeitet. Die Neufassung deS WeinbrunnenS ist beendet, und — Dank der umsichtigen Leitung der Arbeiten — vollkommen gelungen. Mit dem AuSgraben deS Weihers ist man emsig beschäftigt, und das Musikzelt wird bald auf- geschlagen werden. Schade, daß der in meinem letzten Berichte in Aussicht gestellte Ankauf der beiden Gärten am Weinbrunnen unterblieben ist. Die nächste Umgebung dieses Brunnens muß gänzlich umgeschaffen werden, sonst steht sie in lächerlichem Kontraste mit der eleganten Fassung desselben. Hoffen wir, daß dieß im nächsten Jahre geschieht.
t Limburg, 2. Mai. Während so manche andere Gewerbhalle unseres LanceS zu keinem rechten Leben durchdringen kann, gewinnt die unsrige Anerkennung in immer weiteren Kreisen. Hierzu hat die vor Kurzem dahier abgehaltene Verloosung aufs Neue beigetragen, indem durch dieselbe über achtzig zum Theil werthvolle Gegenstände durch daS ganze Land verbreitet worden sind. Die theuersten Gegenstände waren trefflich gearbeitete HauSgeräthe, Silberarbeiten, Teppiche, Leinwand, Marmor- und Sei- lerarbeiten ic. Den ersten Gewinnst, einen sehr schönen, kunstvoll gearbeiteten Klapptisch, für welchen überall der bezeichnete Preis gezahlt werden wird, empfing ein Landmann im Justizamt Diez zu Wasenbach, wodurch unsere Verloosungen in der ländlichen Bevölkerung einen guten Namen erhalten werden. Werthvolle Gegenstände kamen auch in die Hände deS Erzherzogs Stephan. Die Verwaltung unserer Gewerbehalle sieht streng darauf, daß nur preiswürdige Waaren ausgenommen werden. Besonders kann man bei Möbeln nicht vorsichtig genug sein, da es leider unsern Handwerkern oft an trockenem Holze fehlt. Wer hier unsern armen Meistern nachhaltig unter die Arme greifen könnte, würde ihr wahrer Wohlthäter sein.
Kassel, 2. Mai. (D. A. Z.) DaS geheime Kabinet, eine Art Zwischenbehörde zwischen dem Ministerium und dem Kurfürsten, von der die Verfassung nichts weiß, und die deßhalb 1848 aufgehoben wurde, ist nun wieder hergesteUt worden, vorerst jedoch noch nicht ganz in früherer Weise. Der Geh. Justizrath v. Meyer, vortragender Rath im Justizministerium, hat die Stelle eineS vortragenden Rathes im geheimen Kabinet alS Nebenstelle erhalten.
München, 2. Mai. (B. Lb.) Gestern ward für die hiesige Garnison ein Kommandantschaftsbe« fehl erlassen, welcher für die gesammte Mannschaft vom Feldwebel abwärts dreierlei Verbote enthält, nämlich: 1) Vor der Parade (also deö Vormittags bis 1 Uhr) irgend ein Wirthshaus zu besuchen; 2) an Sonn- und Feiertagen bis zum Verlesen (Nachmittags 4 Uhr) die Kasernen mit anderer Kopfbedeckung als dem Helme zu verlaffen und 3) auf der Straße mit einem Mädchen zu gehen. Wie es heißt, stehen noch mehrere KommandantschaftS- befehle in Aussicht.
Der Redaktion der „A. A. Z." kam von der königl. Kommandantschaft in München die amtliche Berichtigung zu: daß sie den oben stehenden kom-
mandantschaftlichen Befehl, die Soldaten und Unteroffiziere dürften vor 1 Uhr Nachmittags kein Wirthshaus besuchen, an Sonn- und Feiertagen bis 4 Uhr Abends nicht ohne eine andere Kopfbedeckung als den Helm die Kaserne verlassen und auf der Straße mit keinem Frauenzimmer gehen, nicht erlassen habe.
München, 3. Mai' (A. A. Z.) Nachdem am 20 April d. I. die direkte Verbindung der französischen und belgischen Telegraphenlinien hergestellt worden ist, können nunmehr auS Bayern und dem deutsch - österreichischen Telegraphenverein-Gebiete telegraphische Depeschen nach Frankfurt unterbrochen befördert werden. Vorläufig sind in Frankreich an sechSzehn Orten Stationen errichtet worden, nach welchen allein solche Depeschen aufgegeben werden können. Nachtdepeschen finden nur für Paris und Calais Beförderung.
Der griechische Gesandte Hr. Schinas ist sofort nach seiner Rückkehr von Wien nach dem Bad Gastein abgereist.
AuS Traunstein werden der VolkSbötin folgende Einzelheiten berichtet: Was die Entstehung deS FenerS betrifft, so bestärkt sich die Vermuthung der Brandlegung immer mehr. Namentlich sind auf mehreren Stellen abgebrannte sogenannte Frösche gefunden worden, welche von den Brandstiftern benutzt worden waren, um dem ersten Feuer gleich recht Nahrung zu geben. Eine Spur der Verbrecher hat man noch nicht. Größtentheils sind von dem Unglück die vermöglichern Einwohner Traunsteins betroffen worden, die sowohl in der Jmmo- biliar- als in der Mödelaffekuranz versichert waren. Am empfindlichsten sind die Verluste der beiden Advokaten Hutter und Neufchmid, welche nicht versichert waren, dann deS GerichtöarzteS Dr. Höll, der unter Anverm seine kostbare Petrefaktensamm« lung verloren hat Die ärmeren Leute, welche ab# brannten, sind nicht so viele, dagegen ihre Lage um so trauriger, weil sie wenig oder gar nicht versichert waren. Die Waaren der zur Dult anwesenden Kaufleute wurden von diesen selbst größtentheils gerettet.
Düsseldorf, 4. Mai. Die Domizil-Frage deS Hrn. F. Freiligrath ist endlich dahin erledigt worden, daß Hr. Freiligrath vorgestern in daS Ver- zeichniß der OrtSbürger ausgenommen worden ist.
Magdeburg, 4. Mai. In der gestrigen Sitzung unseres Schwurgerichtes wurde die Hochver- rathssache des Dr. med. Löwe auö Calbe an der Saale verhandelt. Wider alles Erwarten wurde er vollständig freigesprochen. Dr. Löwe war natürlich nicht erschienen; die Freisprechung erfolgte also in contumaciam,
Berlin, 4. Mai. Ob die Verfolgung der „Vier Monate auswärtiger Politik" Platz greifen wird, ist augenblicklich in SuSpenso: ebenso scheint eine Freigebung der 'Schrift v. Unruh'S bcvorzu- stehen, mit der man seitens der Regierungsorgane und ihrer Partei ein besonderes Manöver vorzuha- den scheint, indem man damit beginnt, sie über die Maßen herauszustreichen, wobei es auch an Gerüchten nicht fehlt, da sie in allerhöchsten Kreisen große Aufmerksamkeit und Anerkennung, namentlich in Betreff der Form und Erörterungsweise, finde.
Der Prinz von Preußen wird biS zum 22. d. M. wieder hier erwartet, um der am 23. staufin- denden Enthüllung der Statue Friedrichs des Großen beizuwohnen. Nach mehrtägigem Aufenthalte wird der Prinz an den Rhein und zwar über Frankfurt zurückkehren.
Berlin, 4. Mai. Alle Nachrichten, die schon jetzt über die Reise deS König nach London umhergetragen werden, dürften voreilige sein. Dagegen verlautet von einer Reise, die Sr. Maj. in Begleitung der Königin nach Warschau unternehmen wird, wohin auch der Kaiser von Oesterreich kommen soll. Der Kaiser von Rußland kommt bekanntlich in Folge der Korpsmanöver im Königreich Polen für einige Zeit dorthin. Nach dem bisherigen Plane sollte dessen Ankunft erst gegen Ende Mai stattfinven; jetzt ist eine Nachricht hier eingetroffen, der zufolge die Kaiserin schon am 12. Mai eintrifft, der Kaiser schon wenige Tage darauf. Wahrscheinlich noch in der ersten Hälfte deS MonatS wird deßhalb die Abreise deS Königs und der Königin geschehen. Man spricht von einem großen Gefolge, welches sie begleiten wird, und selbst von einem „verantwort, liehen" Minister, der sich auf dieser Reise an der Seite des Monarchen befinden soll.
Ein eigenthümlicher Vorgang in der Berliner Journalwelt macht von sich reden. Die Buchdrücke- reibender Harth und Schultze weigerten sich gestern plötzlich, den Druck der Urwähler-Zeuung beizubehalten, ja sie weigerten sich sogar, ein Zirkular, auf welchem daS nothwendig gewordene Ausfallen der heutigen Nummer den Abonnenten mitgètheilt werden sollte, zu drucken. Heute Morgen erschien in derselben Druckerei, in dem Format und mit den Typen der Urwähler-Zeitung, ja, um die Täuschung vollständig zu machen, mit den Zeichen, welche in jenem Blatte gewöhnlich gebraucht wurden, ein
neues Blatt unter dem Titel: „Der Opponent. Organ für Jedermann aus dem Volee". Hr. Harth händigte heute Morgen sämmtlichen Boten der Urwähler-Zeitung Nummern des Opponnenten ein, um sie den Lesern der Urwähler-Zeitung gratis zu überbringen; eS fand sich jedoch keiner von diesen armen Menschen bereit, diesem plumpen Maneuvre alS Helfershelfer zu dienen. Heute Nachmittags 1 Uhr (!) fanden sich in dem ErpeditionSlokale der Urwähler Zeitung mehrere Beamte der Schutzmann- schaft ein, um — den Opponenten zu konfiSziren. Sie entfernten sich anscheinend erstaunt, als ihnen gesagt wurde: der Opponent habe nichts mit der Urwähler-Zeitung zu schaffen.
Schon seit einigen Tagen sprach man viel von dem Unwillen, mit welchem die in unserem letzten Berichte erwähnte, vor der zweiten Kammer in Sachen deS Ministerverantwortlichkeitsgesetzes gehaltene Jnterpellaiionsrede SimsonS, und namentlich die Stelle, in welcher er von einem „legislativen Staatsstreiche" sprach, von der Majo.itât der ersten Kammer ausgenommen sei, und von der Satisfaktion, auf welche der Präsident der letzter» , Graf Ritt- berg, bestehen werde. Vorgestern Mittag ist nun, während die erste Kammer Sitzung hielt, bei dem Polizeipräsidenten Anzeige gemacht, daß Graf Rittberg den Professor Simson gefordert, und zwar von einem bei der ersten Kammer Dienst habenden Schutzmann, dem von einem Mitgliede derselben Mittheilung von dem Vorfall gemacht worden war. Schon auS diesen Umständen läßt sich ermessen, daß eS schwerlich zu einem Duell kommen wird, auch wenn Professor Simson die Ausforderung angenommen haben sollte.
Der von der Regierung für die Erziehung der schlesischen Typhus-Waisen geforderte Kredit ist von der zur Prüfung der Angelegenheit niedergesetzten Kommission der zweiten Kammer bewilligt worden.
Berlin, 6. Mai. Die offizielle „Oest. Corr." berichtet: „Am 12. d. werden die Sitzungen der deutschen Bundesversammlung in Frankfurt wieder eröffnet werden. Dem Auslande gegenüber wird die Frage des Eintritts der österreichischen Gesammt- monarchie in den deutschen Bund ein Hauptgegenstand der Berathungen des Bundestags bilden.
Kiel, 1. Mai. Dem Vernehmen nach geht die Zivilbehörde damit um, die Regulirung dcrPen- sionSverhältniffe in Betreff der vormärzlichen Offiziere in die Hand eines Mannes zu legen, welcher daS allgemeine Vertrauen ^deS Landes genießt; eS soll ihre Wahl auf den Obergerick'tSrath Mommsen gefallen sein, die eine sehr glückliche genannt werden muß.
Wien, 2. Mai. Der „Oesterr. Korr." berichtet r Wie die letzten Mittheilungen vom bosnischen Kriegsschauplätze vermuthen lassen, ist mit dem Falle von Bihacz daS RevolutionSvrama so ziemlich geschlos, sen. Einen wesentlichen Einfluß auf die schnell erfolgte Uebergabe von Bihacz scheinen die Verstärkungen geübt zn haben, die zu Skenderberg in der Nacht deS 26. April stießen. TagS darauf kapitu- lirte, wie bekannt, Bihacz. Die an der Grenze aufgestellten kaiserlichen Truppen hielten sich neutral. ES ist uns ferner auS verläßlicher Quelle die Mittheilung geworden, daß daS Corbonskommando die strenge Weisung hatte, sich jeglichen Einschreitens zu enthalten und die flüchtigen Insurgenten in Empfang zu nehmen. Die Aufstellung an der Grenze war lediglich durch jene Vorsicht bedingt, welche sowohl die SanitälSrücksichten alS auch der zu erwartende Uebertritt flüchtiger Insurgenten auf österreichischen Boden geboten. Im Nebligen zweifeln wir auch nie, daß eS dem ScraSlier gelingen werde, den Ausstand zu bändigen, wenn wir daS verwerfliche Prinzip berücksichtigen, für das die Insurgenten eingestanden waren.
Die „BreSl. Ztg." meldet: Der Kaiser leidet seit einiger Zeit an deutlichen Svmptomen einer Auszehrung, die bei dem schnellen Wachsthum deS Jünglings unb seiner angestrengten Lebensweise nicht eben zum Verwundern wäre; die Leibärzte haben deßhalb Sr. Maj. dringend Mäßigkeit in allen Genüssen , und namentlich Enthaltung von starken Ritten anempfohlen, da sein zarter, noch in der Entwicklung begriffener Organismus derlei Leistungen noch nicht vertragen kann, die der erstarkten Natur deS Mannes ohne Gefahr zugemuthet werden dürefn. Ein rasches Entfalten der KrankheitS- keime müsse bei der großen Jugend des Monarchen alsbald zu einer traurigen Katastrophe führen und Oesterreich ist wohl am Wenigsten in der Verfassung, Veränderungen in den höchsten Regionen zu ertragen , denn bei dem allgemeinen Umsturz aller bisherigen Lebensformen bedarf dieser Staat mehr als jeder andere in jener obersten Sphäre ein stabiles Element, unter dessen Obhut der ohnehin so schwierige Umschmelzungs-Prozeß glücklich von Statten gehen könnte.
Die österreichische Regierung fordert, wie daS „Const. Bl. a. B." berichtet, von der moldauischen durch daS Organ ihres Generalkonsulats die AuS, lieferung von 600 Personen, die sich seit einigen Jahren, sei eS als Deserteure, Militärflüchtlinge,