RaffauW Allgemeine Zeimng.
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Donnerstag den 8. Mai
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Die Nass. Allg. Zeitung mit dem W and erer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige PränumecationspreiS ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der LandgrafschaU Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes S fl. IO fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Die Londoner Gewerbeausstellung.
Deutschland. Wiesbaden (Vermählungsfeierlichkeiten, Beitritt Nassau'« zum deutsch. österreichischen Postvèrein. Zählung der in Nassau lebenden Engländer). — Hochheim (Die Erzesse der österr. Soldaten). — Idstein (VermâhlungSfeier). — Schwalbach (Die Anlagen). — Limburg (Die Gewerbehalle). — Kassel (DaS geheime Kabinet). — München (Militärbefehl. Telegraphenlinie. SchinaS. Aus Traunstein). — Dü sse l d o rf (Freiligrath).
— Magdeburg (Dr. Löwe aus Calbe freigesprochen).— Berlin (Die konfiScirten Flugschriften. Der Prinz voi Preußen. Reise des Königs nach Warschau. Profeffo Simson vom Grafen Rittberg gefordert. Der Bundestag
— Kiel (Regulirung der Pensionen). — Wien (D bosnische Aufstand. Gesundheitszustand des Kaisers. Fo
Italien. Pavia (Duell). — Turin (Differenz mit Nea Gesetze). — Fldrenz (Radetzky).
Türkei. Konstantinopel (Räumung der Donaufür thümer).
Neueste Nachrichten.
Sprechsaal für Stadt und Land.
derung an die Moldau. Fürst Karl Schwarzenberg. D Reichsrath. Die Rede des Kaisers).
Frankreich. Pjaris (Das Komite für die Verfaffun revifion. Unruhen. Der 4. Mai. Nubart Bey. DaS fängnißwesen. Larochejaquelin. Die geheimen Bülleti
Die Londoner Gewerbeansstellutzg
London, 2. Mai. Die hiesigen Morgenblätter füllen ihre Spalten mit Berichten über die gestrige feierliche Eröffnung der Industrie-Ausstellung. Der- 1 gleichen kann kein deutsches Publikum verdâen. j Jede Wolke, welche an der Sonnenscheibe vorbeAog, | wird beschrieben und registrirt, desgleichen mit svem der Herzog von Wellington gesprochen, daß Cotzden einige Zeit Auf dessen Platz gesessen, wie Jederzund Jede gekleidet war, ging, saß und sich räuschrte. Eö scheint für jede Notabilität ein besonderer Reporter gedungen gewesen zu sein, welche überwacht einen Fektbericht zusammenstelllen, der im Wesentlichen nicht mehr sagt, als wir gestern mitthefiten. Wir wollen nur Folgendes noch nachtragen: - Der Prinz von ■ Preußen führte im Zuge die Herzogin von Kent, Prinz Heinrich der Niederlande die Prinzessin von Preußen, Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen ging mit der Prinzessin Marie von Cambridge. Die ätzte deS Prinzen Albert an der Spitze der Kommission enthielt eine Uebersicht der Geschichte deS Unternehmens. Die Antwort der Königin lautete wörtlich folgendermaßen: „Mit der größten Genugthuung nehme ich die Adresse entgegen, die Sie mir bei Eröffnung dieser Ausstellung überreicht haben. Mit warmer, dringender Theilnahme hin ich dem Gange der Arbeiten gefolgt, der Sie sich in der Erfüllung der Ihnen durch das königliche Patent auferlegten Pflichten unterzogen haben, $nb es gewährt mir eine aufrichtige Freude in dem herrlichen mich gegenwärtig umgebendem Schauspiel den Erfolg zu erblicken, welcher Ihre umsichtigen und unaufhörlichen Bemühungen gekrönt hat. Von Herzen schließe ich mich dem von Ihnen zum Himmel gerichteten Gebete an, daß mit Gottes Sege-n die, seS Unternehmen zur Wohlfahrt meines Volkes und zum allgemeinen Besten des Menschengeschlechts gereichen möge, indem eS die Künste deS Friedens und die Industrie befördert, die Bande der Einigkeit unter den Völkern der Erde befestigt und einen freudigen und ehrenvollen Wetteifer in der Ausübung jener geistigen Fähigkeiten erweckt, welche von einer allgütigen Vorsehung zum Wohle der Menschheit verliehen sind". AlS hierauf Hänvel'S Hallelujah gesungen wurde, gewährte eS einen erheiternden Anblick, als der anwesende chinesische Mandarin, sich plötzlich durch die Reihèn deö diplomatischen KorpS bis zur Königin drängend, vor ihr niedersank und sie im Namen deS himmlischen Reiches begrüßte. Die Königin lächelte ihm gnädig zu. — Nach allen eingelaufenen Polizei-Berichten war im Laufe des gestrigen TageS kein ernster Unfall zu beklagen.
* * Wiesbaden, 7. April. Bei dem großen Em- ang am 1. Mai wurden Ihre Hoheit der Frau erzogin Adelheid von Nassau Nachmittags 1 hr vorgestellt: die Damen und Herren vom of, das Gesammtministerrum von Seiner Ho- eit dem Herzog selbst, von den betreffenden Chefs der Ministerien: das Generalkommando, der Generalstab, das Herzog!. Offizierskorps in Wiesbaden und Biebrich, Deputationen der Garnisonen in Weilburg und Diez, die Beamten der einzelnen Ministerial- Abtheilungen, und zwar nach den Beamten im Justizministerium der Präsident und die Mitglieder des OberappellationSgerichteS, Direktor Ebhardt vom Hofgericht zu Dillenburg deputirt, der Vorstand und die Mitglieder des HofgerichteS zu Wiesbaden , der Vorstand des hiesigen Kriminal- und Justizamtes ; nach den Beamten im Ministerium deS Innern, die Vorstände der LanveSbibliothek, des KreisamteS in Wiesbaden, der Landjägerkommandant, daS Medizinalkolleg, der Vorstand des Ober- forstamtS, des BauamtS, der Schulanstalten, der Bischof von Limburg mit zwei Domkapitularen; nach den Beamten im Finanzministerium die Vorstände der Staatskasse, der Rezeptur, deS BauamteS, der Kellerverwaltung, des Hauptsteueramtes Bieb, rich, deS Steuerkommissariats, der Vizepräsident, Direktor und die Räthe der Rechnungskammer, der Direktor und die Räthe der Landesbank, die Militär- und Zivilpensionäre.
Nachmittags 3 Uhr der hohe Adel, diplomatische Personen auS der Umgegend, die angesehenen Fremden in Wiesbaden und im Rheingau; zuerst die Frauen, darunter Frau Gräfin von Thun. Hohenstein, Ladys Cowley, Frau von Merkens, Frau v. S ch a $, Fräulein v. Bötticher, Frau v. Lignitz, Frau C. v. Bethmann (mit Fräulein v. VrintS-Treuenfeld), Frau v. Guaita, unter den Herren: Graf von Thun, Hohenstein, Lord Cowley mit den Gefandt- schaftSattachèS, Oberpräsident v. Bötticher, Gen.- Licut. v. Peucker, FML. Freiherr v. Merle nS, Generalmajor v. Sch ack, Generalpsstdireklor Freih. v. Dörnberg, Generalmajor Ritter v. S ch m er - ling, Legationsrath Freiherr v. Brenner, Lega- tionSsekretär Graf v. Szecheny, Major Freiherr v. RzikosSky, LegationSrath Graf v. d. Goltz, Kämmerer Freiherr C. v. Bethmann, Konsul v. Guaita rc., österreichische und preußische Offiziere auS Mainz.
Nachmittags fünf Uhr wurde das bei dem Herzogthum Nassau speziell accreditirte diplomatische KorpS vorgestellt: Graf v. B r i e y, k. belgischer a. o. Gesandter, Frhr. v. Menßhengen, k. k. östr. Gesandter und bevollmächtigter Minister (mit Frau Gemahlin), Hr. v. T a l l e n a y, bevollmächtigter Minister der franz. Republik mit dem Gesandtschaftspersonal, Frhr. v. Dörnberg, großh. Hess. außerordentlicher Gesandter, Frhr. v. Otterstedt, k. preuß. Geschäftsträger (mit Frau Gem.) Hr. v. Glinka, k. ruff. Geschäftsträger mit den beiden GesandtschaftSsekretären Hr. v. S t o l i p in e und Fürst Gagarine, Hr. Du Bo iS, königl. nieder!. Geschäftsträger, (mit Frau Gemahlin.)
Zu der großen Tafel waren die vorgestelllen Personen (von den nassauischen Staatsbeamten nur die Präsidenten und Direktoren (die vorgestellten fremden Offiziere bis zum Range eines Odrist) im Ganzen 110 Personen geladen; zu dem Hofball am 2. Mai sämmtliche dem Tage zuvor I. H^ der Frau Herzogin vorgestellten Personen, außerdem die Mit- gliever der hier tagenden Zollkonferenz, im Ganzen 330 Personen. Der Ball wurde im großen Rondell abgehalten, und von Ihrer Hoh. der Frau Herzogin Adelheid mit dem Prinzen Nikolaus eröffnet. Sr., Hoheit der Herzog machte den Wirth auf die liebenswürdigste Weise , der Ball endete um 4 Uhr Morgens. Gestern gab Ihre K. H. die verwiltwete Frau Herzogin den Hohen Neuvermählten zu Ehren einen Ball, der größtentheils die Gäste deS Bicb- richer HofballeS wieder vereinigte. — Vor dem Ball war daS diplomatische Korps zu einem Diner bei dem Ministerpräsidenten v. Wintzingerode vcr, sammelt.
A Wiesbaden, 5. April. „Da eS im Interesse deS Landes sowohl als der Regierung liegt, daß letztere Erläuterungen ihrer Maßregeln
und Erklärungen zu ihren Vorlagen und Entwürfen (Gesetzentwürfen) dem ganzen Volk durch Vermittlung der Presse kund gebe, eS auch oft wünfchenS- werth ist, daß falsche Angaben und Gerüchte amtlich widerlegt werden, so wird in der Folge die Regierung die Nassauische Allgemeine Zeitung zu dem Zwecke in der Art benutzen, daß in einem von der Redaktion dieser Zeitung der Regierung angewiesenen besonderen Raum unter der Rubrik: „Amtlicher Theil" solche Mittheilungen erscheinen werden, welche als Aeußerungen der Regierung anzusehen sind.
Auch sollen Dienstliche Nachrichten, wenn die Veröffentlichung derselben durch daS nicht tägliche Erscheinen des Verordnungsblattes sich verzögert, sofort vorläufig bereits in dem amtlichen Theile dieses Blattes mitgetheilt werden, damit sie um so rascher zur Kenntniß sämmtlicher Staatsbürger kommen".
So lautet der am 20. Januar 1849 aus Herzoglicher Ministeria'.kanzlei ergangene Erlaß, welcher der Nr. 19. dieses Blattes vom Jahr 1849 vorangestellt ist.
Dieser Erlaß ging nicht aus einem Kollegium von Verwaltungspersonen hervor, welche in der Lage gewesen wären, die Bedeutung der Publizität zu würdigen. Diese Verfügung wurde, wie unS verläßlich mitgetheilt ist, an allerhöchster Stelle veranlaßt, wo man gewöhnt ist, das wechselseitige Vertrauen zwischen Regierung und Unterthanen als das beste und loyalste Mittel zur Verständigung zu betrachten.
Die durch diese Verfügung eröffnete Aussicht konnte nur allgemeine Befriedigung Hervorrufen; zeigte sie doch, wie richtig die Regierung den Begriff der Oeffentlichkeit aufgefaßt, und für wie förderlich im gemeinsamen Interesse sie eS gehalten habe, wenn auf eine solche Vertrauen erregende Weise ihre Grundsätze, ihre Ansichten und Absichten den Staatsangehörigen klar und offen dargelegt würden.
Leider blieb die Wirklichkeit hinter der angeregten und vorausgesetzten Erwartung zurück.
Die Mittheilungen , welche die Regierung bis jetzt in die Oeffentlichkeit gelangen ließ, beschränken sich auf Verordnungen, Gesetze und Dienstnachrichten.
Ob eS nicht im Jutereffe der Regierung lag, die Presse auch als Vermittlerin zu benutzen, oder ob sie bisher nicht in der Lage und genöthigt war, Erläuterungen und Widerlegungen zu veranlaffen, wollen und können wir nicht entscheiden, und sind auch weit entfernt davon, dem Ermessen der Regierung in dieser Beziehung vorgreifen zu wollen. Aber durch den obigen Erlaß wurde erklärt, daß eine solche Betheiligung der Regierung an der Ocf- fentlichkcil auch im Interesse deS Landes liege. Von diesem Gesichtspunkte auS betrachtet scheint also etwas dem gemeinsamen Wohle Förder, lichcs versäumt und auf dieses Zugestândniß hin müssen wir eS unbegreiflich finden, daß selbst die nach Außen hin für Jedermann erkennbaren Zeichen der RegierungSthätigkeit erst durch auswärtige öffentliche Blätter über Berlin, Augsburg und Frankfurt zur Kenntniß des eigenen Landes gelangen.
Ein eklatanter Beweis liegt unS abermals vor.
Die herzoglich nassauische Regierung ist, wie wir auS sicherer, jedoch nicht offizieller Quelle vernehmen, nunmehr ebenfalls dem deutsch-österreichischen Postverein beigetreten; am 30. April d. J. ist der kieSfällige Vertrag abgeschlossen und werden die Bestimmungen desselben mit dem 1. Juni d. I. inS Leben treten.
Wir schreiben heute, da wir diese für den Ge- sammlverkehr so wichtige, für daS ganze GeschâftS- lebeN so bedeutungsvolle Nachricht mittheilen bereits den 7. Mai. An betreffender Stelle scheint daher noch, nicht die Ansicht durchgedrungen zu sein, daß eS für das Land von Interesse sein könnte, zur sicheren Kenntniß einer Nachricht zu gelangen., die ihre durchgreifende Wirkung im Pallaske wie in der Hütte, im Salon wie in der Werkstätte äußern wird. —
Wir wollen indessen annehmen , daß besondere und wichtige Gründe die Verzögerung dieser Mittheilung veranlaßt haben.
$ Wiesbaden, 4. März. Am 31. März dieses Jahres fand eine Zählung sämmtlicher Groß,